Steuerliche Aspekte


#1

Anfang 2013 hatte ich bei meinem Finanzamt nachgefragt, wie es sich mit den Einnahmen, die ich über Flattr, Spenden etc. für meinen Podcast erhalte, verhält: Muss ich diese als “Gewinn” angeben? Kann man die “Ausgaben” für Equipment dagegen rechnen? Die Antwort poste ich hier mal, da ich denke, dass sie für andere ebenfalls interessant sein könnte. Das soll aber keine “Absolution” darstellen – letztendlich sollte jeder individuell überprüfen, wie es sich steuerrechtlich mit seinem “Podcastreichtum” verhält. Hier also die Antwort:

“[…] ein Gewerbebetrieb liegt vor, bei einer selbständigen, nachhaltigen Betätigung, die mit der Absicht Gewinne zu erzielen unternommen wird und sich als Beteiligung am allgemeinen wirtschaftlichen Verkehr darstellt.
Wie von Ihnen angegeben handelt es sich um ein Hobbyprojekt, dass nicht zu Erzielung von Einnahmen begonnen wurde. Erkennbar ist dies auch, dass Einnahmen nur auf freiwilliger Basis von den Besuchern bezahlt werden.
Somit handelt es sich nicht um eine Einkunftsquelle und die Aufwendungen können daher nicht in der Einkommensteuererklärung angegeben werden . Sollten sich jedoch bei ihrem Hobbyprojekt die Einnahmen soweit steigern, dass Gewinne erwirtschaftet werden, so führt die Tätigkeit zu gewerblichen Einkünften. Nach § 15 Abs. 2 Satz 3 liegt nämlich auch dann ein Gewerbebetrieb vor, wenn die Gewinnerzielungsabsicht nur ein Nebenzweck ist. […]”

Hat jemand ähnliche oder gar anderslautende Auskünfte? Wie machen das die Selbstständigen unter uns, bei denen der Podcast tatsächlich zur Gewinnerzielung betrieben wird, d.h. wie geben sie das in der Steuererklärung an und welche Ausgaben können dagegen gerechnet werden?


#2

Ich habe nie explizit nachgefragt, sondern habe alles, was ich aus Flattr rausgeholt habe (also von virtuellem Guthaben in echtes Geld umgewandelt habe) ungefragt angegeben und auch Belege für meine Ausgaben an Server-Kosten und Equipment beigelegt. Wenn ich es richtig gelesen habe, hat mein Finanzamt beides ignoriert :wink:
Aber mir geht es vor allem darum, nicht irgendwann vorgeworfen zu bekommen, ich hätte Einkünfte verschwiegen.


#4

Guter Ansatz! Unter was hast Du denn die Einnahmen bzw. Ausgaben angegeben?


#5

Es gibt so eine monatliche Grenze. Wenn du unter 400€ verdienst. Ob du nebenbei ein bisschen putzt oder Flattr Einnahmen hast, interessiert das Finanzamt nicht sonderlich. Die Ausgaben für Equipment kannst du auch nicht geltend machen.

Das geht erst wenn du eine Gewinnabsicht hast und eine Firma gründest. Als Podcaster wohl erst interessant, wenn du tatsächlich davon leben kannst.
Ich stelle auch hin und wieder Rechnungen an Firmen, wenn ich etwas für die erledigt hab (Website/Facebook Seite betreuen etc.) aber das hält sich so sehr in Grenzen, dass das Finanzamt müde gähnt und die Belege in die Tonne feuert.

Auch Fahrten in ein Aufnahme Studio lassen sich nicht absetzen. Es sei denn das Podcast Studio ist eine Firma und du angestellt oder Teilhaber.

Also sofern es nicht zuviel wird, schimpft das Finanzamt auch nicht.


#6

In Anlage SO. Die Ausgaben habe ich dort dann als Werbungskosten angegeben.


#7

Moin!

Disclaimer: Ich bin weder Rechtsanwalt, noch Steuerberater, noch Finanzbeamter. Aber ich blicke auf über 25 Jahre Erfahrung als GmbH-Geschäftsführer zurück. Und weil man da immer mit einem Bein im Knast steht, ist es ganz sinnvoll, sich mit den Steuerdingen etwas zu befassen.

Bei allem Respekt für @Metalfrankonia möchte ich dazu raten, seinen Beitrag nicht als Leitlinie zu benutzen. Eine 400€-Freigrenze gibt es in der Form nicht und “eine Firma gründen” ist sicher eher umgangssprachlich gemeint.

Das Wichtigste steht doch schon oben bei @nitramred im Schreiben des Finanzamts:

  • Solange man Verluste macht und nicht die Absicht dahinter steht, das irgendwann zu ändern, ist es keine gewerbliche Tätigkeit, führt also auch zu keiner Steuerpflicht.
  • Wenn sich dann quasi versehentlich doch Gewinne ergeben, müssen diese dann doch versteuert werden. (Nebenzweck)

Das bringt mich zu dem ernstgemeinten Ratschlag:
Bewahrt alle eure Einnahme- und Ausgabebelege 10 Jahre auf. Das ist die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für Buchhaltung. Ihr müsst jetzt nicht gleich eine eigene Buchhaltung eröffnen. Die Belege einfach jahrgangsweise abheften. Dann habt ihr nämlich im Fall der Fälle (“Dieser Podcast erzielt Gewinn - das war zwar nicht geplant, aber hat sich so ergeben”) auch eure Kosten dokumentiert, so dass das Finanzamt nicht plötzlich Steuern auf eure Einnahmen verlangt und ihr keine Ausgaben gegenhalten könnt. Es wäre auch sinnvoll, einmal im Jahr eure Podcasteinnahmen in eine Tabelle zu hacken, um sie zu dokumentieren

Weiterer Vorteil: ihr habt die Kosten eures Hobbys im Blick. (Ok, will man vielleicht lieber nicht - dann nur alle Belege und Kontoauszüge in einen Schuhkarton!)

Wenn man die ganzen Belege so sammelt, dann sieht man auch, wieviel Mehrwertsteuer man so zahlt. Besonders Clevere könnten auf den Gedanken kommen, als Podcaster ganz offensiv ein Gewerbe anzumelden. Dann kann man sich diese Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückholen. Doch aufgepasst:
Erstens muss dann auch von allen Spenden und Einnahmen 19% ans Finanzamt abgeführt werden, ist also nur interessant, solange man Verluste macht. Und zweitens kommt nach ein paar Jahren ohne Gewinne das Finanzamt an und sagt, dass dieses ganze Podcasting nur “Liebhaberei” sei, so dass die gesamten Mehrwertsteuersachen zu erstatten sind, was einem schnell das Genick bricht. Also nicht so clever!

Bleibt abschließend ein Aspekt, den ich nicht letztlich beurteilen kann, aber der für Podcaster, die namhafte Einnahmen erzielen, interessant sein könnte:
Ist Podcasting überhaupt eine gewerbliche selbständige Tätigkeit oder ist es vielmehr eine freiberufliche?

Man könnte argumentieren, dass Podcaster eine dem Journalisten ähnliche Tätigkeit ist und auch Aspekte wie künstlerische Gestaltung, freie Themenwahl, und Ungebundenheit sprächen dafür. Das könnte Auswirkungen auf steuerliche Aspekte haben und ggf. auch eine günstige Sozialversicherung über die Künstler Sozialkasse ermöglichen. Sicher nur für Podcaster, die Einnahmen erzielen, die über 3,80 Flattr im Monat hinausgehen. Aber ich wollte es erwähnt haben.

Beste Grüße
André


#8

Aus aktuellem Anlass noch ein Hinweis

Ich habe gerade bei WRINT-Realitätsabgleich von Holgis Umsatzsteuersonderprüfung gehört.

Bitte denkt daran, dass Geschenke, die ihr über eure Amazon Wunschliste bekommt, auch Einkünfte sind.

Wenn also aus den im letzten Beitrag genannten Gründen eine Steuerpflicht entsteht, dann werden diese Sachen auch mit reingerechnet.

Im schlimmsten Fall erstmal für die Umsatzsteuer, also ca. 16,-€ je 100,-€ Geschenkwert und auf den Rest ggf. Einkommenssteuer.

Ihr solltet also auch diese Geschenke in eure Einkommensliste reinhacken und möglichst den aktuellen Wert dokumentieren. Wenn’s nämlich ein Schnäppchen war und kein Beleg dafür existiert, nimmt das Finanzamt im Zweifel den Listenpreis.

Beste Grüße
André


#9

Die Umsatzsteuer berechnet sich wie folgt: Umsatzsteuer = Brutto - (Brutto / 1,19) -> 100 - (100 / 1,19) = 15,966386555. :wink:


#10

Habe meinen Beitrag aus Gründen entfernt. Das Thema um die Steuer ist ein gefährliches Feld und ihr könnt euch damit schnell in die Nesseln setzen.

Danke an @apod für den Hinweis.

Dennoch hab ich ein paar Lesetipps: http://de.wikipedia.org/wiki/Kleinunternehmerregelung

Und ich möchte euch ein Buch empfehlen, das es kostenlos zum lesen gibt: http://umsatz-programm.de/ibook/


#11

Ich klinke mich Mal hier ein.
Ich hab für meinen Podcast das erste Mal eine zweistellige Spende gekriegt. Muss ich die jetzt irgendwo angeben? Ich bin Studentin, Bafög-Empfängerin und habe einen Minijob. Ich zahle folglich keine Steuern zurzeit. Spende und Minijob-Verdienst übersteigen die 450€ nicht.


#12

Jeder nennt das zwar Spende, aber es ist eigentlich ein reguläres Einkommen. Ohne Steuerberater zu sein behaupte ich trotzdem, dass du alles angeben musst was du an Einnahmen generierst


#13

Ich geh da immer nach der Prämisse ran: Wenns Einnahmen sind, sag ichs dem Finanzamt. Wenn die das dann nicht berücksichtigen wollen um mehr von mir an Steuernachzahlung einzufordern, dann isses halt so.
Ich würds also lieber angeben, bin aber auch kein Steuerfachmann…