Patreon vs. Steady vs PayPal?


#9

Belastbare Zahlen habe ich auf die schnelle leider nicht finden können die in die eine oder andere Richtung gehen. Das was ich gefunden habe wirft soweit ich das verstehe EC-Karten Betrug und Lastschriftbetrug zusammen in einen Topf. Ich hätte aber auch ein Problem damit das Risiko einzugehen.

Bonusfrage: Prüft ihr wirklich eure Kontoauszüge (auch bei euren Privatkonten) regelmäßig auf unerlaubte Abbuchungen? Ich (Asche auf mein Haupt) tue das definitiv nicht.

Ich beschreibe mal meine persönliche Erfahrung als Konsument zu dem Thema: Wie wahrscheinlich der eine oder andere auch höre ich viele Podcasts und unterstütze zu wenige aber wenigstens ein paar.

Flattr

War jetzt hier nicht direkt gefragt, aber das ist aus meiner Konsumentensicht tot. Ohne Integration in die Podcatcher funktioniert das für mich nicht. Ich gehe nicht auf die Website des Angebots um dann jede Folge nochmal manuell zu Flattrn.

Auch die Umstellung bei der sie dann mit der Bank gepartnert haben um (ich hoffe ich erinnere mich richtig) Money Agent zu werden, die Tatsache, dass ich dann ein “virtuelles Konto” habe hat bei mir damals einen komischen Beigeschmack gehabt. Die Partnerschaft mit Adblock Plus hats nicht besser gemacht.

Angefühlt hat sich das für mich persönlich auch nie richtig. Als Konsument möchte ich, das wenn ich dem Produzierenden etwas in den Hut werfe er das auch merkt. Flattr war immer so sehr auf Micropayment ausgelegt das sich das nie so angefühlt hat als würde ich zu etwas beitragen.

Direktüberweisung:

Ich kann nicht erklären warum, aber eine Direktspende oder ein Dauerauftrag setzt bei mir ein massives Vertrauens in den Podcastenden voraus. Der einzige der das bei mir bisher geschafft hat war Holgi mit Wrint. Einen Dauerauftrag einzurichten fühlt sich halt so erwachsen an.

Auch hier stellt sich inherent kein Gefühl dafür ein, dass ich an irgendwas “Teilhabe”.

Patreon:

Versteht mich nicht falsch, ich bin auch kein Fan der Plattform an sich. Das Patreon da von dem Geld das ich quasi zweckgebunden ausgebe abzieht um sich zu finanzieren ist nicht toll. Ich will wie jeder hier das wenn ich einen Fünfer spende auch ein Fünfer ankommt.

Aber: Die machen auch vieles gut. Viele Patreon-Seiten machen transparent wofür das “Mehr” an Geld benötigt wird. Es animiert die Leute offensichtlich mehr zu spenden wenn sich noch irgendwelche “Perks” dahinter verbergen.

Ich kann mir prinzipiell keine Lösung vorstellen, die nicht einigermaßen das Patreon-Modell kopiert, die ein Wachstum erlaubt die wir teilweise bei den Internatiolen Podcasts zu sehen ist. (The Glasscannon Podcast ist in ich glaube einem halben Jahr auf über 10k gestiegen) weil der Anreiz da war und die Unterstützenden ein Ziel hatten.

Ist jetzt wie gesagt nur meiner persönliche Einschätzung.


#10

Zum einen: Bei Steady fallen viele Dinge an. 19% Mehrwertsteuer bei der Transaktion eurer Hörer zu Steady. Weitere 7% Mehrwertsteuer bei der Transaktion von Steady zu euch. Steady behält selbst nochmal 10%. Wenn ihr 130 Euro für Musik braucht, müsstet ihr rund 200 Euro einsammeln.

Zum anderen: Richtet euch ein Tagesgeldkonto ein. Das gibts meisten zum normalen Konto dazu. Das hat nur ein Referenzkonto, ihr könnt die IBAN einfach veröffentlichen. Dann bleibt mehr von den Einnahmen auch tatsächlich bei euch…


#11

Hier aber auch aufpassen und unbedingt vorher mit der Bank sprechen. Je nachdem bei welcher Bank das Konto liegt sind Einzahlungen auf ein Tagesgeldkonto die nicht vom Referenzkonto kommen nicht so gerne gesehen.


#12

Was man bei Patreon auch beachten muss, man ist vom Euro-Dollar-Wechselkurs abhängig und die Möglichkeiten der Bezahlung sind eingeschränkt. In den USA ist alles auf Kreditkartennutzung ausgelegt. In Deutschland ist das für viele Leute eine Hürde. (In den USA in Wirklichkeit auch, Stichwort: “financially underserved consumers”.)

Es gibt auch Memberful, oder? Das ist der Dienst, den Philip Banse für das Küchenstudio verwendet.


#13

Für den Rasenfunk habe ich ein Konto bei fidor angelegt, das ohne alle Gebühren auskommt und perfekt für die vielen kleinen Überweisungen ist. Die Patreon-Überweisung landet auch dort und so kann man ganz gut die Umsatzsteuervoranmeldung machen (lassen). Patreon führt selbst ab, die sonstigen Einkünfte hat man ja mit eigenem Konto leicht im Blick.

Perspektivisch würde ich Patreon gerne durch Überweisung ersetzen (ca. 84% der Spende kommen an vs. 100% der Spende kommen an), ohne aber darauf zu verzichten, die UnterstützerInnen kontaktieren zu können für Specials, Dankeschöns, usw. Wir werden deshalb vermutlich bald die UnterstützerInnen bitten, sich bei uns zu “registrieren”. Ziel ist v.a. von den Überweisern eine Mailadresse zu bekommen, über die man Kontakt halten könnte. Wenn sie das nicht wollen: Auch alles cool, aber die Möglichkeit hätte ich eben gerne. Wenn das alles live ist und funktioniert, werde ich hier darüber berichten, aber vielleicht in einem eigenen Thread.


#14

Ich habe das alles neulich mal durchgerechnet und das Ergebnis war, dass von den ursprünglichen Spenden sowohl bei Patreon und Steady (wenn auch aus unterschiedlichen Gründen) am Ende nicht mehr als 70% der Spende beim Empfänger ankommt. Das ist einer der Gründe, warum ich diese Plattformen nicht benutze.

Ein weiterer Grund ist, dass diese Plattformen wenig Mehrwert bieten (letztlich wird nicht mehr gemacht, als Geld zu mir zu routen, das kann ich auch ohne die) und darüberhinaus potentiell Arbeit machen. Besonders bei Patreon ist man gewzungen, auf deren Platform noch mal auf den eigenen Content hinzuweisen, was am Ende auch noch von meiner eigenen Webpräsenz ablenkt und ggf. Suchergebnisse einschränkt.

Dazu kommt, dass diese Plattformen letztlich von mir profitieren. Dass Leute über diese Plattformen mich finden und dann unterstützen, halte ich für ein Märchen. Die Wahrheit ist doch, dass ich meine Unterstützer zu denen schicke und damit selbst einen Man-in-the-middle installiere, den ich letztlich gar nicht brauche.

Direkte Spenden über SEPA sind DEUTLICH günstiger. Bei Privatpersonen bleiben 100% der Spende erhalten (mit der Einschränkung, dass man ein Girokonto haben muss, dass nicht noch pro Buchung Gebühren verlangt, das kriegt man aber).

PayPal ist im Prinzip okay, aber für niedrige Beträge unter 100 EUR sind die Gebühren auch extrem hoch.

Die folgende Tabelle schlüsselt das je nach Höhe der Spende auf. Die Prozentzahlen sind mit Vorsicht zu geniessen, da sich bestimmte Kosten (vor allem die Kosten der Zahlungswege) nur in einem bestimmten Rahmen testen lassen (z.B. sinken PayPal Gebühren geringfügig, wenn mehrere Spenden gebündelt werden können, was aber nur selten und in eingeschränktem Umfang vorkommen dürfte).

Ich plane das ganze im Rahmen der SUBSCRIBE 9 mal genauer zu erklären und aufzuschlüsseln.


#15

Weiteres Problem speziell bei Steady ist das rechtliche Modell, mit dem die Zahlungen von Spendern eingetrieben werden. Denn die Zahlung der Spender und die Weiterreichung der Beträge an den Empfänger sind rechtlich entkoppelt.

Steady bietet lediglich eine “Lizensierung der Inhalte” als Dienstleistung an, für die dann Geld genommen wird. Deswegen verliert man hier auch bereits 19% Umsatzsteuer, die dann komplett verloren sind.

Problematisch halte ich das Modell nicht nur weil dann keine Spendenbestätigungen mehr möglich sind (bei Organisationen wie Vereinen, die eine entsprechende Gemeinnützigkeit nachweisen können), sondern vor allem weil hier “Inhalte” lizensiert werden.

Denn: wie sieht diese Lizenz genau aus? Welche Rechte werden erworben? Was passiert, wenn in einem Monat keine Inhalte geliefert werden? Entsteht hier ein Rechtsanspruch? Wer kann den im Zweifel bei wem geltend machen? In wie weit steht diese Lizenz im Wiederspruch zu den eigenen Lizenzen oder verwendeten Werken Dritter? Alles unklar.

Patreon wiederum ist extrem untransparent in seinen Zahlungswegen, liefert keine ordentlichen Belege für das Finanzamt, zieht aber auch (wie Steady) schon mal pauschal 19% Umsatzsteuer ab, die man selbst dann nicht geltend machen kann, wenn man selbst Umsatzsteuer-abzugsberechtigt ist.

Das sind alles Faktoren, die man ignorieren kann, klar. Aber letztlich sind das alles potentielle Grauzonen, die Rechtsunsicherheit schaffen, was nun wirklich das letzte ist, was man gebrauchen kann, wenn man Einnahmen aus Spenden generiert.

Ein SEPA-Dauerauftrag oder direkte Zahlungen via PayPal sind in dieser Hinsicht eindeutig und verhältnismäßig einfach zu deklarieren. Sicherlich steigt der Buchungsaufwand für eine ordnungsgemäße Buchführung, aber das ist nichts, was mit man nicht mit einer ordentlichen Homebanking-Applikation brauchbar automatisiert bekommt.


#16

Noch eine Anmerkung zu Flattr: Flattr ist der einzige Dienst, der sich als Money Agent registriert hat und damit diesen unsäglichen Abzug von Umsatzsteuer von Spenden umgeht. Die 10% Gebühr sind daher fix, die Rechtslage ist damit auch klar.

Derzeit nimmt Flattr übrigens gar keine Gebühr, da sie das bis zum geplanten (und wohl auch demnächst stattfindenden) Relaunch eingestellt haben.

Die Idee von Per-Item-Flattr-Buttons ist sicherlich tot (dafür haben die großen Plattformen gesorgt) und das Auto-Flattr läuft nur in der Android-Welt. Einzig die Button-Subscriptions sind sinnvoll, leider hat das Flattr selbst noch nicht begriffen und lässt sich in meinen Augen sinnloserweise von Patreon die Butter vom Brot nehmen.

Trotzdem ist es aus finanzieller und rechtlicher Hinsicht und meiner subjektiven Perspektive die einzige seriöse Plattform, die die Spender und Empfänger nicht bescheisst. Wenn sie jetzt noch ordentliche Kontoauszüge nachliefern (das wird wohl mit dem Relaunch kommen, auch rückwirkend), ist man da auf jeden Fall auf der sicheren Seite.


Das YouTube / Netflix für Podcasts
#17

Habt ihr euch mal Acast angeschaut? Die scheinen ja eine Art Monetarisierung für Podcaster anzubieten à la YouTube oder eben auch wie Patreon mit Premium-Content.
Allerdings trotz sitzt in Schweden sieht es alles noch sehr auf den englischsprachigen bzw. amerikanischen Markt ausgerichtet (wohl nicht ohne Grund, da Podcasts in den USA ja zur Zeit einen großen Boom erleben).
Ob sie auch deutschsprachige Podcasts nehmen, kann ich an Hand der Website spontan nicht erkennen.
Sie wollen wohl langfristig gerne eine Art YouTube für Podcasts werden, aber ob das gelingt, steht natürlich auf einem anderen Blatt.
Generell scheint eine Art YouTube für Podcasts ja immer noch zu fehlen, aber Diskussionen dazu vielleicht in einem anderen Thread.

Acast: https://www.acast.com/podcasters


#18

Habe hier dazu mal einen eigenen Thread über “Das YouTube / Netflix für Podcasts” eröffnet, damit dieser hier nicht mit Diskussionen über ein mögliches “YouTube für Podcaster” geflutet wird.


#19

Wäre GoCardless evtl. eine Variante um es den Hörern möglichst einfach zu machen? Die bieten quasi SEPA-Lastschrift as a Service für 1% Gebühren (nach oben auf 2,- gedeckelt) und sind offiziell registriert.

Die Hörer könnten einen Plan abonnieren (z.B. 1/3/5€ pro Monat) und das läuft solange automatisch bis sie es kündigen bzw. das Mandat widerrufen.

Abgesehen davon, dass SEPA “pur” ganz ohne extra Dienstleister und Gebühren natürlich besser ist, sehe ich da höchstens noch den Brexit als möglichen Unsicherheitsfaktor. Oder übersehe ich was?


#20

Als mögliche alternative möchte ich Liberapay (https://liberapay.com/) vorstellen für wiederkehrende Spenden in Euro. Es ist eine Non-Profit-Plattform mit offenem Quellcode mit Sitz in der EU (Frankreich) die sich (natürlich) über Spenden finanziert. Die Gebühren sehen wie folgt aus:

• 2.106% + €0.21 per Kredikarte
• 0.585% Überweisung (SEPA)
• €0.94 Lastschrift (SEPA)

Auszahlungen auf ein SEPA-Bankkonto sind kostenfrei. Überweisungen in andere Länder kosten 2,92 € pro Überweisung. Zusätzliche Bankgebühren können anfallen. Die Gebühren ergeben sich alleine aus den Gebühren des Zahlungsdienstleisters (https://www.mangopay.com/de/).Es fallen keine Gebühren an, wenn Nutzer auf Liberapay untereinander Geld überweisen (in Form von Spenden).

Disclaimer: Ich arbeite ehrenamtlich bei Liberapay mit.


#21

Einmal Geld verlieren reicht ja und es geht auch ums gut schlafen Können. Aber man kann das Problem aus der Welt schaffen, indem man ein kostenloses Girokonto nur für die Podcasteinnahmen eröffnet und dieses gegen Lastschrifteneinzug sperrt.


#22

Ich melde mich hier mal als stiller Mitleser in diesem wunderbaren Forum. Ich bin diese Woche noch über zwei Dinge zur Monetarisierung gestolpert. Zum einen habe ich eine Spam-Mail erhalten in der mir folgende Seite empfohlen wurde: https://messagetribes.com/
Hier die Mail:

Hey Niklas,
Your podcast fans want to hear from you. And they’ll pay for the privilege.
That’s where we come in.
MessageTribes is a premium subscription messaging service.
MessageTribes generates engagement from your biggest podcast fans.
And your fans’ engagement generates a monthly check for you.
The cost to you? ZERO. NOTHING. NOT A CENT.
Just create your FREE account, give your fans a sign-up link so they can subscribe.
They get exclusive messages from you delivered to their phones. Share images, video or audio.
We automatically distribute for you.
You get PAID.
Simple and easy for your fans.
A monthly check for you.
Want to know more?
Get the details here.
You have the devoted fans, we’ll make you money.

  • Jennifer
    P.S. Don’t forget, the service is FREE for you.
  • Click here to unsubscribe if you would no longer like to receive email about MessageTribes.
    ** Click here if you received this message by mistake or wish to report it as spam.

Ich weiß nicht wie ich in deren Verteiler gekommen bin, das lässt die Sache für mich nicht sonderlich seriös erscheinen. Vllt können sich ja die Patreon und Co-Experten die Seite mal anschauen.

Zum anderen hat mich ein Artikel auf t3n.de auf die zweite Sache gebracht:
http://t3n.de/news/pirate-bay-nutzer-monero-mining-857910/
Darin wird erläutert, wie “The Pirate Bay” mit der Hilfe von Coin Hive mit der Rechenpower der Besucher die Kryptowährung Monero mined, was in diesem Falle heimlich geschieht.
Von dem heimlichen minen im Hintergrund halte ich persönlich nichts. Wenigstens ein Hinweis ist in meinen Augen notwendig (moralisch betrachtet).
Coin Hive bietet aber auch noch die Möglichkeit durch die Weiterleitung von Links durch Shortlinks oder mit Hilfe von Captchas zu minen.
Nach der Anleitung eines Youtubers habe ich mal sein Skript übernommen und auf unsere Homepage gemacht zum Test. Das ganze ist zwar etwas roh, aber so sieht es dann aus:
http://2meterfeldweg.de/coinhiveminer/ (Vorsicht: Miner startet scheinbar sofort)
Es funktioniert technisch dabei sehr gut wie ich finde und im Dashboard von CoinHive findet man ein einfaches aber übersichtliches Dashboard vor.
Ob man damit die GEMA-Kosten decken kann, bezweifle ich stark, denn man benötigt schon eine ganze Menge an Besuchern mit langen Verweildauern (zumindest das könnte beim Thema Podcasts ggf. gegeben sein). Ich finde die Coin Hive auf die Frage, ob es sich lohnt:

If you run a blog that gets 10 visits/day, the payout will be miniscule. For the captcha and shortlinks with a sensible hash goal (1024–16384) you’ll need to have a whole lot of users to make this worthwhile.

Aber frischen Wind in die Segel der werbefreien Seitenfinanzierung bringt es allemal.


Podcasts und Bezahlschranken
#23

[quote=“2MeterFeldweg, post:22, topic:5860”]Zum einen habe ich eine Spam-Mail erhalten in der mir folgende Seite empfohlen wurde: https://messagetribes.com/

[…]

Ich weiß nicht wie ich in deren Verteiler gekommen bin, das lässt die Sache für mich nicht sonderlich seriös erscheinen.[/quote]

Die Seriösität kann ich nicht einschätzen. Deren Modell ist es, dass du über ihren Dienst Botschaften inklusive Audio, Bild und Video an Abonnenten verkaufst. Damit könnte man vielleicht Podcasts direkt verkaufen, hängt vermutlich davon ab, ob die Dateigrößen begrenzt sind. Message Tribes bekommt dafür 1 Dollar und 10% der Abonnementsgebühr (ab einer bestimmten Zahl monatlicher Botschaften auch mehr) pro Abonnent und Monat.

Die Privacy Policy passt aber auch zu einem Dienst, der vorallem Geld über die Erhebung von Nutzerdaten verdienen will.


#24

Vidme kann man vielleicht auch noch mit auf die Liste setzen: https://vid.me (Natürlich für Video gedacht, aber Audiopodcasts gibt es ja auch bei Youtube.) Laut Wikipedia gibt es die Plattform seit 2014.

Neben Werbung ermöglicht Vidme auch Abonnements:

[quote]Create exclusive videos
Publish videos that only your paying subscribers can access.[/quote]

Der Dienst ist noch vergleichsweise klein und bisher nur auf Englisch. Wenn er überhaupt für Podcaster geeignet ist, dann stellt sich vermutlich immer noch die Frage, ob man mit einem an ein deutsches Publikum gerichteten Angebot da gut aufgehoben ist.


Die Anregung habe ich aus dem GameStar-Podcast. Fabian Siegismund hat die Plattform mehrfach erwähnt:


#25

Und wenn wir dabei sind, Vimeo hat auch Vimeo OTT, wo man sich seinen eigenen “subscription service” zusammenklicken kann.

Aber natürlich sind Message Tribes, Vidme und Vimeo OTT eher Lösungen für Bezahlschranken. Ursprünglich ging es ja um Dienstleister, die Geld einsammeln ohne dass das zwingend an den Verkauf von Inhalten gebunden ist.


#26

Hallo Tim,

ich stehe immer mal wieder im Austausch mit Sebastian Esser, und ich denke, du auch, und ein paar Dinge stimmen hier so nicht wirklich.

Was du unterschlägst: Wenn du gegenüber steady 19% Umsatzsteuer berechnest, legen sie dir diese oben drauf. Die Rechnung geht also so:
von 100€ gibt steady 19€ an das Finanzamt und behält selbst zehn. Bleiben 71 für dich. Auf diese 71% legt steady noch die USt. drauf, die du selbst zahlen musst - nehmen wir mal 19% (jaja, viele haben 7% - in Zukunft wird ja vielleicht hier endlich einmal Klarheit geschaffen http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/jean-claude-juncker-nur-7-prozent-mehrwertsteuer-fuer-online-zeitungen-a-1032474.html; diese 7-oder-19-Diskrepanz ist IMHO das eigentliche Problem). Diese 19% legen sie dir noch drauf, bleiben also nicht 69,03 €, sondern 84,49 € - klar: Die musst du jetzt wieder versteuern - aber das musst du bei allen anderen ja auch. deine Beispiele hinken also an genau dieser Stelle. Ja, am Ende hast du nur 71€ von den 100 - aber da ist die USt. dann schon gezahlt. Gleiches gilt für patreon. wenn du bei flattr, SEPA, PayPal noch die USt. abziehst, hast du wirklich vergleichbare Zahlen.
Womit ich zu deinem Satz “die einzige seriöse Plattform, die die Spender und Empfänger nicht bescheisst” komme:
wenn flattr 10 % behält dann ist die Vergleichsgröße mit steady eben, dass du noch Steuern zahlen musst. sind das 19%, hast du doch bei flattr am Ende genauso viel übrig, wie bei steady, oder? nur bei 7% macht sich der Graben auf (dann behältst du bei flattr 83,70, bei steady nur 71). Das heißt doch aber, dass es von der gezahlten USt. abhängt, wie viel dir verloren geht, richtig?
bei SEPA pur und 19% sind es dann 81 vs 71.
usw…

Die Lizensierung der Inhalte - so stellt Sebastian es zumindest dar - ist wohl notwendig für steady, um sich abzusichern, denn sie sind ja eben kein Money Agent, sondern eher Kiosk.
die Lizenzierungsgeschichte aufgedröselt (steht eigentlich alles in den AGBs, aber ich kopiere es mal hier her) - wichtig: Ich bin keine Juristin oder Steuerfachangestellte oder sonstwas in der Art, ich schreibe nur, wie ich es verstehe!:

> "Steady ist eine Abo-Plattform, über die Sie Abonnements verschiedener Publikationen erwerben können, beispielsweise um eine Publikation zu unterstützen oder um exklusiven Zugang zu einer Publikation zu erhalten."
es geht also um Abos, damit ist steady kein Money-Agent, sondern ein Verkäufer. Man kann aber nur verkaufen,was einem irgendwie gehört…

> "Der Lizenzgeber überlässt dem Lizenznehmer über einen digitalen Kiosk digitale Inhalte im Abomodell unter Einräumung bestimmter, in diesen AGB genauer geregelter, Nutzungsrechte („Abos“)."
damit fungiert steady eher wie der Kiosk für Zeitschriften und Zeitungen im iPhone, wo du via apple ja auch teilweise Abos kaufen kannst.

genauer wird das dann noch einmal hier ausgeführt:
> “Der Lizenzgeber bezieht, wie in § 2 ausgeführt, seinerseits die digitalen Güter von den Urhebern der digitalen Güter. Der Lizenzgeber ist reiner Wiederverkäufer. Sämtliche digitalen Inhalte stammen nicht von dem Lizenzgeber, sondern alleine von den Publishern. Die Identität der jeweiligen Publisher finden die Lizenznehmer im Impressum auf den Unterseiten. Der Lizenzgeber vermittelt die Inhalte nur und stellt Lizenzen bereit. Die digitalen Inhalte geben nicht die Meinung/Auffassung des Lizenzgebers und/oder von dessen Mitarbeitern wieder. Der Lizenzgeber macht sich die fremden Inhalte ausdrücklich nicht zu eigen.”

wie ich es verstehe: Innerhalb von steady gibt es eben eine Lizenz, aber diese hat keine Auswirkungen auf deine Urheberschaft und du kannst weiterhin bestimmen, welche eigene Lizenz zu benutzt.

was ich für die subscribe wirklich interessant fände: Wenn diese Sachen von den Leuten von steady erklärt würden, also Konfrontation mit deiner Kritik, steady bezieht Stellung und idealer Weise noch ein Jurist, der sich wirklich auskennt. Im Moment ist mir das alles zu viel Geraune und die Zahlen, die gerade durchs Netz geistern, stimmen so halt auch nicht wirklich. Wenn man möchte, dass Leute eine informierte Entscheidung treffen, macht es die Sache sicher leichter, wenn man wirklich alle Pros und Cons korrekt hat. Ich bin in den letzten Wochen ein wenig durchgeschüttelt, weil von dir, von Holgi und allen Seiten gerade viel durcheinander geredet wird, was diese Dinge angeht und mir schwirrt langsam der Kopf. Es wäre total toll, einfach das Für und Wider ein für alle Mal zu kennen.

LG
Kadda

PS: Ich werde von steady nicht dafür bezahlt, das hier zu schreiben. Ich stehe nur seit Anfang an in engem Austausch mit Sebastian Esser, finde deren Projekt untestützenswert, denn es nutzt mir mehr, als es mir schadet (15% (bei 19% USt., 24%, wenn man 7% USt. angibt) gehen “verloren” - aber das ist bei meiner Literaturagentur das gleiche) und ich sehe als Nutzerin von steady derzeit das Problem, dass es den Leuten schlecht geredet wird, was schädlich sein kann, wenn man selbst grade ne Kampagne laufen hat, um Geld einzuwerben. Kritik finde ich super, darum geht es nicht - aber ich hätt’s gern korrekt. und die 70%, von denen grade alle reden, sind es schonmal so nicht.


#27

Nein, ich unterschlage hier überhaupt nichts, es hinkt auch nichts und Du schilderst im Prinzip die richtigen Fakten, aber mit den falschen Schlüssen. Also noch mal in kleinen Schritten:

  1. Jede Zahlung an Steady durch Spender unterliegt der Umsatzsteuer. Das ist eine Umsatzsteuer auf die Leistung von Steady, die hat nichts mit der Abrechnung mit dem Empfänger zu tun und daher kann ich diese Umsatzsteuer später auch nicht mehr ziehen (bzw. wird auch für Spenden erhoben, die an umsatzsteuerbefreite Empfänger gehen). Sie wird von Steady direkt an das Finanzamt abgeführt und mit der vom Unternehmen für andere Dinge gezahlten USt verrechnet, aber der Betrag fließt nicht mehr in die durchgereichte Leistung ein. Von 100 EUR Spenden bleiben aber nach diesem ersten Schritt also nur noch knapp 84 EUR über (100 EUR - 19% USt).

  2. Von diesen 84 EUR werden dann die Plattformkosten abgezogen, die zwar nominell bei 10% liegen, diese 10% werden aber auf den ursprünglich gezahlten Bruttobetrag angerechnet, liegen also bei 10 EUR. Effektiv liegt die Plattformgebühr als bei 11,9%. Von den 84 EUR bleiben jetzt also nur noch 74 EUR über (und eben nicht 75,60 EUR wie man denken würde).

  3. Zusätzlich zu den Plattformkosten werden noch die Gebühren für die Zahlungsdiensleister abgezogen. Dieser Betrag lässt sich nicht klar fassen, da er davon abhängt, welche Dienstleister verwendet werden und welche Beträge übertragen wurden. Kleine Beträge bei PayPal können teilweise erhebliche Gebühren aufwerfen, werden die Summen größer wird es weniger. Für diese Diskussion kann man den Betrag auch mal ignorieren, aber er kann durchaus 1-3% der Summe ausmachen.

  4. Nun erst wird die eigentliche Abrechnung mit dem Empfänger vorgenommen. Bin ich Umsatzsteuerabzugsberechtigt wird diese Umsatzsteuer (rechtskonform) auf den Nettobetrag aufgeschlagen. Dies ist dann in der Gutschrift (also der von Steady ausgestellten Rechnung) auch aufgeführt. D.h. ich erhalte zwar einen höheren Auszahlungsbetrag (in diesem Beispiel ca. 88 EUR), doch muss ich diese Umsatzsteuer ja auch wieder an das Finanzamt abführen und ist für mich daher irrelevant.

  5. Für die Auszahlung via PayPal fallen natürlich auch noch mal Zahlungsgebühren an.

Bei Punkt 4 entsteht bei Dir die Verwirrung: ich muss diesen Umsatzsteuer-Betrag nicht “versteuern”, sondern “abführen” (im Sinne von Umsatzsteuer). “Versteuern” (im Sinne von Einkommensteuer) muss ich später den eigentlichen Nettobetrag. Das ist aber normal und hat mit Steady nichts zu tun, denn das müsste ich auch, wenn ich die Zahlung per SEPA erhalte.

Ich finde es nicht gut, dass diese Rechnung nicht klar präsentiert wird (insbesondere finde ich es etwas bekloppt, von einer 10% Gebühr zu sprechen, die effektiv höher liegt). Und meine Kernkritik liegt darin, dass das eigentliche Dienstleistung der Geldvermittlung nicht auch entsprechend rechtlich darstellt wird (in dem man sich als Zahlungsdienstleister bei der BaFin registriert) was den Umsatzsteuer-Verlust für den Empfänger am Anfang verhindern würde.

Letztlich ist die eigentliche Dienstleistung von Steady (und Patreon) der Aufbau einer Infrastruktur für Paywalls inkl. der dafür notwendigen Tools. Ein getrenntes Modell, wo die Spendenvermittlung als (umsatzsteuerfreie) Zahlungsdienstleistung geführt wird und der eigentliche “Mehrwert” der Plattform (Paywall-Funktionen) auch als tatsächliche (umsatzsteuerflichtige) Dienstleistung durchgeführt werden würde, wäre auf jeden Fall fairer.

Ich stehe Paywalling sehr skeptisch gegenüber, aber genau diese Modelle entwickeln sich auf dem Markt derzeit stark voran. Das fördert natürlich einen The-winner-takes-it-all-Effekt, da populäre Angebote exklusiv bezahlt werden und die Leute am Ende weniger Geld für den Rest des Marktes übrig haben. Entsprechende Kommentare erhalte ich seit einiger Zeit auf Twitter (siehe z.B. https://twitter.com/Tifftoffo/status/913641971843035136 )

Am Ende seid Ihr es, die die Spender zu diesen “Dienstleistern” schickt und nicht andersherum. Und für diesen Dienst bekommt man dann noch signifikante Abzüge auf die Spenden, die sonst auch anders hätte laufen können. Solange es nur um einfache Spenden geht schneidet man sich damit also nur unnötig ins eigene Fleisch. Und um so mehr der eigentliche Plattform-Effekt dann greift (“oh, wieso bist du denn nicht auf Patreon, da wickele ich alle meine Zahlungen ab”), um so mehr wird man auch davon abhängig.

Nun, am Ende kann das natürlich jeder für sich entscheiden und ich sage ja auch nicht, dass Steady irgendwie evil ist oder so. Ich bin nur dafür, dass man sich da transparent macht und einem nicht ein X für ein U vormachen will und komplexe Zahlungswege auch erklärt und erklärt, warum irgendwas so sein muss und nicht anders. Sich da immer nur als Verteilungsengel hinzustellen und die eigene Rolle nicht klar darzustellen finde ich unangemessen.


Podcasts und Bezahlschranken
#28

Das ist auch ein Punkt, den ich schon bemängelt hatte. Seitens Steady wurde erläutert, dies sei fair und würde bei PayPal z.B. auch so gehandhabt. Mein Gegenargument, dass PayPal seine Gebühr auf den Betrag berechnet, den ich ich erhalte (ich erhalte 10 EUR “Spende”, ausgezahlt werden 10 EUR abzgl. PayPal Gebühr) und bei Steady vorher 19% abgezogen werden (ich erhalte 10 EUR “Spende”, ausgezahlt werden 10 EUR abzgl. 19% Ust und abzgl. der Gebühr von Steady) konnte oder wollte man bisher nicht so recht verstehen.

Diesen Punkt muss ich negieren. Bei meinen bisherigen Auszahlungen erfolgte exakt der Betrag, welcher auch auf den Gutschriften von Steady ausgewiesen wurde. Die - von mir ebenfalls angenommene Gebühr für die Auszahlung via PayPal - ist zumindest bisher bei mir nicht aufgetreten.