Vorbereitung eines Interviews

Hallo Zusammen,

mich interessiert, wie ihr eure Interviews vorbereitet.

Wieviel Zeit steckt ihr in die Vorbereitung? Legt ihr euch vorher einen “roten Faden” zurecht oder lasst ihr euch Platz für spontane Fragen? Gibt es sogar einige von euch die sich vorher kaum Gedanken über Ihre Fragen machen und nur einen eventuellen Einstieg vorbereitet haben?

Danke fü eure Antworten.

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Vielleicht hilft das schon etwas weiter:

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Also ich mache es so:

  1. über den Interviewpartner informieren
  2. Fragen zusammenstellen
  3. Fragen ordnen und priorisieren
  4. warten was passiert

Das hilft mir den Pfad nicht zu verlassen aber gibt mir auch genügend Raum für spontane Fragen.
Oft ist aber die ganze Vorbereitung für die Katz und das Gespräch läuft einfach von selbst. Dann sind versuche ich die PRIO 1 Fragen mit einzubauen.

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Daniela, bist du bei der sub7?

Ja, bin ich. Zumindest den ganzen Samstag.

Einen roten Faden zurechtlegen ist immer gut, dann hast Du im Notfall etwas, auf das Du zurückgreifen kannst.

Es kann auch nicht schaden soviele Fragen wie nur möglich zusammenzusammeln & grob zu sortieren, die Du so zum InterviewpartnerIn hast, auch die dummen Fragen(!). Die haben Deine Hörer vermutlich auch.

Wenn Du Glück hast, läuft das Gespräch auch so ganz flüssig aber falls nicht, haste immer was noch in der Hinterhand. Und Du läufst nicht Gefahr hinterher zu denken “AAAhhh, das wollt ich doch auch noch fragen…”

Ansonsten mach ich vieles chronologisch gern in Interviews, da Du so den Werdegang einer Person mit dem was sie tun verknüpfen kannst. Speziell bei Wissenschaftlern kannst Du so das aufkommende Verständnis des Wissenschaftlers im Laufe deren Karriere mit deren persönlicher Biographie verknüpfen, was abstrakte Themen greifbarer macht.
Beispielsweise ein "Zuerst hatte ich das Thema so und so verstanden. Dann kam mein Prof im Studium auf mich zu und hat mir die Frage gestellt: Ja, aber was ist wenn das und das passiert? Dann kam ich auf den Gedanken: Stümmt, dann haut das so und so nicht mehr hin, aber wenn mans anders macht, dann…"
Der Weg ist halt oft das Ziel und macht das Denken&damit Verständnis eines GEsprächs nachvollziehbarer.

Achso und Protipp: Hab was zu schreiben dabei, dass Du Dir Fragen, die sich im Laufe des Gesprächs ergeben, kurz notieren kannst, um sie ggf später noch stellen zu können.

Vielleicht hilft Dir das etwas weiter…

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Kleiner Nachtrag: Interviewfragen vorzubereiten ist wie nen Spickzettel für ne Klausur zu schreiben. Haste ihn gemacht, brauchste ihn hinterher nicht mehr, da Du Dir beim Vorbereiten das Thema nochmal verinnerlicht hast. Haste ihn aber nicht gemacht, hättste ihn dann gern in der Klausur (oder Interview, in Deinem Fall) :wink:

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Oh, das freut mich! :slight_smile:

Vielleicht ist der Workshop “Interview- und Gesprächsführung” ja am Samstag, da könnte man auch nochmals über deine Frage sprechen.

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Danke für den Hinweis, habe mich gleich eingetragen :slight_smile:

Und danke euch allen für die ausführlichen Antworten.

Mal vorweg- was wir im Modellansatz-Podcast machen, nennen wir Gespräch oder Konversation und nicht Interview. Es gibt da für uns einen großen Unterschied, wie man sich selbst und die Situation versteht.

Bei einem Wissenschaftspodcast kann man die Gesprächspartnerin oft gut nach guten Übersichtspapers, Artikeln oder den letzten Papers der Person fragen. Die lese ich durch oder überfliege sie und mache mir ein paar Notizen in unserem lokalen Etherpad.

Daraus leite ich mir Hauptthemen für das Gespräch ab und versuche sie in einen Faden zu bringen- wenn es nicht schon aus der Sache heraus einen Faden gibt, wie bei der Folge zur Incredible Proof Machine oder zu Vorlesungen.

Zu jedem Thema gibt es Unterpunkte- teilweise Fragen, Aussagen oder Stichpunkte- die mich interessieren, oder ich wichtig für den Zusammenhang finde. Oft gibt es scheinbar einfache Themen über die der Gesprächspartner hinwegrasen will, die viele subtile faszinierende Eigenheiten haben, die man so erfassen kann.

Den Link zum Etherpad schicke ich dann der Gesprächspartnerin als Themenvorschlag für das Gespräch- mit der Bitte um Detaillierung, Links, Papers oder ob es Themen gibt, die nicht passen oder unbedingt behandelt werden sollten. Meisstens gibt es dann eine überraschte Rückmeldung, dass sie nicht dachten, dass man ja über das alles sprechen kann. =) Es kann dann teilweise noch etwas hin- oder hergehen.

Für das eigentliche Gespräche drucke ich den Plan für beide als groben Faden aus- sage aber auch immer, dass dies nicht das Gespräch festlegen soll, sondern es uns hilft, dass wir kein Thema vergessen. Meisstens benutze ich dann das Blatt nur selbst und mache Häkchen hinter Themen, die wir hatten, oder bringe Dinge auf, die wir vergaßen, wenn sie dann passen. Natürlich ist der Fluss wichtiger als das Abarbeiten einer Liste- daher ist es völlig okay, wenn manche Punkte völlig aus der Reihe gerissen werden.

Nach dem Gespräch benutze ich dann die Unterlagen für die Erstellung der Shownotes- dann aber die Themen in der Reihenfolge, wie sie angesprochen wurden. Natürlich verwenden wir im Text ganze Sätze und wir versehen den Text mit den ganzen Links, wie evtl. vorher schon gesammelt wurden, oder im Gespräch erwähnt wurden.

Teilweise arbeitet der Gesprächspartner dann im Etherpad gleich mit, oder kriegt von mir noch eine Aufforderung, den Text einmal durchzusehen. Und natürlich frage ich dann auch immer nach Bildmaterial, am Besten selbst erbautes, damit wir das in die Folgengrafik übernehmen können.

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Ich selber bin mir manchmal gar nicht sicher ob ich ein Interview führe oder ein Gespräch. Nun muss ich sagen, dass ich in meinem Podcast kunst & horst (kein wissenschaftliches Thema) erst 2 “Interviews” geführt habe.

Es gibt einen Fehler der mir in beiden Folgen unterlaufen ist, ich habe meinen Gesprächspartnerin nicht richtig vorgestellt. Oder sagen wir, vielleicht nicht konkret genug. Das sollte ich mir für das nächste Mal ganz oben auf den Spickzettel schreiben.
Fragen vorab zu notieren hilft mir auch sehr, da ich dann weniger vergesse und den Zettel meist nicht mehr brauche.

Oh, die tolle Skizze vom @lobodingbauer zum Gespräch und Interview war im Link nicht so leicht zu finden die er im Zuge eines Podcasting Meetup Österreich erstellt hatte.

Ja, die Infos zur Person stehen immer auf dem Zettel, damit ich das nicht vergesse.

Und nur zur Vollständigkeit: Bei meiner Podcastkollegin Gudrun ist die Vorbereitung für Folgen in unserem Podcast meisst weniger formal, die Nachbereitung aber genauso vollständig. Und ich habe diese Vorgehensweise mir bei @markusvoelter und Nora vom Omegatau Podcast abgeschaut.

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Ich mache das ähnlich wie die vorgehend erwähnten Methoden.

Ich lese mich (nicht zu tief!) in en Thema ein, so dass ich groß weiß worum es geht und ich ggf. Worte verstehe und nach ihnen fragen kann.
Dann sammle ich meine Gedanken, Fragen, Themenkomplexe in einem Trello und schreibe die ganz unsortiert hinein. Am Abend vorher setze ich mich kurz ans Trello und sortiere die Fragen und Themenbereiche, die ich vorher einfach nur reingeschrieben habe, und dann schreibe ich die auf echte Papier-Karteikarten, nach themen sortiert und die Karten Nummeriert. So ordnet man sich selbst noch mal aktiv alles im Kopf und hat dann für den kommenden Tag die Karteikarten als physisches Device in der Hand. Daz klemme ich 'nen Bleistift hinter’s Ohr und es kann losgehen. Mit dem Bleistift kann ich dann während dessen noch gut Notizen machen.

Wenn ich Artikel, Pressemitteilungen, etc. habe, die ich vllt Präsent haben will, lade ich mir diese als PDF auf’s iPhone (iPad geht sicher auch prima) in iBooks hinein.

Ich schreibe auch Formulierungen auf, wenn ich im Vorhinein so bestimmte Dinge präsent haben will und ich schreibe vor allem Stichpunkte für die Verabschidung auf, so kann man die nicht vergessen. :wink:

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Die Gespräche, die ich für meinen Podcast bislang geführt habe, waren sehr projekt- und nicht personenbezogen.

Über das Projekt informiere ich mich natürlich vorher. Und wenn ich etwas über den Gesprächspartner finde, ist das natürlich auch sehr nützlich (wenn ich vorher weiß, wer das sein wird).

Ich brauche dringend Vorbereitung. Ansonsten ärgere ich mich am Ende, weil ich merke, dass vielleicht mal wichtige oder ausgefallenere Fragen nicht gestellt wurden. Darüber denke ich dann vorher schon recht lange im Alltag nach. Fällt mir etwas ein, mache ich mir eine Notiz.

Irgendwann setze ich mich dann hin, nehme die Notizen, bringe sie in eine hoffentlich brauchbare Reihenfolge. Dabei entstehen oft neue Fragen, die gut passen. Dinge fallen auch mal weg. Am Schluss habe ich einen roten Faden für mich, dem ich dann folgen kann. Oben wurde auch die Sache mit dem Spickzettel genannt. Mir hilft es ungeheuer, die Sache einmal zusammengefasst zu haben. Vor Ort läuft’s dann meist ohne großes Lesen.

Bislang habe ich nur einmal Fragen im Voraus verschickt. Man hatte mich danach gefragt, weil man in der Einrichtung passende Gesprächspartner finden möchte. (Was daraus wird, weiß ich jetzt noch nicht.) Zudem plane ich noch ein Treffen mit einem Buchautoren. Auch er wird von mir auch vorher grobe Infos bekommen, wohin das Gespräch führen soll. (Nicht, dass wir von völlig unterschiedlichen Dingen ausgehen.)

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Hallo,

bei der Vorbereitung kommt es drauf an, ob du schon einen Partner gefunden hast, ansonsten eben genaue Recherche, wer in dem Gebiet, dass du vorstellen möchtest Experte ist.
Dann diese(n) kontaktieren, Termin vereinbaren, Fragen vorbereiten und in eine logische Reihenfolge bringen, deinem Gegenüber die Frage vorab senden (dann ist das Interview flüssiger) und fragen, ob er/sie einverstanden ist, das Interview aufzuzeichnen.

LG