Anleitung: Ultraschall unter Linux (Ubuntu 21.10) installieren (ohne Ultraschall zu kompilieren)

Vielleicht kurz zu mir und warum ich diese Anleitung schreibe: ich habe Mitte letzten Jahres begonnen, die vorhandene Linux-Unterstützung in Ultraschall anzuschauen und etwas aufzuräumen und zu erweitern. Ich verwende Ultraschall unter Linux (Fedora) seit Mitte 2021 und habe damit erfolgreich ein paar Podcast-Episoden aufgenommen (inkl Studio-Link und mit einem Scarlett Focusrite 18i8 via USB).

Diese Anleitung habe ich für Ubuntu 21.10 geschrieben, einerseits weil ich verifizieren wollte, dass es auch unter Ubuntu (und nicht nur unter Fedora) funktioniert, andererseits, weil Ubuntu nach wie vor eine der beliebtesten Distributionen ist. Ich würde erwarten, dass diese Anleitung für alle gängigen Intel-basierten 64-bit-Linux-Systeme läuft.

Um dieser Anleitung zu folgen, gehe ich davon aus, dass man zumindest ein grobes Verständnis für das Terminal mitbringt. Alle Befehle, die man ins Terminal eingeben muss, fangen mit "$ " an und sind in Festschrift. Das „$“-Zeichen soll man nicht miteingeben. Es zeigt nur, dass es ein Terminal-Befehl ist.

Diese Anleitung umfasst folgende Schritte:

  1. Reaper installieren
  2. Ultraschall installieren

1) Reaper installieren

Unter https://www.reaper.fm/download.php kann man das Standard-Linux-Paket runterladen. Bei mir ist es reaper646_linux_x86_64.tar.xz. d.h. die Version 6.46 (Stand Januar 2022).

Wir wechseln zum Ordner, in dem sich das Paket befindet und entpacken es:

$ cd ~/Downloads
$ tar xvf reaper646_linux_x86_64.tar.xz

das entpackt in diesem Ordner den Ordner reaper_linux_x86_64 , wir wechseln also in diesen Ordner:

$ cd reaper_linux_x86_64/

Wir geben ein:

$ ./install-reaper.sh 

Und sehen dann:

$ ./install-reaper.sh 
REAPER installation script
-------------------------------------------------------------------------------
Available commands:
  [V]iew readme-linux.txt and REAPER license agreement

  [R]un REAPER from /home/thomas/Downloads/reaper_linux_x86_64/REAPER/reaper

     You can run REAPER without installing it.

  [I]nstall REAPER (you will be prompted for various options)

     This install script can put the REAPER program into /opt
     or ~/opt, or a path of your choice, and optionally set
     up desktop integration (menu items, file associations).

  [A]dd desktop integration for /home/thomas/Downloads/reaper_linux_x86_64/REAPER/reaper

     If you've extracted REAPER into the path you would like
     it to live in (/home/thomas/Downloads/reaper_linux_x86_64/REAPER), you can set
     up desktop integration (menu items, file associations, 
     etc) via this action.

Command [V,R,I,A]: I

Wir geben als „I“ ein und drücken Enter, wir sehen dann:

Install REAPER
  [1] Install to /opt (in /opt/REAPER) [will require sudo password entry]
  [2] Install to /home/thomas/opt (in ~/opt/REAPER)

  Or, enter a path starting with / or ~/ to install to that path
  (e.g. /foo to install into /foo/REAPER, or ~/foo to install into ~/foo/REAPER)

Path to install [1,2, or /whatever]: 2

Hier wählen wir Option „2“. Wir sehen dann:

Would you like to add desktop integration for this install [Y/N]?: Y

Hier wählen wir „Y“. Dann:

Confirm:
  Copy files to: /home/thomas/opt/REAPER
  + Perform desktop integration for /home/thomas/opt/REAPER/reaper

Proceed with installation [Y/N]?: Y

Hier wieder „Y“ und sehen dann ganz am Ende *** Installation complete.

Damit ist Reaper erstmal installiert. Wir starten Reaper zum ersten Mal mit:

$ ~/opt/REAPER/reaper

Hier können wir nun den Lizenz-Schlüssel eingeben oder aber erstmal Reaper evaluieren.

Wenn wir hier ein Fenster sehen mit dem Fehler „Error opening devices“ können wir das erstmal ignorieren und „Close“ klicken. Damit sollte Reaper erstmal laufen. Wir müssen nun Reaper schliessen und kommen zu Schritt 2.

2) Ultraschall installieren

Wir holen uns jetzt das neuste Vorab-Release von Ultraschall für Linux unter: https://github.com/Ultraschall/ultraschall-installer/releases

Zum jetzigen Zeitpunkt ist das „R5.1.0_14_202201011512“ bzw. einfach der Link ganz oben. Dazu die „Assets“ aufklappen und ULTRASCHALL_R5.1.0-preview.tar.gz herunterladen.

Wir gehen wieder zum Ordner und entpacken das Ultraschall-Paket:

$ cd ~/Downloads
$ tar xvf ULTRASCHALL_R5.1.0-preview.tar.gz

das entpackt Ultraschall in den Ordner „R5.1.0-preview“. Wir wechseln in den Ordner und installieren Ultraschall:

$ cd R5.1.0-preview/
$ ./install.sh

Wir sehen dann:

Your current REAPER configuration has been saved to /home/thomas/.config/ultraschall/backups/20220127T202141.
Installing the Ultraschall REAPER Theme...
Done.
Installing the Ultraschall REAPER Plug-ins...
Done.
Installing the Ultraschall StudioLink plugin...
Done.
Installing the Ultraschall StudioLink OnAir plugin...
Done.
Installing the Ultraschall Soundboard plugin...
Done.
Installing the Ultraschall REAPER Scripts...
Done.

Wir starten dann wieder Reaper:

$ ~/opt/REAPER/reaper

Wenn alles geklappt hat, sehen wir das Ultraschall-Fenster mit dem Titel. Somit haben wir die Installation an und für sich erstmal abgeschlossen und man kann loslegen!

ultraschall-ubuntu-after-install

Ich selbst verwende als Audio-System Pipewire (Standard unter Fedora seit Frühjahr 2021). Ich bin mir relativ sicher, dass das die ideale Konfiguration ist, man sollte Reaper aber auch bei einfachen Setups mit Pulseaudio verwenden können.

Dazu geht man auf:
Options > Preferences > Audio > Device
und wählt als „Audio System“ „Pulseaudio“.

Ich selbst setzte da „JACK“ und verwende die JACK-Emulation, die Pipewire mitbringt. Das ist meiner Meinung nach das beste Setup.
Ich kann dafür noch einen zweiten Teil dieser Anleitung liefern, falls das gewünscht ist um zu zeigen, wie man Reaper am besten mit Pipewire aufsetzt.

Viel Spass!

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Macht es einen Unterschied bei der Installation von Ultraschall, ob REAPER unter /opt oder unter /home/user/opt installiert wurde?

Ich würde keinen Unterschied erwarten, man muss dann einfach Reaper anders starten (/opt/REAPER/reaper statt ~/opt/REAPER/reaper). Ich hab diese Variante gewählt, weil ich nur 1 User auf dem System habe und die Zugriffsrechtsproblematik umgehen wollte als potentiellen Stolperstein.

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Im Homeverzeichnis des Benutzers also „/home/[username]/opt/reaper“ ist eine Einzelnutzer installation wärend die Option „1“ bei der Installation, also in „/opt/reaper“ eine systemweite installation ist.

in beiden Fällen sollte der Nutzer in der entsprechenden Gruppe für die Audiogeräte mitglied sein.

Ich bevorzuge eine Systemweite installation, aber das ist persönliche Vorliebe, da man dann in der Konsole nur noch „reaper“ eintippen muss um es zu starten.
Mit der Desktop-integration, findet man Reaper auch im „Anwendungsmenü“/„Startmenü“

Lieben Gruß

Nervo

Nachtrag:
Ich rate ab Ubuntu 21.10 für den Produktiven Einsatz als Podcast-Recorder zu verwenden.
Die Softwarepakete sind zwar relaitv aktuell, aber durch die häufigen Updates kann auch mal was kaputt gehen. Da würde ich eher eine stabilere Distribution mit längerem Support empfehlen. Bei Ubuntu, wenn es das sein muss, dann die LTS-Variante.
Bei Debian dann 11 Bullseye, da 10 nicht unterstützt werden kann.

Ich nutze zwar Manjaro und bin das schlechteste Beispiel für obige Aussage, aber ich habe auch ein Fallback-System neben Manjaro, das ich nur hochfahren muss, falls etwas schief geht.
Ich denke mal die meisten werden sich diesen Luxus nicht leisten können.
So nu ist aber auch gut für heute mit dem OffTopic.

Meine einzige Anmerkung ist, dass die 21.10 keine LTS-Version ist und Reaper in der Version 6.46 nicht offiziell von Ultraschall unterstützt wird. (Stand jetzt, kann sich ändern.) Die unterstützte Version ist 6.27.
Beim Download-Link die „646“ einfach gegen ein „627“ austauschen, wer möchte.

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Nein, das ist für Ultraschall unerheblich.

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Hallo Thomas,

Darüber würde ich mich sehr freuen.

Gruß fairsein

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Alles klar, ich schau mal, dass ich noch was aufschreiben kann :+1:

Ich habe gestern mittels der o. a. Anleitung die zurzeit aktuelle Version von REAPER (6.46) und Ultraschall (R5.1.0) unter Linux Mint (20.3 una) installiert (@rstockm hatte da auch mal einen Versionstest angefragt). Funzt soweit, dickes Danke!

Zwei Dinge sind mir in meinem Workflow bisher aufgefallen, von denen ich nicht weiß, ob sich an dieser Stelle richtig sind zu dokumentieren, oder ob sie evtl. einen Ultraschall-Bug darstellen:

  1. Wenn ich aus Ultraschall heraus einen StudioLink-Kanal aufmache und aufzeichne, macht REAPER einen Hardclose, wenn ich die Aufnahme beendet und zwischengespeichert habe, den Browser-Tab mit StudioLink gelöscht und dann „Prepare all tracks for editing“ durchführe (sowohl aus dem Check-Popup als auch aus dem Podcast-Menü-Pulldown). Ein einfaches Deaktivieren des StudioLink-Plugins auf dem entsprechenden Kanal mittels „Häkchen entfernen“ hat nicht geholfen. Erst wenn ich das Plugin aus der Effektkette des Kanals mit der StudioLink-Aufnahme lösche(!), komme ich ohne Absturz in den Edit-Modus. Leider gibt es kleinerlei Fehlermeldung dazu, sondern REAPER stürzt einfach ab. Wenn man das Programm dann neu startet, sind aber alle Aufnahmen und Einstellungen erhalten geblieben. Kann jemand anderes dieses Software-Verhalten bestätigen oder reproduzieren?

  2. Ich wollte gerne ein paar Actions aus der Liste an meinen Workflow anpassen. Allerdings heben sich einige Button-Bezeichnungen nicht vom Button-Hintergrund ab (siehe Screenshot). Die Funktionalität der Buttons ist gegeben, ich konnte aber nur Änderungen unter Linux Mint vornehmen, indem ich mir parallel das Action-Popup im meinem Mac aufgerufen habe, um so die korrekten Knöpfe zu drücken.

Wie ich überprüfen konnte, liegt es nicht an dem von mir ausgewählten globalen Mint-Theme, sondern an dem Ultraschall-Theme in REAPER. Wähle ich dort z. B. „default“ aus, sind die Button-Bezeichnungen lesbar, allerdings verliert man dann u. a. alle Ultraschall-Icons an der linken Bildschirmseite - also keine Alternative :dotted_line_face:

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Bezug nehmend auf die Schwierigkeiten beim Audio-Exportassistenten unter Manjaro, die @schlingel in diesem Faden beschreiben hat, möchte ich für Linux Mint an dieser Stelle mitteilen, dass der Export bei meinem ersten Testfile problemlos verlief.

Sowohl die drei testhalber angelegten Kapitelmarken, die ausgefüllten Metadatenfelder, als auch das per Drag-and-Drop reingezogene Podcast Episoden-Image wurden im .mp3-Format fehlerfrei exportiert.

Ich habe mir das unter Linux rausgebrannte File auf dem MacBook unter 10.14.6 in der Preview mittels Spacebar aufgemacht und alle Datenfelder wurden vom Finder korrekt angezeigt, inkl. Bild. Ich konnte auch zwischen den drei Kapitelmarken springen. Nice!

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Programmieren kann ich nicht, aber die Lösung für mein Darstellungsproblem bzgl. der Lesbarkeit von Button-Beschriftungen unter Linux Mint lag doch im Rahmen des Machbaren - nämlich in den Einstellungen des Templates für Ultraschall 5.

Hier nun ein weiterer Screenshot, der den Pfad zu dem Menü darstellt, wo man wirklich ALLES, was in Ultraschall zu sehen ist, mit einem neuen Farbwert versehen kann. Bei mir war es die Beschriftungsfarbe des Textes in Buttons (man vergleiche meine beiden Screenshots in diesem Faden „vorher/nachher“). Bei euch ist es vielleicht … etwas anderes?! Vielleicht einfach abspeichern unter der Rubrik: „Gut zu wissen!“

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Wow.

Vielen Dank für die Anleitung!

Habe das mit der Erwartung „wird bei mir unter Debian sowieso nicht funktionieren“ nach Anleitung auf meinem „Nicht-Aufnahme-Rechner“ mit Debian 10 gemacht.

Zu meiner Überraschung :slight_smile: scheint es (wenn auch mit Fehlermeldungen) zu laufen. Konnte eine mp3-Datei importieren und über mein Focusrite Scarlett 2i4 anhören.

War bisher mit Audacity unterwegs und bin von Ultraschall erst einmal erschlagen.

Werde mal ein bisschen damit herumspielen.

Vielen Dank!

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Hm. Irgendwas ist bei meiner Installation falsch; oft stürzt Reaper genau nach 10 Sek. Aufnahme oder Wiedergabe ab, manchmal aber auch nicht.

Habe gerade ziemlich viel Zeugs aufzunehmen; muss die Fehlersuche leider vertagen. Mit Audacity konnte ich mich anfangs auch nicht gleich anfreunden :wink:

Das geht mit der Anleitung ja wirklich erfrischend einfach, toll!
Ich teste nun unter Ubuntu 20.04 LTS erst mal die grundsätzlichen Funktionen, leider gibt es da schon früh mittelschwere Probleme. Ich sammle die hier:

Das Problem der zu kleinen GUI-Fenster bei skalierten Screens könnte sehr, sehr eklig werden. Über sachdienliche Hinweise wie Linux/REAPER hier agiert bin ich schon jetzt dankbar, gern auch in unserem Ultraschall-Chat zu dem ich gerne Linuxer:innen von hier einladen möchte. Einfach bei mir melden dann gibt es einen Zugang.

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Hallo,
ich bin schon lange raus aus der Technik aber das Problem haben doch andere bestimmt auch, da gibt es bestimmt was.

Daher diese Frage für einen Freund:

Wäre es nicht möglich vor dem Start von Reaper/ Ultraschall die aktuelle Monitor-Skalierung mit einem Shell script abzufragen, um dann Ultraschall mit der entsprechenden Skalierung zu starten [1]?

Wenn sich Ultraschall sich nicht mit Skalierung starten lässt, geht es vielleicht in den Settings [2].

Sorry, wenn das alles Unsinn ist aber ich wollte auch etwas die Diskussion in Gang bringen.

Grüße

Gero

[1]

[2]
https://wiki.cockos.com/wiki/index.php/Advanced_UI/System_tweaks

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@fairsein Ich hab nun meine Anleitung endlich mal fertig bekommen: Anleitung: Audio einrichten unter Linux mit Reaper/Ultraschall (Pulseaudio und Pipewire)

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Hallo,

bei mir klappt es unter Zorin OS 16.1 mit dieser Anleitung leider nicht. Die Reaper-Installation funktioniert und Reaper läuft auch. Allerdings kommt, sobald ich Ultraschall installieren will folgende Meldung:

Your current REAPER configuration has been saved to /home/christoph/.config/ultraschall/backups/20220406T191912.
Installing the Ultraschall REAPER Theme…
tar: ./themes/ultraschall-theme.tar: Funktion open fehlgeschlagen: Datei oder Verzeichnis nicht gefunden
tar: Error is not recoverable: exiting now
„tar xf ./themes/ultraschall-theme.tar -C „$HOME/.config/REAPER““ command failed with exit code 2.

Kann mir da bitte jemand weiterhelfen?

Liebe Grüße von Christoph.

Danke für die Anleitung. Klappte auf meine Framework-Notebook mit Fedora 35 auf Anhieb. Und bisher scheint alles zu funktionieren … das Zoom H6n, Studiolink … sieht gut aus.
Noch zu testen: MIDI-Keyboard als Controller.

Endlich mit Komfort auch unter Linux podcasten. :slight_smile:

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Zu Zorin OS kann ich nichts sagen. Wir können nicht jeden Linux-Flavour testen und damit auch nicht supporten. Wir können jetzt schon sagen, dass Ultraschall unter aktuellen Fedora- und Ubuntu-Releases laufen wird. Darüber hinaus, müssen wir dann im Einzelfall gucken, aber ausprobieren können wir das leider nicht.

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Hallo,

macht es einen Unterschied, wenn ich erwähne, dass Zorin OS 16 auf Ubuntu 20.04 basiert?

LG Christoph

Hallo,
das Zorin ein Ubuntu Derivat ist, lässt mich hoffen, dass der Fehler an einer anderen Stelle als dem OS liegt.

Leider ist es schwierig etwas genaueres dazu zu sagen, da Du den Fehler nicht sehr genau beschreiben hast.

Meine Glaskugeln sagt mir, dass es ein Rechteproblem sein könnte oder beim Ablauf der Installation etwas nicht stimmt.

Mein Vorschlag wäre:
Versuche Ultraschall auf einer Ubuntu Installation auf einem USB Stick zu installieren.

Wenn das nicht funktioniert, stimmt etwas bei Deinem Ablauf der Installation nicht.

Wenn das Funktioniert, kann man anfangen die Unterschiede zwischen Zorin & Ubuntu zu analysieren.

(Ist nur ein Vorschlag)

Grüße

Gero

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