Sound Devices MixPre-6: Erfahrungen eines Podcasters


#1

Da ich in letzter Zeit von verschiedenen Stellen angefragt wurde, was ich denn vom Sound Devices MixPre-6 halte, habe ich mich dazu entschlossen, hier meine Erfahrungen mit euch zu teilen. Aus der Sicht eines Podcasters. Da das Gerät, verglichen mit üblichen Audio Interfaces, relativ teuer ist, will man vor dem Kauf vielleicht etwas mehr Erfahrungen sammeln als üblich.
Gleich vorweg: Ich nutze das MixPre an einem Windows 10 PC. Erfahrungen in Verbindung mit Mac OS habe ich nicht.

Was ist das MixPre-6?

Ein Mixer, Recorder und Audio-Interface - gleichzeitig. An dieser Stelle verweise ich am besten auf die Herstellerseite. Wer weniger Inputs will, greift zum MixPre-3. Wer mehr braucht, nimmt das MixPre-10T.

Vorteile für Podcaster*innen

  • Das MixPre ist, was viele schon lange gesucht haben: Es ist Recorder, Mixer und Audio Interface zugleich. Entsprechend kann man während er Aufnahme in der DAW eine Backup-Aufnahme im Recorder erstellen (alle Spuren einzeln plus Stereo-Mix).
  • Die PreAmps sind gut. Ja, das behaupten alle Hersteller - diese sind’s wirklich. Was heisst “gut”? Klingt die eigene Stimme damit goldener? Nein. Aber es liefert viel cleanen Gain. 76 dB plus Fader. Da Podcaster gerne zu gainhungrigen, dynamischen Mikrofonen greifen, ist das von Bedeutung. Ein Shure SM7b kann problemlos betrieben werden. Weitere inline-PreAmps wie FetHead oder Cloudlifter sind damit überflüssig.
  • Analoge Limiter. Also Limiter, die funktionieren. Wer vorsichtig pegelt, braucht die wohl nicht. Bei unerwarteten Lachern können die dennoch sehr nützlich sein.
  • Flexibilität: Viele Quellen aufnehmen, mobil sein, kleine Abmessungen, Akkubetrieb etc. mal als Inputs.

Was das MixPre nicht kann

  • USB-out Kanäle sind immer Post-Fader. Feature-Request für Pre-Fader ist raus.
  • Kein USB-out Routing. Ein schönes Stereo-out und Headphone-out Routing sind vorhanden - mit Matrix (pre- & post fade). Das Gleiche gibt’s für die USB-Out Kanäle leider nicht. Diese sind nicht mischbar und fix zugeordnet. Ein entsprechender Feature-Request ist platziert. Entsprechend kann z.B. nicht Kanal 1 & 2 zu einem vermischt und an Skype verschickt werden. Leicht off-topic: Google Hangouts hingegen scheint mehrere Inputs separat zu verstehen?
  • Nur ein gleichzeitiger USB-Eingang nutzbar. Obwohl das MixPre über einen Typ-A und einen Typ-C USB Slot verfügt (und 2x2 USB-in Kanäle), kann nur einer der beiden gleichzeitig mit “Sound” gespiesen werden. Oder anders: Das MixPre kann gleichzeitig nur für einen Host Audio Interface sein. Feature Request ist platziert.
  • Obwohl ein Typ-C Eingang verbaut wurde, wird scheinbar noch mit 2.0 Standard übertragen. Schade. Ja, funktioniert. Bei übertragen von Files von der SD Karte zum PC wäre 3.0 oder 3.1 halt schöner.
  • Eingelegte Akkus werden im Gerät nicht aufgeladen.

Sonstige Anmerkungen

  • Das Touch-Display scheint klein, funktioniert aber tadellos. Ich war selber überrascht. Wer’s grösser braucht, greift zur Mobile-App für Smartphones oder Tablets.
  • Das MixPre-10T kann nicht über USB-C mit Strom versorgt werden. Dafür aber über 4-pin Hirose.
  • Die Akkulaufzeit mit 4 weissen Eneloop AA Akkus konnte ich noch nicht prüfen. Erste Vermutungen lassen jedoch darauf schliessen, dass das bald eng werden könnte. Hier hilft eine Powerbank oder irgendwas, das 7,5W bei mindestens 1,5A über USB-C liefert. Oder andere Akku-Aufsätze.
  • Der An/Aus Schalter ist (bewusst?) recht schwer erreichbar.
  • Der Headphone Gain-Regler ist etwas schwer erreichbar, wenn Headphones eingesteckt sind.
  • Kompetenter und schneller Support bei Fragen oder Feature-Requests.
  • Viele Features für Filmer, auf die ich an dieser Stelle nicht eingehen will.
  • Für die HMC-Fraktion: 12V oder 24V sind nicht wählbar. Nur 48V.
  • Das Konkurrenzprodukt von ZOOM wäre das F4 oder F8.

Lohnt sich das Ding?

Wie immer kann diese Frage nicht einfach beantwortet werden. Das hängt sehr stark von den eigenen Bedürfnissen ab.
Ich empfehle das MixPre in folgenden Fällen bzw. für folgende Personen:

  • Wenn Geld keine grosse Rolle spielt.
  • Wer gainhungrige Mikros unbedingt ohne inline-PreAmps betreiben will.
  • Wer neben dem eigenen Podcast auch Videos oder Filme produziert.
  • Wer simpel während der Aufnahme in der DAW ein externes Backup (der einzelnen Kanäle und/oder des kompletten Podcasts) haben will.
  • Wem viel Flexibilität in einem kleinen Gerät wichtig ist, aber aus Gründen kein H6 will.

Selbstverständlich habe ich jetzt viele Anwendungsfälle vergessen. Einfach fragen.


Alternativen zum Zoom H6
#2

Hey Joey,

vielen Dank für Deinen Erfahrungs- und Feature-report zum MixPre-6. So schnell hatte ich damit gar nicht gerechnet. :wink:

Bei den Vergleichsprodukten von Zoom (F4, F8) muss man aber dazusagen, dass die wohl keine analogen Limiter haben. Die Pre-Amps dürften jedoch vergleichbar sein.

Keine 12V oder 24V Phantomspannung dürfte für viele HMC-Nutzer DAS Ausschlusskriterium sein. Aber wenn man aus Kostengründen zu solch preisagressiven Headsets greift, dann dürfte der MixPre-6 sich eben durch sein Preisniveau auch schon selbst aussortiert haben. Da ist der ZOOM H6 dann ganz weit vorne.

Jetzt würde mich noch interessieren, ob Du Verbesserungen/Vereinfachungen in Deinem Audiobearbeitungs-Workflow verzeichnen kannst, Aufgrund des Einsatzes des MixPre-6? Also, ob allein durch das neue Gerät etwas anders/besser/schneller/einfacher geht beim Podcasten.

Wie beurteilst Du den Klang Deiner Aufnahmen? Ist er mit dem MixPre-6 hörbar anders/besser geworden?

Beste Grüße,
Dieter


#3

Mir bietet das MixPre konkret folgende Vorteile:

  • Ich habe wieder einen mobilen Recorder.
  • Ich benötige keinen weiteren PreAmp mehr fürs SM7b.
  • Simultanes Backup meiner Spur und der gesamten Aufnahme als Mix. Da kann man mal sehr froh drum sein.
  • Die Backup-Spur erleichtert das Synchronisieren der einzelnen Spuren in der Nachbearbeitung.

Ist das den Preis für mich wert? Hm… naja… Mein GAS hat wohl nachgeholfen.

Jein. Der Klang ist nicht besser als jener aus einem Steinberg UR22. Dafür muss ich keinen weiteren PreAmp mehr vorschalten. Mit dem MixPre kann man wohl fast alles rauschfrei betreiben.

Wer besseren Klang will, sollte diesen wohl nicht im PreAmp suchen, sondern im Raum und im Mikro.


#4

Das heißt übersetzt so viel wie kein AUX Send bzw. Keine N-1 Schalte?

//D


#5

Zur Erläuterung/Ergänzung der USB Geschichte:

Die Channels werden wie folgt zugeordnet:
MixPre 6 USB Channels

Die Channels 1-4 können mit Mic, Line, AUX 1-2 oder USB 1-4 belegt werden.
Die Channels 5-6 können mit AUX 1-2 oder USB 1-4 belegt werden.

Mischen auf einen Channel bzw. einen USB-out-stream ist nicht möglich. Man kann also nicht Eingang 1 und Eingang 2 auf Channel 1 und somit USB stream 1 legen. Gemischt werden kann nur auf den Stereo-Out und den Headphone-Out. USB stream 7 & 8 sind aber Mixes.
Tricksereien, wie den Stereo-out über Kabel wieder in Eingang 1 (& 2) zu routen, habe ich jetzt nicht probiert.

Windows verlangt leider ASIO-kompatible Software (und den Treiber von Sound Devices), um all die Kanäle zu sehen. Sonst gibt’s nur 2.


#6

Ein kleines Update zu den Fähigkeiten des Geräts:

Dank gilt Julian Krause und seinen YouTube-Videos.


#7

Ich fand diese Zusammenfassung ziemlich gut. Weshalb ich mir demnächst wohl ein MixPre-6 zulegen werde.MixPre-6 vs. Zoom F4/F8