Zwischen guten Tipps und Informationsflut - Der schwere Anfang

Seit dem Sommer 2018 hatte ich mich mit dem Gedanken beschäftigt, einen Podcast über Hertha BSC ins Leben zu rufen. Themenschwerpunkt: Herthafans, die nicht in Berlin oder Brandenburg wohnen, sondern irgendwo anders auf der Welt leben. Ich suchte mir daher ein kostenloses Mindmapping-Tool, welches ich ortsunabhängig online nutzen konnte (https://coggle.it/) und schrieb ein Themenkonzept als Vorgabe für den Podcast. Das Konzept hilft mir übrigens heute noch, um den Podcast und seine Themen klar abzugrenzen. Beim Podcastlogo bekam ich Hilfe, Intro machte ich selber. Soweit so gut.

Es kam der schwierige Teil der Aufnahmetechnik und der Beginn einer gewissen Überforderung, denn viele Tipps und Ratschläge wichen voneinander ab. Hatte ich eine gute Meinung zu einem Mikrofon, konnte ich danach zig Kommentare sehen, warum das Mikrofon eigentlich doch schlecht ist. Als absoluter Laie war ich damit überfordert. Ich möchte daher die Einsteiger dazu ermutigen sich davon nicht frustrieren oder verwirren zu lassen. Es ist ein wenig so, als wenn man im Bekanntenkreis fragt, welche Automarke die Beste ist. Man wird zig unterschiedliche Antworten bekommen, weil die individuellen Geschmäcker und Bedürfnisse ebenso unterschiedlich sind, wie die Ansprüche an die Mikrofone. Einem Familienvater dürfte man auch eher zu einem Kombi raten, als zu einem Sportwagen. Und der Sportstudent hätte vermutlich gerne einen Sportwagen, kann ihn sich aber nicht leisten. Aber was will ich damit sagen?

Konzentriert Euch in der Bewertung der Tipps und Ratschläge auf Eure individuelle Situation und schaut, was die für Euch richtige Lösung ist. Dazu gehört auch, dass man anfänglich Fehler macht und noch nicht alles so gut klappt, wie man es möchte. Es ist ganz normal, dass man sich mit dem Podcast weiterentwickelt und dadurch besser wird. Habt da ruhig etwas Geduld, am Anfang ist niemand perfekt. Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Mehrheit der Podcaster eher aus privatem Interesse agieren und eher seltener aus rein beruflichen Gründen.

Wie ging es bei mir weiter? Ich hatte mal einen Tipp gelesen, der sinngemäß sagte, dass man sich am Anfang nicht in Unkosten stürzen sollte, weil viele Podcasts auch schnell wieder eingestellt werden. Diese „Maxime“ halte ich bis heute für sinnvoll und ratsam und lege sie Euch deswegen auch ans Herz. Ich kaufte deswegen auch zunächst „nur“ ein the t.bone SC 450 USB Mikro und nahm mit Audacity auf. Bei Sendegate wird Audacity oft kritisiert, weil die Software natürlich höheren Ansprüchen nicht genügt, ich ermutige aber dazu, dass man damit durchaus anfangen darf. Learning by doing funktioniert sehr gut und man kann ja später trotzdem noch auf andere Sofware umsteigen.

Der Anfang war also gemacht, die erste Folge war im Kasten und die Tonqualität war wirklich bescheiden, zumal ich die Richtcharakteristik des Mikros völlig falsch nutzte. Etwas peinlich, aber so ist das bei einem Anfänger. Mut zur Lücke, ich erwähnte es schon.

Ich holte mir dann nach der 5.Folge ein Zoom H6 und einige Rode Procaster, weil ich die Tonqualität anheben wollte und fest entschossen war, dass ich den Podcast fortführe. Diese Entscheidung habe ich bis heute nicht bereut, denn es war in Punkto Audioqualität ein Meilenstein nach vorne und gab mir in vielerlei Hinsicht mehr Optionen. Das H6 kann ich zu Hause zur Aufnahme verwenden, ich kann es mobil verwenden (Reportermikro von Rode) und ich kann es als Audio-Interface benutzen. Ich möchte das nochmal kurz erwähnen, weil oft nach den Vorteilen von Audio-Interfaces gefragt wird, aber die alles-in-einem-Lösung (nicht immer, aber zu oft) unerwähnt bleibt.

Ich hatte erwähnt, dass der persönliche, individuelle Bedarf wichtig ist. Ich muss zugeben, dass ich mich damals sehr habe beeinflussen lassen. Ich dachte, dass ich für jede Aufnahmesituation vorbereitet sein sollte. Aufnahme vor Ort, Aufnahme unterwegs, Aufnahme am PC, Aufnahme mit Gast via PC, etc. So besorgte ich mir noch Ansteckmikros, die ich bis heute aber praktisch nie benutzt habe. Lasst Euch da nicht so „anstecken“, wie es bei mir damals der Fall war. Technik „vorsorglich“ zu besorgen ist i.d.R. eine schlechte Entscheidungshilfe, konzentriert Euch auf den tatsächlichen Bedarf. Nicht alles, was erhältlich ist, braucht man wirklich. Da war das WILL-ICH-HABEN-GEFÜHL bei mir wohl einfach zu groß :wink: .

Zu meiner besonderen Aufnahmesituation gehört, dass ich von Folge zu Folge unterschiedliche Gesprächspartner habe (Exilherthaner eben), die i.d.R. unerfahren mit Podcasts sind, über die Kontinente verstreut sein können und kaum eigene Audio-Ausrüstung haben. Das ist eine Herausforderung, weil viele Ratschläge auf diese Situation nicht passen. Natürlich ist StudioLink besser, als Skype, aber es gibt viele Situationen, da muss man sich dem Gegenüber anpassen und da sind die allgemein bekannten Tools natürlich besser vermittelbar. Wer erstmals bei einem Podcast teilnimmt, den will man Sicherheit geben und durch Technik nicht verunsichern. Das ist oft ein schmaler Grat zwischen Audioqualität und Menschen abholen. Hier haben die Podcaster, die konstante Aufnahmesituationen haben, einfach große Vorteile. Vergesst also diese weichen Faktoren nicht, Technik ist wichtig, aber das Zwischenmenschliche eben auch.

Um die Technikgeilheit auf die Spitze zu treiben, besorgte ich mir später noch 2 Headsets von Beyerdynamics. Die unerfahrenen Gäste hatten manchmal Probleme mit dem Procaster-Mikro, weil sie sich im Gespräch zum Gesprächspartner drehten und damit vom Mikro abwandten. So wurde der Ton zwischendurch manchmal zu leise. Headsets geben da dem Nutzer mehr Freiheiten, der Kostenblock bei so einer Beschaffung ist aber so intensiv, dass man sich das gut überlegen sollte. Auch hier wieder der Hintergedanke, dass man sich auf die Befürfnisse der Gesprächspartner einstellt, soweit es möglich und notwendig ist.

Ehe ich jetzt vom Kern der Aussage abschweife: Lasst Euch von der Menge der Tipps und Hinweise nicht überfordern, wertet nach Eurer individuellen Aufnahmesituation, gestattet Fehler, kauft nur das Notwendige und nicht das Mögliche und habt insbesondere Spaß bei der Sache.

Wenn ich was vergessen habe, reiche ich es nach. Freue mich auf Kritik / Feedback. Hoffe, dass der Text hilfreich war, dies wäre jedenfalls mein Ziel gewesen :wink: .

Brehmchen

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