Podcast mit mehreren Personen vor Ort und wechselnden Locations

Liebe Leute, ich hab echt ein Problem.

Set-Up: Zoom H6 plus 4 Podmics mit Triton Audio Fetheads

Das Problem:
Punkt 1: Ich hab extreme Probleme mit Hall. Ich mein nicht Raumhall (das hab ich dort und da auch), sondern der Umstand, dass ich die Person, die gerade spricht, auch mit allen anderen Mikrophonen aufnehme. Das erzeugt dann am Ende einen ganz schrecklich halligen Ton. Wenn ich in der Nachbearbeitung dann gezielt einzelne Spuren rausschalte, dann ist es oft „perfekt“. Da ist es oft nur eine Spur, die das auslöst. Da wir oft wild durcheinanderreden ist es nicht oder nur mit unglaublichem Aufwand möglich (Sendungen dauern immer ca. 2 Stunden), die Spuren zu Schneiden. Remove Silence (ich arbeite mit Ultraschall) kann man in dem Kontext völlig verwerfen.

Punkt 2: Ich hab auch ein riesen Problem mit der Mikrodisziplin der GesprächspartnerInnen (wechselnder Abstand zum Mikrofon), Tischklopfen, Herausschauen, etc. - Aber woher sollten die es auch gewohnt sein! Ist also eine Feststellung, kein Vorwurf -> Was mich dazu gebracht hat, mich mit Headsets auseinanderzusetzen. Ich hab jetzt mal das hier so gelobte VModa BoomPro gekauft, das erste gleich abgefackelt, weil 48V. Mit den zweiten und 12V bin ich jetzt eigentlich recht zufrieden von der Stimme her gesehen. Ich nehme nur damit wieder extrem die Umgebung und vor allem erst wieder die Stimmen der Gesprächspartner extrem auf. Und 4 neue Kopfhörer brauch ich auch. (hier würd ich mir, wenn das die Lösugn wird, die Philips SHP9500 aus US oder China bestellen, die gibt es hier nicht mehr) Die anderen Probleme hätte ich damit aber im Griff. Probleme die dazukommen sind vermutlich Menschen, die die Headsets nicht aufsetzen möchten bzgl Hygiene etc. Dem kann ggf. mit Überziehern entgegengetreten werden. Letzte Alternative die ich oft gelesen habe, sind die Nackenbügelmikros. Nur scheinen die extrem teuer zu sein und ob ich damit das Hall-Problem in den Griff bekommen, weiß ich auch nicht.

Punkte 3) Ich könnten natürlich alles kaufen und testen. Die Kohle hab ich leider nicht. Ich brauche aber dringend eine Lösung, wie ich in Zukunft unter dem obigen sehr mobilen Szenarion mit ganz unterschiedlichen Menschen und Locations, zu verträglichen Kosten den besten Ton aufnehmen kann.

Ich wäre extrem happy, wie ihr mir hier weiterhelfen könntet!

Das ist übrigens mein Podcast … https://www.bauertothepeople.at/podcast/ und ich bin mit dem Ton absolut noch nicht zufrieden. Die Folgen sind vom Ton auch sehr unterschiedlich. Bei Folge 27 hab ich stundenlang nachbearbeitet und die hallige Spur geschnitten. Damit wurde der Ton schon richtig gut. Da gehen dann halt viel Zwischentöne, leichtes Lachen, etc. verloren und Lebenszeit :slight_smile:

DANKE!

tldr; nichts kaufen, mit dem bestehenden experimentieren.

hmm, na sooo dramatisch ist es doch gar nicht. also ja, es ist hall da, aber man kann es angenehm hören.
viele aktuelle radiobeiträge mit Interviews aus dem homeoffice klingen da schlechter :slight_smile:

kaufen musst du gearseitig nichts. die mikros müssen halt nah zu den sprecherInnen. seeehr nah. bis auf ein paar cm an den mund heran. im idealfall leicht versetzt so das deine InterviewpartnerInnen vorbeisprechen um poplaute in den griff zu bekommen.
eventuell helfen längere stative. keine tischstative sondern richtige ständer, dann ist auch das tischklopfen weniger dramatisch.

das übersprechen bekommst du in den griff indem du die interviewten weiter auseinandersetzt. die podmic sind da eigentlich sehr gut im abschirmen, wenn sie nah genug an ihrer eigentlichen quelle sind.
alles weitere ist dann feintuning des noisefloor reglers in den ultraschall dynamics.
gleiches gilt für alle headsets.

bei ungeübten ist das mit der mikrodisziplin immer so eine sache. aber dann ist halt mal ein satz verhallt, wenn aus dem fenster geschaut wird…kurz auf das micro hinweisen mit handzeichen, dann wird das schon.sind halt keine profis…so what

Das mit dem Hall kannst Du mit dem Crossgate von Auphonic bekämpfen, einfach alle Spuren einzeln rein und dann ist das ganz automatisch gelöst :slight_smile: Und es bügelt zumindest Lautstärkeunterschiede durch die mangelnde Mikrofiondisziplin aus. Ich denke letzteres kriegst Du etwas in den Griff wenn jede/r Kopfhörer hat und selbst auch hört wie er oder sie schwankt.

@kampfq @AbspannAlex - Danke euch beiden für die Kommentare, Aufmunterung und Tipps :slight_smile:

Bzgl Mikrodisziplin bin ich nach wie vor skeptisch, dass ich das in den Griff bekomme, vor allem bei unserem langen Format. Daher denke ich weiter sehr in Richtung Headset oder Nackenbügel. Die Kosten leider ein Vermögen, vor allem, wenn man 5 Stück braucht.

Wie gesagt, unsere Situation ist mit den ständig wechselnden Locations (vom Lagerfeuer bis zum Kellerabteil) und wechselnd 2 bis 5 Personen und der besagten Gesprächsdauer sicher eher speziell.

Vielleicht ein paar Punkte, die ich Laie sonst noch so erfahren habe:

Das was ich hier als „Hall“ bezeichnet habe, dürfte auf richtig „Übersprechen“ heißen.

Bei der Wahl der Mikros sollte man dbzgl. auf die sog. Richtcharakteristik achten. Hauptsächlich unterscheidet man hier scheinbar zwischen „Kugel“ (omnidirektional) und „Niere“ (cardioid bzw. unidirektional) [https://de.wikipedia.org/wiki/Richtcharakteristik]
Grob gesagt (und tiefer hab ich es jetzt auch nicht versucht zu verstehen) nehmen Mikros mit Kugelcharakteristik auch die Umgebung stärker mit auf, während die mit Nierencharakteristik die Umgebungsgeräusche stärker ausblenden, was in meinem Fall vermutlich die Variante der Wahl ist.

Ich hab nachgesehen, und siehe da, da Vmoda BoomPro ist ne Kugel, was auch erklärt, warum ich in der Aufnahme alles drin habe und weshalb dieses von @rstockm sicher zurecht hochgelobte Mikro leider für mein Setup nicht passt. Schade, wäre nämlich preislich überschaubar gewesen, ohne bei der Qualität Abstriche machen zu müssen.

Aber ich bekomm scheinbar am Montag noch eine paar Pro-Tipps vom Fachmann, die kann ich dann gerne noch ergänzen …

Du bist beim Rode Podmic bzgl. übersprechen eigentlich beim richtigen Mikro: dynamisch und Niere. Solange alle nah dran sind, max 20 cm! Besser geht’s kaum (ausser Superniere/ Hyperniere aber da wird das mit der Disziplin noch enger). Was ich schon geschrieben habe: Mikrofondisziplin ist schwer, wenn man sich selbst nicht abhören kann. Daher am besten Kopfhörer nutzen und die Leute das erst ausprobieren lassen. Sonst musst Du halt ein bisschen erklären wie’s geht und aufpassen. Kenne das ja auch :+1:

Disziplin Alternative: Warum nimmst Du nicht die 660er Headsets die hier alle so gerne empfehlen (660X Superlux), sind glaube ich Nieren. Und natürlich wie gesagt Auphonic dazu dann :slightly_smiling_face:

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@AbspannAlex - sehr fein. Das schau ich mir an. Du hast vor deinem Edit u.a. Hardware-seitig von Rodecaster Pro geschrieben. Den hab ich zuhause am Schreibtisch stehen. Geht wie ich sehe auch via USB zum Powern, werde ich gleich mal ausprobieren, wie sich das verhält. Hab den mobil nicht wirklich am Radar gehabt. Jetzt schon …

Die 660er sind tatsächlich überschaubar vom Preis, sind mir bisher irgendwie nicht untergekommen. Muss ich mal ein Paar testen.

Auphonic hab ich immer am Start. Nur leider bin ich bei Podigee und dort hab ich irgendwie einen eingeschränkten Zugriff auf die Auphonic Optionen und sonst noch 100 Dinge, die mich echt stören. Liebäugle (nicht wegen des Preises) mit Let´s Cast. Aber das ist eine andere Geschichte …

DANKE jedenfalls für deine Unterstützung!

Ja, das Gate vom Rodecaster sollte da auch schon was filtern, musst halt gucken ob Du die Mixspur willst oder Einzelspuren. Bei letzterem musst Du Post Fader aktivieren. Das Gate ist allerdings dann auch gefährlich und filtert evtl zu viel.

Bei Podigee: Lädst Du die Spuren einzeln hoch? Das musst Du unbedingt machen, sonst klappt das mit dem Crossgate nicht :+1:

Moin! @AbspannAlex - Ja, da mach ich Multitrack. Im Rodecaster kannst du das Noise Gate seit der 2.1 zum Glück etwas einstellen. Was mir bei machen Podcasts sehr oft auffällt, ist, dass das „Release“ ziemlich schnell greift und und die „Range“ dann klar hörbar ist. Da kann ich ggf. ein wenig dran herumdrehen bzw. muss ich das je nach Setup. Soweit ich das jetzt gelesen haben, nimmt der PostFade die Effekte auf die Mix-Spur, die Einzeltracks sollten jedoch clean bleiben. Muss ich mir aber noch genauer ansehen. Da scheint es einen Unterschied zu geben, ob ich via USB auf dem PC aufzeichne oder direkt auf die MicroSD.
Nachdem ich aber ohnehin entweder Ultraschall oder/und Auphonic habe, ist das Noise Gate eigentlich egal, weil ich das auch recht einfach in der Post machen kann, oder?
Wenn ich es richtig verstehe, bringen mir die ganzen FX an der Hardware nur etwas, wenn ich danach nicht mehr überarbeiten will, richtig?
Sofern obiges richtig ist. Macht es dann einen Unterschied, ob ich meinen Zoom H6 oder den Rodecaster Pro für die Aufnahme verwende?

Moin! @AbspannAlex et al.

So, ich hatte gestern ein paar Stunden den Genuss mit einem Audio-Spezialisten vom Fernsehen zu sprechen.

Antwort eins war: Bevor man Geld in neue Hardware investiert, sollte man erst mal schauen, was man aus dem, was man hat, rausholen kann und kam dann mit so Vergleichen a la dicke Männer auf ultraleichten Rennrädern. Zufällig war ich an diesem Tag mit dem Rad unterwegs, das war aber reiner Zufall :slight_smile:

Ich hatte die Gelegenheit mehrere Mikros im Vergleich zu testen (Podmic, Shure SMB7). Wir haben viel über die Nieren- und Kugelcharakteristik gesprochen und ich verstehe jetzt auch, wie tief man sich in dieses Thema „rein-nerden“ kann. Faszinierend.

Zu meiner Frage, meinem Set-Up, meiner Lösung:

a) Das was ich als Hall, Übersprechen geschrieben habe, kann auch eine ganz spezielle Ursache haben, nämlich einen minimalen Zeitversatz der einzelnen Spuren, dass sich dann wie so eine Art Hall anhört. Wir sprechen hier von 5 - 20 „Tausendstel“-Sekunden. Wurde mir live demonstriert, konnte ich sehen und hören. Resultiert in meinem Fall vermutlich aus der Verwendung von a) PodMic in Zoom-H6 und b) gleichzeitig Zoom-H6 mit Kapsel.

b) Zweiter wichtiger Faktor. Das Verhältnis von Sendern und Quelle. Je Kleiner der Abstand zwischen mir und meinem Mikro im Verhältnis zu jeweils allen anderen Schallquellen ist, umso geringer fällt das Übersprechen aus und umso weniger kann dann z.B. auch im Automix schiefgehen.
Das war und ist speziell bei meinen unterschiedlichen Set-Ups und den wechselnden Abständen zum Mikro ein großes Problem.

c) Kardinalfehler, 5, setzen: Ich habe versucht, die variierenden Abstände während des Gesprächs über die Laustärkeregler zu kompensieren. Werde ich nie wieder machen.

d) Limiter kann helfen. Wir lachen viel, haben einige laute Spitzen im Gespräch. Hier kann ein Limiter ganz gute Dienste leisten. Wie gut der am Zoom H6 ist, muss ich erst mal sehen.

Set-Up, was ich mir jetzt zugelegt haben werde )):

  • Zoom H6 (hatte ich schon)
  • 4x Rode VXLR+ (ginge auch direkt am H6 mit 12V, aber die Mikros können am VXLR verschraubt werden, beim VXLR nicht; und ich hab damit pot. mehr Einsatzmöglichkeiten)
  • 4x the t.bone HeadmiKe - D EW (Niere, und Sennheiser Variante = verschraubbare Mini-Klinke)
  • 4x XLR-Kabel a 3 Meter
  • irgendein Köpfhörer für mich fürs Monitoring und natürlich eine Powerbank für Saft

Ich konnte das Nackenbügel-Headset im Vergleich mit meinem Podmic und dem Shure SM7B hören. Natürlich gibt es da Unterschiede. Das was mir beim t.bone an Tiefen fehlt, konnten wir am EQ in der Post ganz leicht wieder reinholen. Ich war sehr positiv überrascht, wie gut das Ergebnis war.

Selbst wenn man jetzt im Klangbild leichte Einbußen hinnehmen muss (sehr subjektiv), kriege ich das 100-fach über die anderen Probleme, dich ich für mein Szenario schon beschrieben habe, wieder rein.

Vorteile:

  • Mikrodisziplin / variierende Abstände der Sprecher (inkl. mir selbst) zum Mikro
  • Tischklopfen, Spielen mit dem Kabel, dem Tischstativ, etc.
  • Kopfhörer für Alle: Hygienebedenken, Wärme speziell im Sommer, Transportvolumen
  • Irritationen durch große Mikros und die Hinweise während des Gespräches (Deuten, Fuchteln, …) auf „korrektes“ Verhalten. Unterbricht den Gesprächsfluss und Konzentration.
  • Transportvolumen / -gewicht durch 4 Podmics samt Stativen. Wenn man mit Öffis auf Tour ist, kommt da schon was zusammen.
  • Gesprächsatmosphäre. Man vergisst die Dinger vollkommen. Kann sich frei bewegen, in jede Richtung schauen und einfach miteinander reden. Ich hoffe mit diesem Set-Up den Fakt des „Aufnehmens“ auf ein Minimum zu reduzieren. Bei unseren 2-Stunden-Gesprächen führt diese Variante auch weniger zu Ermüdung, weil man sich nicht mehr auf die richtige Haltung konzentrieren muss. (das ist aber erstmal eine Vermutung)

Nachteile:

  • kann ich natürlich noch nicht empirisch sagen
  • die Mikros sind sehr filigran und ich gehe davon aus, dass sie nicht ewig halten werden.
  • bei Bärten muss man scheinbar höllisch aufpassen
  • der Fakt, dass die Mikros vergessen werden, könnte auch Nachteile mit sich bringen. Daher auch lieber die verschraubbare Klinke des VXLR+ und permanentes Monitoring durch mich.

So, freue mich über Ergänzungen, Meinungen und bin mal vorsichtig gepannt auf die Praxis.

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