Störgeräusche in Reaper


#1

Hallo,

vorweg: da es sich um ein seltsames Phänomen handelt, beschreibe ich recht genau was ich gemacht habe.

Ich habe heute aufgenommen und dann im Schnitt festgestellt, dass ich Störgeräusche auf der Aufnahme hatte. Daraufhin habe ich die FLAC im Recordings überprüft und auch dort waren diese Geräusche zu hören. Diese Aufnahme entstand mit einem HMC und dem Behringer ==> Profiklang für alle. Ach ja: die Geräusche waren nicht von Anfang an zu hören.

Danach habe ich den Mac neu gestartet und wieder aufgenommen. Diesmal sind die Geräusche schon nach wenigen Minuten in der Aufnahme zu hören.

Also habe ich das Mikrofon gewechselt (USB Mikrofon) und erneut aufgenommen. Die gleichen Geräusche waren wieder zu hören.
Durch Zufall ist mir dann aufgefallen, dass die Geräusche weg sind wenn ich Reaper schließe und wieder öffne. Dann konnte ich wieder einige Minuten schneiden - anschließend waren die Geräusche wieder zu hören. Also habe ich Reaper wieder geschlossen und geöffnet. Die Geräusche waren wieder weg.

Um ehrlich zu sein fällt mir jetzt nicht mehr viel ein - außer vielleicht Reaper neu zu installieren. Hat jemand einen Tipp?


#2

Bitte mal die Geräusche Beschreiben, oder noch besser einen kleinen Ausschnitt davon posten…


#3

Vielleicht macht eine “Mitschnitt” hier Sinn?

Bitte schaue mal ab wann das Rauchen anfängt. Bitte aber mit etwas, was wir tontechnisch nachvollziehen können. Nutze dabei bitte den Analyser: Spectrogram.

#Unsere Perzeption (Wahrnehmung)

###Es gibt viele Formen von Rauschen. Fibrilläres Rauschen etwa, das durch die Proteine in deinem Körper erzeugt werden…

Das ist jedoch kaum das, was wir hören wollen und könnten wir auch ohne weiteres nicht. Es ist zu leise und auch nicht in unserem Bereich der Hörempfindlichkeit. Dein Rauschen hingegen, können wir auf mehrere Wege enträtseln. Eben auf technischen Wege aber auch mit unserem Verstand, der uns eine Suche überhaupt erst ermöglicht.

Weniger erklärt oder angerissen wurde hingegen die Wahrnehmung. Daher eine kurze Einführung. Es gibt zwei Formen der Wahrnehmung: physiologisch und psychologisch gesehen. Grob könnten wir auch sagen: “das eine sind unsere Sinne, das andere die Deutung der Eindrücke dieser”.

Wir kennen mehrere Arten von Rauschen, die in der Tontechnik (rein der Sprache) relevant sind. Es gibt die, die wir alle und die, die wir nicht alle, genau so wahrnehmen. So wird eine Empfindlichkeit (mehr oder minder antrainiert) dazu führen, das du auch sehr kleine Rauschanteile hörst, die andere nicht wahrnehmen können - sie sind aber vorhanden.

Dein Gehirn wird, wenn es sich um graues oder lila Rauschen handelt, unterschiedlich damit umgehen. Es wird dabei den Rauschanteil (ohne dein direktes Mitwirken), versuchen zu erkennen und es entweder Filtern (uninteressant machen oder reduzieren bzw. ausblenden) oder erst so richtig verstärken. Bist du Musiker oder hörst viel aktiv, dann wird es womöglich letzteres sein. Da dein Gehirn versucht “Sinn” in das zu setzen was als Unsinn (undefiniert) erkannt wurde. Damit du dich darauf konzentrieren kannst, muss es verstärkt werden.

Handelt es sich um weißes Rauschen, wird das Filtern jedoch schwer werden. Denn weißes Rauschen ist eigentlich Chaos - immer anders. Daher nie gleich und kann deshalb nur schwer von deinem Gehirn herausgerechnet werden. Meist wird das Rauschen eher verstärkt, nach dem Motto: “Höre mal selber hin, ich kann mit dem Wirrwarr nix anfangen…”

Viele Radioaufzeichnungen sind deutlich verrauscht. Wir nehmen es nur nicht immer so stark wahr. Weil sie etwa in unterschiedlichen Räumen oder Umgebungen aufgezeichnet wurden. Im Mix ist das Rauschen nicht aufgefallen oder das entfernen, mindert die Qualität zur Quantität (Verstehbarkeit, Zeit zum Aufwand). Ohne Rauschen, gäbe es auch kein Hörverstehen, da Rauschen zu 90% Sprache ist. Oder anders gesagt: ohne Rauschen, keine Sprache.

Was kann man also tun?

Störquellen beseitigen oder mindern. Also die Quelle ausfindig machen die die Potentiale übertragen oder erzeugen. Einen Noise Gate (Rauschunterdrückung) verwenden. Die Filamente (Frequenzbereiche) mit einem EQ (Equalizer) finden und leicht absenken. Mittels Hi- bzw. Low-Cut die Frequenzen wegnehmen die bei Sprache keine Verwendung finden.

Ein Tipp vom Team den @rstockm zum Thema: Dynamics und Rauschfilter schon einmal gezeigt und vorgestellt hat:

Es sollte wirklich die letzte Option sein die man zur Anwendung bringt, wenn nichts anderes mehr geht. Sie kann dir helfen wenn du bereit bist, mit dem Endresultat zu leben.

Grüße M.C.


#4

Erstmal: vielen Dank für die super Erklärung @McCouman

Ich hab euch mal den Fehler angehängt - sowohl als FLAC als auch ein Bild vom Spektrogramm.

fehler.flac (442,1 KB)


#5

Wenn Du in die Wellenform reinzoomst siehst Du kleine Spikes im Abstand von ziemlich genau 1536, das ist wahrscheinlich ein Vielfaches Deiner Buffer/Blockgröße (typ. sind so ein paar hundert Samples/Block, 1536 = 512*3). Da stimmt was mit der Synchronisierung zwischen Rechner und Audiogerät nicht.

Ich würde mal ausprobieren ob das Problem bei einem anderen “Blocksize” (in den Audio-Device Einstellungen) verschwindet. Ich würde 128, 256, 512, 1024 und 2048 ausprobieren. Hohe Werte haben auch höhere Latenz und machen keinen Spass wenn man auf das Software-Monitorung (also vom Mikrofon in den Rechner, durch die Software und zurück auf den Kopfhörer) angewiesen ist, für reine Aufnahme entlasten hohe Blockgrössen den Rechner etwas und verringern die Gefahl von Pufferüberläufen/-unterschreitungen.

Ich habe keinen Mac, obiger Vorschlag basiert auf meiner Erfahrung unter Windows.


#6

Welche MacOS-Version hast Du? Einige Versionen sind berüchtigt für Probleme mit dem Timing der USB-Treiber und bekannt dafür, bei Aufnahmen 'rumzumurksen.


#7

Wie @Christian_Vogel schon sagt. Bitte die Bufferprobleme erst lösen.

Das sehe ich auch keine Probleme mit dem Rauschen. Das ist sehr einfach möglich zu entfernen und dann passt dann auch alles.

Grüße M.C.


#8

Klassiker wäre auch noch: nachsehen, ob überall die gleiche Samplerate auf 48.000 Hz gesetzt ist:

  • in REAPER
  • im REAPER-Projekt
  • im Soundinterface
  • in der OSX Audio-Midi Steuerung

#9

Weitere Workarounds:

  • Alle nicht benutzten USB Audio Geräte trennen (z.B. USB Kamera)
  • Alle verbliebenen Audio Geräte auf die gleiche Samplerate (48 kHz) setzen

Falls dein Audio Interface nicht als ein Interface angezeigt wird (getrenntes Input und Output Device)
funktioniert bei mir die in Reaper eingebaute Option “Allow use of different input and output devices” in den “Audio Device Settings” meistens besser als ein Aggregated Device.


#10

Schon mal allen hier: Vielen Dank für die ganzen Tipps!

Also zu den Buffer Einstellungen: ich benutze ein Behringer 302USB an einem MacBook mit OSX 10.13.2. Im Reaper ist unter Preferences ==> Audio ==> Device u.a. ein Haken bei “Request Block Size” gesetzt und mit 512 eingestellt. Diese Einstellung verwende ich seitdem ich dieses Setup mit dem HMC660 und dem Behringer 302USB verwende - ich glaube @rstockm hat das irgendwo mal so vorgeschlagen.

Wenn ihr jetzt vorschlagt die Block Size zu ändern ist das ja die Stelle an der man das ändern sollte, oder? Zusätzliche Software für das Behringer gibt es nicht - hier erwähnt @rstockm dass die Buffergröße 512 sei … ich habe versucht das nachzuprüfen aber habe dazu nichts gefunden. Falls das so ist wäre doch alles richtig eingestellt oder?

Was mir noch eingefallen ist, was das alles vielleicht beeinflussen könnte: Ich habe zwischen der letzten reibungslosen und der problembehafteten Aufnahme Soundcontrol installiert und bei problematischen Aufnahme nicht deaktiviert.

So oder so heißt es jetzt rumprobieren. Vielen, vielen Dank für den ganzen Input von euch!


#11

So mal eine Wasserstandsmeldung meinerseits: Ich habe das oben erwähnte Soundcontrol deinstalliert und Testaufnahmen gemacht. Die Geräusche sind nicht mehr aufgetaucht. Geplant sind nächste Woche 1 - 2 Podcasts, sodass ich da dann sicher sagen kann, ob es sich wirklich erledigt hat - ich gehe aber stark davon aus!

Von daher schon mal eine Entschuldigung von mir vorab … es tut mir leid euch damit “belästigt” zu haben!


#12

Also ich habe nun 1 Episode ganz geschnitten und sitze gerade an der zweiten. Die Geräusche tauchen nicht mehr auf - also kann ich jedem nur davon abraten Soundcontrol zu installieren.

Ist eigentlich schade, weil es hatte ein paar Features die ich ganz gut fand.

Vielen Dank für eure Hilfe und Geduld!


#13

Wie kann ich das Spektogramm anzeigen lassen? :slight_smile: