Erfahrungsbericht Castopod

Ich habe einen meiner Podcasts auf ein selbst gehostetes Castopod umgezogen und will hier kurz über die Erfahrungen berichten.

Ausgangssituation

Ich betreibe aktuell die zwei Podcasts Knowledge on Air und lernOS on Air. Der erste war wegen Zeitmangel einfach auf Wordpress.com gehostet und damit vom Google-Fonts-Problem betroffen (Einbindung von Google Fonts lässt sich in den günstigen Tarifen nicht deaktivieren).

Da ich für den Podcast nicht extra ein Wordpress aufsetzen wollte, habe ich erstmal andere Optionen überlegt. Der Umzug zu anchor.fm oder Podigee waren in der engeren Auswahl. Dann kam das Elon-Musk-Twitter-Debakel und ich habe angefangen, mich mit Fediverse, Mastodon und ActivityPub zu beschäftigen.

Entscheidung

Ich hatte vor einem halben Jahr schonmal mit Castopod herumprobiert, habe das aber wegen PHP-Fehlern nicht zum Laufen gebracht. Da im Oktober 2022 die Version 1.0 erschienen war, wollte ich dem ganzen nochmal eine Chance geben. Auf einem Spielserver hatte ich ein Yunohost am Laufen und dort war mit zwei Klicks eine Subdomain (podcasts.cogneon.io) und die Yunohost Applikation Castopod angelegt.

Den Podast auf Wordpress, den ich vorher auf privat gestellt hatte, habe ich kurzzeitig wieder veröffentlicht, um die Episoden in Castopod zu importieren. Das Backend ist sehr einfach aufgebaut und schnell zu verstehen.

Nach einigem Herumprobieren war mir klar, dass Castopod alle Anforderungen erfüllt, die ich für den Knowledge on Air Podcast habe. Deswegen habe ich entschieden, den Podcast umzuziehen und die Wordpress-Instanz sowie den Feedburner-Feed (Wordpress allein liefert keinen Podcast-tauglichen Feed) aufzulösen.

Ich denke sogar aktuell darüber nach, auch den lernOS on Air Podcast nach Castopod umzuziehen, da es dort sehr einfach ist, weitere Podcasts anzulegen (es wird automatisch eine Landing Page mit den Podcast-Covern vorgeschaltet).

Im Folgenden noch eine Zusammenstellung der Vor-/Nachteile, die ich (nach zugegebenermaßen kurzen Nutzungszeit) sehe. Falls sich jemand intensiver mit Castopod beschäftigen will, @Joram ist in Episode 1 und Episode 2 des neuen Podjournals auch auf Castopod eingegangen.

Vorteile

  1. Sehr einfach zu verstehen und damit auch für Einsteiger:innen geeignet (Hürden sind etwas höher, als bei Anker, aber viel niedriger, als bei Wordpress)
  2. Bestehende Podcasts können über den Feed importiert werden (hat bei mir nicht geklappt, lag aber wohl an meinem PHP-timeout)
  3. Mehrere Podcasts können ganz einfach in einer Instanz verwaltet werden
  4. Analytics sind integriert inkl. der Option
  5. Integriert mit dem Fediverse (Castopod kann Out-of-the-box ActivityPub, Follower werden auf der Website automatisch angezeigt, Kommentare auf Mastodon werden direkt bei den Episoden angezeigt
  6. Anledgen redaktioneller Seiten wie z.B. Über diesen Podcast (Nachteil: wird recht klein in der rechten Seitenleiste angezeigt)
  7. Transkript-Datei (Format: SRT) und Kapitelmarken (Format: JSON) (ggf. Konverter von @derphilipp nutzen) sind möglich
  8. Mitwirkende können angelegt (viele vorgegbene Rollen verfügbar), eine Übersicht mit Mitwirkenden wird automatisch unter „Danksagungen“ erstellt (Beispiel: Danksagungen)
  9. Große Zahl externer Podcast-Plattformen (inkl. fyyd) und soziale Netzwerke (inkl. Mastodon) können im Backend eingetragen werden. Erscheinen dann in der rechten Seitenleiste
  10. Videoclips und Tonschnipsel (Soundbites) können z.B. für die Bewerbung in sozialen Medien direkt bei der Episode erzeugt werden
  11. Premium-Option: ganze Podcasts oder einzelne Episoden können hinter einem Abo versteckt werden (nutze ich nicht, kann mir aber vorstellen, dass das praktisch ist)
  12. Finanzierungs- und Crowdfunding-Plattformen wie Patreon, Liberapay und Paypal können im Backend eingetragen werden
  13. Company-driven Open Source: hinter Castopod steckt das französische Unternehmen Ad Aures. Da die ihr Geld mit Podcasting verdienen, hoffe ich, dass das Geschäftsmodell ähnlich nachhaltig ist, wie bei Wordpress (Automattic) oder Discourse

Nachteile

  1. Wenig Konfigurationsmöglichkeiten, man muss das Tool nehmen, wie es kommt
  2. Wenig Einflussmöglchkeiten auf das Design (keine Templates, Auswahl von nur sechs vorgegebenen Grundfarben
  3. Episoden müssen in Castopod hochgeladen werden, Verwaltung auf externem FTP-Space etc. ist nicht möglich.
  4. Keine Integration von Auphonic, man muss seine Episoden vorher durch Auphonic schicken (was ich bei Wordpress.com eh so machen musste)
  5. Last but not least: man unterstützt nicht mehr das Community-Projekt Podlove :smiling_face_with_tear:
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Danke! Das hilft mir sehr!

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Bei der Installation kann man zumindest angeben, wie man seine Dateien verwalten will. Ich habe das selbst aber nicht probiert, denn für meine Zwecke im Podjournal reicht der Speicherplatz meines Pakets voraussichtlich einige Jahre, bevor ich mich nach einer Alternative umgucken muss. :slight_smile:

Was ich bei der Installation auf einem Shared Webspace frickelig fand, ist die Anbindung ans Fediverse, weil ich bei meinem Anbieter die nötigen Cronjobs nicht so anlegen konnte, wie Castopod das erwartet. Da habe ich zum Glück großartige Hilfe bekommen. Schade finde ich, dass man nahezu keine Moderationsmöglichkeiten für Kommentare hat. Klar, die kommen direkt aus dem Fediverse und werden auf der Landingpage mehr oder minder eingebettet und deswegen könnte ich Hatespeech nicht löschen, wenn sie denn aufträte. (Denn dazu müsste ich anderer Leute Toots löschen können)

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Man kann Konten und Server blockieren, einzelne Kommentare nicht.

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Ja, genau, und das wirkt auf mich wie Kanone auf Spatz. In einem Wordpress-Blog oder bei einem Dienstleister kann ich einen einzelnen Kommentar löschen, quasi wie einen Warnschuss. Bei Castopod bleibt nur die Ultima Ratio.

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Das klingt wirklich großartig!

Danke für deinen Erfahrungsbericht.

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