Anfänger fragt nach: Podcast mit 3+ Leuten - welches Setup?


#1

Hallo Leute,

ich bin neu hier. Mein Name ist Christian und ich möchte demnächst einen seriösen Podcast mit 2-3 Leuten starten. Dabei werden auch Interviewteilnehmer dabei sein, sdass es dann auch gern mal 4 Leute sein können.
Ich habe hierzu viel im Forum gelesen. Da ich leider technisch kaum bewandert bin, was Audioaufnahme betrifft, muss ich nochmal nachfragen; ich hoffe, das ist okay.

Der Sound soll natürlich recht professionell klingen, da es ein seriöser Podcast werden soll. Dazu brauche ich Mikrofone (klar!). Nun dachte ich, dass man einfach in den Laptop stecken kann und per Garaggeband aufnehmen kann (MacUser). Mittlerweile weis ich, das geht nicht und ich muss mehr Geld investieren für guten Klang.

Also hier gestöbert und siehe da: HMC660 mit Zoom H6. Dazu habe ich nun einige Fragen, was dieses Setup angeht…

  1. Soweit ich es verstehe: alle Mikros in das H6, auf “Rec” und dann gehts los. die SD-Karte speichert alles. Frage: Werden alle Kanäle auf einzelnen Spuren ausgegeben, oder ist dann alles eine Spur? Wegen der Nachbearbeitung…

  2. Brauche ich überhaupt einen Rechner für die Aufnahme mit dem H6? Ich würde natürlich gern Ultraschall oder Audacity für die Aufnahme verwenden, sodass ich damit alle Spuren “Live” aufzeichnen kann.

  3. Eignen sich die mitgelieferten Mikrofone des H6 auch dazu, das Gerät einfach auf den Tisch zu legen und aufzunehmen? Zum Beispiel für eine Talkrunde. Oder ist die Qualität dann sehr schlecht?

  4. Welche Alternativen zum H6 gibt es, um 4 sprechende Personen aufzunehmen, ohne ein Vermögen ausgeben zu müssen?

  5. Hören sich bei der Aufnahme mit dem H6 alle Teilnehmenden über die Kopfhörer?

  6. Wie kann ich eine Skype-Schalte mit dem H6 realisieren? Dazu muss es ja tatsächlich an den Rechner angeschlossen werden, wenn ich nicht ganz blöd bin.

  7. Wie kann ich Telefonie mit dem H6 realisieren?

Das sind erstmal meine Fragen. Sicher sind sie euch sehr bekannt, viele Fragen wurden hier im Forum auch schon beantwortet. Ich sag mal eine dickes DANKE im Voraus und finde es toll, dass man hier so gute Infos findet. Weiter so!

Besten Gruß,

Christian


#2

Zu einigen Fragen kann ich Auskunft geben. Alles andere muss von anderen kommen.

Ja, das geht ohne Probleme. :slight_smile:

Davon möchte ich abraten. Du hast einerseits keine Spurtrennung in der Nachbearbeitung und andererseits Raumhall sowie verschiedene Lautstärken der Gesprächsteilnehmer.
Ich habe so etwas neulich sogar bei einem UKW-Lokalradio in einem amtlichen Studio gehört. Böser Anfängerfehler in einer professionellen Umgebung. :roll_eyes:

Ein Kompaktmischpult. Allerdings sollen die HMC mit 48 Volt Phantomspeisung (Standard) keine guten Ergebnisse erzielen; mit 12 Volt angeblich schon. Wenn Du sie nicht umbauen möchtest, muss die Phantomspeisung wählbar sein. Beim H6 ist das der Fall.

Sofern Du einen Kopfhörerverstärker / -verteiler dazwischenschaltest: Ja.
Das hat außerdem den Vorteil, dass jeder Teilnehmer sich seine eigene Lautstärke einstellen kann.

Richtig, ohne Rechner geht das nicht.
Grundsätzlich gilt: Realisiere bitte eine “n-1 Schaltung” (aka “Cleanfeed” oder “mixminus”). Der externe Gesprächsteilnehmer darf auf der Rückleitung alle Signale bekommen (“n”) außer sich selbst ("-1"). Sonst würde er gegen sein eigenes Echo ansprechen und das gelingt nur Profis mit Übung, da nicht ins Stottern oder Leiern zu kommen.

Viel Erfolg!


#3

Hi Christian,

willkommen im Sendegate!

Alles auf einzelnen Spuren. Du kannst das H6 auch als Audiointerface betreiben und statt an dem Gerät im Mac aufnehmen. Womit wir auch gleich bei der Software sind. Schau Dir unbedingt mal http://ultraschall.fm an. Das ist eine Erweiterung für die Audiosoftware Reaper, die aus einer recht sperrigen Software das perfekte komfortable und professionelle Aufnahmestudio für Podcaster macht. Reaper kann man 30 Tage kostenlos testen und danach kostet es erschwingliche 65€. Hier im Forum ist Ultraschall sozusagen der Goldstandard und die Tutorials auf ultraschall.fm liefern Dir eigentlich alles was Du wissen musst. (Auf Wunsch in beliebiger Tiefe)

Nein, Du brauchst keinen Rechner, aber ein Rechner hat durchaus auch Vorteile (z.B. die Möglichkeit Skype-Schalten direkt einzubinden und aufzunehmen.) Nimm Ultraschall und lass Audacity sein.

Ja, Du nimmst dann aber auch eine Menge Raumklang mit auf. Das kann ok sein, nervt aber vielleicht auch. In jedem Fall solltest Du versuchen nicht gerade in der Küche zusitzen sondern in einem Raum in dem vielleicht dank Textilien, Bücherwänden, Teppiche etc. wenig Hall ist…

Da gibt es einige Möglichkeiten, z.B. das H4 oder H5, dann halt mit zwei günstigen Mikros auf Stativ. Nachteil eben wieder der Raumklang… Eine andere Möglichkeit ist ein Mischpult wie mein Behringer UFX1204 USB. Das bekommst Du für ca. 250€ und es schickt Dir für jeden Kanal eine eigenständige Spur an den Rechner oder nimmt alternativ jede Spur einzeln auf eine SD Karte auf. 250€ sind immerhin knapp 100€ weniger als das H6, allerdings hat das H6 natürlich einen unschlagbaren Mobilitätsvorteil.

Nur wenn Du einen Mikrofonsplitter verwendest, also ein Gerät, das Du an den Mikroausgang steckst und in dem dann die verschiedenen Kopfhörer eingesteckt werden. Das gibt es aber für recht schlankes Geld (~20€)

Da empfehle ich Dir ein phantastisches Video von @rstockm namens “Der Weg des Schalls”. Da wird Dir unter anderem das (und noch viel mehr) super verständlich erklärt. NIcht von der Länge abschrecken lassen! Das Video ist es wert, auch wenn man vielleicht gar nicht vor hat Ultraschall zu nutzen:

Tausend Wege führen ans Ziel. Die Idee, die mir da als erstes in den Sinn kommt ist eine dedizierte Telefonnummer bei einem SIP Anbieter zu buchen und dann das Gespräch mit einem SIP CLient am Rechner entgegen zu nehmen. Wenn es nur darum geht jemanden via Telefon zuzuschalten, dann kann man auch alternativ in Apps wie Skype oder Hangout eine Telefonnummer anwählen. Dann ist Dein Gesprächspartner am Telefon, Du bekommst das Gespräch aber am Computer und nimmst es wie einen regulären Skype Call auf.

Viele Grüße,
//D

P.S.: Wir finden es hier immer nett wenn sich Neuankömmlinge ein Profilfoto gönnen und kurz im enstrepchenden Thread vorstellen: Der große "ich stelle mich vor" Thread


#4

Moin!
Danke für die tollen ausführlichen Antworten!
Ich halte fest: da ich mobil bleiben muss (kein Auto, wechselnde Orte zum aufnehmen) ist das H6 eine gute Lösung. Auch dann, wenn ich alles realisieren möchte, wie oben beschrieben. Toll ist, dass ich es auch am Rechner als Interface nutzen kann, damit ist mit und ohne Rechner alles möglich.

Die Alternative H4 oder H5 sehe ich mir an, damit ich verstehe, wie du es meinst mit den Mikros auf Stativen. Wie sieht es denn mit diesem Gerät aus: http://www.thomann.de/de/focusrite_scarlett_18i8_2nd_gen.htm?r=app

Hat das nicht sogar noch mehr Eingänge und kann als Interface dienen?

Dann werde ich das nun mit meinen Leuten durchsprechen und alles besorgen. Ultraschall werde ich mir voraussichtlich dann auch besorgen. Über die Software habe ich dieses Forum erst gefunden :slight_smile:

Ich Danke schonmal herzlich! Heute Abend zu Hause in Ruhe werde ich mich im Thread vorstellen! Jetzt erst mal zur Arbeit.
Ich sende Grüße!

Christian


#5

Das Focusrite ist ein feines Gerät. Wenn du es günstiger haben möchtest, kann ich dir vorbehaltlos das Behringer UMC404HD emfpfehlen.

Beide Geräte, also sowohl das Focusrite als auch das Behringer, stellen aber ausschließlich 48V Phantomspeisung zur Verfügung. Wenn du damit die allseits beliebten Superlux HMC 660 X betreiben möchtest, musst du dir - am besten in ein kurzes Patchkabel - einen Widerstand einlöten.


#6

Okay, danke! Dann kommt das eher nicht in Frage.

Ich habe mir das Video angesehen, dazu habe ich weitere Fragen, vielleicht habe ich es auch einfach nicht gut verstanden.

Damit ich über Kopfhörer alle Teilnehmer in der Runde hören kann, benötige ich einen Splitter. Dieser wäre aber nicht nötig, wenn ich den Rückkanal von Ultraschall nutze. Wenn ich den Rückkanal nutze, kommt es jedoch zur Latenz, was ein unschöner Effekt ist und sicher gerade im Bereich Aufnahme mit mehreren Personen verwirrt.
Was für mich nicht genau geklärt ist: Wenn ich das H6 nutze mit Splitter: kann ich dann alle Teilnehmer hören, oder nur mich? Ich muss ja irgendwie ein Gespräch führen - dazu eben den Gegenüber hören. Oder hab ich was falsch verstanden?


#7

Bei Punkt 5. ist Dir vermutlich ein kleiner Wortdreher passiert: Statt MIKROFONausgang/-splitter meintest Du sicherlich am Kopfhörerausgang und einen Kopfhörersplitter. Von einem einfachen Splitter möchte ich nach meiner Erfahrung damit abraten, denn der bietet keine Regelmöglichkeit für jeden einzelnen Kopfhörer. Diese Regelmöglichkeit für die Abhörlautstärke bekommt man mit einem schon recht günstig zu erwerbenden Kopfhörerverstärker mit z.b. 4 Kanälen. Roundabout 29,- bzw. 89,- habe ich für zwei verschieden wertige Exemplare ausgegeben (und nicht bereut). Ich nutze mobil einen Behringer MICROAMP HA400 Kopfhörerverstärker und im stationären Betrieb den ART HeadAMP 4 (bei Thomann bestellt).


#8

Achtung beim H4/H5 wenn Du die günstigen HMC660X Headsets verwenden möchtest. Die HMC660X vertragen keine 48V Phantomspannung. Schau vorher unbediingt nach, ob der Recorder/das Interface Deiner Wahl weniger als 48V Phantomspannung für die Mikrofone der Headsets anbietet. Beim H6 ist das so. Da kannst Du wählen ob 12V, 24V oder 48V verwendet werden soll. Diesen Luxus bieten nur sehr wenige Recorder/Interfaces. Also: Vorher prüfen!


#9

Wenn Du die Kopfhörer direkt am H6 ansteckst (ggf. mit Kopfhörerverstärker dazwischen), dann nutze für die Teilnehmer am Tisch NICHT den Rückkanal aus Reaper. Das H6 verfügt über ein so geanntes Zero-Latency-Monitoring. Bedeutet: Die Signale der am H6 angestecketen Mikrofone werden, sofern das ZLM aktiviert ist, direkt an den Kopfhörerausgang durchgeleitet. Das ist perfekt, denn die Teilnehmer hören sich (und die anderen) auf ihrem Kopfhörer ohne nervige Latenz.
Die Signale der externen Teilnehmer (z.B. via Skype, StudioLink) läßt Du über den USB-Rückkanal ins H6 einspeisen. Dann hören alle lokalen Teilnehmer auch die externen Teilnehmer. Dazu brauchst Du die in Reaper mitgelieferte Routingmatrix, um dort die oben schon erwähnte “n-1”-Schaltung zu realiesieren. Und das war’s dann auch schon. Klappt super!


#10

Das ist nur bedingt richtig. Soweit ich die Diskussion mitbekommen habe, klingt das Headset bei 48 Volt (die es natürlich verträgt!) seinem Preis entsprechend. Ohne es überprüft zu haben, soll der Klang bei niedrigerer Spannung besser sein - hier im Board mehrfach nachzulesen.

Für das H5 kann ich die wählbare Phantomspeisung bestätigen; das H5 ist dem H6 in vielen Details vergleichbar.

Wenn man die Software ohnehin hat, bietet sich das natürlich an.
Ansonsten empfehle ich (und sicher noch einige andere) den Einsatz von Voicemeeter Banana zur Realisierung dieser Schalte. Geht prima und an jeder DAW / mit jedem beliebigem Interface. :sunglasses:


#11

Das Mikrofon des HMC660X geht mit 48V nicht kaputt. Soweit richtig. Aber es klingt nicht “seinem Preis entsprechend” sondern nahezu unbrauchbar schlecht. Und das völlig unnötig. Denn wenn man es mit z.B. nur 12 V ansteuert, dann klingt es kaum unterscheidbar gut zum teuren Beyerdynamic DT297 Mikrofon. 8-o
Habe ich selber ausprobiert. Mit meinem H6. Mir waren die HMC660X dann aber zu Störanfällig was Einstrahlung von außen angeht und bin auf die leider sehr teueren aber guten Beyerdynamic DT-297 umgeschwenkt.


#12

Was soll ich sagen… ein dickes Danke an alle!
Alle Fragen beantwortet und ich hab’s so langsam durchdrungen. Insgeheim steht das H6 fest, da ich damit alles an Mikros und Headsets nutzen kann. Man weis ja nie, mit wem man da nen Interview führt. Und meine mitpodcaster können sich ein Mikro aussuchen, sodass es nach Belieben gehen kann ohne Abstriche machen zu müssen.

Damit halte ich fest:
Ich besorge mir das H6, das Behringer Microamp 440 und die HMC660X, sowie Ultraschall. Damit hab ich ein Setup, das mobil ist, in den Rucksack passt und sämtliche Mikros aufnimmt. Gleichzeitig gute Studioqualität, sodass der Podcast auch professionell klingt. Bin gespannt, wie es denn klappt, wahrscheinlich werde ich mich bei Problemen wieder melden müssen. Ansonsten Berichte ich, wenn die erste Sendung aufgezeichnet ist und der Erfahrung.

Vielen Dank an alle!


#13

@fotophonie Ich war gerade mal kurz auf der Seite eines bekannten Musikhauses mit Internetshop in Sachen HMC und habe überrascht gelesen:

benötigt Phantomspeisung 1,5 V - 9 V

Hat sich da was geändert? Das würde in dem Fall ja sämtliche Umbauten, Löterei und Zwischenstecker überflüssig machen. Aus den älteren Bewertungen lese ich da noch die 48 Volt heraus. :thinking:

Wäre nett, wenn das einer der Profis hier prüfen könnte.


#14

Das war schon immer so, nur die technische Doku war … missweisend. Bei 48V geht das Mikrofon halt nicht kaputt. Das ist aber auch schon alles. Die Lötereien bzw. Zwischenstecker sind weiterhin notwendig, wenn der Recorder/das Interface ausschliesslich 48V Phantomspannung liefert und man unbedingt die HMC660X benutzen will.


#15

Auch wenn es hier schon korrigiert wurde möchte ich da nochmal nachlegen: das HMC produziert jenseits seiner Spezifikationen (1,5 V bis 24 V) zwar Klang, der ist aber nicht ansatzweise als sendefähig zu bezeichnen. Hier nochmal mein uralter A/B Vergleich, da wird schnell klar wie das gemeint ist:

Das HMC660X an 48 V:

Und im Vergleich an 24V oder weniger:

Alle weiteren Details gibt es in dieser Posting-Strecke, es lohnt das vor Investitionen einmal durchzuarbeiten:


#16

Genau, das hatte ich mir angesehen. Daher ja auch die Wahl des HMC660X, weil es auch für meine Mitstreiter nicht in Unkosten endet.
Da ich eine Bezugsquelle für sennheiser hätte, wäre nochmal die Frage, ob ihr Erfahrungen mit sennheiser habt? Welches käme da an die Qualität ran?
Ich hab mich jetzt auch so auf Headsets eingeschossen, ich denke das ist die beste Variante, um Raumplanung zu vermeiden. Habe hier gelesen, dass Mikrofone anfällig sind für Vibrationen, man muss sehr genau reinsprechen, was alles ein Headset begünstigt. Habt ihr auch Vorteile für Mikrofone anstatt Headsets?


#17

Puh… nein, ich habe keine Erfahrungen mit Headsets von Sennheiser. Allerdings würde ich - aufgrund stets guter Erfahrungen mit diesem Hersteller - solchen Angeboten mittlerweile blind vertrauen. Nur bei der Ausgestaltung für den Einsatzzweck (dynamisches oder Kondensatormikrofon?) würde ich lieber noch mal testen.

Als Kopfhörer nutze ich den HD 25 (allerdings mit den Velours-Ohrpolstern). Ich glaube, der dient auch als Basis für die 26er Headset-Reihe. Zu weiteren Baureihen kann ich noch weniger = gar nichts sagen.
Manche Kollegen behaupten, der HD 25 säße zu stramm auf den Ohren. Das kann ich selbst nach langer Tragezeit nicht behaupten - und ich habe nun nicht gerade einen schmalen Kopf. Aber das muss jeder für sich herausfinden.

Das würde ich so nicht unterschreiben. Akustische Maßnahmen im Raum hängen primär von der Wahl des Mikrofons, seiner Empfindlichkeit und Richtcharakteristik ab. Natürlich spielt die Platzierung des Mikrofons eine nicht zu unterschätzende Rolle. Du selber hattest in Deinem EP ja unter Punkt 3 die Frage gestellt, ob man mit den internen Zoom-Mikrofonen auf der Tischmitte aufnehmen könnte - und ich habe Dir umgehend davon abgeraten (es sei denn, man möchte das als zusätzliche Spur ganz leise als Atmo unterlegen, damit es nicht zu steril wirkt).

Headsets haben vor allem einen Vorteil: Sie nehmen Personen gleichmäßig auf, die sich gerne bewegen (quasi auf der x-, y- und z-Achse). Für weniger bewegungsfreudige Menschen täte es auch ein Lavaliermikrofon (was bei mir z.B. in Video-Livestreams überraschend gute Resultate erzielte).

Zudem sorgen sie für einen festen, gleichmäßigen Sprechabstand zwischen Redner und Mikrofon. Das ist soweit unstrittig.

Möchtest Du nun eine super entspannte Gesprächsatmosphäre schaffen, bei der sich Deine Gesprächspartner auf dem Sofa lümmeln und sich hin und wieder zu den Getränken vorne auf dem Tisch beugen, ist das Headset ganz klar das Mittel der Wahl.

Das ist mir etwas zu pauschal. Manche Mikrofone sind tatsächlich recht anfällig für Griffgeräusche, andere weniger. Das liegt zum einen am Wandlerprinzip (Dynamiker vs. Kondensator), zum anderen an der Qualität, die sich nicht zuletzt in der Bauart widerspiegelt. Dann gibt es noch Modelle mit geräuschlosem Schalter, andere wiederum knacksen deutlich hörbar.
Es kommt halt darauf an, was man in der Hand hat und wie man damit ungeht.

Steht das Mikrofon auf dem Tisch, ist eine Entkopplung (“Spinne”) ratsam, die allerdings auch nicht jede Sauerei abfangen kann, wenn Du es z.B. mit einem sehr emotionalen bzw. impulsiven Gesprächspartner zu tun hast.

Nein, auch da stimme ich nicht komplett in den Chor ein, der so gern und oft gesungen wird. Man müsste sich halt nur mal näher mit den Polardiagrammen der Mikrofone beschäftigen - die bei den Billigmodellen meist fehlen oder nur schwer lesbar sind. Zumal man im Netz immer wieder Praxistipps findet, die die eine gewisse Abweichung von der 0°-Einsprechrichtung empfehlen (Stichwort “Plosivlaute”).

Recht amüsant finde ich auch, dass hier bei Sendegate eine Mehrheitsmeinung zugunsten der Richtcharakteristik “Super-/Hyperniere” zu herrschen scheint (ich lasse mich allerdings gerne eines besseren belehren, wenn ich das falsch wahrnehme).
Tatsächlich fordert diese Charakteristik eine höhere Mikrofondisziplin; das stimmt. Aber ich wüsste im Augenblick kein sinnhaftes Argument gegen die klassische Niere oder gar eine breite Niere. Ich persönlich jedenfalls würde diese Variante sogar bevorzugen.

Wie das nun wiederum bei Headsets aussieht, kann ich nicht beurteilen.

Da wird es dogmatisch. Ich bin nicht gerade ein Fan von Headsets und damit hier bei Sendegate ein krasser Außenseiter; der große Strom lässt nur wenig Nebenflüsse zu. Allerdings blitzt hier hin und wieder Equipment auf, das so gar nicht der vorherrschenden Meinung entspricht. Es werden also offenbar auch gute Podcasts mit abweichenden Mikrofonen, sonstiger Hard- und Software produziert.
Ganz abgesehen davon: Ein Blick über den Tellerrand (Podcaster, die nicht bei Sendegate unterwegs sind) ist manchmal recht erfrischend.

Nun muss man zu meinem Erfahrungsschatz einschränkend ergänzen, dass ich nicht der klassische Podcaster bin, sondern mich eher aus der Broadcast- und Reportagen / Features-Ecke sehe. Podcasts bzw. “noch mal zum nachhören” sind dann mehr so Nebenprodukte.
Aus diesem Grund gibt es bei mir keine Headsets, sondern ein Mischpult, Interfaces, ein Zoom und verschiedene Mikrofone je nach Einsprech- und Interviewsituation. Ganz gleich ob auf dem Stativ oder in der Hand.

Welche Vorteile ich darin sehe? Jeder kann mit einem Mikrofon umgehen, und durch geschickte Steuerung des Interviewers ist eine gewisse Mikrofondisziplin kein Hexenwerk. Zu alledem bin ich je nach Anforderung sehr flexibel.
Wir sollten uns stets vor Augen halten: Letztlich reden wir hier über eine Audioproduktion, die den Hörern auch nach längerer Zeit noch gefällig im Ohr sein soll.

Zum Abschluss: Mein Favorit ist das Sennheiser evolution e 835. :sunglasses:
Sensationell guter Dynamiker, der einem fast nix krumm nimmt. Am H5 ist das mein Favorit für den “Straßenkampf” = draußen uff’ de Gass’ den Leuten das Ding zum Interview unter die Nase halten. Vom Preis-/Leistungsverhältnis halte ich das für unschlagbar (na gut, wir reden noch mal drüber, wenn ich das MD 42 testen durfte). :wink:


#18

Bei dynamischen Mikros spielt die Richtcharasteristik wohl in der Tat keine wesentliche Rolle - bei Kondensator ist das anders. Wenn man da nicht auf eine Superniere geht, hat man in der Regel den Kompletten Raumklang plus Übersprechen der anderen Sprecher mit drauf - was man selten will.


#19

Schwierig. Meiner bisherigen Erfahrung nach scheint es ungewöhnlich schwierig zu sein, ein sauber klingendes (meint: neutrales) Headset zu bauen. Ich habe zwei oder drei von Sennheiser ausprobiert, die ich als Katastrophe eingruppieren würde, und die lagen immerhin schon um 150 €.
Auf die Gefahr hin, etwas pauschal zu werden:

  1. Mir ist überhaupt kein einziges, gut klingendes dynamisches Headset bekannt. Das ist alles dumpf, die Fläche in der Kapsel eines Headsets ist da scheinbar physikalisch einfach zu klein. Für Gaming mögen die brauchbar sein, nicht aber für Podcasting.
  2. Es gibt nicht wirklich viele Kondensator-Headsets. Alles was gut klingt liegt gleich in der Preisliga der Beyerdynamics, also 250 € aufwärts. Einzige Ausnahme ist das besagt HMC660X bei richtiger Stromzufuhr und wenn man etwas Glück hat oder Aufwand betreibt bzgl. Störeinflüssen. Das ist auch der Grund, warum sich davon mittlerweile hunderte (tausende?) verkauft haben. Ich warte sehnlichst seit Jahren darauf, dass sich irgendwas in der Preisregion um 150 € tut - leider Fehlanzeige. Ich bin sehr aufgeschlossen für sachdienliche Hinweise in dieser Richtung.

Ansonsten würde ich den Ausführungen von @UliNobbe gar nicht widersprechen - auch wenn er sich hier gerne als Exot ausgibt, gibt es durchaus eine postingstarke “Normalmikro”-Fraktion. Es ist völlig unstrittig, dass man damit perfekt klingende Podcasts produzieren kann, m.E. ist halt das Handling von Headsets insgesamt einfacher, unproblematischer und vor allem für ungeübte SprecherInnen sicherer.

Das mit dem “über den Tellerrand des Sendegate schauens” ist so eine Sache - das betreibe ich sehr regelmäßig, da bleiben die Leute aber regelmäßig beim Rode Podcaster oder anderen USB-Mikros kleben - da fällt mir dann halt nicht mehr so viel zu ein und den Leuten auch nicht wenn sie plötzlich doch mal zu zweit vor dem Mikro sitzen wollen.

Das ist vielleicht so ein Unterschied der Szenen, den man mal empirisch messen müsste: Wir hier im Sendegate haben als Standard-Usecase die Gesprächsrunde - anderswo dominiert eher die “ich verkünde Wahrheit über mein Business xy” Solo-Nummer. Aber das ist jetzt mal nur so in den Raum vermutet.


#20

Moin,

danke für die detaillierten Ausführungen. Ich hatte mich in dem Thread der Mikrofon- und Headsettests umgesehen, und war da auch eher ernüchtert von der Qualität des Sennheisers. Was mir positiv auffiel, war jedoch das t.bone SC600, was auch noch erschwinglich wäre. Ich könnte meinen Mitstreitern ja auch das 400er nahelegen. Allerdings brauch man dann wieder den Poppschutz, die Spinne und das Stativ - deutlich mehr Equipment zum schleppen und letztlich preislich bei rund 100€.

Ich denke mal, dass ich mich auf ein Headset fetlegen werde, den anderen aber die Wahl lasse. Wenn es mir nicht gut passt, kann ich ja immernoch wechseln. Mit den Ausführungen bin ich nun aber nochmal etwas sicherer, danke Euch!