Effekte in Hardware vs. Software

Fortsetzung der Diskussion von EQ, Noisegate, Limiter, Kompressor in Ultraschall erst NACH der Aufnahme?:

Ich ziehe das Thema mal aus der Kategorie “Ultraschall” raus, weil es generell das Aufnehmen betrifft.

Die Frage ist, wie Ralf ja auch schon angedeutet hat, ob bzw. welche Effekte man in Hardware haben möchte. Ich zähle hier mal Vor- und Nachteile aus meiner Sicht auf.

Effekte in Hardware (vs. in Software)

Pro:

  • latenzfrei; man hört sofort und latenzfrei im Monitoring, was der Effekt macht.
  • manche Effekte machen nur in Hardware Sinn, z.B. ein Limiter, der im Analogsignal auf -0,3dB limitiert, so dass der DA-Wandler nicht clippt. Wenn der DA-Wandler clippt nützt der Limiter in der DAW auch nichts mehr.

Contra:

  • Hardware ist teuer, braucht Platz, ist schlecht zu transportieren.
  • Es gibt kaum Hardware, mit der das kostengünstig, effizient, podcastergerecht geht.
  • nicht reversiebel.

Meiner Ansicht nach (YMMV) kann man praktisch alle Effekte getrost in der DAW als Softwareplugin realisieren. Auch wenn man live streamt ist das kein Problem, sofern die Einstellungen einigermaßen klar sind und man mit dem trockenen Signal im Monitoring leben kann. Der einzige Effekt, der meiner Ansicht nach unbedingt in Hardware gehört ist der Limiter, der einen vor Clipping schützt, wen eine Gesprächspartnerin laut los lacht, was sie natürlich nur während der Aufnahme und nie während des Einpegelns des Mikros macht.

Problem ist wie gesagt, dass mir keine Hardware bekannt ist, mit der das vernünftig ginge. Man landet sofort bei einem großen, schweren und teuren Gespann aus Preamps, Effektgerät und Audiointerface. Die Audiointerfaces haben meist auch schon ganz gute Preamps, die dann brachliegen, genauso wie der eventuelle DA-Wandler im Preamp-Gerät. Ich hätte gerne ein Audiointerface wie z.B. das Focusrite Saffire 40 entweder mit einem externen Effektweg, so dass ich einen Compressor/Limiter einschleifen kann, oder mit einem Limit-Knopf pro kanal, dass ich so einen Clippingschutz aus- und einschalten kann. Mir ist kein solches Gerät bekannt. Am nächsten kommt dem der Zoom H6.

Die VSL-Serie von Presonus bietet eigentlich all das:

Man kann die Effektbereiche EQ, Limiter, Kompressor und (leider nur) hartes Gate pro Kanal schalten/parametrisieren und dazu entscheiden, ob der veredelte Klang nur auf die Kopfhörer rausgehen soll, oder auch hart in die Aufnahmekanäle zum Rechner eingeschrieben wird.

Leider haben die Presonus-Geräte aber den bekannten Zoo von anderen Problemen - aber in Bezug auf Effektweg ist das der beste mir bekannte Ansatz.

[quote=“rstockm, post:2, topic:153”]
Die VSL-Serie von Presonus bietet eigentlich all das.[/quote]

Wenn ich das richtig verstanden habe, sind die Effekte aber auch digital realisiert. Das heißt der Limiter als Clippingschutz funktioniert da nicht, weil der erst zum Zug kommen kann, wenn der DA-Wandler das Signal schon zerclippt hat. Einziger Vorteil ist die Latenzfreiheit, die ja auch keine echte Latenzfreiheit ist, sondern nur die unterträgliche Latenz durch Treibertricks erträglich macht.

Mich würden mal Latenzmessungen interessieren, die denen die Latenz aus der Presonus-Methode mit einem FireWire+Software-Effekt verglichen werden.

Generell würde ich noch Linuxtauglichkeit mit in mein Lastenheft aufnehmen, was derartige Treiber- und Softwareakrobatik verbietet.

Evtl. hast du schon einen Abnehmer für das Lastenheft :wink: Da alles noch am Anfang ist, bin ich für Ideen offen:

Audio Effekte könnte man beim BeagleBone Black ganz gut über die beiden 200 MHz Realtime Co-Prozessoren erschlagen. Die Audio Anbindung würde Seriell über McASP erfolgen. Dadurch hat man im Linux Kernel auch wieder mehr Freiheiten.

Zeitlich ist das aber auch eher ein Thema für Q4/2015. Ich überlege auch ob man diesen Teil des Projektes nicht eher Crowdfunden lässt. Das würde die Themen Zeit und Geld meinerseits entspannen.

Es gibt auch noch ein anderes Open Hardware Projekt:

Da weiß ich nur gerade nicht wie weit Hubert gekommen ist. Ich glaube zum 31C3 wollte er einen lauffähigen Prototypen zeigen.

Na ja, 4ms sind dann doch schon ziemlich latenzfrei würde ich sagen, auch ein Hardware-Effektgerät bringt 1 bis 2 ms rein. Zur “realen” Messung der Latenz von Effekt-Prozess-Ketten habe ich ja hier mal ein DIY-Konzept vorgestellt:

Würde ich auch sagen. Ist ein Zuhörer nur 2 Meter vom Redner entfernt, kommt bei ihm der Schall auch erst nach knapp 6 ms an. Dann sind es anschließend halt 10.

2m / 343 m/s * 1000 = 5,83 ms.

(falls ich mich nicht verrechnet habe :innocent:)

Ich glaube daher, der wichtigste Anwendungsfall für eine möglichst niedrige Latenz ist das Monitoring von sich selbst.

Exakt, nur da hast du die Phasenverschiebung durch lastenfreie In-Kopf-Stimme und dem aus dem Kopfhörer. Alle andere Schallquellen sind weitestgehend zu vernachlässigen, da machen auf 50ms nichts.