Podcast mit drei Leuten - welches Setup?


#1

Hallo liebe Podcast-Gemeinde,

ich bin neu hier und möchte zunächst mal ein großes Lob an die Community loswerden.
Wahnsinn, was ich in kürzester Zeit schon alles “lernen” konnte.

Dennoch habe ich mich konkret in keinem vorhandenen Thread wiedergefunden, daher möchte ich hier einmal um Rat bitten, da ich absoluter Rookie in Sachen Audio/Recording/Technik bin.

Wie so viele plane auch ich, gemeinsam mit 2 weiteren Leuten einen Podcast. Er soll stationär, abwechselnd bei einem von uns zu Hause aufgenommen werden. Da wir also zu dritt sind, würden wir drei ungern die ganze Zeit über vor einem Standmikrofon hocken. Abgesehen davon, ergibt sich mejner Meinung nach eine spannendere Dynamik, wenn man sich, mehr oder weniger, frei bewegen kann. Wir würden also gerne mit etwas mobilem, also Headsets aufnehmen. Die einzige Hardware die aktuell vorhanden ist, wäre ein aktuelles MacBook Pro (2018) und/oder ein relativ neues Windows Notebook.

Hier nun mein Anliegen: Welches Setup würdet Ihr mir/uns empfehlen, um mit drei Mikrofonen aufzunehmen? Wir nehmen wie gesagt ausschließlich indoor auf und planen auch nicht das zu ändern. Wie sitzen zusammen an einem Tisch und “plaudern”. Zwischendurch soll sicherlich auch mal ein Audiozitat o.ä. eingespielt werden.

Ich habe bisher schon einiges gelesen, allerdings nicht das passende für mich herausziehen können.
Achja, am Rande sei noch erwähnt, dass unser Budget recht eingeschränkt ist. Aktuell könnte ein jeder von uns nicht viel mehr als 100€ (+/-) locker machen.

Für ein paar hilfreiche Tipps wäre ich Euch sehr dankbar!

Gruß,

Auric


#2

ich kann immer noch das hier empfehlen:


#3

Ok, danke dafür! Das bringt mich schon mal ein ganzes Stück weiter. 2 Fragen noch, die sich mir aus dem Setup ergeben:

  1. Gibt es ein alternatives, stationäres Audio Interface, um der “Löt-Orgie” zu entgehen?
  2. Wofür genau ist der Kopfhörerverstärker, lässt es sich auch ohne den leben?

Danke schon- und nochmals!


#4

Mein Ratschlag: Verzichte auf das Headset. Ich habe nie verstandne, warum sich drei oder vier Leute, die miteinander reden wollen, mit fetten Kopfhörern voneinander abschotten sollen. Schließe an das Audiointerface einfach normale Mikrofone an (du bekommt gute Kleinkondensatormikrofone ab 40 Euro, die deinen Ansprüchen voll genügen und mit dem angesprochenen Headset locker mithalten), fertig ist das Setup. Dann brauchst du auch keine Kopfhörerverstärker und -verteiler.


#5

Er hat “Jehova” gesagt! :slight_smile:
#stimmetrotzdemzu


#6

Mit fest aufgestellten Mikrofonen ist es dann aber mit dem Wunsch sich frei bewegen zu können nicht so weit her. Aber vielleicht wäre ja der Einsatz von Nackenbügelmikrofonen die Lösung.

Einer von euch sollte allerdings trotzdem einen Kopfhörer als Monitor benutzen. Nicht dass am Ende von drei Stunden Aufzeichnung erst auffällt, dass ein Mikrofon ausgefallen war oder ein starkes Störgeräusch aufgenommen wurde. :wink:


#7

Kann da jemand von Euch ein Nackenbügelmikro empfehlen, dass nicht sofort unser Budget sprengt?
Wichtig wäre dann ja, wenn ich das recht verstehe, dass diese Mikros dann mit 48V Phantomspeisung klarkommen, oder?


#8

Also, wenn es günstig sein soll und dennoch “okay”, dann habe ich “okaye” Erfahrungen mit folgendem Setup gemacht:

Die folgende Diskussion im Thread ist richtig und zielführend. Aber ich kann mit den erwähnten Nachteilen leben.


#9

Wir haben mit den t-bone HC95 angefangen und damit gute Erfahungen gemacht.

Am Zoom H6 kannst Du übrigens auch niedrigere Phantomspannung als 48V einstellen (24 V, 12V). Einer der tollen Vorteile des H6, die es so universell einsetzbar machen.


#10

Ich fasse mal zusammen, bitte korrigiert mich, falls ich falsch liege:

SETUP 1

  • 3x HMC660X Headset + Löt-Action
  • UMC404HD Audio Interface
  • 3x Behringer HA400 Kopfhörerverstärker (wobei mir die Notwendigkeit noch nicht ganz klar ist)
  • Krokodilklemme zum Beheben des Brummens

SETUP 2

  • 3x Nackenbügelmikrofone mit Klinke Anschluss (welches Modell ist noch zu klären)
  • 3x Klinke auf XLR Adapter
  • UMC404HD Audio Interface
  • 3x Kabelpeitsche (auch hier ist mir die Notwendigkeit nicht klar)

Das ganze würde ich dann zur Aufnahmen in einem noch zu klärenden Tool (Garageband, Ultraschall, Audacity, …) über USB in mein MacBook stecken.


#11

Wie oben gesagt, ich schätze Setup 1. Es ist ziemlich günstig, und jede:r ist in der Lage sich und die anderen abzuhören, sodass meiner Meinung nach eine intimere Atmosphäre entsteht und außerdem sind alle immer korrekt zum Mikrofon positioniert, es gibt weniger den Effekt, dass das Mikrofon zu weit weg steht, man den Gain aufdreht und nen Haufen Hall mitaufnimmt.

Der Kopfhörerverstärker dient dazu, aus einem Kopfhörerausgang vom UMC404 4 Ausgänge zu machen. Du brauchst also nur einen Verstärker, dessen input geht an den Output des UMC404. In die bis zu vier Outputs des Verstärkers packst Du Deine Kopfhörer. So kann jede:r seinen Kopfhörer in der Lautstärker regeln und alle haben genug Signal. Wenn Ihr nur zu zweit seid, reicht oft auch ein Y-Splitter für Kopfhörer, dann ist aber die maximale Lautstärke begrenzt. 3 oder mehr Kopfhörer kann man nur selten so versorgen - deswegen der Kopfhörerverstärker.

Es gibt auch ein alternatives Interface: das Zoom H6. Das kann die HMC660 ohne Lötnotwendigkeit versorgen, kostet aber 3 mal so viel wie das UMC404. Der Tradeoff für ein wirkliches günstiges Einsteigerset ist eben das Gefrickel mit dem Lötkolben - dafür bezahlst Du aber eben auch nur 39 statt 250 € pro Headset und 100 statt 350 € für das Interface. Mehr Geld erkauft Dir mehr Convenience.

Ohne Monitoring aufzunehmen, finde ich selber nicht sinnvoll, aber das ist Geschmacksache. Ich fürchte zu sehr, dass bei Tischmikros und ohne Kopfhörer die Sprechenden es sich irgendwann bequem machen, sich zurücklehnen und dabei nur sehr unzureichend ins Mikrofon reden. Es gibt einen Grund, warum die Pritloves und Banse/Burmeyers dieser Welt Headsets einsetzen: es klingt einfach zuverlässig besser.

Natürlich gibt es auch die “neue Generation” an Podcastern, die stellen sich ein USB-Mikro oder ein iPhone auf den Tisch und dann wird reingequatscht und das geht auch, und das klingt auch nicht immer grottig (außer das iPhone auf ner Tasse im leeren halligen Raum. Schon so gehört, das ist glaube ich die schlechtestmögliche Variante). Es ist aber einfach fehleranfälliger und früher oder später kommt die Folge, die beginnt mit “Oh wir hatten dieses tolle Gespräch, aber leider hat sich ein Fehler eingeschlichen, wir hoffen, Ihr entschuldigt die schlechte Tonqualität”.

Und zu Nackenbügeln kann ich nix sagen, ich weiß die haben Fans da draußen, ich gehöre mangels Erfahrung nicht dazu. Wenn die signifikant teurer als das HMC660 sind, würde ich sie nicht nehmen.

NACHTRAG:
Und wenn Du eh eine neue Software lernst: Nimm Reaper+Ultraschall. Damit hast Du alles, was Du brauchst und mehr. Lass Audacity und GarageBand einfach sein.


#12

Wenn Du die t.bone HC-95 nimmst, brauchst Du keine Klinke auf XLR-Adatper. Es sind XLR-Stecker dabei. Wenn Du magst, kannst Du ein wenig benutztes Set mit 2 Stück von mir bekommen. Für 45 EUR zzgl. Versand.

Wenn Du Dich für die HMC660X entscheidest, dann würde ich das Zoom H6 als Rekorder/Interface dazu empfehlen. Damit entfällt das Lötgebastel, da Du die Phantomspannung beim H6 auf 12 V einstellen kannst. Das H6 hat meines Erachtens auch die etwas besseren (rauschärmeren) Eingangsverstärker. Und mobil ist es auch. Das UMC404HD ist eher was für den stationären Einsatz.


#13

Also wir nutzen das H6 mit 4 HMCs und sind mega zufrieden. Man muss nicht löten können und kann eingentlich direkt loslegen bei top Qualität! Sobald du keine Headsets benutzt, bist duu weniger mobil und du musst dich wirklich anstrengen, immer ins mikro zu sprechen. Selbst wenn du es kannst - spätestens ein Gast könnte es vlt nicht. Dazu kommt Spinne und Stativ, also deine Tasche wird größer und weniger mobil.
Wir hatten Sorge, das Gäste zu Beginn das Headset doof finden - Fehlanzeige! Alle Profs setzen es ohne Murren auf und wir haben durch den Verstärker die Möglichkeit uns zu hören und damit eine recht “intensive” Gesprächsrunde zu haben. Klar, wenn du bisl schnacken willst, brauchts das nicht, aber wenns wirklich harte Themen sind, dann ists völlig okay.

Was ich auch vorteilhaft finde: Durch das Abhören höre ich Störgeräusche direkt und kann die Stelle in Ultraschall während der Aufnahme markieren. Das erleichtert die Post-Production erheblich.

DAW: NIMM ULTRASCHALL! Guck dir die Videos an, es zieht dir die Hosen aus. Top Programm, wenn du die SHortcuts drauf hast, bist du ruckzuck durch mit Bearbeitung, es kommen gute Ergebnise bei rum. Trotzdem wir es evtl. nicht müssten, ziehen wir unsere Aufnahmen immer nochmal durch Auphonic.

P.S. Ich fand zu Beginn das H6 mega teuer und dachte “naja, für ein bisl podcasten ist das vielleicht zu hart”. Ich würde nie wieder was anderes holen. Weil ich erstens damit in super Qualität und günstigen Headsets aufnehmen kann. Ich kann mir alle erdenklichen Mikros dazukaufen und sie laufen, weil ich einfach die Möglichkeit habe, die Phantomspeisung an- und abzuschalten. Für mobile Aufnahmen auf Kongressen häng ich mir das Teil um und läuft auf Batteriebetrieb. Und: Ich nutze es als Audio-Interface für Instrumentenaufnahmen. Also Rundum top Entscheidung.

Wenn ich mobil losreise, hab ich einen kleinen Reiserucksack bei (kein Auto). Da sind alle Kabel, alle Geräte und 2 Headsets drin. Läuft :slight_smile:

LG, Christian


#14

Wow, so langsam hab ich ein Bild von (m)einem Setup.

Sehe ich das richtig – bei meinem Setup 1 könnte ich doch auch die besagten t.bone HC-95 nutzen. In dem Falle würde die “Löt-Orgie” ja auch entfallen, oder?

Übrigens: @fotophonie evtl. hätte ich Interesse, ich komme dann noch mal auf dich zurück :slight_smile:


#15

Ja, genau. Das ginge. Aber darf ich Dir nochmals das Zoom H6 ans Herz legen? :wink: Und Reaper/Ultraschall. So wie die anderen hier im Thread auch schon.

Mein Angebot bezüglich der t.bone HC95 steht.


#16

Das t.bone HC-95 erscheint mir mitterweile wirklich nicht uninteressant. Liegen die beiden also das t.bone und das HMC660 in Sachen Klangqualität sehr weit auseinander? Hat da jemand Erfahrung?

Und: Für den Fall das es das t.bone wird, benötige ich dann immer noch den besagten Kopfhörerverstärker? (Ob nun mit dem Zoom H6 oder dem UMC404HD Audio Interface)


#17

wenn du mehr als zwei kopfhörer zum monitoring anschließen willst, brauchst du einen kopfhörerverstärker


#18

Nein, die klingen relativ ähnlich. Oder zumindest in einem Bereich, den man mit etwas EQ angleichen kann.


#19

Zum Thema „welchen Klang kann ich erwarten“ lohnt vielleicht sich auch hier mal durchzuklicken:


#20

Ein paar Gedanken von mir zum Thema:

  1. Du hast was von 3x Kopfhörerverstärker geschrieben, aber Du bräuchtest natürlich nur einen Viererverstärker wenn Du die Headsets (oder Kopfhörer zum Abhören) verwendest. Ich finde das Modell hier etwas besser als das empfohlene Behringer:

Ein Viererverteiler bringt weit mehr Leistung als ein einzelner Ausgang der mehrere Kopfhörer befeuern muss. Außerdem kann jeder Teilnehmer nach eigenem Belieben die Lautstärke anpassen. Bei gleichen Kopfhörermodellen evtl. nicht ganz so wichtig (es sei den die Ausgangsleistung reicht nicht) aber essentiell sobald unterschiedliche Kopfhörertypen am Start sind.

  1. Falls ihr mit den Nackenbügelmikros arbeiten wollt, dann sollte zumindest einer von euch mit In-Ears etc. (was auch immer bequem zum Mikro passt und geschlossen ist) das Gespräch abhören. Irgendwas ist immer, Handygeräusche etc., und das kriegst Du nur mit, wenn Du die Aufnahme aktiv mithörst. Wenn das nur einer macht und keine Headsets genutzt werden (bei uns der Fall), dann kannst Du dir den extra Kopfhörerverstärker sparen.

  2. Ich finde das HMC660 durchaus ok, aber drei Handmikros haben durchaus auch was wenn ihr etwas Mikrodisziplin mitbringen wollt. Ich empfehle da das Rode M2 als günstiges Kondensatormikrofon (so 70-80 pro Stück) das recht gutmütig ist bei Griffgeräuschen und ähnlichem. Aber jedem das seine/ihre: Ich persönlich bin mit Headsets bisher nicht warm geworden (Die Beyerdynamic Klassiker in dem Fall) und kein Fan von einer Lösung die störanfällig ist und Bastelei voraussetzt (HMC660). Ich habe aber auch kein Problem damit ein Mikrofon 3 Stunden lang in der Hand zu halten :sweat_smile:

  1. Wenn ihr das HMC660 dennoch nehmen (spricht ja viel dafür) aber nicht selbst basteln wollt, dann gibt es immer Leute die das für euch machen können. Gibt ja hier und da Podcastertreffen und dergleichen. Also nicht vom Löten abschrecken lassen, da finden sich immer Leute die gerne die Lötarbeit machen :slightly_smiling_face:

  2. Das Zoom H6 ist fein, weil Du erstmal ohne Laptop aufnehmen kannst, es mega transportabel ist und ohne Netzteil mit Strom versorgt werden kann (Powerbank geht super!). Ich finde das ungemein praktisch. Aber das Behringer Interface sollte zum Start reichen. Und so praktisch das H6 ist, die Preamps und der eingebaute Kopfhörerverstärker sind echt ok aber werden problemlos von günstigeren Interfaces wie dem Scarlett 2i2 geschlagen. Du bezahlst in erster Linie für Kompaktheit, Netzstrom und Laptop Unabhängigkeit, nicht für perfekten Klang.

  3. Ultraschall ist Garageband und Co. vorzuziehen. Gerade für den Schnitt und das Mastering habt ihr alles was ihr braucht.