Verbesserung nicht eingehaltener Mikrofondisziplin


#1

Hat jemand einen Tipp, wie man in der Nachbearbeitung (Audacity und Ultraschall) den Effekt nicht eingehaltener Mikrofondisziplin etwas abschwächen kann? Der Effekt, dass Teile eines Satzes leiser werden, weil der Kopf wegdreht.


#2

Kopfhörer lauter machen … damit Du selbst hörst, dass Du leiser wirst.


#3

Öhm, Kompressor verwenden?


#4

schon versucht, kein hörbarer Erfolg.


#5

Also ein Kompressor wäre eine gute Variante wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, aber ich denke, wenn du etwas übst und mal absichtlich verschiedene Abstände und Richtungen am Mic unter Kopfhörer testest, dann lernst Du auch, worauf Du achten solltest.
Wenn alles nichts hilft, musst Du eventuell ein Mic mit einer anderen Charakteristik nehmen, vielleicht eine Kugel oder so.


#6

Es geht um den Brunnenfall. Bisher hat alles immer problemlos geklappt, durch verschiedene Umstände war es jetzt einmal schwieriger. Muss ich beim Kompressor etwas anders einstellen als die “Normaleinstellung”?


#7

Also reinhören hilft immer. Was der Kompressor macht, ist die lauten Stellen leiser um sie im Vergleich zu den leisten Stellen anzupassen. Das Problem ist, dass Du ein Wegdrehen aus dem empfindlichen Bereich des Mics nur bedingt kompensieren kannst. Was Du also tun solltest, ist zu gucken, ob Du den Kompressor so einstellst, dass die lauten Stellen möglichst so leise werden, wie die leisen Stellen, die dich stören. Am Ende verstärkt ein guter Kompressor dann alle Stellen wieder auf ein entsprechende Niveau.
Guck mal hier: https://www.youtube.com/watch?v=DYOuClAWokg


#8

Schaue ich mir an. Danke für deine schnelle Hilfe!


#9

Es gibt mehrere Probleme bei mangelnder Mikrofondisziplin:

  • Lautstärkeschwankungen (nah/weit und hin-/weggedreht)
  • Klangschwankungen (besonders beim wegdrehen)
  • bei Mikros mit Niere-Charakteristik: 'rauswandern aus dem Richtfeld

Letzteres kann man bei Handmikros durch Verwendung von Mikros mit Kugelcharakteristik vermeiden, siehe auch Suche Top Nackenbügel-Mikrophon ohne Kopfhörer
Ein Headset bzw. Nackenbügelmikro hilft gegen alle drei Probleme.

Wenn die Aufnahme schon mal in den Brunnen gefallen ist, dann muss nachgeregelt werden. Dies kann man mit einem Kompressor tun - oder auch manuell. Je nachdem, wie oft und schnell der Kopf weggedreht wurde.

Beim Kompressor dreht man den Gain hoch - und kappt dann oben ab. Das sorgt dann aber auch dafür, dass Rauschen und andere Störgeräusche deutlich stärker werden - und das an Stellen, an denen gar keine Verstärkung notwendig wäre. Daher würde ich erst einmal schauen, ob man das Gros nicht manuell wenigstens grob per “Laustärke-Malen” vorpegeln kann (geht natürlich nur, wenn es nicht allzu viele Stellen sind).

Das zweite Problem ist der Klangunterschied - bei “Weggedreht” hat man viel mehr Raumklang und weniger Präsenz. Also müsste man zur Angleichung bei den “heilen” Stellen etwas künstlichen Raumklang dazumischen, und an den “Weggedreht”-Stellen den EQ entsprechend dazwischenmischen. Das kann nicht jeder EQ (oft nur schaltbar), und man muss die entsprechenden Einstellungen auch erst mal finden.

Das ist aber immer viel Arbeit - und dann ist es manchmal einfacher, den ganzen Take noch mal zu machen. Wenn es denn geht.


#10

Danke dir!


#11

Du könntest mal den ERA Voice Leveler antesten (2 Wochen läuft das Ding auch so), der kann offenbar auch tonale Schwankungen zumindest etwas kompensieren.


#12

Hiermit schon experimentiert? Das würde ich jederzeit einem Kompressor vorziehen da deutlich besser einzustellen:


#13

Hat sehr gut funktioniert, danke! Entscheidender Tipp hierbei (glaube ich), das Spur für Spur zu machen. Ich hatte das bei der Aufnahme damals auch angewendet, aber für die Masterspur (facepalm hier einfügen).

Danke dir jedenfalls!


#14

Nachtrag/Frage: Ich habe jetzt gemerkt, dass der Ultraschall Dynamics-Filter das Problem massiv verstärkt, bzw. das Problem überhaupt erst hörbar auftreten lässt. Ich spreche in ein Sennheiser e845, drehe meinen Kopf etwas hin und her, um die nicht strikte Mikrofondisziplin zu simulieren. Ohne Filter ist kein Anheben und Absinken der Lautstärke hörbar, mit dem Dynamics-Filter massiv. Woran liegt das? Bzw: Hilft ein Feintuning von Noisegate, -floor etc - und wie müsste das aussehen?

Edit: Asche und Gummibärchen auf mein Haupt, ich hatte wohl in der Vergangenheit schon am Dynamics-Filter rumgespielt. Nach dem Zurücksetzen auf Werkseinstellungen bzw Basic ist das Problem nicht mehr so krass. Aber: Ich bilde mir ein, dass es die Schwankungen dennoch verstärkt.