Rodecaster Pro: Erfahrungsbericht

N-1 mit dem L-12 ist an sich einfach, man kann die Kopfhörerausgänge nehmen und sie entsprechend im Mix so einstellen, dass N-1 entsteht. Ein Problem bleibt aber: L-12 hat nur ein USB-Interface. Und dieses wird (ohne Zusatztools) komplett dem Ultraschall zugewiesen. Man könnte natürlich den “normalen” Sound-Output aus dem Mac nehmen, da ist aber die Gefahr, dass sonstige Systemtöne mitkommen. So richtig “rein” aus einer Applikation wie Skype bekomme ich den Ton nur mit einem zusätzlichen Interface (dem günstigen Behringer UCA222).

Da der Rodecaster Pro zwei USB Interfaces hat, kann man tatsächlich die Spur aus der Applikation in den Recorder leiten. Und es gibt soweit ich weiß ein Setting für N-1 bei USB und Bluetooth.

Ich habe jetzt auch einen Rødecaster, das Update auf Firmware 1.2 hat mich motiviert, das Teil mal auszuprobieren. Obwohl mein Gesamteindruck gut ist, hat das Teil ein paar nervige Einschränkungen, die in zukünftigen Versionen der Firmware noch gefixt werden sollten.

Dual Audio Driver

Der Rødecaster meldet sich via USB mit gleich zwei USB Audio Devices. Das eine ist ein 2/2 Standard Stereo Device, das andere ein 14/0 Multichannel Device. Der Grund dafür ist mir nicht ganz klar, denn obwohl es sinnvoll wäre, die Möglichkeit mehrerer virtueller Devices zu haben, um einfache Apps, die nur Stereo kennen, auf einen bestimmten Kanal zu legen, kann man hier nichts konfigurieren.

Zudem hat da Multichannel Device nur Eingabekanäle, keinen Output. Man fragt sich warum, denn wenn man nun mit einer DAW auf alle Kanäle zugreifen will UND auch via USB etwas herausspielen will, muss man ein Aggregate Device aus Stereo + Multichannel Device anlegen, was irgendwie total gaga ist.

Beim Recording via USB und SD Card sind (wie beim Zoom L-12) alle Kanäle Pre-Fader und Pre-Mute sind. Das heißt, dass immer alle Kanäle in voller Lautstärke aufgezeichnet werden und auch heruntergeregelte Mikrofone voll aufgezeichnet werden. Das ist so diese typische Mixer-Mentalität aus dem Musikbereich, die für Podcasts eigentlich Unsinn ist. Warum sollte ich was anderes Aufzeichnen, als ich abgemischt habe? Leider gibt es kein Blockschaltdiagramm (siehe Dokumentation) so dass ich meine Vermutung, dass auch Kompressor-Settings hier übergangen werden nicht belegen kann.

SD-Karte

Man kann zwar auf SD aufzeichnen, aber es gibt keinen Reader-Modus. Um die Daten auszulesen, muss man also die SD-Karte herausnehmen und noch mal in einen Reader einlegen, um die Daten zu übernehmen (der Zoom L-12 kann auch als SD-Kartenleser via USB fungieren).

Die Spuren werden in WAV aufgezeichnet. Immerhin mit recht “modernem” Multitrack-WAV, so dass man alle Spuren in einer Datei hat. Hier sind aber immer alle 13 Spuren des Systems enthalten (da man das nicht auswählen kann) und die Spuren sind im WAV nicht bezeichnet.

Mit der Begleitsoftware auf dem Mac kann man sich dann die WAV-Datei in Einzel-WAVs splitten lassen, die dann auch benannt sind. So richtig begeistern tut mich das nicht, allerdings gibt es auch einen elkatanten Mangel an Software, die mit Multitrack-WAV umgehen kann (auch Reaper kann es nicht, Logic Pro wiederum war in der Lage die Datei beim Importieren gleich in separate Spuren aufzuteilen).

Noise Gate

Das Noise Gate ist nur zuschaltbar, nicht einstellbar und für mein Empfinden zu krass und von daher nicht wirklich zu empfehlen. Hier wäre eigentlich auch ein Expander sinnvoller als ein einfaches Gate.

Bluetooth

Über Bluetooth konnte ich zwar mit voller Qualität Audio einspielen, aber beim Durchführen von Telefongesprächen schaltete es auf gute alte POTS Qualität herunter. Wie man via Bluetooth HD Telefonie oder VoIP hinbekommen kommen soll ist mir noch schleierhaft.

Solo

Die Solo-Funktion am Mischpult ist nur Post-Fader. Damit kann man nicht in einen Kanal reinhören, den man für den Mix noch nicht freigeschaltet hat. Sicherlich kein großes Problem, an sich fehlt hier eine dedizierte Vorhörfunktion (z.B. für Telefonate).

Dokumentation

Die Dokumentation ist eine Katastrophe: es gibt keine. Dem Gerät liegt nur so ein Quick Start Mumpitz bei und auch online gibt es keine korrektes Manual. Vor allem wäre ein Blockschaltdiagramm sinnvoll, was eigentlich jeder seriöser Anbieter bereitstellen sollte (außer Focusrite, die auch total nerven in der Hinsicht).

Wünschenswertes

Außer den bereits genannten Dingen würde ich mir vor allem MIDI-Support wünschen, dann könnte man die Stellung der Fader und des Mute-Buttons in der DAW parametrisch mitführen und das ganze Pre-Fader-Recording würde wieder sinnvoll sein (das geht leider mit dem L-12 auch nicht und würde das Gerät SO viel wertvoller machen).

Die Buttons für das Einspielen von Sounds sind zwar ganz nice, aber man kann die einmal ausgelösten Sounds nicht abbrechen oder pausieren.

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Im Vergleich zum L12 - wo siehst du Stärken bzw. für welches Szenario hast du dir das Ding letztlich zugelegt?

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Reaper kann angeblich auch Multitrack-WAV. Nur muss man die Spuren splitten.

Ich denke die USB 2/2 Geschichte kommt daher, dass man Apps wir Skype oder Zoom auf eine Spur legen möchte und natürlich auch den Ton vom Mischpult zurück zum Anrufer leiten will (N-1). Für Use Cases wie Interviews finde ich besser als die Art von dem L-12 mit dem 14/4, denn das komplette Interface landet in Reaper und ich kann keine separate USB-Spur in den Mix verbinden, also von einer anderen Applikation als Reaper. Allerdings kann man dann die Aufnahme vom Reaper nicht wieder über den Rodecaster abspielen, oder? Eigentlich wäre 14/2 und 2/2 cool :slight_smile:

Zunächst einmal zur Evaluation. Ich setze den L-12 derzeit für unterwegs ein und jedes Gerät, was mir das benötigte Minimum bietet und gepaart mit ein paar Verbesserungen gegenüber dem L-12 ist für mich interessant.

Der Rødecaster ist gut verarbeitet, etwas kompakter als der L-12, erlaubt weniger Fehler im Setup und macht vieles richtig. Was er nicht so richtig macht bzw. genau so schlecht wie der L-12 habe ich oben aufgeführt. Mit ein paar Firmware-Verbesserungen könnte es den L-12 für meine Anwendung überholen, aber die 1.2 ist es noch nicht. Derzeit ist die Flexibilität des L-12 für komplexe Setups und das Gesamtpaket noch überzeugender, aber ich bin für alles zu haben, was mein Packmass für unterwegs reduziert.

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Kann das Gerät nun Multitrack via USB zum Rechner, während gleichzeitig Multitrack auf der SD Karte aufgezeichnet wird?

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Hat jemand von euch bereits Erfahrungen mit dem Rodecaster Pro in Kombination mit den HMC660 und kann mir bei meinem Problem helfen?

HMC660:

  • Zoom H6 + 12V Phantomspeisung: alles ok
  • Rodecaster + 48V + Spannungsteiler Zwischenstecker: fiepen Testaufnahme
  • Rodecaster + deaktivierte Phantomspeisung + Thoman Millenium Pocket Phantom auf 12V: fiepen Testaufnahme

Beyerdynamic DT 297:

  • Zoom H6 + 12V Phantomspeisung: alles ok
  • Rodecaster + 48V Phantomspeisung: alles ok -> Testaufnahme

Hat jemand eine Idee woran das liegen kann?

Alle Aufnahmen wurden am gleichen Eingang mit identischen Einstellungen (bis auf Phantomspeisung) und geänderter Verkabelung angefertigt.

Ja geht alles gleichzeitig.

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Habe heute ein Rodecaster Pro zum Testen bekommen, ich höre mit den DT297 auf Kanal 1 sehr starkes Fiepen, auf Kanälen 2,3,4 viel schwächer, aber auf jeden Fall mehr als bei dem L-12. Bei Kanal 1 geht es sogar soweit, dass wenn ich an dem Touchscreen etwas antippe, das Fiepen stärker wird. Vielleicht ein Montagsgerät, aber auf jeden Fall von der Qualität nicht so überzeugend.

Zum Thema Vergleich L-12 und Rodecaster Pro vom Äußeren:

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Der Rodecaster ist kompakter, aber nur von der Breite. Höhe und Tiefe nahezu identisch.

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Also die längeren Regelwege beim Rodecaster Pro haben was.

Sieht mir ganz danach aus. Würde ich umtauschen. Ggf. noch mal mit anderen Mikrofonen oder Kopfhörern testen. Bei mir war alles prima.

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Habe das Gerät getauscht, funktioniert 1A! Keine Störgeräusche, Rauschen ähnlich wie beim L-12. Skype N-1 funktioniert perfekt. Multitrack mit Ultraschall mit einem Klick aus der WAV-Datei erzeugt.

Scheint ein etwas anderer HW-Stand zu sein: Bei dem ersten gab es bei den Fadern die 0db Marker (die Striche etwas dicker).

Die ersten Tests machen meinen L-12 für meine Anwendungsfälle damit komplett überflüssig.

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Das Problem mit dem Fiepen habe ich auch. Allerdings ausschließlich auf Kanal 1. Interessanterweise nicht nur mit dem DT297, sondern auch mit einem Podmic, das ja explizit für dieses Gerät entwickelt wurde. Scheinen also mehrere Montagsgeräte im Umlauf zu sein.

Ich glaube es gibt mehrere Hardware-Revisionen. Wie oben beschrieben, hatte das erste Gerät Markierungen an Schiebereglern, die das Zweite nicht hatte. Und die Softwareversionen waren unterschiedlich (1.2.0 vs. 1.0.0). Bei dem Gerät, was ich behalten habe, ist der Ton perfekt, keine Störungen. Also wie @timpritlove gesagt hat, am besten umtauschen!

Mit der Kombination Solo+Mute kann man in einen Kanal reinhören, ohne dass dieser bereits in den Mix aufgenommen wird: https://youtu.be/xDxcjmDZSc8?t=98

Die Abspielmethode der Sound-Buttons kann mit der Software, mit der die Buttons belegt werden, geändert werden: Play (one-shot style, stoppable if you press and hold for two seconds), Replay (restarts the sample every time you hit the button), or Latch (starts/stops the sample with every consecutive button press) via https://www.audiotechnology.com/rode-rodecaster-pro-podcast-production-studio/

Die Aufzeichnung der einzelnen Kanäle (sowohl auf SD-Karte als auch per USB Mutlichannel) kann ohne FIlter erfolgen. Dazu gibt es in den Einstellungen bei Mutlichannel ein Switch. (Pre-Fader ist es immer, Pre- oder Post-Filter kann eingestellt werden.)

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