Test: Verschiedene Audio-Interfaces im Vergleich


#1

Als Ergänzung zu meinem Headset/Mikro-Vergleich habe ich noch eine Teststrecke mit verschiedenen Audio-Interfaces gemacht. Das Ergebnis lässt sich relativ kurz zusammenfassen: Klangunterschiede sind praktisch keine auszumachen, Unterschiede in der Aufnahmesituation selbst werden weit aus größeren Einfluss haben.
Man muss hierbei bemerken, dass das verwendete Beyerdynamics DT297 extrem unproblematisch als Mikrofon ist - ein unempfindliches Dynamisches Mikro günstiger Bauart mag hier eventuelle Unterschiede der Preamps deutlicher zutage treten lassen wenn man den Gain zu weit hoch ziehen muss. Aber für meine vier Kandidaten gilt: kein Rauschen nirgends, keine Unterschiede im Klang.

Ein für mich komplett erwartbares Ergebnis, ähnlich wie bei HiFi-Verstärkern gilt: die Werbung (und Fachpresse) lügt, das Thema “saubere Amps” ist seit 20 Jahren verstanden und günstig zu bauen. “Goldohren” die anderer Meinung sind rufe ich jederzeit gern zum Doppel-Blindtest auf. Ansonsten gilt auch: Auphonic rührt da ohnehin noch einmal radikal drin rum.

Nun gibt es dennoch viele Gründe, wertigere Interfaces zu kaufen: Funktionen, Mobilität, Haltbarkeit, DSP etc. - aber man sollte sich beim eigentlichen Klang keine Wunder erwarten.

Hier die Soundfiles im Vergleich, ich spare mir mangels Relevanz diesmal das Reaper-Projekt:

Zoom H6

M-Audio Fasttrack Pro

TASCAM US-800

Presonus VSL 1818


#2

Spannend. Danke für den Test.
Allerdings habe ich die Erfahrung gemacht, dass sich die Situation schon anders darstellt, wenn man die Interfaces mit anderen Mikrofonen als den Headsets betreibt. Will sagen: hochwertige Mikrofone mögen hochwertige Interfaces. Geht’s in Richtung Neumann und Konsorten wird’s mit der Interfacewahl komplizierter. Ebenso kritisch ist es, wenn man dynamische Mikrofone wie z.B. das Shure SM7B verwendet. Hier spielt es eine große Rolle, ab welchen Gaineinstellungen die Preamps zu rauschen beginnen. Günstigere Interfaces machen hier oft schon so früh schlapp, dass die Signalstärke nicht ausreicht, um den Möglichkeiten der Mikrofone gerecht zu werden. Trotzdem: in der Kombi mit den Beyerdynamic-Headsets bin ich auch der Meinung, dass übertrieben teure Interfaces keinen Sinn ergeben.


#3

Als Besitzer einiger “Neumann und Konsorten” und Preamps in der Preislage von zwei- bis vierstellig möchte ich gerne mit einer Anmerkung dazu beitragen, jegliche Esoterik hier zu verbannen: :slight_smile:

"Hochwertige Mikrofone mögen hochwertige Interfaces…"
Mikrofone mit geringem Ausgangspegel brauchen hochwertige Preamps. Das sind im Wesentlichen alle dynamischen.
Pegelstarke Mikrofone (ungeachtet Preis oder Qualität) leiden weniger unter Billigpreamps.
Daher überrascht das Ergebnis von Ralf tatsächlich nicht, weil Kondensatormikrofone ein vielfaches an Signal liefern. Das überfordert auch keinen Billigheimer.
Für Podcasting könnte man durchaus ein pegelstarkes Neumann KMS 105 (500€) an ein Behringer Interface (35€) hängen. Hab ich schon gemacht, tut nicht weh (ok, ein bisschen vielleicht…).
Das gleiche hab ich auch mit einem dynamischen Mikrofon probiert (Sennheiser MD421), das weit weniger Pegel liefert. Und dann hört man den Unterschied - auch bei Anwendungen wie Podcasting einschließlich Auphonic.
Aber auch hier war ein Interface von knapp 140€ genug, um das MD421 aufleben zu lassen.
Allgemein kann man sagen, dass hochwertige (und teils schweineteure) Preamps und Interfaces absolut ihre Daseinsberechtigung haben - beim Podcasting ist das aber so gut wie nie das Nadelöhr.


#4

Da höhere Verstärkung prinzipbedingt immer mir höherem Rauschen einher geht (nur rauschen gute Preamps halt insgesamt weniger als billige), begrenzen einige Interface-Hersteller einfach die Verstärkung und sind dann trotz billigerem Preamp “rauschfrei”.

Das ist mir dann beispielsweise beim Focusrite Scarlett wie auch Alesis io4 auf die Füße gefallen, denn man will beispielsweise für das Rode Procaster (ein dynamisches Radio-Mikro) einen Preamp haben, der 60dB schafft, nicht nur 45.

Was für den Eingang gilt, gilt aber auch für den Kopfhörer-Ausgang: da schwächeln dann gerade die USB-powered Interfaces gerne mal. Wenn’s da zerrt, dann muss das nicht unbedingt die Aufnahme sein, sondern dann kann’s auch der eingebaute Kopfhörerverstärker sein. Abhilfe schafft dann entweder ein Audio-Interface mit externem Netzteil, ein separater Kopfhörerverstärker - oder wenn man eh’ einen guten alten HiFi-Amp für die Monitorboxen nutzt: der hat dann meist auch einen brauchbaren Kopfhörerausgang.


#5

Wenn man Probleme mit schwachbrüstigen Verstärkern & dynamischen Mikros hat, sei hier einmal mehr das FetHead von Tritonaudio empfohlen:
http://tritonaudio.com/index.php?Itemid=33


#6

Nachdem ich mit dem Superlux überrascht war, wie günstig guter Klang sein kann, sieht es jetzt hier so aus als musste man für das entsprechende Gegenstück des Audiointerfaces wohl tiefer in die Tasche greifen… günstigstes hier aufgelistetes ~150 €. muss man wirklich so tief in die Tasche greifen, damit man das Audio von einem XLR in einen Rechner bekommt?


#7

Hm. Nochmal: das mit dem Superlux HMC660 ist gerade sehr bleeding edge und Grundlagenforschung. Derzeit gibt es genau zwei Interfaces, mit denen es gut klingt: das Zoom H5 und das Zoom H6. Man müsste mal diese Liste durchgehen, ob das noch bei einem anderen geht:

Ansonsten heißt es erst mal abwarten, was die Bastellösungen in Bezug auf Reduzierung von 48 auf 24/12V bringen.

Nochmal: NIEMAND will das HMC660 mit 48V betreiben.


#8

So wie ich das sehe, gibt es das HMC660 sowohl mit dynamischem als auch mit Kondensator-Mikrofon. Da nur eines davon XLR verwendet, nehme ich an, du meinst das 660 X, also mit Kondensatorkapsel. Die haben i.d.R. ein vielfaches an Ausgangspegel im Vergleich zu dynamischen.
Dein Fall ist also genau der von Ralf illustrierte: Das Interface (genauer: die Preamps darin) fallen nicht so arg ins Gewicht. Du darfst dich also guten Gewissens bei den Billigheimern umsehen, der Knackpunkt wird im Zweifel das Mikrofon sein, nicht das Interface.

Welche Phantomspannung Mikrofone brauchen, welche sie tolerieren (unterhalb und oberhalb der Spezifikation) und von welcher sie profitieren (zB. stehen 12-48V im Datenblatt, richtig gut klingen sie aber erst über 24V…), das lässt sich nur in der Praxis rausfinden. Datenblätter sind auch nur Papier. Die verwendeten Komponenten in den China-Teilen haben eine Steuung wie ich beim Versuch auf einen Basketballkorb zu werfen: Im Zweifel wechselt man lieber schnell das Thema.

—Begin Audio-Nerd Rant —
Im High-End-Bereich sind Datenblätter auch nur bedingt hilfreich: Hier steht z.B. die Phantomspeisung angegeben mit 48±4V. Das heißt aber nicht, dass das Teil bei 44V aufhört zu funktionieren. Es kann auch heißen, dass es bei weniger Spannung ein bisschen mehr rauscht. Ob das aber relevant ist? Ab welcher Spannung das Mikrofon praxisgerecht brauchbar klingt, sagt dir keiner. Wenn das rauschärmste Mikrofon der Welt bei 36V drei dB lauter rauscht als bei 48V, hörst du das nicht. Der Hersteller aber wird sich hüten, dir zu sagen dass weniger Speisespannung auch irgendwie schon ok ist. Die Konkurrenz rauscht vielleicht ein bisschen mehr, aber dafür konstant von 12-48V. Im Datenblatt steht beim einen an prominenter Stelle ein Weltrekord, beim anderen die Flexibilität in der Speisung. Dass dein Pult gar keine 48V liefert, weißt du ja u.U. gar nicht. Die wenigsten messen schließlich nach. In der Praxis hast du zwei Mikrofone die sich gleich verhalten.
Apropos nachmessen: Ich wollte dann doch spaßeshalber mal wissen, ob sich Oberklasse- oder High-End-Preamps denn an die Spezifikationen halten. Motu 800€-Interface (Mittel- bis Oberklasse): 40,9V; Sound Devices Preamp (High-End): 52,2V. Streng genommen beide außerhalb der Spezifikation. Klingen aber geil. Die exakte Spannung ist wohl weniger wichtig als ihre Stabilität, Symmetrie, geringe Restwelligkeit, Güte der Trennkondensatoren usw. Alles nicht im Datenblatt. Aber im Ohr.

Ich habe grade mal ein bisschen getestet: High-End-Mikrofone an China-Interface. Das Interface (Behringer Xenyx 302 USB) liefert laut Produktbeschreibung Phantomspeisung, sollten also 48V sein. Gemessen habe ich 14,3V :slight_smile:
Jetzt habe ich zwei High-End-Mikrofone drangehängt, die beide Phantomspeisung brauchen, beide auf dem Papier 48±4V. Theoretisch sollte keins davon am Behringer funktionieren.
Ergebnis: Eins davon funktioniert, ist zwar ziemlich leise und rauscht damit erheblich, klingt aber schön. Podcastability: Check! Das andere gibt keinen Mucks von sich.
—End of Rant—

Langer Rede kurzer Sinn: Wenn das Superlux auf dem Papier 1,5-9V braucht, ist noch lange nicht gesagt, dass es bei “Phantomspeisung” explodiert. Wenn die behauptete Phantomspeisung nämlich tatsächlich nur 14,3V liefert, kann sich das durchaus vertragen. Manche Tontechniker betreiben Mikrofone bewusst mit Überspannung, um den Rauschabstand zu erhöhen…
Wenn du also ein bisschen verwegen bist, besorg dir ruhig irgendein 30-40€-Interface, miss die Spannung zwischen Pin 1 und 3 beim XLR-Eingang, und wenn du nicht weit jenseits der 15 Volt landest, give it a go!

Disclaimer:
Ja, es könnte tatsächlich die Hardware schrotten, sogar mit Rauchwölkchen. Für diesen Fall halte bitte eine Kamera bereit und poste das Ergebnis hier.
Btw, Superlux etc. haben ein so hohe Ausschussquote, dass Versandhändler ohne weiteres drei mal umtauschen, ohne Fehlbedienung beim User zu vermuten. Dass die QA zum Kunden outgesourced wird, ist ja ein Teil des Konzepts und der Preispolitik. Ich hab da keine Hemmungen.


#9

Das ist aber so gewollt: ist bei Thomann mit 15V angegeben. Habe mir mal den Nachfolger bestellt um das mit dem HMC660 zu testen und werde berichten.


#10

Oh, tatsächlich? Wo steht denn das? Ich dachte ich hätte die Produkbeschreibung gecheckt…

EDIT: Alles klar, in der deutschsprachigen Beschreibung steht es nicht, aber in der englischen. My bad.


#11

Hi zusammen,
das scheint mir auch bei meinem Exemplar so zu sein. Hatte beim großen T nachgefragt, ob man es an 48V betreiben könne, was bejaht wurde. Das Headset (660 X) rauscht bei brauchbarem Pegel mehr als ein vorbeifahrender ICE. Das kann nur defekt sein…


#12

Nein. Schau mal bitte hier rein:
https://sendegate.de/t/test-headsets-und-mikrofone-im-direktvergleich/?source_topic_id=2978
Die MitarbeiterInnen bei Thomann haben diesbezüglich keine Ahnung. Das HMC660 läuft mit absoluter Sicherheit nirgends vernünftig mit 48V Phantomspeisung. Bei 24V oder niederiger hingegen klingt es prima.
Das Thomann hier ahnungslos ist zeigt sich schon daran, dass sie ihr eigenes Sound-Beispiel für das Headset “falsch” aufgenommen haben.


#13

Ah, verstanden, vielen Dank. Bleibt mir die Frage, wie man aus 48V weniger Volt macht. Steht bestimmt hier im Board. Ich suche mal…


#14

Das ist nicht unbedingt trivial, gerade wenn es nicht ins Geld gehen darf. Basteln geht zwar, kaufen kann man sowas auch… aber wenn du noch auf der Suche nach einem billigen Interface bist, guck direkt nach einem, das unter 24V liefert.
Frag auch Leute, die einfache Interfaces haben, ob die mal nachmessen können. Ich wusste bis heute nicht, dass mein Behringer nur 15V liefert. Dokumentation ist grade bei den billigen auch nicht so hoch priorisiert. Technisch ist 12V oder 24V Phantomspeisung einfacher zu realisieren als 48V, die Chancen da was zu finden sind also gut :slight_smile:
Mobile Recorder (die übrigens oft auch als Interface betrieben werden können), haben auch häufig geringere Speisespannungen, um Strom zu sparen.


#15

Hi vtanger,

Was hast Du denn insgesamt so für Erfahrungen mit dem Alesis io4 gemacht. Könntest Du das bitte etwas weiter ausführen?

Gruß fairsein


#16

Danke für den Hinweis. Sehr schade, denn wir hatten eigentlich vor, ein Behringer UMC404HD zu kaufen. Mit aktuell 110 € ein sehr interessanter Preis für 4/4 Interface, wie ich (als Laie) denke. Diese erzeuge aber auch 48V… :confused:

(Sollte dieser thematische Ausflug zu sehr “off” sein, dann verschiebt es gern oder merkt es bitte an. Möchte den Thread nicht zerstören…)


#17

Neben der Kurzzusammenfassung meiner Erfahrungen:

  • 24bit (immer @44.1kHz) gibt’s nur bei Stereo-Betrieb
  • 4 Kanäle gibt’s nur bei 16bit @44.1kHz - aber nicht unter Linux (wenn ich mich richtig erinnere)
  • an manchen Laptops bauen die Netzteile Mist und störgeräuschen frei-fröhlich in die Gegend (ja Lenovo, ich meine Dich… grrr), und da sind das io4 wie auch die Focusrite Sapphire ein wenig empfindlich und geben das ans Audio weiter
  • die Mic-Preamps sind nicht gerade die stärksten - wie leider auch schon beim Lambda oder Omega - da fehlt’s dann beim Rode Procaster. Und dann tun die nur noch 16bit weh wenn das Mikro schon durch die Preamps keine hohen Pegel erreicht…

#18

Danke für den Bericht.