"Per Du" oder "per Sie" in den Gesprächen?

Es ist für mich ein großer Unterschied, ob ich mit meinen Gesprächspartnern “per Du” bin, oder “per Sie”. Auch beim Zuhören fühle ich mich wohler, wenn die Gesprächspartner “per Du” sind. Gerade im Wissenschaftsbereich finde ich, dass das “Du” die notwendige gleiche Ebene zwischen den Gesprächspartnern herstellt, bei der ich gerne zuhören will.

So bespreche ich als Podcaster vor Beginn mit den Leuten meist, wenn es irgendwie geht, ob “Du” OK ist. Bei vielen geht das aber nicht, das ist ja auch manchmal zu schnell bzw. zu sonderbar.

Wie ist das bei euch? Ist Du oder Sie wichtig oder nicht? Beim Hören? Beim Reden? Wie geht ihr damit als Podcasterinnen damit um?

3 Like

Mir ist es im Grunde als Hörer egal, ob sich im Podcast geduzt oder gesiezt wird. Bei der Medien-KuH siezen sich die beiden Moderatoren, doch mehr als Gag. Ich fände es etwas komisch, wenn Leute sich zum Beispiel Tim Pritlove einladen, und ihn dann siezen würden. Ich habe aber generell ein Problem Leute zu siezen, die ich von Twitter her kenne. Aber in so Podcasts, die irgendwie einen offiziellen Anspurch haben, wie Fokus Europa oder Resonator, ist es schon in Ordnung, dass Holgi oder Tim ihre Gesprächspartner siezen.

2 Like

Als Hörer macht es mir in der Regel nichts aus, ob das Du oder Sie verwendet wird. Und als Podcaster ist bei mir so wie im “richtigen Leben”: Ich habe Kontakte, mit denen ich mich sieze und dennoch die lockersten und anregendsten Gespräche führen kann und auf der anderen Seite gibt es Duzfreunde, die leider nur für gezwungene Konversation taugen. Instinktiv fällt es mir generell leichter, professionelle Distanz zu Gesprächspartnern zu wahren, mit denen ich per Sie bin.

Also mir ist das auch relativ egal. Aber man sollte es schon einheitlich durchziehen. Wechseln der Anredeform finde ich immer sehr befremdlich.

Das liegt leider nicht immer am / an der Podcaster_in selbst. Und den Gast schon vorab zu irritieren, weil man auf eine bestimmte Anredeform besteht, ist auch kein guter Start ins Gespräch.

3 Like

Ein herzliches und gut gelauntes “Sie” ist manchmal entspannter, als ein gezwungenes “Du”. In einem Gespräch finde ich wichtig, dass die Gesprächspartner sich wohl fühlen. Manche Menschen brauchen dafür eben eine gewisse Distanz.

4 Like

Ein einfaches: “ist du okay?” hilft da schnell und sollte eigentlich kein Problem sein, oder?

1 Like

Das würde ich aber dann vor der Aufnahme machen

1 Like

Ja klar, ich war gedanklich schon einen Schritt weiter und der Gast wäre damit nicht einverstanden. Dann würde ich das Interview natürlich dennoch machen wollen und die Einheitlichkeit in diesem Fall brechen.

1 Like

Da ich meine Podcast zum Teil mit Bekannten mache und zum anderen mit Sportlern, habe ich es relativ einfach - man duzt sich. :smile:

1 Like

Eigentlich nicht, aber wenn ein Gesprächspartner zustimmt, obwohl das nicht seinen Umgangsformen entspricht, wird er schnell wieder ins “Sie” zurückfallen und dann wird’s ziemlich unangenehm, weil der Hörer den Eindruck bekommt, vorher gefaked worden zu sein.

Insofern halte ich ein entspanntes “Sie” ggf. für besser.

1 Like

Eine weitere Erklärung für das Siezen ist wohl auch dass
beide das dann besser trennen können und in den “Podcast Modus” umschalten.[quote=“vanilla_chief, post:2, topic:645”]
Bei der [Medien-KuH][1] siezen sich die beiden Moderatoren, doch mehr als Gag.
[1]: http://www.medienkuh.de
[/quote]

1 Like

Der Tilo von “jung und naiv” duzt ja wohl alle Gäste. Und hat wohl deshalb auch schon Absagen bzw. Abbrüche bekommen.

Gut, der legt es aber ja auch darauf an :smiley:

2 Like

Genau, das ist einer der Gründe weswegen wir es auch genau so machen.

In Interview Literatur wird ja gerne gesagt man sollte sietzen anstatt rum zu kumpeln, das sei professioneller.

Den Gedankengang kann ich voll und ganz zustimmen, aber in der Praxis das Problem, werde ich größtenteils mit „Kumpeln“ das Programm bestreite.

Ich löse das inzwischen mit einem Hinweis in der Sendungsvorbereitung: „ unter Tage duzen wir uns. Wenn wir also zusammen schon einmal im Berg waren oder zumindest sein werden können, werde ich sie duzen, ansonsten werde ich dich siezen“

Die Corona-Monate/Jahre haben mit sich gebracht, dass sich die Hörgewohnheiten geändert haben. Skype/Zoom/Telefonaufnahmen sind auch im Qualitätsradio kein Problem mehr - und es fällt beim Hören eigentlich nicht mehr auf. Man hat sich gewöhnt. Ich habe den Verdacht, dass das mit Du und Sie ähnlich ist. Wir hören so viele Podcasts, in denen geduzt wird, sodass, sich das auch ins Radioprogramm unauffällig reinschleicht. Ob ich als Hörer mit du oder Sie angeredet werde, ist auch nicht mehr aufregend. Ich selbst mische das derzeit in einem Auftragspodcast. Soll für jeden was dabei sein. Beispiel auch der Corona Update Podcast, in der wir meist mit mit „Du/Sie“ angesprochen werden.
Kurzgefasst: vielleicht ist es im März 2021 schon - im positiven Sinn - egal.

2 Like

Aus meiner Sicht ist es besonders vom Format abhängig. Wir haben ein eher professionelles Format, werden aber von den Gäst:innen darum gebeten, dass Siezen zu lassen. Also hier entscheiden Gäst:innen, wie sie rüberkommen wollen.
Bei manchen steht sich die Frag nicht. In unserer Folge mit C. Drosten kamen wir nicht mal auf die Idee das DU anzubieten, genauso wenig wie bei J. Spahn. Ich glaube, dass viele den Kontext durchaus merken und daher auch nicht verwundert sind. Solange die Gesprächsführung und der Gesamteindruck passt, kann man auch professionell ohne rumfummeln beim DU sein. Solange der Respekt, der mit dem SIE ja beabsichtigt wird, weiterhin erhalten bleibt, sehe ich da keine Probleme und es kann beides gut funktionieren. Ein Hinweis zu Beginn der Folge kann aber Verwirrung reduzieren.