Neueinstieg - Frust, Fragen und Anmerkungen


#1

Hallo, ich habe bisher Audacity benutzt und nun Ultraschall installiert. Ich freue mich sehr über Ultraschall und will Ultraschall wirklich gerne benutzen, auch weil Tim es immer empfiehlt bei der Freakshow. Es ist wohl nur der anfängliche Frust gerade, über den ich hinwegkommen muss.

Gibt es auch geschriebene Anleitung oder Tutorials? Es ist ja schön das ihr so viele Videos habt, aber ich würde mir lieber was durchlesen, ich hasse es Videos anzuschauen. Im Help Menü ist nur die Hilfe zu Reaper, aber nicht Ultraschall.

Ich kann auch schon aufnehmen, aber habe ein paar kurze Fragen und Anmerkungen.

Unter Audacity benutze ich nach dem Aufzeichnen folgende simple Filter: “Noise Removal,” “Compressor,” und “Low Pass Filter” Beim Noise Removal selektiere ich die Stille am Anfang, und der lernt was das Rauschen ist, und filtert es dann. Die anderen Filter sind wohl selbsterklärend: Der Compressor hebt und senkt die Laustärke auf ein gleiches Niveau, und der Low Pass Filter entfernt das Zischen bei scharfen Konsonanten.

Ich habe nun bei Ultraschall nach diesen einfachen Filtern gesucht, aber schon die Namen der Filter ergeben für mich überhaupt keinen Sinn . Alles fängt mit so Kürzeln wie VST:REA oder so an, und hat völlig bescheuerte Namen, wie “VST:ReaPitch (Cockos)” was soll das bedeuten? Ich suche nach einfachen Filtern, z.B. “Compressor” warum gibt es nicht diesen einfachen Namen zum schnellen Auffinden?

Kann ich irgendwie Retina Support für die GUI auswählen? Die Knöpfe sind sehr pixelig auf meinem Retina Macbook. Ultraschall ist das einzige Program das kein Retina anzeigt bei mit.

Vielen Dank im Voraus für jegliche Hilfe schonmal.


#2

Leider derzeit: nein. Eventuell ändert sich das demnächst, aber bisher lag der Focus auf Entwicklung - und ein Screencast-Video ist als Doku schneller aufgenommen als ein Wiki-Text geschrieben.

Auch wenn es dich nervt: investiere am besten die 40 Minuten Zeit, und schau dir genau dieses eine Video an: da wird exakt jede Deiner Fragen besprochen:

Derzeit: nein. Ist für eine nächste Version in Arbeit, die Entwicklungen sind hier aber auch auf Seiten von REAPER noch nicht abgeschlossen.


#3

Oh - wäre mir neu, dass Audacity Retina-Support hat :slight_smile:


#4

Ja stimmt natürlich, das habe ich ganz übersehen. Naja Audacity ist aber auch soooo extrem hässlich da habe ich es mir schon abgewöhnt, da schaue ich schon gar nicht mehr hin. Sieht aus wie so eine Wine-Oberfläche oder sowas. :slight_smile:


#5

Ich habe neulich erst angefangen, repaer/US zu verstehen und muss sagen: Nur Mut, nach ein zwei von Ralfs Videos wird auf einmal alles klar. Und dann ist es wirklich eine der intuitivsten Audioplatformen, auf denen ich je gearbeitet habe. Um Längen besser als das angeblich anwenderfreundliche GarageBand.
Klar, Videos sind nicht immer so gut nachzulesen wie Texte, aber dafür kommen mehr Tips und Tricks rüber. Ich hab mir einen Samstag Zeit genommen und so 80 % des Workflows verinnerlicht und der Rest kommt über das Forum hier oder andere Videos.


#6

Hmm nach dem Video habe ich etwas herausgefunden:
Mein Audio-Midi Setup Window wird nach dem ersten Aufrufen nicht mehr angezeigt. Ich muss Reaper beenden und Audio-Midi Setup aus dem Dock killen und neu starten, um es wieder zu sehen.

Wenn ich ohne Reaper ein Aggregate Device mit meinen AirPods erstelle, dann haben die 2 Channels/16 bit, aber sobald ich Reaper am Laufen habe, ändert sich das immer in 1 Channel 8-bit, und kann im Audio/Midi-Setup auch nicht geändert werden. Ausser ich beende Reaper, und erstelle das Aggregate Device neu.


#7

Hast du es mal mit “CMD+1” probiert?


#8

Doch, wird angezeigt - ist aber ein PRoblem der Sichtbarkeit des Fensters und ein e uralte OSX-Skurrilität. Probier mal cmd + 1zu drücken, wenn die App ausgewählt ist, aber kein Fenster sichtbar.


#9

Super, geht! Danke!

EDIT2: Es scheint das die AirPods nur auf 8KHz umschalten wenn ich sie als Input UND Output konfiguriere. Gut zu wissen. Könnte eine Hardware Limitierung sein.


#10

Ah es ist schwierig.

In Audacity benutze ich folgende Filter zusätzlich zu der “lernenden” Rauschunterdrückung:

Compression filter (default settings)
Bass/Treble (Bass +10 dB, Treble -10 dB)
Low Pass Filter (6db rolloff 2500 Hz)

Es fällt mir wirklich sehr schwer, die gleichen settings in Ultraschall zu finden. Ich benutze den dynamics FX wie in dem Video, und den ReaEQ equalizer FX mit drei Bändern (Low shelf, High shelf, und Low Pass), um das Ergebnis an die Filter Bass/Treble + Low Pass von Audacity anzunähern.

Aber der dynamics Filter macht eine ganz andere Kompression (klingt mehr wie aus der Dose), und der ReaEQ hat nur einen 12 dB rolloff low pass Filter, der nimmt zuviel der Höhen weg, oder eben nicht genug. Schade, dass man da kein 6dB auswählen kann.

Naja, muss ich mich wohl mit abfinden, dass das einfach anders ist.


#11

Nun, du hast noch diverse andere Effekte die REAPER mitliefert, sowie die von Apple. Da sollten allein 4 verschiedene EQ-Filter dabei sein sowie 5 Kompressoren. ReaComp etwa ist als Kompressor noch recht mächtig.

Der Ultraschall Dynamics macht generell eher weniger Kompression, sondern hat eher einen Effekt wie Auphonic. Er sollte also “natürlicher” klingen als ein normaler Kompressor. Beachte aber unbedingt die Reihenfolge, von oben nach unten im Effektweg:

  1. Entrauscher
  2. EQ
  3. Dynamics/Kompressor
  4. Limiter
    Und achte auch mal auf den reinen Klang - häufig ist bei den ganzen Effekten weniger mehr, bzw. wenn man chronisch unzufrieden ist lohnt vielleicht ein Upgrade der Mic-Hardware.

#12

Danke, ich habe eben noch weiter herumgetastet und eine Lösung gefunden! Der Clou war einfach den Dynamics FX zu deaktivieren und stattdessen REAComp mit “Ultraschall Ducking” preset, und ReaEQ mit “low shelf” und “high shelf”, ganz ohne low pass zu benutzen. Nun klingt es sogar etwas besser als mein Audacity Output.

Allerdings benutze ich den Kompressor VOR dem EQ. Ist wahrscheinlich falsch, klingt aber warm.

Die Filter die ich benutze, für das eingebaute Micro im Macbook Pro 15" Retina:

  1. ReaFIR
    im Subtract Modus und trainiert mit den 3 Sekunden Stille am Anfang

  2. ReaComp
    mit Ultrashall Ducking preset

  3. ReaEQ
    mit den folgenden Bändern (hab’s mir als preset gespeichert):
    Type: High Shelf
    f=4000 Hz
    Gain=-17 dB
    Bandwidth=1 oct

Type: Low Shelf
f=250 Hz
Gain=10 dB
Bandwidth=1 oct

EDIT: Gibt es eigentlich eine Möglichkeit, die kompletten FX Settings so abzuspeichern und auf einen neuen Track, oder ein neues Projekt zu kopieren? Bei mir hat jeder Track immer wieder die voreingestellten FX.

EDIT2: Ich weiss jetzt was mich an Dynamics FX verglichen mit ReaComp stört: Beim Dynamics FX wird das Einatmen vorm Sprechen ganz laut. Im Original und mit ReaComp ist das viel leiser. Ist schon irre!


#13

Hm. Reden wir doch mal über: Placebos :slight_smile:
Der ReaComp hat mit dem Ducking Preset exakt: keinen Einfluss auf den Klang. Der ist dafür da, wenn man in ihn über eine Sidechain (Kanal 3+4 einer Spur) das Signal zum Triggern aus einer anderen Spur reinholt.
Ist komplizierter.
Anwendungsfall: man hat ein Musikbett, und will das immer genau dann leiser machen, wenn auf einer anderen Spur Sprache zu hören ist.
Solange man diese etwas kompliziertere Konstruktion nicht gebaut hat macht der Effekt: nichts.


#14

Der Dynamics hebt halt die Gesamtlautstärke auf -18 bis -16 LUFS an - und ja da werden auch schon mal Störungen mit verstärkt. Du kannst mal etwas an den Input-Parametern wie Attack schrauben, vor allem aber über den Volume-Envelope wie im Video gezeigt die Lautstärke der ganzen Spur vorher absenken - bis zu der Stelle, wo normale Stimme noch gut verstärkt wird, das Atmen aber weniger störend laut zu hören ist.


#15

Ah danke für den Hinweis mit Placebo. Ich verstehe die Effekte jetzt und bin fähig sie fast identisch zu Audacity zu wählen.

Ich habe ReaComp angepasst so das es das gleiche macht wie bei Audacity. Aber der Effekt ist sehr subtil.

Nun benutze ich die FX so:
1.) ReaFIR
im Subtract Modus und trainiert mit den 3 Sekunden Stille am Anfang

2.) ReaEQ
mit den folgenden Bändern (hab’s mir als preset gespeichert):
Type: High Shelf
f=4000 Hz
Gain=-17 dB
Bandwidth=1 oct

Type: Low Shelf
f=250 Hz
Gain=10 dB
Bandwidth=1 oct

3.) ReaComp
Threshold -12 dB
Pre-Comp: 0 ms
Attack: 200 ms
Release: 1000 ms
Classic Attack: Off
Auto Release: Off
Ratio: 2:1
Knee Size: 0 dB
Input: Main Input L+R
Lowpass: 20000 Hz
Highpass: 0 Hz
RMS size: 5.0 ms

4.) MGA JS Limiter
"no preset"
Threshold: 0.0 dB
Release: 200 ms
Ceiling: -0.1

… klingt super :slight_smile:


#16

Auch wenn pauschale Antworten in Sachen Audio ja immer schwierig sind, aber:
Das muss eigentlich scheiße klingen. Du schneidest ab 4.000hz mit dem EQ quasi alles weg. Das dürfte sehr dumpf sein und keine Höhen mehr haben. Was soll das überhaupt?
Gleichzeitig erhöhst du auch noch um 10db bei 250hz, also in den unteren Mitten. Solche drastischen EQ-Eingriffe braucht man bei Sprache einfach nicht.
Und auch die Compressor-Einstellung ist wenig hilfreich. 200ms attack und 1000ms release sind viel, viel, viel zu langsam für Sprache. Mir erschließt sich der Sinn dieser Einstellungen einfach nicht :wink:


#17

Naja du musst bedenken das ich das interne Mic des MacBook verwende und das leider viel zu viele Höhen hat.

Ich stimme zu das diese Einstellungen für Leute mit besseren Mics wahrscheinlich nichts bringen. Aber falls jemand anders hier mit dem internen MacBook Pro 15 in Retina aufnimmt könnten meine Einstellungen vielleicht hilfreich sein.

Ich lade bei Gelegenheit morgen mal beide Versionen hoch, also ohne Filter und mit Filter, dann kannst Du es selber vergleichen und wirst mir hoffentlich zustimmen das diese groteske Filterung notwendig war :slight_smile:


#18

Puh…aber wenn das Geld für n Mac Book Pro gereicht hat, dann wären doch auch noch 40 Euro für’n GoMic drin, oder? :wink:


#19

Ah ok, das erklärt dann vieles. Wenn du mal etwas Zeit hast, lies dir doch mal das hier durch:

Da teste ich einen ganzen Zoo von Mikros, unter anderem auch das vom MacBook Pro - da bekommt man einen ganz guten Eindruck, wie sich das gegenüber anderen Mikros klanglich so schlägt. Wenn du dann merkst, dass Podcasting dein Ding ist, solltest du vielleicht doch überlegen mal 90 € in die Hand zu nehmen und etwa in dieser Richtung weiter lesen:

Oder, wenn du dauerhaft solo vor Ort bist, und dir das mehr liegt: dasselbe kleine Mischpult mit einem günstigen Kondensator Großmembran Mikro oder bei guter Sprechdisziplin (Abstand) auch ein günstiges Dynamisches Mikro.

Ergebnis: du musst dann am Klang gar nichts mehr machen, der ist direkt sendefähig. Und dann funktioniert auch der Dynamics-Effekt viel besser, da man mehr Direkt-Schall hat und weniger Umgebung die mit hochgezogen wird.