Podcast "Serial" - ich kann den großen Erfolg nicht nachvollziehen

Ich höre oft englischsprachige Podcasts und natürlich landet man dann früher oder später bei dem erfolgreichsten engl. Podcast „Serial“.
Ich habe die ersten zwei Folgen gehört, und weil ich diese extrem „underwhelming“ fand, habe ich mal gegoogelt, wie denn das Ganze ausgeht, bzw. zu welchen Resultaten der Podcast kommt (Achtung Spoiler). Es läuft einfach ins Nichts, der komplette Podcast ist nichts als eine sehr ausgedehnte Spekulation darüber, ob der inhaftierte und verurteilte Typ nun den Mord begangen hat, oder auch nicht. Fazit: Man weiß es nicht.
Das ganze ist journalistisch gut aufgearbeitet und hochwertig produziert, ok, aber für mich, ehrlich gesagt, sehr langweilig (zumindest das, was ich gehört habe), und überhaupt nicht emotional ansprechend.
Sehe ich da was falsch, habe ich was verpasst? Erschließt sich einem das Hörerlebnis erst nach einigen Stunden?
(Dem gegenüber möchte ich mal den Podcast „S-Town“ von denselben Produzenten stellen. Dieser Podcast ist ziemlich düster, aber sehr hörenswert - eine interessante Persönlichkeitsstudie eines Außenseiters. Ein weiterer Tip: Heavyweight, von Gimlet Media.)
Also, was haltet ihr von „Serial“, könnt ihr den Hype nachvollziehen?

Ich bin mit Serial auch nicht ganz warm geworden. Hervorragend produziert und recherchiert ja, aber mir war das auch zu sehr in die Länge gezogen. Ich fand den Fall halt nicht „spannend“ genug für die lange Laufzeit. Ich habe um die selbe Zeit herum Making a Murderer auf Netflix gesehen und da war der Fall selbst einfach packender für mich.

Aber trotz allem: Erstmal ist das ja ein tief amerikanisches Thema, dass das Rechtssystem dort für jeden der nicht weiss ist, einfach so unglaublich schlecht greift. Das hat schon vor ein paar Jahren den Nerv der Zeit getroffen und trifft es leider immer noch. Dieses Leitthema von Ungerechtigkeit schafft dann auch Gesprächsstoff. Und Serial ist halt eine richtige Dokusendung die mit Aufwand produziert wurde. Als Zeichen, dass Podcasts „erwachsen“ geworden sind, nicht zu verachten. Meines Erachtens gibt es auch keinen deutschsprachigen Podcast der ein Thema mit diesem Aufwand aufgegriffen hat. Also ja, Serial ist eine große und wichtige Nummer. Ich persönliche ziehe bei Tru Crime z.B. Criminal vor. Die Fälle sind kompakter präsentiert, Produktion ist auch klasse und emotional greift der weit mehr für mich.

Ja, das hat sicher auch damit zu tun, dass es mich nicht so anspricht.
Ich habe mir einige Episoden von „Criminal“ angehört, das war ein guter Tipp. Unterhaltsam und auch von den Themen her sehr vielfältig!

1 Like

Das besondere an Serial war ja auch, wenn ich mich recht erinnere, dass es damals auch darum ging, dass es eine Art „Live“-Recherche war und es völlig offen war, wie die Geschichte ausgeht. Man konnte der Journalistin bei der Recherche zuhören und wähnte sich auf dem selben Wissensstand wie die Reporterin.

2 Like

Ach so, das war zu der Zeit wahrscheinlich spannend.
VG

Das ist ein ganz wichtiger Aspekt. Gleichzeitig haben sich bei Reddit hunderte Nutzer gefunden, die selbst recherchiert und den Fall aufgerollt haben. Dass die Sache dann auch im echten Leben neu vor Gericht kam, war sensationell und allein in Serial begründet. Das - zusammengenommen mit dem ewigen Streitthema der Schuld oder Unschuld des Protagonisten - hatte einen großen Effekt. Gerade weil die Grundfrage nicht zu lösen war, jeder bewaffnet mit den Infos aus den Folgen aber eine Meinung dazu haben konnte, war die Faszination so groß. Es ist meiner Meinung nach normal, dass diese Faszination über die Zeit hinweg abnimmt, weil es keine parallel zum Podcast in der Realität laufende Handlung mehr gibt.

1 Like

Ja stimmt, jetzt kann ich das besser nachvollziehen.

1 Like