Stereo-Gespräch mit Atmosprüngen


#1

Habe heute bei einer 5 Personen Aufnahme (Tischgespräch mit Atmo Teller, Gläser) ein unlösbares Audioproblem experienced. Es ist ein Detailproblem, vermutlich vorwiegend aus theoretischem Ineresse. Hier kurz dargestellt:

Die 5 Headsets habe ich relativ stark aufgeteilt (-40% Mann, -30% Frau, 0 Mann, 30% Frau, 40% Mann), Auphonic hat schönes Crossgate gemacht, keine Noise Reduction in den Einzelspuren eingestellt. Auphonic macht herrlich automatisiert genau das, was ich möchte. Und das über ein 3,5 Stunden File hinweg. Schönes Stereo-Endergbnis in der Sprache. Und: Immer nur die Spur, die spricht, hat leichte Geschirr-Atmo.

Aber: durch die Stereo-Aufteilung springt dann auch die Atmo zwischen -40 und +40%.

Hier ein Auszug:

Mir fällt nichts ein, um das zu verhindern: Nur eines: man müsste vielleicht ein Stereomikrofon als zusätzliche 6. Spur zur Aufnahme der Tisch-Atmosphäre aufstellen. Das wird aber so viel Gespräch aus allen Beteiligten aufnehmen, dass mich wundern würde, wenn Auphonic da irgend etwas Sinnvolles in die Schlussmischung einfügt.


#2

Was nimmt denn das 0-Mann Headset von den Gesprächen der anderen Headsetpartner mit? Das müsste ja immer eine neutrale Atmo liefern, wenn sich der Träger nicht räuspert, etc und könnte damit immer offen bleiben …?
Andenfalls: kann ein Richtmikro unterhalb der Sprechebene auf den Tisch gerichtet ausreichend Atmo liefern, ohne (zuviel) Gesprächsanteile mitnehmen? Es geht offensichtlich um die lokale Tischatmo umd nicht die Raumatmo, die ja mit einem weiter entfernt plazierten 6. Mikro eingefangen werden kann. …


#3

Das halte ich für unrealistisch. Du wirst mit einem Richtrohr nicht zwischen den Gesprächspartnern und der Tischatmo hindurch separieren können.

Die eigentliche Analyse hat @lobodingbauer ja schon geliefert, und da ich mich im Bereich Auphonic nun gar nicht auskenne, kann ich dazu auch keinen Rat geben.
Es ist jedoch klar, dass bei diesem Setup auch zwingend eben genau dieses Ergebnis herauskommen muss.

Im Hörbeispiel empfand ich die erwähnten Atmo-Sprünge als gar nicht so auffällig. Für mich ging es viel zu stark in der räumlichen Platzierung der Personen unter. Die hat mich arg irritiert, ja, sogar gestört. Okay, das fällt unter die künstlerische Freiheit - aber für mich war das Panning zu stark (fein dosiert ist ja okay, aber das war zu brutal für meine Ohren). Da habe ich für so Feinheiten wie Atmo-Hüpfer, die mich ja rein theoretisch schwindelig hätten machen müssen, keinen Sinn mehr.

Ich stimme @lobodingbauer allerdings zu, was die zusätzliche Atmo-Spur angeht. Die muss auch gar nicht mit einem Stereo-Mikrofon aufgenommen werden. Mono reicht in dem Fall, weil wir ja über eine Art “Hintergrundrauschen” reden, das lediglich gleichmäßig sein soll und nicht vom eigentlichen Gespräch ablenken soll.


#4

Hallo!

Ja, gating kann bei Atmo Aufnahmen mit Stereo Panning störend klingen.

Wenn das zu störend ist, gibt es folgende Möglichkeiten:

  • das Gating deaktivieren
  • die Output Datei als Mono rendern bzw. weniger stark pannen damit es nicht mehr merkbar ist
  • oder Atmo künstlich hinzufügen (entweder als Zusatztrack oder einfach zu den input spuren dazumischen) bzw. die Input Tracks schon als Stereo aufnehmen

#5

Sorry, ich nehme meinen vorstehenden Kommentar komplett zurück. Es war mir bislang nicht klar, dass es um einen Auphonic Multitrack-Production geht (hatte ich offenbar überlesen). Damit passt meine Stellungnahme gar nicht. Jetzt studiere ich mal Auphonic Multitrack-Production. :wink:


#6

Das “Detailproblem” höre ich häufiger und gerade beim Mastering der re:publica 2017 trat es aufgrund extrem unterschiedlicher Mikrofonierung zwischen den Personen sehr oft auf. Eigentlich hat man das überall, wo man mobil aufnimmt und es eine einseitige Geräuschquelle gibt, zu der man nicht symmetrisch sitzt. (Z.B. auch im aktuellen Modellansatz, wo wir in einem Kino-Foyer sitzen, was ich erst während der Aufnahme realisierte.)

Ich überlege gerade den Ansatz die Kanäle auf ihren Noisefloor zu untersuchen und den Kanal mit maximalen Noisefloor als “Referenz” zu verwenden und bei Kanälen statt des kompletten Crossgates mit wenig Noisefloor durch alle anderen Kanäle gleichmäßig einzumischen- das wäre ein Kompromiss zwischen Atmo-Wechsel und Schutz vor Übersprechen. Mal sehen, wie sich das anhört.

Manuell wäre das schwierig zu realisieren, da man den allgmeinen Noisefloor ja simultan senken muss, wenn das geräuschvollste Mikro aufgehen soll.