Screencast: Der Weg des Schalls - Routing und Aufnahmesituationen wirklich verstehen


#1

Die Folge 23 meines Ultraschall-Screencasts ist - wie könnte es anders sein - etwas speziell geworden. Nicht nur ist sie mit knapp zwei Stunden meine bislang längste Folge, sie folgt auch einem ambitionierten Ansatz: einfach mal ALLES erklären.

Ich versuche also einen kompletten Braindump meines gesammelten Routing-Wissens zu geben, und dabei sämtliche Abhängigkeiten im Zusammenhang zu vermitteln: Aufnahme, Monitoring, Latenz, Roundtrips, N-1, Einspieler, Systemklänge, Streaming, Export. Einfach alles.

Wie ich hier schon mal an anderer Stelle schrieb: Ich kann den Wunsch nach einfachen, schnellen Anleitungen mit wenigen Schritten verstehen, glaube aber nicht daran dass sie gut funktionieren. Das Problem ist: jedes unserer Setups ist anders: das beginnt mit der Hardware-Kette, mit den sich daraus ergebenden Rahmenbedingungen für das Monitoring, geht über das Aufnahme-Setup (wie viele Leute vor Ort, welche Remote über Skype etc.), den Zielen (Streaming Ja/nein, Einspieler etc.) bis hin zu den Wechselwirkungen dieser Komponenten.

Wir bewegen uns hier (leider) in einem n-dimensionalen Raum, wo man zwar in Form einer Punkte-Liste einen Lösungsvektorpfad für ein spezifisches Problem skizzieren kann - der dann aber mit einiger Sicherheit 80% der anderen LeserInnen hier kein Stück weiterhilft, weil ihr Vektorraum anders aufgespannt ist.

Ich glaube: da hilft nur ein tiefes Verständnis der eigentlichen Mechanismen und Abläufe.
Daher diese Zumutung von Lehreinheit. Ich habe sie jetzt auch bewusst nicht in 10 Einzelfolgen publiziert - es gibt einen didaktischen roten Faden und die Lektionen bauen aufeinander auf.

Ich glaube ferner, dass 90% der Inhalte auch für NutzerInnen von Audacity, Ardour, Garageband, Logic oder Hindenburg relevant sind - einige Tricks gehen zwar nur mit Ultraschall/Reaper, aber die meisten grundlegenden Fragen und Probleme tauchen so bei allen DAWs auf.

Hier der Inhalt:

0:00:00 Einleitung: die Grundfrage des Routing
0:05:00 Eine normale Mehrspuraufnahme
0:07:30 Zuweisung eines Audio-Interfaces
0:09:05 Eingangsauswahl für Spuren in der Routing Matrix
0:12:30 Verhalten von Mehrkanal-Soundinterfaces
0:18:00 Latenzfreies Monitoring bei Interfaces mit In-Gerät Monitoring
0:20:13 Anschluss mehrerer Kopfhörer mittels Headphone Amp/Splitter
0:23:30 Zuspieler: analog angeschlossen
0:24:13 Zuspieler: digital im Rechner
0:26:50 Rückkanal von DAW zu Soundinterface
0:27:50 Signalfluss durch die Routing-Matrix
0:31:00 Mono/Stereo-Zuordnung in der Routingmatrix
0:33:16 Lautstärke der Monitor-Sends in der Routingmatrix anpassen
0:34:48 Master Output
0:35:15 Fehlerbild: sich überlagernde Monitoring-Signale
0:38:35 Mischung von In-Gerät Signal und Rückkanal
0:40:09 Hinterbandkontrolle
0:41:04 Roundtrip-Monitoring über die DAW
0:41:50 Latenz und die Auswirkungen http://ultraschall.fm/presonus-vsl-in
0:47:20 Fehlerbild: ich höre meine Aufnahme nach der Aufzeichnung nicht
0:48:30 Routing-Unterschiede zwischen Aufnahme und Post-Production
0:50:18 Soundinterfaces mit eigener Mixer-Software
0:53:40 Benennung von Eingängen in der Routingmatrix
1:00:45 Soundinterfaces ohne eigenes Monitoring
1:03:30 Echtzeit-Effekte wie EQ im Monitor-Mix
1:06:10 Skype N-1 Schaltung
1:07:55 Der Ultraschall HUB Treiber im Audio-Midi Setup und Hauptgeräte
1:17:15 Skype Testcall
1:18:25 Live-Streaming über Nicecast
1:22:15 Fehlerbild: der Stream ist zu leise!
1:24:03 Aufzeichnung von Systemklängen, YouTube etc.
1:28:00 Routing Snapshots - Presets für Preshow, Aufnahme und Schnitt
1:40:05 Multichannel Export nach Auphonic

Wichtig: mit dieser Folge sind auch sämtliche alten Ultraschall-Screencasts mit Bezug auf Routing hinfällig. Das hier ist jetzt state-of-the-art, das Kompendium, auf der neuesten 2.1 Version - in vielen Abläufen auch viel einfacher als in den älteren Folgen.

Ich hoffe, Ihr könnt damit was anfangen.


#2

Ich finde ja wir sollten @rstockm für die Verleihung der Goldenen Winkelatze nominieren. Großartig! Danke.

Finde deinen Ansatz auch richtig. Eine gewisse Anfangshürde an Verständnis muss man nehmen, wenn man eigenständig Setups verwalten möchte.


#3

Kommt mir das nur so vor oder ändert sich der Klang bei 0:50:40 wirklich durch das neue Audiointerface? Weil eigentlich ist ja der Schall und das Mikro nicht anders, warum ist das also?


#4

Nein, ich war selber bass erstaunt. Ich hatte PreAmp Klang bisher eher in die Kategorie “Voodoo” eingeordnet, aber die drei Interfaces (hinterher noch das Presonus VSL1818) klingen sehr unterschiedlich. Und ich habe schon einiges an EQ reingedreht, um die besser aneinander anzupassen.
Müsste man vielleicht auf dem nächsten PPW mal eine etwas breitere Teststrecke zu aufbauen.


#5

Im EEVblog gibt es eine sehr schön nerdige Gesprächsreihe mit einem ehemaligen Rode Chef-Designer. Darin erwähnt er auch, das er vom Marketing dazu gedrängt wurde den Klang vom Mic-Preamp bei bestimmten Frequenzen zu “boosten” :wink: Quasi ein EQ in Hardware um sich abzuheben und den Sängern einen satteren Sound zu liefern. David war auch überrascht und dachte das so etwas eher in der Post-Production geschieht.

Zwar ging es um die Preamps vom Mikrofon selbst, aber vielleicht ist das auch die Erklärung warum Audio Interfaces bewusst anders klingen.


#6

Ich würde mal vermuten dass unterschiedliche Devices und Hersteller => verschiedener Aufbau der Hardware und Software => unterschiedliches internes Audioprozessing bedeuten.


#7

Super, vielen dank für die Mühen Ralf, werde ich mir nachher mal reinziehen, und dann alle alten Folgen von dir ausm Gedächtnis löschen.

Aber sage mal ein Screencast über Verwendung/Umgang mit den Shownote/Storyboard Modul von Ultraschall machst du trotzdem noch?


#8

Ja, steht als nächstes auf der ToDo, ist halt auch umfangreich wenn man es vernünftig machen will.


#9

Gerade auch schon auf Twitter geschrieben, hier nochmal for the Record und die anderen:

Das mit den Routing Snapshots ist ja genial. Ich kann mich erinnern dass das mal in den älteren Videos erklärt wurde aber das hatte ich wohl verdrängt. Bis heute hab ich mich gefragt was die Buttons unter “Routing” zu bedeuten haben. Bin natürlich nie auf die Idee gekommen auf das Wort zu klicken. hust

Wenn die sich jetzt noch per MIDI ansprechen lassen würden… :sunglasses:


#10

Da sich im Feedback abzeichnet, dass die im Screencast prominent besprochenen Routing-Presets der heiße Scheiß sind: ja, die sind praktisch und cool. Aber was ich vielleicht klar genug erwähne: nur genau so lange, wie sich am Setup NICHTS ändert. Das heißt die Anzahl der Spuren sollte konstant bleiben, vor allem aber das Soundinterface oder die Kombination der Geräte im Hauptgerät/Aggregate Device. Die Presets speichern immer nur Positionen ab, keine “Logischen Orte” wie “wenn Interface X angeschlossen ist dann dort die dritte Input-Spur”.

Wenn sich etwas ändert, bekommt man eine Warnung hingeworfen und muss sehen, ob die Presets noch so funktionieren wie man das möchte. Man kann aber Presets pro Projekt-Template speichern.


#11

Klar, das geht. Die jeweilige Action heißt: “SWS: recall snapshot X”. Dort kannst du den ersten wieviel auch immer einen Tastaturshortcut oder eben auch ein Midi-Signal zuweisen.


#12

Ich hatte mal diverse Audiointerfaces im Semi-Profi-Segment mit Mic-Preamps durchgemessen und alle haben Lineal-geraden Frequenzgang. (Focusrite, MOTU, Echoaudio, Yamaha-Analog-Mixer, Mackie-VLZ-Mic-Preamps, Behringer, …). – Aber diese Unterschiede gibt es auch an anderen Stellen Deines Screencasts, vor allem wenn man so im hinteren Teil ein bisschen hin- und herspringt. Ich würde mal auf die Positionierung des Mikrofons tippen, wenn Du das ein paar cm hin-/herbewegst macht das, so nahe am Mund, schon viel aus.


#13

Ja, das mag gut sein. Ich habe auch den Gain nicht wirklich sorgfältig angepasst (darum ging es ja in der Folge nicht), das mag sich auch auf die Frequenzen auswirken.


#14

Danke dafür! Ein wirklich genialer Screencast. Danach habe ich viele Sachen als Audio-Anfänger überhaupt erst verstanden.


#15

Auch von mir ein dickes Danke für den ScreenCast, den ich am Wochenende durchgearbeitet habe. Da ist vieles doch sehr viel klarer geworden. Und so langsam freunden sich mein H6 und ich uns auch an.

Aber bei mir gibt es einen Fehler und ich finde ihn nicht. Vielleicht gibt es ja einen typischen Anfängerfehler beim Routing, den ich mache. Den ich bekomme alles über die Skypspur wieder zurück gegeben, Also egal ob das Soundboard oder mein eigenes Mic. Sobald ich es so einstelle, das meine Gesprächspartnerin über Skype auch zu hören bekommt, bekomme ich das wieder zurück und habe dann alles auf der eigenen Spur und eben dann auch auf der Skype-Spur…

Sorry, aber irgendwie sehe ich den Fehler nicht. Vielleicht hat ja jemand von euch ne Idee, woran das liegen könnte.

lg Alex


#16

Hast du für den Ein- und Ausgang von Skype zwei separate “virtuelle Soundkarten”? Nur so bekommst du die beiden getrennt. Du musst in Skype also für Mikrofon und Lautsprecher zwei verschiedene Instanzen vom Ultraschall-Hub angeben.


#17

Hi, am besten kommen wir weiter, wenn du mal Screenshots von a) deinem Audio-Midi-Setup und b) deine Routing-Matrix postest.
Dann sieht man eigentlich direkt, was nicht stimmt.


#18

Danke Lukas und nochmal ein gaaaaanz dickes Danke an Ralf. Manchmal hilft es wirklich wenn nur ganz banale Fragen gestellt werden und irgendwie ärgert es mich, das ich blind war.

Falls mal jemand anderes in die Falle tappen sollte stell ich meine “Peinlichkeit” hier aber trotzdem rein.

Das war die Ausgangssituation, die natürlich falsch war. Wenn ich auf den Skype Spur Speaker (Input 1) aufnehme und die selbe Spur auf den Rückkanal lege musste das ja passieren. Bin aber auch nicht auf die Idee gekommen (es war spät gestern Abend) das einfach mal mit einem Anruf auf dem eigenen iPhone zu checken.

Nach der Frage von Lukas war mir meine Frage schon fast peinlich… Tja so bin ich eben… Nennt mich einfach Charlie Brown :wink:

Habe das Routing jetzt wie unten geändert und… oh Wunder… es funktioniert!!!

DANKE!!!