Apple lanciert In-App Subscriptions für Podcasts

Nachdem wir es im Verlauf der letzten iOS Betas haben kommen sehen, sind Apples In-App Subscriptions jetzt auch offiziell da:

Einige Eckdaten:

  • Kommt in über 170 Ländern.
  • Apple nimmt vorab pauschal 20$ von teilnehmenden Podcastern.
  • Apple will wohl im ersten Jahr zusätzlich 30%, danach 15% der Abogebühren.
  • Es soll kostenlose Testphasen für User geben.
  • Die Podcasterin bestimmt (irgendwie) die Tiers.
  • Gewisse Inhalte werden von Apple selber gehostet.
  • Metadaten-/Userverwaltung via Podcasts Connect

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Passend dazu wurde wohl auch Apple Podcasts Connect im Hintergrund umgebaut:
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Das zugehörige „Apple Podcasters Program Agreement“ umfasst 26 Seiten:

Auf den ersten Blick steht da wenig Auffälliges drin. Man kann dem jedoch einige Details (siehe oben) entnehmen. Ferner müssen Teilnehmer*innen nun die „Apple Requirements“ (Apple’s technical documentation, requirements and content guidelines) befolgen, was Einfluss auf die Produktion haben könnte. Weiter wird der Abodienst vermutlich auf andere Plattformen (Windows/Android) ausgeweitet, was Sinn macht. Eine Exklusivitätsklausel habe ich nicht gesehen.


Eine gute Zusammenfassung von James Cridland:

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Auf jeden Fall eine spannende Entwicklung – auch natürlich im Hinblick darauf, wie sich der Feed dann unterschiedlich gestalten lässt bzw. wie der Bonus-Content für die zahlenden Hörer*innen dann eingeschleust wird. Aktuell bildet Apple ja „nur“ den Feed ab und der Bezahl-Content muss dann ja irgendwie und irgendwo abliegen.

Diese vermutete Apple-Exklusivität kann ein zentrales Problem sein. Viele User möchten (Bezahl-)Podcasts gar nicht bei Apple hören.
(Edit: Windows und Android werden wohl folgen.)

Ein geschlossenes, Apple exklusives System könnte auch gleich auf eine Verteilung via RSS verzichten. Podcasts zeichnen sich (noch) durch ihre Plattformunabhängigkeit aus. Damit würden wir uns vermehrt in die entgegengesetzte Richtung bewegen.

Genau das sind auch meine Gedanken heute gewesen. Habe mal das Podcastsconnect-Update angestoßen und gucke mal morgen, wie das gedacht ist. Aber ja, dann kann mensch den Bonuscontent einmal bei Steady und einmal bei Apple usw. hochladen – wenn er dann überhaupt erst einmal produziert wurde :slight_smile:

Gibt schon spannende Reaktionen, z.B. von @manuspielt:

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Die 20$ pro Jahr verstehe ich nicht ganz, aber die machen den Kohl nicht fett, aber 30% ist relativ viel. Bei Patreon und Steady sind es rund 10-12% aufaddiert (5% Gebühren und noch mal 5-7% für Zahlungsanbieter etc.), also auch die 15% im zweiten Jahren wären noch deutlich teurer.

Also was für mich wirklich extrem hilfreich wäre: Einzelbezahlung. Sowohl Steady als auch Patreon bieten bisher keine Möglichkeit an, EINZELNE Folge zu kaufen. Wenn Apple das nun einrichten würde, wäre ich sehr happy. Das habe ich heute aber nicht rausgehört oder gelesen.

Also ist Apples neue Abo-Idee für dich gar nicht wirklich interessant/lukrativ (allfälliges Einzel-Feature ausgeklammert)?
Hinzu kommt: Nutzt ein hinreichender Anteil der Hörerschaft Apples eigene Podcast Apps? Bei Patreon/Steady könnten theoretisch 100% der Hörer*innen Geld einwerfen; bei Apples Lösung nicht.
(Edit: Windows und Android werden wohl folgen.)

Wie aufwändig scheint dir der Administrationsaufwand bei Patreon/Steady (Userverwaltung, Buchhaltung, Feeds trennen, etc.)? Falls bestehende Anbieter da mühsam wären und Apple das für Podcaster*innen sehr einfach machen würde, könnte da allenfalls ein Vorteil liegen. Hier dominiert vorderhand der Konjunktiv.

Vor zehn Jahren wäre das großartig gewesen. Mit der Kostenstruktur und der Konkurrenz jetzt: Nicht interessant, leider. Vor allem muss sich jetzt ja zeigen, wie das überhaupt aussieht. Wo lade ich die exklusiven Folgen hoch? Wie wird das mit dem RSS-Feed geregelt? Mit welchem Aufwand kann ich werbefreie Folgen für Abo-Kunden anbieten, etc.

Ich bin gespannt, wie das Modell genau aussehen wird.

Ist bei beiden recht einfach und wenig Aufwand. Ich lege bei beiden Systemen einen separaten Post an. Bei Patreon lade ich den Podcast auf deren Server hoch, bei Steady kann ich auch einfach die Version einbinden, die auf unserem Server liegt. Beide erzeugen für die Kunden individuelle RSS-Feed, die gültig sind, solange die Zahlung aktiv ist. Wüsste nicht, wie Apple das deutlich bequemer machen sollte - noch dazu kann ich den Patreon/Steady-Feed auch in Podcatcher einbinden. Wenn das bei Apple nicht gehen sollte, dann ist das für die meisten deutschsprachigen Podcasts wohl sowieso obsolet.

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Ich glaube, ihr denkt das alles zu detailliert. Am Ende geht es um Nutzerfreundlichkeit für die Masse. Und denen sind so Feedfragen etc völlig wurschd. „Seamless experience“ und so. Das könnte in dem konkreten Fall heißen, dass Apple User mit einem Klick bezahlen können, ohne sich nochmals neu irgendwo anzumelden und Kontodaten zu hinterlegen (wie sie es bei Patreon/Paypal/Steady müssten), weil ihre Daten eh schon bei Apple hinterlegt sind. Da geht das Bezahlen eines Podcasts dann analog zum Kauf einer App. In der USA nutzen mehr als die Hälfte der Leute Apple, da hast du direkt einen Markt und erstmal einen Vorteil ggü Spotify. Viel mehr ist es dann vielleicht gar nicht.

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Verstehe ich das richtig, dass das nur geht, wenn ich einen extra-Feed bzw. extra-Content anbiete? Eine „freiwillige subscription“ ist nicht vorgesehen?

Das ist der USP. Hier wird der Content verkauft, wo er angeboten wird. Mit der Ausweitung auf andere Plattformen (Windows/Android) fällt auch die Apple-Hürde gewissermassen.

Ob das bzgl. Paywall-Inhalten via extra-Feed oder gar ohne Feed gelöst wird, weiss ich noch nicht.

Das Abo gibt dem User laut Apples Definition Zugriff auf Bezahlinhalte. Dass da Bezahlinhalte sein müssen, habe ich bislang nicht gelesen. Demnach könnten Userinnen auch abonnieren, ohne etwas dafür zu bekommen.

Ja, volle Zustimmung. Und da die Inhalte nicht exklusiv sein müssen, erschließt man sich u.U. einfach einen zusätzlichen Markt von Usern, die den von Dir beschriebenen Schritt mit Paypal-Daten bei Steady etc. nicht gehen würden.

Noch was zum Hosting rausgefunden:

Paid podcasts are hosted by Apple not by your podcast host. “Subscriber audio is only accessible on Apple Podcasts and is protected by Digital Rights Management”. You’ll be uploading uncompressed WAV or FLAC files; Apple will do the audio compression, and will also handle analytics.

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Das findet sich so auch im Backend wieder:

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Klingt so, als würde die „Bezahlfolge“ dann von Apple als Teil des Feeds ausgespielt werden – aber nur an ihre Nutzer*innen vermutlich.

Für mich sieht das Subscription-Modell aus wie man es sich vor vier Jahren ausgedacht hätte.

30% abgreifen bei gleichzeitigem Ansatz, dass es exklusive Inhalte geben muss, die ein Abo rechtfertigen. Enttäuschend.

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Ich fürchte auch, der Zug kommt nicht so recht aus dem Bahnhof. Auch die manuelle Einbindung des Bonuscontents wirkt etwas unbeholfen. Bislang erscheinen mir SEPA-Unterstützung und Steady (ob mit oder ohne Bonus) dem offenen Medium angemessener.

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Uuuund da ist die Antwort von Spotify über Anchor. „Your listeners, your community“ und „no platform fees“ eine klare Ansage an Apple.

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Der Anchor-Zwang schreckt mich als Podcaster natürlich sofort ab. Das wird vielen jedoch egal sein; dann sind die fehlenden Gebühren natürlich schön.

Aus User-Perspektive ist der Prozess (auf iOS) wieder komplizierter, weil keine In-App Abos zugelassen werden, um nicht 30% an Apple abdrücken zu müssen.

Apple sollte sich mit dem Windows/Andoid Launch beeilen.

Am Ende wird man als mittelgroßer Podcast realistischerweise eh beides bedienen müssen, wenn sich Apple und Spotify den Markt aufteilen und man was verdienen will.

hab ich auch grad drüber nachgedacht, aber bei Apple müssen die auch gehostet sein von Apple und bei Patreon kann ich auch nicht selber hosten, sondern muss mein File da hochladen. Wo ist der große Nachteil bei Anchor im Vergleich? (Vom zusätzlichen Aufwand es da AUCH NOCH hochzuladen. Den Vorteil eines zentralen RSS habe ich seit Subscripitions eh nicht mehr.

Meine Anchor-Aversion hat weniger mit Spotifys neuem Abo-Modell zu tun. Wobei Anchor in Vergangenheit gewisse Probleme geradegerückt hat.

Du sprichst ein grundsätzliches Problem an. Content hinter einer Paywall führt zu einer exklusiven Plattform, da sich die „Wall“ inhärent mit freier Distribution beisst. Bei Apple besteht daneben immerhin noch ein „normaler“, freier Feed. Spotify will den ganzen Podcast. Natürlich könnte man aber für Spotify einen eigenen Anchor-Podcast duplizieren und parallel verwalten. Immerhin zahlt man für den Mehraufwand keine Gebühren. Bei Patreon verhält sich das ja ähnlich (jedoch mit Abgaben). Aufgrund dieser Vergleiche bin ich auch gespannt, ob Patreon sich nun bewegen wird.

Wie @sofakissen angesprochen hat, wird man sich die strategische Frage stellen müssen, auf welchen Hochzeiten man tanzen soll. Überall, um möglichst viele Menschen zu erreichen, oder doch lieber nur da, wo das Verhältnis von Aufwand zu Gebühren am besten ist?