Headsets für Podcasting und Videokonferenzen - Corona Edition

Gerade dynamische Mikros sind aufgrund ihrer Unempfindlichkeit in besonderem Maße für’s Podcasten geeignet, da man nicht immer einen schallbehandelten Raum hat, in dem man aufnimmt.

Kondensatormikrofone haben eine höhere Empfindlichkeit und nehmen auch mehr Raumhall auf.

Ich empfehle immer wieder dynamische Mikrofone mit Super- oder Hyperniere, so wie das Audi Technica AT2040 oder das dynamische Headset Audio Technica BPHS1.

Was die untere Grenzfrequenz angeht: In aller Regel verwendet ich einen recht steilen Hochpass bei 80 Hz. Es ist also egal, was das Mikrofon darunter anbieten kann, das ist für die Sprache nicht notwendig, verhindert aber, wie bereits schon gesagt, Mikrofonrumpeln oder Trittschall.

Viele Grüße!

Sven

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Dass dynamische Mikros für die Podcasterei nicht zu empfehlen sind, stimmt einfach nicht. Ginge es danach, dann würden die meisten amerikanischen Podcasts mit ihren SM7Bs und Co ja grundsätzlich was falsch machen :upside_down_face:

Ich denke eher, dass dynamische Mikrokapseln für Headsets bauartbedingt ihre Abstriche haben. Ein Kondensatormikro kann man klein bauen, bei dynamischen Mikros ist das schwerer.

Das mit der niedrigeren Empfindlichkeit und weniger Hall lässt sich nicht so ganz pauschalisieren. Weil dynamische Mikros unempfindlich sind, sind sie auf Nahbesprechung ausgelegt und daher blendet man den Raum aus. Bei gleicher Richtwirkung, gleichem Kapselabstand, angepasster Empfindlichkeit und auf die Stimme angepassten EQ ist das mehr oder weniger gleich von Raumhall und Umgebungsgeräuschen her.

Hier ging es um Headsets mit dynamischen Kapseln. Klein und gut ist mit dynamischen Mikros hochgradig nichttrivial. So etwas wie ein SM7B hat eine ordentlich dicke Kapsel - so ein Zoll oder Halbzoll, also mit Schaumstoff dann in Tischtennisball-Größe. Und das will man nicht im Gesicht hängen haben, wenn man videokonferenziert.

Bei Kondensatorkapseln ist Miniaturisierung vielviel einfacher und von der Tonqualität her besser machbar. Daher sind die i.d.R. auch kleiner selbst bei hochwertigen Kapseln.

Wenn man mit Mikros am (Tisch.) Ständer arbeitet, dann ist die Größe relativ egal - dann geht grundsätzlich jede Technik. Kondensatoren sind (aufgrund der kleinen bewegten Masse) meist besser in den Höhen auflösend (schlechte dynamische „mumpfen“ schnell) und - nicht zuletzt aufgrund oft eingebauter Vorverstärker - empfindlicher. Da hört man also schneller „die Flöhe husten“.

Aber bei gleicher Einsprechlautstärke und Entfernung entsprechend 'runtergeregelt hört man da genau so viel Raumklang wie bei einem qualitativ ähnlichen dynamischen Mikro. Da man letztere meist sehr nah bespricht (nicht zuletzt, weil die im Vergleich zu Kondensatiren relativ „taub“ sind) und daher die Verstärkung nicht so hoch aufdreht (bzw. doch, weil die relativ taub sind, gerade ein SM7B), dann ist auch der Raumklang bei beiden relativ niedrig.

Wenn das Mikro halt taub ist (egalb ob wegen Bauart und/oder Aussteuerung), dann ist es das halt auch taub gegen Raumklang. Und wenn dann die Stimme auf Tuchfühlung geht (räumlich), dann ist das Verhältnis Nutz- zu Raumsignal eh’ jenseits von allem.

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Deine Antwort wirkt ein bisschen so, als hättest Du meinen ersten Abschnitt zitiert und den Rest etwas ignoriert. Dabei gebe ich dir ja voll recht:

  • Kleiner Kondensator geht ohne Kompromisse besser
  • Dynamische Mikros sind halt taub, selektiv hören, können die auch nicht

Dass Du lieber Headset als Broadcastklunker nimmst, verstehe ich, alles gut. Würde meine Setup auch nicht für Meetings verwenden.

Ich habe die Probleme beschrieben, die in der Praxis häufig vorkommen: Zu hoher Gain für Kondensatormikros. Grundsätzlich haben die ein höhere Empfindlichkeit aufgrund der geringeren bewegten Masse.

Es gibt aber auch kleine dynamische Mikrofonkapseln: Heil Sound HC-4 oder HC-5 sind zum Beispiel kleine auf Sprache und Silbenverständlichkeit optimierte dynamische Kapseln für den Sprechfunkverkehr, da kommt natürlich kein linearer Frequenzgang bis 18 kHz raus, sondern wesentlich beschnittener.

Dass Kondensatorkapseln in der Regel eine höhere Grenzfrequenz haben, liegt in ihrer geringen bewegten Masse begründet. Letztendlich kann man mit einer Kondensatorkapsel und einer dynamischen Kapsel den gleichen Sound erzeugen, wenn man weiß wie.

Für Podcastaufnahmen am gleichen Tisch eignen sich dynamische Mikros besonders gut, da durch die geringere Empfindlichkeit auch das Mikrofon-Bleeding verringert wird. Andererseits müsste man Kondensatormikros ziemlich weit herunter drehen, um das zu verhindern.

Wichtig ist auch die Richtcharakteristik der Mikrofone. Viele Headsets haben omnidirektionale Kondensatormikros eingebaut, die den Schall auch aus anderen Richtungen aufnehmen. Eine Super- oder Hyperniere grenzt den Aufnahmebereich ein. Positioniert man die Sprecher so, dass sie sich gegenseitig im Minimum der Richtcharakteristik befinden, ist Mikrofon-Bleeding relativ ausgeschlossen.

Die meisten Headsets haben omnidirektionale Kapseln, was bei mehreren Leuten am gleichen Tisch für Entkoppelungsprobleme, sprich Bleeding führt. Für normale Sprache ist es ziemlich unbedeutend welchen Mikrofontypus man wählt, da die menschliche Stimme in aller Regel nicht den Frequenzbereich des Mikros ausreizt, man hört es in aller Regel nicht, es sei denn der Nahbesprechungseffekt wird bevorzugt eingesetzt.

Wie gesagt, das Audio Technica BPHS1 vereint die Vorzüge einer Richtcharakteristik plus die relative Unempfindlichkeit einer dynamischen Kapsel. Der Frequenzgang bis 16 kHz ist mehr als ausreichend.

Also bevor ich mehr als 200 Euro für ein Headset mit omnidirektionaler Kondensatorkapsel ausgebe, nur weil das Beyerdynamic drauf steht, dann greife ich lieber zum BPHS1.

Viele Grüße!

Sven

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Hallo zusammen,

Vielen Dank für das zahlreiche Feedback! Dank dir @AbspannAlex für das Angebot, hab inzwischen geklickt, trotzdem danke nochmal!

Wir hören uns.

Gruß,
Thomas

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Es gibt von Thomann (Hausmarke t-bone) jetzt ein 3m-Kabel für die Beyerdynamic-Kopfhörer. Diese habe ich bereits im Einsatz. Die erste Folge mit zwei Personen hat schon mal damit geklappt. Die sind schon sehr verhaltensoriginell bei Beyerdynamic. Man muss einen Kabelnachbau von einem Dritt-Anbieter kaufen.

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Ich kann die BPHS1 im Grunde auch empfehlen (hab zwei Stück davon) es gibt aber ein Problem: Meine Mitpodcasterin HASST die Ohrpolster! Die BPHS1 liegen dicht auf und haben nur verhältnismäßig dünne Polster. Das kann tatsächlich an den Ohren schmerzen. Also muss man entweder nachträglich selbst Polster nachrüsten oder probiert, ob’s individuell kein Problem ist.

Weiß vielleicht jemand, ob man hier über die kleine Klinke aufnehmen kann, gleichzeitig aber NICHT den Raumklang über das X/Y-Mikro? Also ob man X/Y abschalten kann, ohne dabei das zusätzliche Mikro kleine Klinke auszuschalten? – oder hängen die beiden untrennbar miteinander zusammen?
@nealtz @vtanger u.a…
Frohes neues Podcastjahr :slight_smile:

Bei welchem Gerät?

Auch ein gesundes neues Jahr!

Sven

Beim Zoom H5/H6 werden IIRC die X/Y-Mikrofone abgeklemmt, sobald ein 3.5mm-Kabel in den X/Y-Mikrokopf eingesteckt wird.
Also entweder X/Y xoder 3.5mm.

@vtanger erinnert sich richtig.

Super Sache, danke, @vtanger @mailonator @SvenL81 - das wusste ich noch gar nicht, ist natürlich ideal so :slight_smile:

Liebe Community,
Hat jemand von euch schon Erfahrungen mit Headsets von Austrian Audio gemacht? Die haben das „Austrian Audio PG16“ und das „Austrian Audio PB17“ im Portfolio. Nachdem diese Firma von ehemaligen Mitarbeitern von AKG gegründet wurde, sollte man eine gute Audioqualität erwarten. Besonders spannend wäre auch ein Vergleich mit dem sehr weit verbreiteten Beyerdynamic DT 297 Headset.
Herzlichen Dank!
Thomas

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Kennt jemand ein „Audio-Interface“ (für zb ein BoomPro), das mit Teams-Button aufwarten kann?
Aus der SoundBlaster Serie sieht zB der X1 oder Play!4 genau danach aus, aber soweit ich verstehe, können die nicht mit Teams arbeiten.
Mir geht es dabei primär um die Rufannahme ohne Maus.
Danke für sachdienliche Hinweise :slight_smile: