Der Einstieg für eine angenehmere Stimme


#1

Hallo alle miteinander,

ich bin auf der Suche nach einem Hardware-Upgrade, das mir eine angenehmere Stimme verleiht – sprich, ich möchte weg vom Headset.
Zugegebenermaßen bin ich kein Podcaster, der Einsatzzweck liegt vor allem beim Austausch über Voice Chats; Aufnahmen sind zweitrangig. Vieles wird über OBS laufen, an Software ist noch Adobe Audition im Haus. Einsatzort wäre das heimische Wohnzimmer.

Die Recherche hat zweierlei Dinge erbracht, einmal die teure nice-to-have-Variante und einmal die vernünftige, kostengünstigere Variante:

  • Rode Procaster, als dynamisches Mikro um störende Hintergrundgeräusche zu vermeiden. Alternative Sennheiser E835
  • Focusrite Scarlett Solo
  • FetHead
  • Rode Gelenkarm
  • 2x XLR-Kabel
  • Popschutz
    Das ist mit ca. 400€ ein ziemliches Brett und für den Einstieg vielleicht doch arg überdimensioniert.

Die kostengünstige Alternative sähe aus:

  • Marantz Pro MPM 1000: Für den Preis wohl ein echter Knüller, die Recherche hat viel Gutes dazu erbracht. Für den Fall der Fälle sind ein kleines Stativ und eine Spinne auch schon dabei.
  • Behringer UMC202HD
  • Popschutz (hat das Marantz schon, eventuell ersetze ich den durch einen Popschutz am Arm)
  • Rode Gelenkarm
    Damit läge ich bei ca. 200€, was natürlich deutlich angenehmer ist.

Ich schwanke halt: reicht letzteres für den Einstieg aus? Oder investiere ich lieber einmal richtig? Doch teuer muss ich ja nicht zwangsläufig viel besser bedeuten. Für Rückmeldungen wäre ich (trotz des vielleicht etwas Portal-fremden Einsatzgebietes) sehr dankbar.
Ich freue mich auf eure Antworten.


#2

Warum sollte ein (merklich) Headset schlechter klingen als ein Mikrophon?

Was hast du derzeit für ein Headset?


#3

Ich habe das Hyper Cloud X (genaue Bezeichnung mag abweichen). Dessen Mikro muss ich sehr nah am Mund haben. Dadurch poppt es gerne mal oder übersteuert bei Lachern etc. Und trotz der großen Nähe zum Mund muss ich in der Software der Soundkarte die Mikrofonvorverstärkung hochdrehen, da ich sonst immer noch zu leise bin. Das Mikro läuft also im Prinzip komplett am Anschlag und so klingt es dann auch.

Ich wünsche mir einen deutlich saubereren Klang und auch mehr Kontrolle als das, was ich momentan software-seitig bewerkstelligen kann.


#4

Wenn Du grundsätzlich einem Headset gegenüber aufgeschlossen bist, dann wäre der goldene Podcaster-Standard “Beyerdynamic DT 297” eine echte Empfehlung. Budget-Lösung wäre das HMC660, das hier auch regelmäßig besprochen wird. Hör doch mal in die Beispiele im Mikrofontest rein:


#5

Danke für den Link, die Unterschiede sind ja teils eklatant. Eigentlich würde ich weg vom Headset wollen, einfach aus Bequemlichkeitsgründen. Ich empfinde sie als anstrengend, weil sie selten angenehm sitzen und durch die Verdeckung von Kopf und Mund wie ein Helm wirken. Und ich hätte auch nicht ständig das Gefühl, das Mikro an der Backe kleben zu haben – im wahrsten Sinne des Wortes.


#6

Der Vorteil beim Headset ist ja gerade das das Mikro am Kopf klebt. Bei einem Standalone-Mikrophon must du darauf achten das dein Kopf in der richtigen Position ist.


#7

Das ist eine reine Übungssache, die ich bereit bin in Kauf zu nehmen.


#8

Vorab: Bleib’ bei der teureren (eigentlich: hochwertigeren) Variante und modifiziere sie etwas. :wink:

Dazu eine Frage: Soll das Equipment an einen Mac oder weshalb die Scarlett Solo?
Falls nein, schlage ich folgende Modifikationen vor:

  • Verzichte auf das Procaster und nutze das e835.
    Das Sennheiser hat den höheren Output (ca. 1 mV/Pa mehr, das ist für dynamische Mikrofone schon sehr amtlich).

  • Die Ersparnis steckst Du in das Steinberg UR22 (meiner Erfahrung nach besser als die Scarlett, vor allem hinsichtlich des Kopfhörerausgangs).
    - Das ist der Punkt mit dem Mac oder Windows; bei allen anderen Komponenten ist es egal.-
    Ich selbst habe eine Scarlett 2i2 gegen eine UR242 ausgetauscht und bereue heute noch den Scarlett-Fehlkauf (Geld verbrannt, da der Gebraucht-Verkauf die Folgeinvestition nur zu einem geringen Teil abgedeckt hat).
    Leider hat auch Focusrites “2nd Gen” keine Verbesserung am Kopfhörerverstärker gebracht. :cry:

  • Auf den FetHead würde ich verzichten.
    Der Eingangspegel “e835 am UR22” sollte reichen. Falls Du doch noch mehr Power brauchst, kannst Du im OBS - Deiner Hauptanwendung - ja noch eine Verstärkung in den Tonkanal einbinden. Das ist kein nennenswertes Problem. Der Mikrofonvorverstärker des Steinberg ist rauscharm genug für eine nachträgliche Verstärkung.

  • Muss es zwingend der Mikrofonarm von Røde sein?
    Er unterscheidet sich von den anderen, marktüblichen nur in zweierlei Hinsicht:
    a) er ist länger und
    b) es ist kein XLR-Kabel integriert.
    Das Modell von K&M ist geringfügig teurer (mit inliegendem XLR-Kabel); eine Kombination, die mir schon seit Jahren gute Dienste leistet - und die billigere Variante aus den Handelshäusern kommt bei vielen Webcastern in ihren Heimstudios ebenso zum Einsatz. Letzteres wäre ein zusätzliches Einsparpotential, sofern Du nicht zusätzliche 60 cm Reichweite benötigst.

  • Popschutz: Im Extremfall tut’s auch der Schaumstoff für zwofuffzich. Ich hab’s gegen den Sennheiser-Schaumstoff getestet und habe - im Innenbereich - zu meiner Überraschung keinen massiven Unterschied festgestellt.
    Der Nylonschirm ist akustisch natürlich das nonplusultra, keine Frage. Ob das allerdings am dynamischen Mikrofon zwingend notwendig ist, wage ich dann doch zu bezweifeln.

Dann lass’ uns mal einen Warenkorb in der hochwertigen, aber preislich angepassten Variante zusammenstellen:

  • Sennheiser e835
  • Steinberg UR22
  • No-Name-Mikrofonarm aus einem Handelshaus mit integriertem XLR-Kabel
  • Popschutz aus Schaumstoff, einfach (leider)

Ich komme dabei (Stand: Kurz vor Weihnachten 2018) auf gesamt ca. 245 € brutto frei Haus. :sunglasses:

Und wenn Du jetzt noch ganz geschickt bist, wartest Du bis nach Weihnachten und lauerst auf die ein oder andere Retoure mit Preisnachlass.


#9

Danke für deine ausführlichen Anregungen. Das Audiointerface von Steinberg hatte ich auch im Auge als etwas kostengünstigere Variante zum Focusrite Scarlett. Jedoch sehe ich im Augenblick den Vorteil von zwei XLR-Eingängen nicht – den zweiten Eingang werde ich nicht brauchen. Daher hatte ich von Steinberg wenn überhaupt das UR12 im Auge. Dem Scarlett hätte ich aus dem Bauch heraus demgegenüber den Vorzug gegeben, weil es das aktuellere Gerät ist. Was besser oder schlechter ist, das weiss ich nicht. Eingesetzt wird alles an einem Windows-PC.

Letztlich sind es beides Geräte, bei denen ich den Eindruck hatte, dass sie nicht zu sehr in die Low-Budget-Falle führen (wer billig kauft, kauft zweimal), ohne preislich zu sehr auszuarten. Klingt blöd, aber mein Bauchgefühl sagt mir, dass man für 39€ kein gescheites Interface bekommt.

Vom Rode-Schwenkarm verspreche ich mir im Zweifelsfall noch eine bessere Art der Verarbeitung, weswegen er in der Auswahl gelandet ist.


#10

Okay, das UR12 hatte ich tatsächlich nicht im Fokus. Bei mir waren immer nur Interfaces mit 2 Eingängen am Start, auch wenn es bislang noch nicht ausgereizt wurde. Aber wenn es für Dich reicht, soll es mir recht sein. Spart ja auch Geld.

Das ist nachvollziehbar, aber soweit ich die Testberichte nachvollzogen habe (und auch das Personal in meinem Stamm-Verkaufshaus nach seinen Erfahrungen befragt habe), ist die 2nd Gen von Focusrite jetzt nicht so der große Wurf hinsichtlich verbesserter Technik. Aber lies’ selbst nach - der Kopfhörerausgang ist bei den Scarletts der größte Schwachpunkt. Wenn Du also keinen niedrigohmigen Kopfhörer hast, wird es möglicherweise unschön.

Im von mir bevorzugten Geschäft verkauft man wesentlich lieber die Steinberg, auch wenn da Interfaces beider Hersteller verkauft werden. Aber die Steinberg-Kunden seien, so behaupten sie es zumindest, zufriedener. Ich bin ja auch so ein überzeugter Wechsler. :sunglasses:

Okay, das nehme ich dann mal so an. Ich habe keine Idee, ob das so stimmt.
Bei mir ist der Standard-K&M-Arm am Start. Die Handelshaus-Billigvariante kenne ich nicht, wohl aber genug Benutzer, die den haben (auch mit schwereren Großmembran-Kondensatoren dran).

Sei’s drum: Ich habe den Warenkorb verändert (UR12, PSA1) und ein 3 m langes Mikrofonkabel mittelklassiger Qualität hinzugefügt.
Ich wäre jetzt bei ca. 262 Euro im Warenkorb.

Nochmal zu Deiner günstigen Variante:

… steht deutlich im Gegensatz zu …

Das Kondensator-Großmembranmikrofon hat ca. 20 mV/Pa, und das ist schon sehr empfindlich.
Nur so als Randbemerkung, weil Du die Voraussetzungen hier durcheinandergewürfelt hattest. :wink:


#11

Danke für deine Ergänzungen.

Ich muss dazu sagen, dass quasi alle meine Vorüberlegungen im Wesentlichen meinem Bauchgefühl entspringen und nicht konkret an etwas festzumachen sind, außer dem, was ich mir jetzt in wenigen Wochen angelesen und in Bewegtbildern angesehen habe. Das gilt schlußendlich auf fürs Mikrofon.
Was die Hintergrundgeräusche angeht: da denke ich vor allem an Tastaturklappern (normal, nicht-mechnische Tasten), die Straßenbahn in 30m Entfernung vor dem Wohnzimmerfenster. Um da gewissermaßen auf Nummer Sicher zu gehen, bin ich beim dynamischen Mikrofon gelandet.

Nun kann es freilich sein, dass die genannten Umstände schlussendlich längst kein dynamisches Mikrofon rechtfertigen und ich mir an der Stelle bloß einfach zuviel Kopf gemacht habe. Deswegen ist auch das Marantz noch in der Auswahl gelandet, als ein rundes Paket, wenn es kein dynamisches Mikro sein muss. Wenn ich mich nicht verguckt habe, liegt es eher bei 12 mV/Pa bzw -38dB Empfindlichkeit.

Nochmals danke für den Austausch, ich weiss das wirklich zu schätzen.


#12

Ich bin grad noch über zweierlei gestolpert:

  • Die unterschiedlichen Angaben zum Mic-Gain: ich habe mir die technischen Daten vom der verschiedenen Interfaces angesehen und werde nun nicht so richtig schlau daraus.
    Das UR12 hat einen Verstärkungsbereich von +10 dB bis +54 dB
    Das UR22 mkII +6–+60dB
    Das Focusrite Scarlett (solo und 2i2) gibt stets nur einen Fixwert von 50dB an und keine Spanne wie beim Steinberg.
    (Und beim UMC202HD finde ich keine Angabe dazu)
    Meine Frage: wie sind diese Angaben zu lesen, wenn ich sie vergleichen will? Hat das Scarlett gewissermaßen einen Verstärkungsbereich von 0dB–+50dB? Oder kann es auch +10–+60dB oder eine sonstwie beliebige Spanne sein? Mir ist da nicht ganz klar, wo Anfang und Ende beim Scarlett sind?
  • Die andere Überlegung: Angenommen, es wird ein dynamisches Mikrofon, macht es dann doch Sinn, die paar Euro mehr zu investieren und bspw. das UR22 mkII anstelle des UR12 zu nehmen, einfach um vom größeren Verstärkungsbereich zu profitieren und ggf. von vorn herein der Anschaffung eines separaten FetHeads vorzubeugen?