Podcasts und Bezahlschranken


#1

Bezahlschranken (Paywalls) für Podcasts, also das Verkaufen von Podcastinhalten (im Fall von Streamingangeboten vielleicht auch nur noch des temporären Zugangs). In Deutschland haben eine Reihe von Spielepodcasts damit seit etwas mehr als einem Jahr beachtlichen Erfolg und natürlich gibt es Podcasts, die nur noch über kostenpflichtige Plattformen verfügbar sind. Ich denke, das Thema bleibt uns erhalten, deshalb dieser Thread für die allgemeinere Diskussion.


Gibt es da nicht schon Threads zu? Jein, bei:


Das große Sendegate-FAQ
#2

Und der erste Debattenbeitrag dazu die aktuelle Folge der Monowelle:

Das Thema wird ab 11:30 besprochen.


#3

Ich habe übrigens das Gefühl, dass Paywalls auch im englischsprachigen Podcastbereich noch relativ neu sind. Hier ist zum Beispiel ein Artikel vom Irish Independent aus dem Februar, wo ein populärer Sportpodcast ein solches Modell ausprobiert:

[quote]In a move that will be closely watched in Irish media circles, the
sports podcast ‘Second Captains’ is to begin charging users €5 a month
for a new ‘World Service’ edition.[/quote]


#4

Haben sicherlich viele mitbekommen, Lage der Nation hat es während der Sommerpause des Podcasts auch mal mit exklusiven Inhalten für “Plus”-Abonnenten probiert. In LdN 065 ziehen sie ein Fazit (ab 1:35:30). Kurz gesagt, sie halten Bezahlschranken für Informationsinhalte für ungeeignet und wollen in Zukunft darauf verzichten.


#5

Naja, deren Versuch war ja anders gelagert. Sie haben schlicht gekürzte Fassungen veröffentlicht und die vollen Interviews dann den Premium Hörern vorbehalten. Mitten um Gespräch abzubrechen kam dann bei den Hörern überhaupt nicht gut an und das wars dann.

Ich denke mal es ist wie so oft: Wenn Du schon über so ein Modell nachdenkst, dann musst Du auch die Spielregeln anpassen. Premiuminhalte können eine Menge Sinn machen, wollen aber extra produziert werden. Einfach ein Interview in der Mitte auseinandersägen ist da einfach nicht genug…

//D


#6

Also Anfüttern ist eine erprobte Methode, um dich hinter die Bezahlschranke zu locken. Sie ist nur äußerst unbeliebt…


#7

Das mag so sein. Ist auch eine erprobte Methode um alle anderen loszuwerden, also genau die, die Dir Deine Reichweite geben. Ohne die finden keine neuen Hörer hinter Deine Bezahlschranke, denn ohne die gibt es kein Feature in iTunes, keine Neuhörer via Empfehlung, keine Werbeeinnahmen und auch sonst keine Möglichkeit Leute zu mobilisieren.

Sprich - Anfüttern will gaaaaaaanz vorsichtig getan sein und speziell die Lage hat den Holzhammer ausprobiert :slight_smile:

//D


#8

PW Radio (http://www.pwradio.de) macht das schon eine Weile ziemlich erfolgreich über http://www.patreon.com/powerwrestling wobei das exklusive Episoden, zusätzlicher Inhalt, früherer Zugang bis hin mit Abo für das Printmagazin beinhaltet. Gut machen sie, daß man sich als Freihörer nicht verarscht vor kommt und man dennoch unterhalten undi informiert wird.


#9

Sehe ich im Prinzip genauso. Wenn man eine Probe abliefern will, sollte sie in sich geschlossen sein. Das kann man im Sinne der Unterstützung der Kaufentscheidung auch als Entgegenkommen verstehen anstatt als Köder. Ein Abbruch mitten im Inhalt, erzeugt dagegen ein unangenehmes Gefühl.

Allerdings ist es schon interessant, dass das “Anfüttern” in anderen Bereichen eher hingenommen wird. Bei Onlinezeitungen etwa, kann man die ersten Absätze eines Premiumartikels oft lesen und muss dann den Rest kaufen. Das scheint mir akzeptierter. Mag aber daran liegen, dass man wesentlich weniger Zeit in das Lesen steckt. Zugegeben auch da “lernt” man einfach den Premiuminhalt komplett zu meiden, wenn man entschlossen ist, nicht zu bezahlen. So wäre das bei den Audiostücken sicherlich auch, ein weiterer Grund warum ein freies Angebot geschlossen sein sollte.


#10

Interessantes Problem: Mit einer Bezahlschranke macht man sich bei bestimmten Plattformen möglicherweise unbeliebt.


#11

Also wir machen das beim grauen Rat so, dass unsere regulären Folgen kostenlos sind und das auch bleiben, aber für die Patrone Zusatzmaterial angeboten wird. Da gibts dann zB für jede Folge die Outtakes oder bis zu 30 Minuten mitgeschnittene Preshow, bevor der “richtige” Aufnahmeknopf gedrückt wird. Wir verdienen uns damit nicht dumm und dämlich, aber es reicht locker, um unsere laufenden Kosten zu decken und den inzwischen kostenpflichtigen mixlr Kanal zu buchen.
Mein Credo ist: Der Haupt-Content muss frei bleiben, aber Bonus kann auch hinter die Bezahlschranke


#12

Vielleicht kannst du erläutern, warum das für dich ein Muss ist?


#13

Passt auch hier mit rein:

[quote=“timpritlove, post:27, topic:5860”]Ich stehe Paywalling sehr skeptisch gegenüber, aber genau diese Modelle entwickeln sich auf dem Markt derzeit stark voran. Das fördert natürlich einen The-winner-takes-it-all-Effekt, da populäre Angebote exklusiv bezahlt werden und die Leute am Ende weniger Geld für den Rest des Marktes übrig haben. Entsprechende Kommentare erhalte ich seit einiger Zeit auf Twitter (siehe z.B. https://twitter.com/Tifftoffo/status/913641971843035136 )
[/quote]

(Anmerkung: In dem Tweet wurde nach einer Zusammenlegung der Finanzierungsmöglichkeiten einer Reihe von Podcastern, darunter auch Tim, gefragt.)

Das hatte ich den “Ruf nach der Flatrate” genannt. Den Wunsch gab es für die Spielepodcasts auch schon.

Auch ein interessantes Problem: Hat man erstmal seine Plattform sinkt vielleicht die Bereitschaft andere Formen der Finanzierung zu unterstützen.


#14

(sorry, schon wieder umkopiert)

Ich habe einen Podcast aus der Reihe wegen Spotify woanders erwähnt, aber es ist auch das erste richtige Beispiel für die Verwendung eines Freemium-Modells, das mir untergekommen ist:

https://www.digitalkompakt.de/podcasts/

Man kann sich natürlich darüber streiten, ob die meisten Podcasts, die einen Teil ihrer Inhalte hinter eine Bezahlschranke stellen, nicht im Endeffekt ein Freemium-Modell haben. Ich würde hier eine gewisse Trennung vornehmen. Meistens handelt es sich um “Bonusinhalte” für Unterstützer, die eher den Charakter eines Dankeschöns haben.

Etwas schrullig ist, dass The Pod, die über Patreon/Steady ein ganzes Audiomagazin anbieten, da auch immer noch von Bonusinhalten sprechen. :thinking: Das ist aber im Prinzip das Gegenmodell: Ein Vollprogramm gegen Bezahlung.

Aber bei den Digital kompakt-Podcasts gibt es eine sogenannte “Director’s Cut”-Version (+10-20%), in der man dann zum Beispiel von einem Interview noch etwas mehr bekommen kann, wenn man über Patreon Unterstützer wird. Das hat vor einer Weile Lage der Nation mal versucht und es wurde sehr negativ aufgenommen (siehe oben). Ich vermute hier funktioniert es wegen dem Geschäftskontext, man ist gewohnt, dass man einige Informationen bekommt und dann für Vertiefung bezahlt. Die Zerstücklung von Inhalten macht für mich den Freemium-Charakter aus. Laut Graphtreon sind sie über ein Jahr dabei, hohes Wachstum gab es allerdings nicht.