Die 57,6 Mio Radiohörer täuschen darüber hinweg, dass nur ca.5% Radio übers Internet hören. In diesen 5% liegt das unmittelbare Podcasthörerpotential. Da schrumpft das Potential schon auf 2,9 Mio. Davon musst du nochmal diejenigen abziehen, die nur Musik hören und m.E. auch die, welche gern kurze knackige Formate bevorzugen, z.B. wie den Explikator. Das sind nämlich die Informationsformate, welche die Radios zu Hauf als Podcasts anbieten. Wir Privatpodcaster stellen uns mit solchen Formaten direkt in Konkurrenz zum Radio. Während dein Explikator ohne Weiteres im Radio gespielt werden könnte, würde die Mehrheit der Privatpodcasts gegen die Profimaschinerie nicht bestehen. Bei kurzen knackigen Unterhaltungsformaten tritt dann auch wieder die Youtubekonkurrenz auf den Plan. Es gibt eine Hörerschaft für die langen Diskursformate, welche damit im Podcast etwas findet, was sonst niemand anbietet: stundenlange Dialoge. Das ist eine kleine Bevölkerungsgruppe und die trägt m.E. den Großteil der Podcastszene.
Beim Radio kommen noch psychologische Momente hinzu, wie ich sie hier für plausibel erklärt halte. Nicht aktiv suchen zumüssen, scheint sehr attraktiv zu sein. Ebenso die Strukturierung des Alltags. Nur ein Verdacht, aber ich könnte mir denken, dass aus diesem Hörerkreis die großen Kritiken kommen, wenn mal eine Folge ausfällt. Bei Hoaxilla haben solche Trolle ja hart getobt und Hoaxilla rekrutiert nach eigenen Angaben seine Hörerschaft zu großen Teilen aus Personen, die sonst nicht viel Podcasts hören. Der Soziopod hat viele Hörer verloren, nachdem nicht mehr regelmäßig gesendet wurde. Diese Regelmäßigkeit, mit der jene Radiohörer abgeholt werden können, welche über Medien ihren Alltag strukturieren, können Privatpodcaster nur bedingt liefern.
Die 2,9 Mio potentielle Hörer werden also schonmal drastisch reduziert. Und der Rest, soll so aufgeteilt werden, dass jeder Podcast 10.000 Hörer bekommt? Da wird es wohl zu starken Überschneidungen der Hörerschaft kommen und das bedeutet, je länger und öfter ein erfolgreicher Podcaster sendet, desto mehr nimmt er anderen die Hörer weg. Was jetzt auch schon der Fall ist. Denn die Zeit, die jemand zum Konsumieren hat, ist halt nicht unbegrenzt.
Zu Youtube: das halte ich für einen relevanten Faktor für die Podcastbetrachtung. Zum einen werden dort gezielt Informationen gesucht, welche auch Podcasts anbieten, zum anderen prägt Youtube den Medienkonsum und die Nutzererwartung. Auf Youtube gibt es inzwischen durchaus Podcastähnliche Formate, die lediglich mit Fotoslideshows unterlegt sind. Das nennt man dort aber nicht unbedingt Podcast, sondern auch nur Video. Das könnten Podcaster ebenso halten, zumindest diejenigen mit kürzeren Episoden, und zusätzlich einen Feed ausgeben. So wären beide Sphären bedient. Zudem versteht jeder, wenn man sagt “Ich biete Unterhaltung oder Bildung auf Youtube an.”, statt “Ich mache einen Podcast/Internetradio/Webradio.” Zudem ersetzt Youtube bei Jugendlichen zunehmend das Radio.
Die 20% sind so eine Größe, die du bei Google unter Lerntypen immer wieder findest. Vielleicht ist sie aber auch ohne empirische Basis. Jedoch wird Bild+Audio sicher eher geklickt als nur audio, sofern man die Wahl hat. Ist für meine Argumentation aber nicht ausschlaggebend.