Klick- / Schmatzgeräusche bei Aufnahme - real werden sie nicht wahrgenommen

Hallo zusammen.
Ich bin Manuel und bin vor ein paar Wochen in das Thema Podcasting gestartet.

Nun ist es so, das ich ein riesen Problem mit meiner Stimme habe. Ich habe noch NIE das Feedback bekommen, dass ich ein Schmatzgeräusch in meiner Stimme habe, weder in einem Gespräch noch bei Telefonaten. Seit dem ich Podcaste sind da aber super störende Klick- Schmatzgeräusch da. Auch nachdem mir dies nun aufgefallen ist habe ich mehrere Menschen darauf angesprochen die darauf achten sollen und es fällt Ihnen nicht auf!

Mein Setup ist ein Mac mit Reaper und Ultrashall. Als Mikrofon war zunächst ein Rode USB NT im Einsatz und da ich dachte vielleicht ist es nicht in Ordnung kommt nun ein Rode USB Mini zum Einsatz.

Ich habe das Problem bereits in einer Facebook Gruppe beschrieben aber die einzige Lösung die mir vorschlagen wurden, war ich solle stilles Wasser trinken. Die mache ich nun und es hat keinen Effekt.

Kann mir jemand helfen? Kennt jemand so ein „Phänomen“? Gibt es Filter mit denen ich arbeiten könnte beim aufnehmen oder in der Nachbearbeitung?

Ich weiß nicht was ich da noch machen soll.

Danke vorab und Gruß Manuel

Du kannst Folgendes probieren:

  1. Logopädie. Da können solche Sachen wegtrainiert werden. Frag da einfach mal an und wie das Ganze von der Kasse übernommen werden kann. Dann biste das Problem auf lange Sicht los oder zumindest kannst es verbessern.

  2. Mikrofon anders positionieren, also etwas weiter weg gehen, dann kaschiert der Weg von Mund zu Mikrofon das etwas. Das ergibt den gleichen Effekt wie im Gespräch, wo es Menschen nicht aufzufallen scheint(oder sie sind zu höflich es anzusprechen und daher fällt Dir das jetzt erst in der Aufnahme erstmals auf.), weil manche Frequenzen sich verlieren.

Auf Abstand gehen bedeutet aber auch, dass Du eventuell(!) den Hall im Raum mehr in den Griff bekommen musst, da dieser, wenn vorhanden, im Verhältnis stärker zu hören ist, wenn Du weiter weg vom Mikro bist.

Das ist ein Kompromiss der funktionieren kann, aber eben nur ein Kompromiss, weil er kaschiert, nicht das Problem behebt.

  1. Zusätzlich zu 2. kannst Du noch mit ReaEQ die schnalzenden/schmatzenden Frequenzanteile etwas runterregeln und so kaschieren. Das ist aber Aufwand und verändert auch den Sound. Daher würde ich das auch eher als Kompromiss sehen und nicht als Dauerlösung.

Kannst Du mal ne Aufnahme davon posten? Dann können wir mal reinhören. Vielleicht ists auch gar nicht so auffällig und Du bemerkst es nur, weil Du erstmals genau hörst wie Du sprichst.
Das ist nämlich auch ein typischer Effekt, mit dem man erstmal warm werden muss, dass man überspezifisch sich dann wahrnimmt, es für Andere sich aber total versendet.

Vielen Dank für deine ausführliche Antwort Mespotine.

Hier mal der Link zu einer Folge:
Apple: https://podcasts.apple.com/de/podcast/print-on-demand-launch-control/id1559445427?i=1000516657651
Spotify: https://open.spotify.com/episode/7pkhgfJzWosGqTCQ2jfvAR?si=41YafOrwTcWEtFAFailZuw

Die Geräusche finde ich sind krass zu hören aber Leute sagen mir dem gegenüber in Gesprächen und Telefonaten würde man gar nichts hören.

Gruß Manuel

Ich hatte immer dazu geneigt, die Lippen schon aufzumachen, während ich noch einatmete - und dann lippenschmalzt es. Ich habe mir daher angewöhnt, die Lippen erst beim Ausatmen/Sprechbeginn aufzumachen. Oder immer ganz leicht aufzulassen, wenn man potentiell sprechen will.

Wichtig auch: wenn die Zunge angespannt ist (und den Rachen versperrt), dann schmatzt’s deutlicher als wenn die (bewusst) entspannt ist. Einfach mal immer wieder ausprobieren, bis man das in der Routine hat. Das ist dann auch, wo das Stilles-Wasser-Trinken hilft (abgesehen davon, den Mund feucht zu halten): die Zunge ist dann tendenziell noch in der „Schlucken“-Stellung statt im „Zusperren“.

Eine andere Variante ist, nur durch den Mund ein- und auszuatmen (die Nase darf mit, ist aber nicht Primärweg). Dann können weder Lippen noch Zunge schmalzen - weil sie ja den Weg freimachen müssen. Haken: trocknet den Mund aus. Und sieht eventuell nicht ganz so schick aus.

Technisch sind Schmatzer vor allem hochfrequentig. Und bei der sehr geringen Bandbreite eines Telefons werden die automatisch weggemumpft. Wenn man dann ein (insbesondere: gutes) Mikrofon hat, dann kommen die aber 1a 'rüber. Daher merkt man so etwas eher selten am Telefon (vor allem bei älteren, die sehr „telefonstimmig“ klingen).

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OK, verstehe. Ich werde mal versuchen mit den Tipps zu „spielen“ und umzusetzen.

Vielen Dank, Volker!

Ok ich habe mal reingehört: es ist definitiv hörbar. Es stört mich nicht so sonderlich, aber es ist schon ein „Fremdlaut“, so als ob öfters etwas gegen das Mikro plingeln würde.

Ich glaube nicht, dass man hier mit EQ sehr weit kommen wird. Auch der grundsätzlich gute Hinweis „Mikro weiter weg“ ist glaube ich in diesem konkreten Fall nicht hilfreich: man hat so schon sehr viel Raum und Hall auf deiner Stimme. Vom Grundsound hätte ich daher gesagt: nur halben Abstand wie bisher zum Mikro nehmen, damit der Sound insgesamt etwas satter und voller wird. Das wird aber vermutlich auch Klicker verstärken.

Daher bin ich bei den Ratschlägen dabei, das über gezielte Sprech/Atemübungen, vielleicht wirklich über eine Logopäd:in zu gehen. Mindestens mal für eine Einschätzung/Bestandsaufnahme, und letztlich ist das eine sehr langfristige, gut angelegte Investition.

Ok. Es scheint sich relativ eindeutig herauszuarbeiten,
dass ich an meiner Stimme arbeiten muss. Dann werde ich
mich damit beschäftigen.

Danke für die Tipps und Hinweise.

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Lohnt sich auf jeden Fall, ​Logopädie hat meine Aussprache beispielsweise auch massiv verbessert.
Spart Dir dann lästiges Nachbearbeiten.

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Alternativ: Izotope RX hat ein sehr gutes Schmatz-Entfern-Tool, was m.W. auch in der Elements-Version dabei ist.

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Kenn ich.
Nicht unbedingt viel, aber öfter trinken. Labello auf die Lippen (Bläschenbildung auf denselben).
Nicht so empfindliches Mikro, mein erstes Mikro NT1-A war schlimmer als alle anderen danach. Mehr Abstand zum Mikro.
Und vielleicht ein wenig Sprechertraining, ein Teil davon ist auch unbewusst antrainiert, wenn man als Untrainierter meint, oh, jetzt Aufnahme, da wollen wir uns jetzt mal „sammeln“, bevor wir den Mund aufmachen. :slight_smile: Das im Hinterkopf zu behalten und eine entspannt(er)e (Körper-)Haltung am Mikro.

Heute kann ich auch wieder mein NT1-A verwenden, bis auf wenige Ausnahmen ist das Problem tatsächlich wegtrainiert.

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Oh…

Ch_we und Rob, das klingt beides sehr interessant! Vor allem zu hören das ihr das kennt und geschafft habt weg zu bekommen.

Danke für die Tipps…

Ich benutze eigentlich bei jeder Produktion iZotope Mouth De-Click: https://www.izotope.com/en/products/rx/features/mouth-de-click.html

Das ist allerdings erst bei der Standard-Version von RX dabei. Eventuell mal die Demo runterladen. Vielleicht hilft aber auch schon die Kombi De-Click + Voice De-Noise, die schon in der Elements-Version dabei sind. Gibt es gerade (wieder einmal) billiger im Frühlings-Sale.

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Wollt ich auch gerade sagen. Mouth-DeClick funktioniert ganz famos und im Augenblick gibt es auch guenstige Upgrades auf Standard. Da ich nicht weiß, ob die Werbung in meinem Postkasten personalisiert ist, sende ich mal keinen Link, sondern nur das Bildchen… .Capture

Ja, wow ich habe die Funktion mal ausprobiert und nun ist gar nichts mehr davon vorhanden.
Bin total impressed.

Vielen vielen Dank für die Hinweise!!! Manuel

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Alternative dazu ist noch dieses Plug-In hier :slight_smile:

Ich habe das Problem immer schnell, wenn ich ein Glas Whisky beim Podcasten trinke :sweat_smile: Was noch etwas hilft: Grüner Apfel oder Apfelsaft. Das nimmt das Schmatzige etwas aus der Stimme raus. Sonst hilft ein dynamisches Mikrofon hier auch, da werden die Speichelgeräusche weniger mitgenommen.

Kleines Bedenken noch: Plugins lösen das Problem nicht sondern versuchen es gerade zu biegen. Das verschlechtert zwangsweise Sound(hoffentlich kaum hörbar) und muss vor allem jede Folge erneut gemacht werden.
Eventuell sogar jedes Mal neu kalibriert werden, weil die menschliche Stimme nie exakt ist, und Geräusche mal stärker mal schwächer sein können, ergo: jedes Mal Arbeit in der Postproduktion.

Und: das Plugin wird kaum unterscheiden können zwischen Sprechfehlern und einem Schnalzen das man mit Absicht gemacht hat. Es kann also, unabsichtlich den eigentlichen Inhalt verändern beim Versuch etwas zu entfernen, was eigentlich so drin bleiben sollte.

Plugins können daher nur Notlösungen sein. Ich würde das nur einsetzen bei GästInnen, von denen man jetzt nicht vor nem Interview nen Sprechtraining verlangen kann oder wo es aus physischen Gründen halt nicht besser geht.

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+1

Ich hab mir mittlerweile - nach hilfreichem Hinweis - angewöhnt den Mund gar nicht mehr ganz zu schließen.

Ist ein klein wenig Übungssache, dafür taugt es unabhängig von der Situation oder Nachbearbeitung.

Ich musste sehr lachen, als ich das las. Aber es trifft einen Punkt. Klicken beim Reden ist meines Erachtens weitestgehend eine Frage der „Haltung“. Klicken ist zu vermeiden. Nehme ich mir beim Reden die Zeit, das zu respektieren. Respektiere ich die Hörer:innen als Gegenüber, denen ich diese Achtsamkeit entgegenbringe, klickfreien Inhalt zu bringen. Das bedeutet: lasse ich mir mehr Zeit beim Reden, Zeit, die ich nütze, meinen Mund klar zu halten. Ruhig zu bewegen. Nicht zu hasten, einen Punkt zu machen. Auszuatmen. Den Mund - ruhig - zu schließen (warum nicht), um ihn dann ruhig wieder zu öffnen. Einzuamten, um klickfrei weiterzureden. / Oder hau ich aufs Gas. (Mein Gott, warum denn nicht auch mal.)

Kurzfassung: Klicken ist Haltung, und nicht Plugin oder Klimmzug.

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Besser AUSatmen. Noch besser: beginnen durch den Mund auszuatmen, und dann erst sprechen. Aber vor allem: ruhig. (Danke @lobodingbauer für den Hinweis der geistigen Grundeinstellung).

Schmatzen tut’s an Lippen oder Rachen vor allem, wenn es Druckunterschiede gibt. Daher sollte vor Sprechbeginn sowohl der Rachen- als auch Nasen-Verschluss aufgelöst sein, und die Atmung gerade stillstehen, damit es im Mund keinen Druckunterschied zur Außenluft gibt, so dass es nicht schmatzt.

Das ist für mich am einfachsten, wenn ich aus dem Einatmen-Preak anfange, ins Durch-den-Mund-Ausatmen mit dem Sprechen beginne (und/oder eh’ den Mund offengelassen habe).

Vielen Dank an euch allen für die ausführlichen Antworten!