Podcast / Messengercast für die Großeltern

Sogar die Bundeskanzlerin empfiehlt jetzt Enkeln ihren Großeltern einen Podcast aufzunehmen. Da mein Nachwuchspodcaster und ich das schon seit einigen Jahren tun wollte ich hier mal aufschreiben wie wir das so machen und was sich bei uns bewährt hat.
Jedes Kind ist natürlich individuell und die Großeltern auch, daher kann und soll das auch keine genaue Anleitung sein, sondern eher ein persönlicher Erfahrungsbericht aus den fast 4 Jahren und mehr als 300 Episoden, die wir so produziert haben.
Mein Kind ist jetzt 7 Jahre alt und wir nehmen durchschnittlich jeden zweiten Tag eine Folge auf und schicken die Episode dann per Messanger an die Familiengruppen. In den Episoden erzählt das Kind einfach von seinem Alltag und was es an diesem Tag besonderes erlebt hat. Dabei kommt ein sehr persönlicher personal Podcast raus, den ich zwar der Familie, aber nicht dem großen Internet Publikum zu Verfügung stellen möchte.

Hier ein paar Punkte die ich in den Jahren gelernt habe:

  1. nur Anfangen wenn das Kind wirklich selbst Lust hat:
    Es gibt Tage das würde ich sehr gerne was aufnehmen, aber das Kind hat keine Lust. Überreden funktioniert da nicht, und wenn wird die Aufnahme meistens nicht besonders toll. Also wenn das Kind keine Lust hat dann halt nicht, vielleicht ja am nächsten Tag. Es gibt Phasen da möchte er tagelang nicht, dann kommen wieder Phasen, an denen er jeden Abend fragt.

  2. Wann am besten aufnehmen?
    Bei uns hat sich abends im Bett als am besten herausgestellt. Da kommt das Kind langsam zu Ruhe und kann den Tag nochmal für sich Revue passieren lassen. Ich habe das Gefühl es hilft ihm beim Verarbeiten und zu Ruhe zu kommen und er schläft danach auch besser. Wenn sich an anderer Stelle eine Gelegenheit bietet, nutzen wir aber auch Change. z.B. als Motivation beim Wandern (schön mit Atmo), als Abwechslung bei langen Autofahrten etc.

  3. Vorbereitungen:
    Auch hier haben wir den Konflikt wie bei „richtigen“ Podcasts, zu viel Vorgespräch ist absolut schädlich, vor allem bei jüngeren Kindern. Die erzählen bei zweiten Mal nie mehr so spontan und ausführlich wie beim ersten Mal. Ganz unvorbereitet ist aber auch schwer, weil ich das Gespräch meistens schon lenken und vorantreiben muss. Ich versuche z.B. beim Abendessen herausfinden was ihn am Tag beschäftigt hat und wenn es ein Thema gibt, das ich für wichtig halte, spreche ich das vor der Aufnahme noch mal kurz an, damit er sich kurz Gedanken machen kann. Das ist natürlich sehr vom Kind und dem Alter abhängig.

  4. Technik:
    Ich benutze die Auphonic-App auf dem iPhone. Das iPhone lege ich abends im Bett einfach aufs Kopfkissen, drücke auf Aufnahme und los geht’s.
    Unterwegs benutze ich das Telefon oft wie ein Reporter-Mikrofon, dabei sollte man darauf achten das in der App das richtige Mikrofon der App ausgewählt ist (iPhone unten)

  5. Aufnahme:
    Bei der Aufnahme versuche ich das Kind soweit wie möglich frei sprechen zu lassen. Am Anfang musste ich noch sehr viel Fragen stellen und es kamen oft recht kurze einsilbige Antworten. Mittlerweile erzählt er viele Geschichten weitestgehend frei, ich versuche die Erzählung dann nur sanft zu lenken, ggf. die Geschichte etwas zu beschleunigen, wenn er sich in Details verliert oder auf wesentliche Punkte hinzuweisen, die er übersprungen hat.
    Wenn er zu viel Quatsch macht und zu albern wird kommt es auch vor, dass ich die Aufnahme abbreche und wir entweder von vorne anfangen oder uns darauf einigen es am nächsten Tag nochmal zu versuchen.
    Insgesamt versuche ich auf ca. 5 bis max. 15 Minuten zu kommen.

  6. Nachbearbeitung:
    Ich lade die Aufnahme direkt aus der App zu Auphonic hoch. Scheiden ist in den allermeisten Fällen nicht nötig oder sinnvoll und mir ehrlich gesagt auch zu aufwendig. Das Leveling von Auphonic halte ich aber für sehr wichtig, denn das Kind spricht nie 15 Minuten gleichmäßig und direkt ins Mikrofon, und schließlich haben wir hier ein Qualitätsmessangercast :wink: Bei 10 bis 15 Episoden mit durchschnittlich knapp 10 Minuten komme ich mit den zwei Freistunden meisten hin, ab und zu kaufe ich dann noch etwas Zeitkontingent dazu.

  7. Veröffentlichung:

  • Ich habe ein Auphonic preset das die fertige Datei als Backup und Archiv in eine Dropbox ablegt.
  • Auf dem Telefon offene ich den Dropbox Ordner über die Apple “Dateien”-App, dort verschicke ich die Datei über die teilen Funktion (Wichtig: nicht nur einen Link zu Dropbox) an den Messanger.

Ja, ich weiß, “kein Feed kein Podcast”, aber ich habe das ganze mal sehr spontan begonnen, mache es aber mittlerweile ganz bewusst so:

  • Die Zielgruppe ist klar definiert, und ich kann steuern wer mithören darf und wer nicht.
  • Keine Client Einrichtung/Client Support nötig. Auch wenn das natürlich ne Change wäre möchte ich nicht Podcast Clients mit geschützten Feeds auf den Handys der Großeltern einrichten und Supporten.
  • Schnelle Veröffentlichung: nach Ende der Aufnahme haben die Empfänger nach ca. 5 Minuten das Ergebnis auf ihrem Wiedergabegerät.
  • Push Zustellung in eine App die die Zielgruppe (Großeltern, Tanten und Onkel) kennen und regelmäßig benutzen.
  • Zustellung direkt im Feedback Kanal. Oft bekomme ich 10 Minuten nach dem Abschicken schon Feedback. Bei eine 10 Minutenfolge also quasi instantan! Die Großeltern hören die Folge und schreiben direkt darunter ihre Antwort.

Ich überlege gerade ob ich die alten Folgen nicht als Archiv noch zusätzlich als Feed zur Verfügung stellen soll, da würde ja nichts dagegensprechen. Aber gerade für nicht technisch affine Eltern und Großeltern halte ich die direkte Zustellung per Messanger für einen sehr niederschwelligen Einstieg.

Die Wahl des Messangers halte ich dabei nicht entscheiden. Bei mir ist es halt WhatsApp, weil das alle Hörenden haben. Es wäre aber eine gute Change die Großeltern mit Content zum Umstieg auf einen alternativen Messanger zu bewegen.

Probiert mal aus was für euch und eure Familie am besten passt. Haltet den Aufwand gering und sendet dafür lieber öfter. Keine Angst, es muss kein perfektes Ergebnis dabei rauskommen, Oma und Opa freuen sich immer, wenn die Kinder und Enkel was selbstgebautes schenken.

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Cool, ich mache mit meinen Twins auch seit der Quarantäne einen privaten Kinderfunk, fand es spannend, deine Beobachtungen zu lesen.

Was bei uns (aber erst 4 Folgen und nicht 300) sehr gut funktioniert ist über Whatsapp und andere Messenger Sprachnachrichten der Verwandten und engen Freunde als Feedback einzusammeln, die ich dann im nächsten Podcast einspiele. Macht das Setup unflexibler (Soundboard sollte verfügbar sein), aber es führt dazu, dass auch andere Kinder sich beteiligen können, die sich vielleicht gerade langweilen. So wird es zu einem Gemeinschaftsprojekt.

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