Verbesserungen des Inhalts vs. der Technik


#1

Hallo,
während ich an meinen Podcasts arbeite versuche ich diese immer besser zu machen.
Mir fällt dabei auf, dass es verführend ist sich stark auf die Technik und wenig auf den Inhalt zu konzentrieren.
Was ich meine: Es ist einfach die Tonqualität durch Investments in bessere Technik zu verbessern oder zu lernen wie Kapitelmarken funktionieren. Schwierig empfinde ich es hingegen die geführten Gespräche zu verbessern oder das Format interessanter und hörbarer zu machen. Dieses Ungleichgewicht führt zu einem zu großen Fokus auf die Technik.

Was sind eure Gedanken dazu? Habt ihr Tipps um die Qualität des Inhalts zu verbessern oder seht ihr das von mir geschilderte vielleicht gar nicht als Problem an?

Gruß Felix


#2

Ich finde das Pareto Prinzip ganz hilfreich - was ungefähr besagt, dass man mit 20% des bestmöglichen Aufwands 80% des bestmöglichen Ergebnisses erreichen kann.
Das heißt für meine Projekte, dass 80% des Aufwands in die Inhalte fließen sollten, und 20% in eine ordentliche Technik gesteckt werden sollten. Der Vergleich hinkt zwar ein wenig, da Inhalte hauptsächlich Zeit erfordern und Technik Geld, aber da Zeit=Geld, etc… :wink:

Natürlich könnte man sich teure Mikros, Akkustikwände, Bassfallen etc… ins Studio holen - aber ich denke nicht, dass das die Gesamtqualität unseres Podcasts signifikant beeinflusst. Ich mache mir eher Gedanken dazu, die richtigen Themen und Ansprache fürs Publikum zu finden - da unsere Zielgruppe schon sehr nischig ist. Ich schaue/höre mir bei anderen Podcasts ab, was die gut machen und stelle mir die Frage, ob diese Methoden für unser Format auch passen könnten, und diskutiere das natürlich dann auch mit meiner Partnerin. Wenn du was bei anderen besser findest als bei dir, stell dir die Frage warum es besser ist und ob du es ändern kannst.


#3

Als erste Maßnahme würde ich eine Hörerumfrage machen, denn die sollen deinen Podcast ja gut finden. Das geht kurz und knapp per Google Formular zum Beispiel und gibt dir einen ersten Überblick, was Hörer gut und schlecht finden. Explizite Dinge, die dir wichtig sind (Themenmischung, Formate, Audioqualität,…) oder bei denen du dir unsicher bist kannst du explizit abfragen. Die Fragen unbedingt so stellen, dass kritisches Feedback kommt, alles andere bringt dich in der Hinsicht nicht weiter.

Etwaige Hörervorschläge würde ich dann ausprobieren und mir (bei einer auskunftsfreudige Hörerschaft) wieder Feedback holen.

Ansonsten mal recherchieren, ob dein Podcast irgendwo (in einschlägigen Foren/Blogs) besprochen wurde.

Einfach ist eine inhaltliche Verbesserung, bzw. das prüfen, ob es tatsächlich eine Verbesserung war, nicht.


#4

Ich bin auch etwas in die Falle gelaufen und habe erstmal extrem viel Zeit in Technik gesteckt.

Auf der anderen Seite denke ich:
Wenn die Technik stabil und okay ist, dann ist der Kopf auch freier.
Wenn bei der Aufnahme meine ganze Aufmerksamkeit beim Gesprächspartner liegt, bin ich einfach besser, als wenn ich ständig auf die Technik achten muss und unsicher bin, ob alles klappt, nix brummt, klappert, hallt oder die Aufnahme abbricht.

Nachdem das Technik-Debakel aber gelöst ist, investiere ich im Moment wirklich unglaublich viel Hirnschmalz in den Inhalt und die Form. Die Technik wird zum Nebenschauplatz und hat einfach zu funktionieren.

Meinen Podcast habe ich ja gestartet, weil das vorhandene zum Thema zwar inhaltlich ok war, aber technisch alles so unterirdisch war, dass ich nicht zuhören konnte. Netzbrummen ertrage ich halt nicht im Ohr, gerade nicht mit Ohrstpöseln.

Da denke ich, dass “saubere” Technik überhaupt erst zulässt, sich entspannt auf den Inhalt zu konzentrieren.


#5

Ich halte eine Aufsplittung der Aufwände für schwierig, da sie nicht gleichzeitig, sondern nacheinander erfolgen. Damit kämpft man nicht an mehreren Fronten gleichzeitig:

Erst fliessen 100% in die Konzeption. Danach fliessen 100% in die Technik. Sobald alles steht, fliessen 100% in den Inhalt. Konzeption und Technik verlangen zu diesem Zeitpunkt kaum noch Aufmerksamkeit – bis eine Veränderung angezeigt ist. Dann beginnt man wieder von vorne.


#6

Absolute Zustimmung für den Neubeginn, da ist es sicher seriell - aber es gibt durchaus auch laufende Technikthemen, um die man sich zusätzlich kümmern könnte. Webauftritt verbessern, Spotify Integration, könnte man nicht zusätzlich auch Audiogramme produzieren, oh und dieses neue Mischpult wäre ja auch nicht verkehrt…? Irgendwas technisches, von dem man sich ablenken lassen kann, findet sich fast immer… So habe ich die Frage von @woestmann.felix verstanden. Nur, macht es mein Baby wirkflich besser?


#7

Absolut. Ich, mit einem leichten – nicht ganz ernst gemeinten – GAS (Gear Acquisition Syndrome), verstehe das besonders gut. Hier ist wohl Widerstandsfähigkeit gefragt.
Bzgl. Software finden natürlich immer Veränderungen statt: Eine neue Plattform, neue Podlove-Features und so weiter. Ich glaube, dass man das im Verlauf gut nebenbei bewältigt bekommt, ohne gross abgelenkt zu werden.


#8

Ich lege viel Wert auf kritische Selbstbetrachtung. Ich stelle mir bei allen Projekten, die ich mache, die Frage, ob das da hin geht, wo ich hin will, ob ich mich selber dabei langweile, ob es die richtige Ansprache für die anvisierte Zielgruppe ist. Wenn ich andere Inhalte sehe/höre, die erfolgreicher sind, mache ich mir Gedanken über das warum und versuche das selbst umzusetzen.

Publikumsbefragungen finde ich nur mittelspannend, denn immerhin sind das Leute, die einem schon zuhören und es irgendwie schon gut finden. Dann fängt man schnell an, sich in eine seltsame Nische aus Crowdpleasing zu bewegen. Wenn man damit happy ist, ist das natürlich ein guter Weg. Aber wenn ich in die Youtube Statistiken von Kanälen gucke, bei denen ich dabei bin, dann kann man da schnell den Rückschluss ziehen, dass wir mehr clickbait machen müssten, und außerdem wäre es gut ein paar Brüste zu zeigen… Nur auf die Masse zu zielen bringt eins schnell in Ecken, in die eins vielleicht gar nicht möchte.

Bottom line: Keinen Selbstbetrug eingehen durch Schönreden von allem, kritisch hinterfragen und sich klar werden, wo man hin will. Und dann halt darauf hin arbeiten.


#9

Ich bin ein großer Verfechter der Content-Seite: Ein Podcast definiert sich vornehmlich durch seine Inhalte, nicht durch seine Soundqualität.
Bevor nun jemand innerlich zusammenkrampft: Natürlich ist die Qualität ein Faktor, aber im Vergleich zum Inhalt stellt diese einen erheblich geringenen Einfluss dar.

Es ist wie mit der Fotografie:
Eine gute Kameraausrüstung macht noch keine guten Fotos.
Aber ein guter Fotograf macht auch mit der Medion-Billigkamera erstaunliche Bilder.

Man sollte sich lieber auf Stimme, Stimmvariation, ausgeklügelten Content und Sendekonzept konzentrieren als auf das 900 EUR Großmembran Mikro mit dicken Dämmmatten an der Wand.


#10

Mit ging es tatsächlich beim Wiedereinstieg ins podcasten exakt genau so. Ich habe ordentlich Augenmerk auf die Technik gelegt. Der Sound muss stimmen und was kam am Ende raus? Die ersten Sendungen waren sowas von langweilig und schrecklich, dass ich sie ungerne erwähne aber natürlich im Feed lasse. Der Hörer merkt natürlich eine Verbesserung und so interessant es ist, legt er da weniger Wert auf Sound sondern auf den Inhalt. Hier und da brummt es mal oder es rauscht … aber mir ist es mit der Weile egal, so lange der Sound nicht unterirdisch ist.
Also achte lieber auf deinen Inhalt und die Art und Weise wie du sprichst, denn so schlecht wird dein Sound jetzt ja wohl nicht sein.