Gender to unsubscribe?

Ich weiß nicht, ob man hier über nüchtern und sachlich über ein aufgeladenes Thema diskutieren kann - aber man kann es ja mal versuchen. Wenn nicht hier, wo dann!

Wie das aktuelle Beispiel mit Neill Young zeigt, schlägt die Debatte um politische und sachliche Korrektheit, immer höhere Wellen.

Ich beobachte, dass immer mehr Podcasts in unserer kleinen deutschen Blase zu gendern versuchen. Ich frage mich nun, ob dahinter die tiefe Sehnsucht und Erkenntnis liegen, dass das wohl nun mal eine gute Idee sei. Oder ist es eher sowas wie „Gruppenzwang“ und die oben schon erwähnte Angst vor der sozialen Abrissbirne (neudeutsch Cancel Culture)? Habt Ihr eine Veränderung in Euren Statistiken bemerkt nach der „Umstellung“ auf gDeutsch?

Oder gerade umgekehrt? Von Tim stammt ja die immerwahre Behauptung, dass ein Podcast den berühmten guten Ton haben muss, damit man überhaupt hinhört und nicht „abschaltet“ . Dankenswerterweise haben wir da ja (durch diese Community) phantastische Fortschritte erzielt.

Ich merke für mich persönlich sehr deutlich, dass gDeutsch für mich der neue schlechte Ton ist. Wird gedendered, schalte ich in aller Regel ab. Leider sind schon viele liebenswerte Podcasts diesem Effekt zum Opfer gefallen und ich lebe quasi in ständiger Angst vor weiteren Kollateralschäden.

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Für mich und die Podcasts gesprochen, in denen ich beteiligt bin: Man gendert ja nicht „für den Podcast“, sondern weil sich der tatsächlich Sprachgebrauch ändert. Bin mir aber sicher dass sich das nicht in Downloads ablesen lässt, weil es originär mit der Frage gar nichts zu tun hat.

Aber eingedenk der Präsentation von Christiane Attig vor einigen Jahren über die Zusammensetzung der deutschsprachigen Podcastenden-Szene vermute ich dass sich da eine bekannte und grundlegende Progressivität der Szene akustisch abbildet.

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Was Herr Zweikatz sagt.

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Ich überlege ab und an, wie und ob ich das in meine Episoden einfliessen lassen soll/kann. Letztlich halte ich es schlicht für sinnvoll, alle (in meinem Fall deutschsprachigen) Personen anzusprechen.

Grössere Zielgruppe => mehr Abrufe => meistens besser

Repressionen fürchte ich nicht, wobei ich auch nicht von Sponsorings etc. abhängig bin. Eine Veränderung der Abrufzahlen kann ich nicht feststellen.

Unsicher bin ich mir eher beim Wie. Gelegentlich höre ich die Variante der Gedankenpause vor der Geschlechterergänzung; z.B. phon. „Hörer—innen“. Beim Lesen und Schreiben stören mich derartige Varianten seltenst (wenn sie sich nicht mit Markdown beissen), beim Hören jedoch schon. Solche Pausen/Intonationswechsel im unfertigen Wort empfinde ich selber als irritierend.
Persönlich versuche ich deshalb eher den Ansatz des zufälligen Wechselns: Mal sind es Spielerinnen, mal sind es Hörer. Am Ende soll sich das ungefähr die Waage halten. Das scheint mir ausgeglichen, ohne mühsam zu wirken.

Hm. Also hier gibt es Punkte, die mir etwas quer liegen. Zum einen ist es etwas unredlich, hier Tim als Kronzeugen zu laden - es ging ihm bekanntlich um Sound, und dir geht es um Sprache. Ich verstehe den Plan hier eine rhetorische Figur aufzubauen, aber sie geht eben m.E. inhaltlich in Leere.

Dann finde ich das von dir geschilderte Verhalren etwas - extrem? Oder mal anders herum gefragt: glaubst du, „woke“ Podcast-Hörer:innen de-abbonieren ihre altbekannten Lieblings-Podcast, nur weil die auch nach X Jahren Debatte immer noch nicht gegendert reden? Ich denke eher nein.

Das führt mich dann zur eigentlichen Frage: stört hier wirklich die Sprache, oder vielmehr die Haltung hinter der Sprache. Sprache ändert sich kontinuierlich, das können und sollten wir nicht aufhalten. Mir gehen Business-buzzwords auf den Keks, wenn ich „Learnings“ höre kriege ich Ausschlag. Ist der Podcast aber inhaltlich interessant, ist mir das doch völlig wumpe.

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Glottisschlag - inklusive einer Merkhilfe für die Bezeichnung :innocent:

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Ich glaube, gegen Gerechtigkeit kann keiner was haben!? Wenn der Term Gender für mehr Sprachgerechtigkeit steht, dann ist das eine gute Sache.

Es ist in der Tat nicht einzusehen, dass sich 50% der Podcasthörer(!) immerzu fragen müssen, ob sie denn auch angesprochen sind oder nicht. Dieses generische Maskulinum ist ein echter Schmerz im Po.

Ich versuche das, wenn auch mit einer gewissen Untrainiertheit und zuweilen Ratlosigkeit während ich im Redefluss bin, zu vermeiden.

Es fehlt m.E. an einem guten Regelwerk. Ohne so ein Regelwerk verfranzen wir uns immer wieder in „die toten Studierenden“. Zudem vermeidet es über das sinnvolle Ziel – Sprachgerechtigkeit – mit absurden Konstruktionen und Herleitungen (Gästin, jemensch, Menschy …) hinauszuschießen.

Mein Interims-Duden zur Vermeidung des gen. Maskulinums ist in diesem Fall die (gar nicht sooo neue) Einlassung von Anatol Stefanowitch.

Die trainierte Anwendung dieser Regeln ist beinahe unhörbar und ist m.E. ein guter Kompromiss (ja, nicht ganz ohne Flaws), bis sich unsere Sprache auf natürliche Weise zu mehr Gerechtigkeit entwickelt hat.

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Sehr wichtiger Punkt, den Sven hier anspricht! Gendergerechte Sprache ist ja nicht nur auf Konstruktionen wie „Studierende“ oder den bereits erwähnten Glottisschlag zurückzugreifen. Man kann sich ja auch Gedanken dazu machen, welche geschlechtsneutralen Alternativen es gibt. Statt „Erzieher:innen“ vielleicht „Kita-Personal“ sagen (und in Kauf nehmen, dass dann halt auch die Leute aus dem nicht-pädagogischen Bereich gemeint sein könnten)

Und wenn es ohne Glottisschlag nicht geht: üben. Man muss ja nicht PolizistINNEN sagen und die gegenderte Form bewusst hervorheben, denn dann wird es für das geschätzte Publikum anstrengend bis lächerlich. Eine kurze, kunstvolle Pause, fast unhörbar, aber doch da. (und in Kauf nehmen, dass das irgendwer für generisches Femininum hält und sich diskriminiert fühlt)

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Hallo,
Deine Frage möchte ich aus meiner persönlichen Sicht beantworten.

Wenn es für die Zuhörerinnen und Zuhörer zu anstrengend ist, dass sich sowohl weibliche als auch männliche Personen angesprochen werden, verzichte ich gerne auf diese Zuhörer. (Ich denke, dass es Frauen weit weniger stört, daher fehlt hier die weibliche Form.)

Im Umkehrschluss fände ich es sehr kurz gesprungen, wenn ich mir keine Podcasts mehr anhören würde, wenn dort Frauen und Männer nicht gleichermaßen angesprochen werden.

Ich gewinne wesentlich mehr, wenn ich die Ambivalenz aushalte, als wenn ich mich in meinem Lager verschanze und in Anlehnung an den Suppenkasper sage:
Diesen Podcast höre ich nicht!
Für mich schlägt der Inhalt fast immer die Form.

Ich sehe das eher so:
Die Sprache ist auch von Mode geprägt und ändert sich ständig, und die Zeit wird zeigen ob sich die Binnenmajuskel durchsetzt oder nicht.

Eine Diskussion darüber erinnert mich an die ersten Bikinis. Der Aufschrei war da, aber heute ist er vollkommen normal.

Deswegen auf einen Besuch im Schwimmbad zu verzichten, schadet eher mir, als das es etwas bewirkt.

Dinge ändern sich halt ….

YMMV

Grüße

Gero

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Wir gendern in unserem Podcast aus Überzeugung und weil wir sehr viel positive Rückmeldung dazu bekommen. Wir machen einen (natur)wissenschaftlichen Podcast und gerade da ist es wichtig von „Forschenden“, „Studierenden“ und „Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“ zu sprechen. Wir wollen hier zeigen, dass Naturwissenschaft alles andere als männlich ist. Ich will meiner Tochter klar machen dass sie alles sein kann und nicht irgendwo (sprachlich) ausgeschlossen ist. Wir bekommen sehr viel positive Rückmeldungen von Hörerinnen die das sehr wohltuend finden. Sogar junge Hörerinnen die dadurch bestärkt wurden einen naturwissenschaftlichen Studiengang zu wählen. Wie toll ist das denn?
Wir bekommen sehr wenig Rückmeldung von Menschen die das blöd finden. Ich kann mit auch nicht vorstellen warum einen das stören würde.

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In den letzten 3 Jahren habe ich eine Entwicklung durchgemacht.
Vorsicht, das wird jetzt pathetisch:

Ich stand alledem erst sehr kritisch gegenüber. „Klingt blöd, kann ich nicht“…
Und ich kann es immer noch nicht durchgehend und stolperfrei.

Aber:
Wenn ich alle ansprechen kann, dann sollte ich das auch tun.
Das nicht zu tun, ergibt überhaupt keinen Sinn.

Es geht nicht darum, aus Selbstzweck gendern, einzelne Gruppen herauszupicken oder wortakrobatische Verrenkungen zu machen. Es geht um alle.

In den Massenmedien merke ich auch, wie schnell ich mich daran gewöhnt habe. Beim ersten Mal ist „Hallo Alle“ im Radio noch komisch. Nach 2 Tagen ist es nicht mehr der Rede wert.

Ich bin allerdings auch dagegen alles mit einem „*Innen“ zu erschlagen und es dauerte ein wenig, bis ich die passende Worte wie z.B. „Publikum“ gefunden habe. Die Grenze ziehe ich da, wo es unangenehm zu hören ist und bitte gelegentlich auch das Publikum mir zu helfen und eine passende Formulierung zu suchen. - Gemeinsam finden wir immer etwas.

Ein Podcast ist dazu nicht flüchtig. In 10 Jahren werden Folgen nachgehört und ich wünsche mir, dass er dann nicht wie aus einer anderen Zeit klingt.

Inzwischen gendere ich aus Überzeugung. Es ist gar nicht so schwer. Man gewöhnt sich daran und das Publikum honoriert es. Es spricht sich herum, dass ALLE eingeladen sind und das erweitert das Spektrum von Publikum und Gastpersonen deutlich.

Gendern ist kein neumodischer Kram. Gendern ist eine Liebeserklärung an die Fähigkeiten meiner Muttersprache, sich auf gesellschaftliche Veränderungen einzustellen. Gendern erlaubt mir „alle Menschen sind gleich“ in der alltäglichen Sprache auszudrücken.

Und ja: Gelegentlich bekomme ich auch böse E-Mails, dass ich das mit dem Gendern bitte zu unterlassen hätte. Witzig daran ist, dass dieses Feedback ausschließlich aus der Gruppe männlich, 45-60 Jahre gekommen ist. Rein statistisch eine Minderheit. Auch für die gendere ich, denn sie gehören zur Gruppe „Alle“.

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Mein Abschaltimpuls bei diesem Thread setzte nach dem Betreff ein. Fragezeichen.

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Ich weiss nicht, wie der aktuelle Fall um Neil Young ( da geht es doch um Fake News, also die Sachebene) mit gendergerechter Sprache im Zusammenhang steht, aber nun gut.

Für mich liest es sich eher wie ein weiterer pseudo Cancel-Culture bzw. „Gendern spaltet die Gesellschaft“ Post.

Mir fällt kein Beispiel ein, wo jemand für das (nicht) verwenden bestimmter gender(gerechten) Formulierungen „gecancelt“ wurde.
Ich würde sogar behaupten, dass die Menge an Menschen, die dies als Grund zum abschalten sehen verschwindend gering ist.

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Ich kenne diesen Artikel von ihr:

Da Du von „Präsentation“ sprichst: wenn Du da einen anderen/weiteren Link hast, bin ich dankbar für den Hinweis.

Hallo Ralf, das ist im Prinzip meine Frage, auf die ich eine Antwort suche:
gibt es in der Podcast-Szene „Bedenken“, dass man bei nicht Zielgruppen-typischen Verhalten in die eine oder andere Richtung Zuhörer verliert? Das kann ja in beide Richtungen funktionieren: „unsubscribe“ aufgrund nicht „wokem“ Verhalten/Sprache. Ebenso vorstellbar: „unsubscribe“ aufgrund von gendersensibler Sprache. Ich möchte die an sich überhaupt nicht wertend verstanden wissen, mich interessiert einfach nur, ob es diese Diskussion gibt.

Präsentation ihrer Studie 2019 auf dem Congress des CCC

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Ich höre Podcasts die Gendern und ich höre Podcast die Gender nicht. Ich selber tue es in meinem Podcast weil es meiner ist, ich es tun möchte und es für richtig halte. Würde ich einen Podcast deabonieren weil ich grob Mi­so­gynen quatsch redet. Sofort. Würde ich ihn deabonieren weil ich er nicht gendert? Nein. Würde ich mir manchmal wünschen, dass man an der ein oder andere Stelle vielleicht etwas sensibler ist. Auch durchaus. Aber ein Fass würde ich deswegen auch nicht aufmachen. Sind ja schließlich keine Sprachpolizei hier.

Neil Young verlässt Spotify nicht aufgrund von „Wokes“ sondern Joe Rogan faktisch falschen ansichten und Interviews zu Impfungen. Hier muss man auch noch dran denken, dass Spotify Joe Rogan nicht nur hosted (oder eine Plattform bietet) sondern auch bezahlt.

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„gender, in language, a phenomenon in which the words of a certain part of speech, usually nouns, require the agreement, or concord, through grammatical marking (or inflection), of various other words related to them in a sentence.“
https://www.britannica.com/topic/gender-grammar

Ich bin sehr für Gerechtigkeit. Das Wort „gender“ sehe ich in keinem Zusammenhang hierzu.

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Neil Young und Joe Rogan sind aufgrund Ihrer extremen Reichweite/Bekanntheit ein eher untypisches Beispiel, da stimme ich Dir zu. Aber es reiht sich ein in eine ganze Reihe von heiß diskutierten Themen, die ich unter dem Begriff „Cancel Culture“ subsummiere. Das ist natürlich kein Begriff von mir, ich sehe nur den Zusammenhang zwischen den verschiedenen Beispielen.
Ein weiteres, wiederum extrem prominentes Beispiel, ist die Hetzkampagne gegen Frau Rowling, ich persönliche würde auch den aktuellen Shitstorm gegen die Emma und Frau Schwarzer in denselben Kontext stellen.

Allen diesen Beispielen ist gemein, dass man unliebsames Verhalten, unliebsame Äußerungen mit einer völlig unverhältnismäßigen Gegenreaktion ohne Duldung von Widerspruch auszumerzen versucht.

Joe Rogan ist ein „Krawallpodcaster“, der von ganz links bis ganz rechts jedweden zu Wort kommen lässt. Er mag ein Idiot und Impfgegner sein, aber er steht (nach meiner Kenntnis) nicht außerhalb des Gesetzes. Er interviewt Leute.

Ich persönlich hätte mich gefreut, wenn Neill Young in dessen Show gegangen wäre und dort Klartext geredet hätte.

Wir driften nun aber ein wenig ab vom Kernthema … Ich bitte um Nachsicht.
Meine ursprüngliche Frage zielt darauf ab: ist „Cancel Culture“ ein Thema in Euren Podcasts, über die Ihr Euch sorgen macht?

Nein. Absolut nicht.

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