Hallo Tim,
ich stehe immer mal wieder im Austausch mit Sebastian Esser, und ich denke, du auch, und ein paar Dinge stimmen hier so nicht wirklich.
Was du unterschlägst: Wenn du gegenüber steady 19% Umsatzsteuer berechnest, legen sie dir diese oben drauf. Die Rechnung geht also so:
von 100€ gibt steady 19€ an das Finanzamt und behält selbst zehn. Bleiben 71 für dich. Auf diese 71% legt steady noch die USt. drauf, die du selbst zahlen musst - nehmen wir mal 19% (jaja, viele haben 7% - in Zukunft wird ja vielleicht hier endlich einmal Klarheit geschaffen http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/jean-claude-juncker-nur-7-prozent-mehrwertsteuer-fuer-online-zeitungen-a-1032474.html; diese 7-oder-19-Diskrepanz ist IMHO das eigentliche Problem). Diese 19% legen sie dir noch drauf, bleiben also nicht 69,03 €, sondern 84,49 € - klar: Die musst du jetzt wieder versteuern - aber das musst du bei allen anderen ja auch. deine Beispiele hinken also an genau dieser Stelle. Ja, am Ende hast du nur 71€ von den 100 - aber da ist die USt. dann schon gezahlt. Gleiches gilt für patreon. wenn du bei flattr, SEPA, PayPal noch die USt. abziehst, hast du wirklich vergleichbare Zahlen.
Womit ich zu deinem Satz “die einzige seriöse Plattform, die die Spender und Empfänger nicht bescheisst” komme:
wenn flattr 10 % behält dann ist die Vergleichsgröße mit steady eben, dass du noch Steuern zahlen musst. sind das 19%, hast du doch bei flattr am Ende genauso viel übrig, wie bei steady, oder? nur bei 7% macht sich der Graben auf (dann behältst du bei flattr 83,70, bei steady nur 71). Das heißt doch aber, dass es von der gezahlten USt. abhängt, wie viel dir verloren geht, richtig?
bei SEPA pur und 19% sind es dann 81 vs 71.
usw…
Die Lizensierung der Inhalte - so stellt Sebastian es zumindest dar - ist wohl notwendig für steady, um sich abzusichern, denn sie sind ja eben kein Money Agent, sondern eher Kiosk.
die Lizenzierungsgeschichte aufgedröselt (steht eigentlich alles in den AGBs, aber ich kopiere es mal hier her) - wichtig: Ich bin keine Juristin oder Steuerfachangestellte oder sonstwas in der Art, ich schreibe nur, wie ich es verstehe!:
> "Steady ist eine Abo-Plattform, über die Sie Abonnements verschiedener Publikationen erwerben können, beispielsweise um eine Publikation zu unterstützen oder um exklusiven Zugang zu einer Publikation zu erhalten."
es geht also um Abos, damit ist steady kein Money-Agent, sondern ein Verkäufer. Man kann aber nur verkaufen,was einem irgendwie gehört…
> "Der Lizenzgeber überlässt dem Lizenznehmer über einen digitalen Kiosk digitale Inhalte im Abomodell unter Einräumung bestimmter, in diesen AGB genauer geregelter, Nutzungsrechte („Abos“)."
damit fungiert steady eher wie der Kiosk für Zeitschriften und Zeitungen im iPhone, wo du via apple ja auch teilweise Abos kaufen kannst.
genauer wird das dann noch einmal hier ausgeführt:
> “Der Lizenzgeber bezieht, wie in § 2 ausgeführt, seinerseits die digitalen Güter von den Urhebern der digitalen Güter. Der Lizenzgeber ist reiner Wiederverkäufer. Sämtliche digitalen Inhalte stammen nicht von dem Lizenzgeber, sondern alleine von den Publishern. Die Identität der jeweiligen Publisher finden die Lizenznehmer im Impressum auf den Unterseiten. Der Lizenzgeber vermittelt die Inhalte nur und stellt Lizenzen bereit. Die digitalen Inhalte geben nicht die Meinung/Auffassung des Lizenzgebers und/oder von dessen Mitarbeitern wieder. Der Lizenzgeber macht sich die fremden Inhalte ausdrücklich nicht zu eigen.”
wie ich es verstehe: Innerhalb von steady gibt es eben eine Lizenz, aber diese hat keine Auswirkungen auf deine Urheberschaft und du kannst weiterhin bestimmen, welche eigene Lizenz zu benutzt.
was ich für die subscribe wirklich interessant fände: Wenn diese Sachen von den Leuten von steady erklärt würden, also Konfrontation mit deiner Kritik, steady bezieht Stellung und idealer Weise noch ein Jurist, der sich wirklich auskennt. Im Moment ist mir das alles zu viel Geraune und die Zahlen, die gerade durchs Netz geistern, stimmen so halt auch nicht wirklich. Wenn man möchte, dass Leute eine informierte Entscheidung treffen, macht es die Sache sicher leichter, wenn man wirklich alle Pros und Cons korrekt hat. Ich bin in den letzten Wochen ein wenig durchgeschüttelt, weil von dir, von Holgi und allen Seiten gerade viel durcheinander geredet wird, was diese Dinge angeht und mir schwirrt langsam der Kopf. Es wäre total toll, einfach das Für und Wider ein für alle Mal zu kennen.
LG
Kadda
PS: Ich werde von steady nicht dafür bezahlt, das hier zu schreiben. Ich stehe nur seit Anfang an in engem Austausch mit Sebastian Esser, finde deren Projekt untestützenswert, denn es nutzt mir mehr, als es mir schadet (15% (bei 19% USt., 24%, wenn man 7% USt. angibt) gehen “verloren” - aber das ist bei meiner Literaturagentur das gleiche) und ich sehe als Nutzerin von steady derzeit das Problem, dass es den Leuten schlecht geredet wird, was schädlich sein kann, wenn man selbst grade ne Kampagne laufen hat, um Geld einzuwerben. Kritik finde ich super, darum geht es nicht - aber ich hätt’s gern korrekt. und die 70%, von denen grade alle reden, sind es schonmal so nicht.