Föderierte Podcast-Plattform als Alternative zur Spotification


#1

Ich hatte dieses Thema schon einmal kurz auf Mastodon skizziert. Wie schon an vielerlei Stellen diskutiert gibt es Tendenzen zur zentralen Plattformisierung von Podcasts. Ob das nun gut oder schlecht, unterstütz- oder bekämpfenswert ist, darüber scheiden sich die Geister.

Tatsache ist, dass es diese Tendenzen gibt: Sie sind getrieben aus einer Kombination von a) wachsender Podcast-Menge und -Vielfalt, b) einem damit einhergehenden Bedürfnis nach Kuratierung und Usability seitens potenziellen Hörenden/Schaffenden und c) Monetarisierungsversuchen seitens Plattformanbietenden. Die User*innenbedürfnisse kann die aktuelle hyperdezentrale Infrastruktur unserer gewohnten Podcastlandschaft - sprich individuelles Hosting + RSS + Podcatcher - nicht befriedigen. Die Eintrittshürde ist für Leute, die sich One Stop Shops wie YouTube und Spotify gewöhnt sind, zu hoch. Auch für viele neue Podcast-Schaffende.

Gleichzeitig sehen wir, wie sich dezentrale, föderierte Netzwerke als Alternativen zu kommerzielle, zentrale Plattformen bilden: Mastodon, Friendica, Pixelfed, PeerTube und so weiter. Auch für Audio gibt es solche, z.B. Funkwhale.

Ich frage mich nun, inwiefern eine föderierte, nichtkommerzielle Plattform basierend auf Fediverse-Infrastruktur für Podcasts eine willkommene Alternative zur Spotification bieten könnte - und zwar bevor wir einem Monopol/Duopol und seinen Algorithmen gegenüberstehen. Ja: Ja: Augenscheinlich stellt eine solche in den Augen von Langzeit-Podcasthörenden und -schaffenden eine redundante Infrastruktur dar. Sie böte jedoch auch Vorteile, die unsere aktuelle RSS-Landschaft nicht hat, nämlich bessere Möglichkeiten zur Distribution, sozialen Kuratierung und Promotion und vor allem eins: Convenience.

Es geht mir hier nicht darum, diese Idee als Allheilmittel zu predigen - das sind für mich nur halbausgegorene Gedanken - sondern um eure Meinungen dazu.

Was meint ihr?


#2

Ich sehe natürlich gleich tausend und eine Hürde, aber wo gibt es die nicht. Ich würde das sehr schätzen und unterstützen, wo ich kann (leider kann ich nicht viel).


#3

Ich bastel btw gerade an einem kleinen Prototypen, um Podcasts durch die Fyyd API zu holen und dann via Activity Pub in Mastodon (und Konsorten) pumpen zu können. :relaxed:


#4

Ich habe da auch eine ganze Weile drüber nachgedacht und bin letztlich doch zu dem Schluss gekommen, das das mit #FunkWhale eine recht gute und vor allem auch praktische Sache sein kann.

#FunkWhale wie die Instanz hier (https://funkwhale.gegeweb.eu/library/artists) gehören zum #Fediverse und können theoretisch mit diesem Netz kommunizieren. Das bedeutet auch, das man in diesem Netz auch seine Podcast sehr schön verteilen und “bewerben” kann.

Ich vermute mal auch, das man seitens @Auphonic auch einen Ausspielkanal zu FunkWhale legen kann. Zu Youtube usw geht es ja auch.

Dann noch ein Gedanke, es gibt in diesem #Fediverse eine ganze Reihe von Menschen die sich gerade wegen Spotify, Google, Twitter, Instagram, Facebook und dergleichen Plattformen entschieden haben, diese nicht zu nutzen und zu meiden wie die Pest und die man gerade da abholen kann weil die Podcast eben nicht bei diesen zu hören sind.


#5

Hm, also wenn du mich fragst existiert das schon. Wenn ich mich nicht täusche, werden die allermeisten Podcasts nicht selbstgehostet, sondern liegen bei einem Hostinganbieter. RSS ist der gemeinsame Standard der Föderation aus Plattformen und Selbsthostern und die Integration all dieser Angebote erfolgt dann zum Beispiel über ein Verzeichnis wie Itunes, einen Streamingdienst wie Spotify, lokal mit einem Podcatcher usw. Wenn man da jetzt irgendwelche “social features” möchte, muss man sich doch eigentlich nur an RSS anschließen.


#6

Spotify kannst du raus nehmen, da bekommst du keinen RSS Feed für extern.
Ja, es gibt ähnliche Plattformen aber nichts was dezentral funktioniert und als Gegenpol für Spotify, Youtube als Plattformen betrifft und Gleichzeitig auch eine Social Media Plattform ist die mit einem angeschlossenen Fediverse sprechen kann.
Diese Plattformen sind nach allen Seiten offen und genau das Gegenteil was die Komerziellen Plattformen sind und gerade das bedeutet auch ein riesiges Fediverse an Möglichkeiten seinen Podcast bekannt zu machen und Folgen zu teilen.


#7

Habe ich auch nicht dazu gezählt, die sind nicht Teil der Föderation. Aber Spotify integriert die Inhalte der Föderation und muss sich damit zwangsweise auf den RSS-Standard einlassen. Die Plattformen, die ich meine sind eben Hostinganbieter, wie der local favourite Podigee.

Ich sehe es eigentlich so, Spotify “hat” nur sehr wenige Podcasts. Also sie haben sicherlich enorme Mengen an Podcastmaterial kopiert, aber sie sind ja nicht die Primärquelle. Oder kann man, wenn der eigene Podcast erstmal in deren System ist, seine neuen Folgen direkt bei Spotify hochladen? Ich denke doch nicht. Das heißt, wenn man nicht gerade für das Podcast-Programm einkauft wurde, existiert man zwangsweise außerhalb von Spotify.

Was würde man denn da mit Podcasts machen, was über einen glorifizierten RSS-Importlink oder einen lokalen Player hinausgeht? Ein Verzeichnis integrieren?


#8

Mir ist klar geworden, dass du meine erste Antwort hier eigentlich schon antizipiert hast. Deshalb nochmal explizit zur Tauglichkeit der Alternative.

Was ist hier convenience? Soweit ich weiß hören immer noch viele Leute Podcasts im Webplayer. Klar, convenience ist auch einfache Bedienung, Komfort und Zugänglichkeit, aber das ist meines Erachtens zweitrangig gegenüber dem Aspekt kürzester Weg zum Ziel. Ich glaube Johnny Haeusler hatte beim letzten Fritz-Chaosradio gesagt, seine Kinder hören nur Musik auf Spotify und bisher keine Podcasts. Sind ja Musikerkinder, keine Ahnung wie verallgemeinerbar das ist. Aber man darf wohl davon ausgehen, dass es ein gewisses Potential an Menschen gibt, die noch keine oder wenig Podcasts hören, und das dann bei Spotify entweder entdecken oder ihre Nutzung, genau aus Gründen der convenience, dorthin verlagern. Meine These wäre jetzt, diese Menschen auf einen Podcatcher zu bekommen, ist nicht viel aufwendiger als sie ins Fediverse zu bekommen. Würde man stattdessen versuchen sie auf einen in Facebook integrierten Podcastdienst zu locken, wäre es vermutlich wieder einfacher. Warum? Genau, weil auch dort schon viele von ihnen sind.

Also ich sehe es weniger als Alternative und eher als Ergänzung der bestehenden freien Infrastruktur um ein weiteres Angebot. Denn außer föderierte Netzwerke explodieren demnächst in ihrer Verbreitung, hat man immer noch das gleiche Problem, wie man die Leute dahin bekommt.

(Wobei ich wie gesagt gerne konkreter wüsste, was an zusätzlichen Möglichkeiten gewünscht ist. Es ist ja nicht so, dass man bei etwa bei Mastodon Distribution, soziale Kuratierung und Promotion nicht schon machen könnte, indem man mit einem Link auf den Podcast hantiert.)


#9

hmm, einen Teil der Fragen hast du dir doch schon selber beantwortet. Spotify ist voll mit Podcasts, wenn auch nicht alles “Ihr” Material ist.

Im Fediverse gibt es eine ganze Reihe von Menschen die weder zu Spotify, Facebook, Instagram usw gehen oder wollen. Ja, sie können auch alle Podcast die nicht in einem geschlossenen System sind, einzeln per Webseite aufsuchen und sich da Folgen anhören - wie sinnvoll das bei mehreren Podcastfolgen pro Tag ist, kannst du selber mal ausprobieren. Sagen wir mal 4 bis 5 Folgen pro Tag und das eine Woche lang. Genau aus diesem Grund haben sich ja PodCatcher bei vielen durchgesetzt.

Wer seine Podcast auf der Webseite und auch auf Spotify raus haut, der kann auch noch einen dritten Kanal einrichten und auf einer alternativen Plattform Hörer erreichen, die man sonst nicht erreichen würde.
Gut man muss es nicht als Alternative bezeichnen, Ergänzung geht auch. Das ist aber Ansichtssache und in meinem Fall ist es eine Alternative.


#10

Es ist sich genau andersrum, Spotify ist die dritte Plattform im ein neues Publikum zu erreichen. Zumindest momentan brauchst du um deine Podcast bei Spotify zu Listen ja einen RSS-Feed. Das funktioniert da wie bei iTunes.

Je nachdem welchen unterschiedlich unzuverlässigen Zahlen man glauben will funktioniert das auch und Spotify steigt in der Platzierung der meistgenutzten Podcast-Apps (ich benutze das Wort in dem Fall jetzt mal so) rasant an.

Die Frage die ich mir bei einem noch föderierterem System als RSS stellen würde ist eher, wie das irgendwas an der steigenden Dominanz von Plattformen wie Spotify oder Audible ändern sollte, die dieses neue Publikum mit exklusiven Inhalten in ihre geschlossenen Systeme holen wollen.

Ich sehe die zentrale, exklusive Podcast-Plattform, von der Spotify träumt, durchaus kritisch - Podcasting ist ja mehr oder weniger das einzige Format, das nach wie vor auf so simplen, offenen Webtechnologien wie RSS basiert. Aber ich sehe jetzt nicht, dass man diese neuen Zielgruppen mit etwas abholen kann, das an dezentrale Plattformen wie Mastodon angelehnt ist. Das ist ja auch kein Mainstream-Tool, sonst wäre Twitter schon leer.

Ich denke die Finanzierung von Inhalten spielt mit der wachsenden Professionalisierung des Mediums natürlich auch eine ganz zentrale Rolle, die bei solche Diskussionen nicht zu unterschätzen ist. Und das löst erstmal auch 'n bisschen Kuration und noch eine Plattform nicht.

Hoppala, der Kommentar ist länger geworden als geplant :thinking:


#11

Äh, welche meiner Fragen beantwortet das?

Klingt so, als ob sie eine Lösung gefunden haben. :wink:

Aber das ja der Witz an RSS. Anstatt, dass sich die Podcaster selbst darum kümmern, kann diese potentielle dritte Plattform einfach ihr Angebot per feed importieren.

Ich würde nicht mal sagen, es wäre “föderierterer”. Dann es wäre ja vermutlich eine (höchstens eine handvoll) Plattformsoftwarelösungen mit vielen unterschiedlichen Instanzen. RSS verbindet aber viele teils sehr unterschiedliche Plattformen.

Selbst mit so ein paar Exklusivangeboten ist Spotify bisher noch keine Bedrohung für die Unabhängigkeit von Podcasts. Es ist zwar möglich, dass einige Podcaster ihre Feeds nur Spotify zur Verfügung stellen (wo man die Feed-Adresse soweit ich das verstehe nicht mehr herausbekommt?), aber solange sie sowieso außerhalb der Plattform sind, werden sie ihr Material vermutlich nicht verstecken. Das Problem entsteht erst, wenn nur auf Spotify stattfinden kann, auch ohne Exklusivbindung, und das vielen Podcastern genügt, etwa weil sie glauben damit schon den größten Teil des potentiellen Publikums zu erreichen (ob das die 200 Millionen Nutzer von Spotify in der praktischen Umsetzung tatsächlich sind, kann man sich drüber streiten).

Eine alternative Plattform muss also vorallem Vorteile für den Anbieter eines Podcasts haben. Denn nur dann haben sie einen Anreiz bei mehr als Spotify präsent zu sein. (Wie gesagt im Moment ist das noch kein Problem.) Insofern, Kuration ist erstmal eher aus Nutzersicht interessant. Aber eine Monetarisierungsmöglichkeit wäre natürlich ein Anreiz. Vom oben genannten: Distribution, Promotion, okay, wenn man damit auf Publikumserweiterung abzielt. Ich nehme an Möglichkeiten (nicht-monetäres) Feedback zu erhalten, könnten auch attraktiv wirken.


#12

Auch wenn Spotify im Moment noch nicht der BigPlayer im Bereich Podcast ist, so bin ich nicht gewillt ihm zu Helfen - das zu werden.
Ein Großteil des Fediverse ist gerade deswegen im Fedivers weil sie genug haben den Konzernen mit ihrem Inhalt noch mehr Marktmacht zu geben und mit ihren Inhalten Geschlossenen Plattformen zu bilden um noch mehr Macht zu bekommen.

Das das immer mehr Menschen so sehen, sieht man an den Nutzerzahlen die weiter wachsen. Es wachsen auch die Dienste um all dem und entwickeln sich.
Wie gesagt, ich sehe diese geschlossenen Plattfomen eher kritisch und werde meinen Inhalt dort nicht zur Verfügung stellen. Auch wenn ich dadurch ein paar Hörer nicht bekomme. Aber das ist mir das feie Internet wert