Radio Stimme mit BBE Sonic Maximizer

Hallo,
ich wollte mal fragen, wie ihr es mit der „Radiostimme“ haltet.

Viele „indie“ Podcasts klingen ja eher roh, was den Sound angeht. Also mit Auphonic oder Ultraschall auf -16LUFS gebracht und fertig. Vielleicht noch ein paar Probleme mit dem EQ entfernt und einen Deesser drauf - und das wars meist schon.

Die meisten „durchproduzierten“ Podcasts und Radiobeiträge klingen jedoch „aufpoliert“ - besonders die Bässe und die Höhen sind nicht einfach mit dem EQ angehoben sondern klingen definierter.

Diesen Effekt erzielt man, indem man Harmonics generiert. Dafür benutzt man für gewöhnlich Exciter. Die bekannteste Version (Aphex) hat Rode gerade in seinem Rodecaster Pro verbaut. Andere Hardware Varianten wären der originale Aphex Aural Exciter und Big Bottom, aber zum Beispiel auch der BBE Sonic Maximizer. (Link: Herstellerseite)

Plugins in die Richtung gibt es auch einige, aber die meisten davon erscheinen mir ziemlich kompliziert. Da wären unter anderem: Waves Vitamin, Waves Aphex Aural Exciter, Waves MaxxBass und Waves LoAir.

Ich hab gerade mal ein wenig mit der Demo vom BBE Sonic Maximizer (Demo Download: BBE Sweet Sonic VST) rumgespielt und war erstaunt, wie gut dieses Teil klingt und wie unkompliziert es sich bedienen lässt. Ich hab mich die letzten Wochen ziemlich mit dem EQ abgemüht um die Höhen und Bässe meiner Podcasts in den Griff zu bekommen und wäre dankbar gewesen eher von dem BBE zu hören. Damit war der gewünschte Effekt quasi mit 2 Klicks erzielt. („LoContour“ auf 2.5 bis 3.0 - „Process“ auf 4.0 bis 5.0)

Die Demo hat nur die Einschränkung, dass man keine Presets speichern kann und ein Session Recal kann nicht durchgeführt werden. Sonst scheint sie bisher unbegrenz nutzbar zu sein (Export möglich, keine Zeitliche Begrenzung, …)

Die Möglichkeit diesen Radio-Stimmen Effekt auf den eigenen Podcast anzuwenden besteht also quasi für lau und das noch dazu in ziemlich guter Qualität.

Die Frage ist, was spricht dafür und was dagegen?

Mir persönlich gefällt der Sound, wenn man ihn dezent einsetzt und nicht übertreibt.

Wie seht ihr das?

Grüße

5 Like

Hey, ich hab von den technischen Details null Peil. Aber meine Stimme gewinnt deutlich. Danke für den Tipp!

1 Like

Hammer! Habs jetzt wirklich mal ohne rumprobieren mit deinen Vorschlägen versucht und es hört sich besser an als mein mühsam zusammengeklopfter EQ (mit dem ich eigentlich inzwischen recht zufrieden war.) Ich liebe diesen Broadcastsound und hatte dafür ja auch schon mal ein Thema aufgemacht:

Dein Tipp ist genau das, was ich gesucht habe. Weißt du zufällig, was die Vollversion kostet? Bitte, lass das nicht den Haken sein :smiley:

Danke vielmals dafür!

P.S.: Hast du schon versucht, ob man mehrere Spuren damit auch auf dem gleichen LUFS-Level rauskriegt?

2 Like

249 USD auf Anbieterseite

Nein, man sollte immer vorher den Dynamics2 auf der Spur haben, damit der Pegel stimmt. Der BBE macht nicht Lautheit, er macht eher Klarheit würde ich sagen.

Und man sollte diesen Effekt wirklich nicht übertreiben - das kann bei billigen Kopfhörern dazu führen, dass man das Gefühl hat jemand steckt dir Stecknadeln ins Ohr.

Mir reicht die Demo, denn das Teil kommt bei mir einfach auf den Master vor den Limiter und fertig. Ist mit seinen 2 Parametern auch schnell wieder eingestellt - deshalb fehlt mir die Recall Funktion der Vollversion nicht.

Wer trotzdem die Vollversion kaufen will - gibts bei Thomann für knapp 200€.

Edit: und mich würde wirklich eine Diskussion zu dem Thema „Durchproduzierte Radiostimme“ und „Clean Indie Audio“ interessieren.

Hintergrund: mich strengen Podcasts wie „Hotel Matze“ oder bspw. „WG Wesensfremd“ an weil der Effekt dort total übertrieben zum Einsatz kommt. Ich hab das Gefühl, gerade beim Hören über InEar Hörer ermüdet das mein Gehör extrem.

Podcasts, wie die Freakshow und auch einiges, was man hier so hört klingt nicht so überproduziert - was bedeuten soll, dass schlicht noch Mitten da sind - und ermüdet auch nicht so schnell beim Hören.

Andererseits gibts eben auch immer wieder so unaufgeräumte Podcasts, dass die Verständlichkeit flöten geht.

So zumindest meine Beobachtungen.

Ah, ich dachte, die Demo wäre zeitlich begrenzt. Aber um so besser

Und zur Effektkette: du legst das auf den Master NACHDEM du Dynamics auf allen Spuren angewendet hast?

Genau.

Normalisierung auf -23Lufs und dann:

Channel FX:

  1. LowCut bei 80hz
  2. Ultrashall Dynamics2 bei -16Lufs

Master FX:

  1. BBE Sonic Maximizer (Lo: 2.5 - Prozess: 4.0)
  2. Limiter bei -1db damit die MP3 zum Schluss noch was zu atmen hat.

Und das sollte es eigentlich gewesen sein.

3 Like

Sehr interessante Diskussion hier… Bei Thomann habe ich gerade dieses PlugIn gefunden, kann es aber noch nicht einordnen vom Leistungsumfang her gesehen:

Wie im Eingangspost geschrieben ist es eine gute Emulation des Aphex Exciters (generiert Harmonische Obertöne).

Hier fehlt aber die Emulation des Aphex Bog Bottom (für das LowEnd, das bei der Radiostimme gern geboostet wird).

Im BBE ist quasi beides enthalten.

1 Like

Ah, okay. Dankeschön.

Was mögliche Auswirkungen angeht, sollten immer mehr Podcaster*innen sowas nutzen, bin ich vollkommen entspannt. Die Qualität wird doch gefühlt besser, oder? Den Effekt einer schnelleren Ermüdung kann ich bei mir zumindest überhaupt nicht feststellen. Und klar, es ginge natürlich mehr und mehr das „Ungeschliffene“ verloren. Positiv gesagt könnte man aber auch sagen: genauso wie jetzt eben viele ihren Kram nachträglich noch bei Auphonic hochladen, um Lautstärke zu leveln oder bestimmte Knarzer rauszubügeln, wäre das dann eben die nächste Stufe. Finde ich überhaupt nicht schlimm. Im Gegenteil: das gesamte Sendegate, alle Diskussionen hier, die inzwischen entstandenen „Quasi–Standards“ in der freien Podcastszene zeigen doch, wie toll sich eine „Professionalisierung“ des Sounds entwickelt, ohne dass irgendwer zu irgendwas gezwungen wird. Und vielleicht kommt gleich jemand und sagt „ich finde diesen Effekt aber doof, weil…“ und dann hat man eben zwei Meinungen und am Ende machen sich die Menschen hier ihr eigenes Bild. Und die Hörenden ja sowieso durch Bevorzugung des einen oder des anderen Formates. Finde ich total okay. Ja, kann sein, dass sich durch so etwas die Eintrittsschwelle für Newbies in die eigene Produktion erhöht, aber auch da gibt es ja auch wieder Hilfsmittel wie Ultraschall, die bestimmte Effekte irgendwann einfach nahelegen oder voreinstellen.

2 Like

dBfs oder dBTP?
Nicht nur, aber insbesondere beim Einsatz von mp3-Dateien ist das u.U. entscheidend.
Bei dBfs bleibt in aller Regel nicht mehr viel…

= headroom übrig. Ist ein Erfahrungswert bei Vergleichen zwischen dBfs und dBTP in Musikdateien. :wink:

Mit der Klangverfärbung hinsichtlich einer sogenannten „Radiostimme“ (kein feststehender Begriff, soweit ich weiß) tue ich mich allerdings schwer.
Entweder man hat eine radiotaugliche (podcasttaugliche) Stimme oder nicht. Dann sollte das Mikrofon noch zur Stimme und Aufnahmesituation passen, fertig.

Dabei sei unbestritten, dass bestimmte Aufnahmen beim Zuhören auf Dauer eher anstrengend sein können. Das wird gemeinhin besonders linearen Kleinmembran-Kondensatormikrofonen nachgesagt, wohingegen manche Großmembran-Mikrofone - so heißt es jedenfalls - der Stimme eher schmeicheln würden.
Das würde ich jedoch nicht so schubladenartig unterschreiben.

Aber Stimmverbiegung zugunsten des Wohlklangs, das nicht (mehr) der natürlichen Stimme, wie wir sie im 1:1-Gespräch hören würden, entspricht?
Dafür bin ich dann wohl doch zu altmodisch. :thinking:

1 Like

Grundsätzlich bin ich bei „Enhancern“ skeptisch. Skeptisch sein kann aber jeder, deshalb habe ich das Tool kurzerhand ausprobiert.

Auch ich glaube, einen positiven Effekt zu hören. Hier muss man wohl vorsichtig sein und sich selber zügeln. Ich habe den Effekt bislang nur sehr schwach eingestellt. Wie ein US-amerikanischer Roboter will ich letztlich nicht klingen.

Zur Lautheit:
Ich habe kurze Passagen einer aktuellen Produktion mit und ohne Sonic Maximizer gemessen. Der Einsatz des Sonic Maximizer erhöht die Lautheit. Sowohl die Peaks, als auch die integrierte Lautheit in LUFS. Der Grad der Erhöhung hängt davon ab, wie stark ich den Effekt einstelle. Entsprechen muss man sich überlegen, wo in der Effekt-Kette man dieses Plugin einsetzen will, damit man am Ende noch bei -16 LUFS (Stereo) landet. Das Plugin selber erlaubt jedoch, den Output direkt zu reduzieren (in 0,5 dB Schritten). Wie treffsicher man im Voraus schon die nötige Reduktion kennen kann, weiss ich aktuell nicht.
Ein nachgeschalteter Kompressor minimiert den Lautheitszuwachs natürlich. Ich bin mir jedoch noch nicht sicher, ob ich den Sonic Maximizer vor oder nach dem Kompressor einsetzen will.

Nebenbei: Auch ein Blick in ein EQ-Tool zeigt Anhebungen an diversen Stellen. Offensichtlich wird auch am EQ geschraubt.

Aktuell plane ich, das Plugin weiter zu testen. Wenn ich ein Plugin nutze, soll ich es auch zahlen – trotz der grosszügigen Demoversion. Immerhin: Der Black Friday steht vor der Tür. Scheinbar bietet BBE dann regelmässig Rabatte an.

Noch nicht ganz klar ist mir, was der iSet Regler (center frequency) genau macht. Dreht man ihn auf 0, klingt der Output dünner und nasal, dreht man den Regler auf, wird der Output voller und „boomy“. Den Sweetspot muss ich noch finden.

2 Like

Ich habe so etwas lange gesucht und nun gefunden, danke! Ich finde es toll und moderat eingestellt, bringt es mehr Klarheit in die Stimme, das ist schön. Man muss etwas damit spielen, weil auch plosivlaute verstärkt werden. Toller Tipp, danke! Werd auch mal probieren, es auf den Master zu legen.

Aber zum Thema: ich finde diesen Effekt für Features oder Podcasts, die eine begrenzte Anzahl an folgen (Podcast-Serien) haben, gut. Es bekommt dann einen „erzählcharakter“, ie bei faking hitler (hätte den sogar echt gut getan). Für fortlaufende Podcasts finde ich es drüber und würde drauf verzichten.
Da hier Matze genannt wurde: ich tippe bei ihm eher darauf, dass er eine Großmembran bespricht und daher an diese stimmfarbe kommt, gehe nicht von Effekten aus. Aber ich kann mich ja irren.

Also: für so Dinge wie freakshow würde ich es zu viel finden und wirkt unauthentisch. Features kann ich mir damit gut vorstellen.
Warum, weis ich nicht, mein Geschmack :man_shrugging:t4:

2 Like

Sollte dir das BBE Plugin am Black Friday unterkommen, gib bitte unbedingt Bescheid für kleineres Geld würde ich das auch haben, wollen :slight_smile:

jetzt nur 48€

4 Like

Als Tipp, kann man sagen das man die Volumen um -4db runterregelt, bei moderaten Einstellungen dann ist auch nichts mehr lauter :wink:

1 Like

Danke für den Hinweis! Damit kann ich wohl jetzt schon zugreifen.

Wenn Du ganze 4 dB kompensierst, dann waren die Einstellungen wohl schon ordentlich moderat. :sweat_smile: Bei mir sind es gemessen noch <1 dB (vor Kompressor geschaltet, nach Kompressor gemessen).

1 Like

Ich bin vom preset mann ausgegangen und hatte die werte angepasst nach unten da kam eine Anhebung von +4 db raus

Done, danke für Hinweis und Tipp. Klingt gut.

1 Like