Musikschnipsel als Zitate


#1

Für einen Interviewpodcast mit MusikerInnen und ihren (ausgefallenen, besonderen, typischen) Instrumente überlege ich auch beispielhaft Ausschnitte aus Pop-, Rockmusik und Klassik einzubauen, wo dann das jeweilige Instrument zu hören wäre (ein Riff, ein Solo etc.), um einen Eindruck zu bekommen, wie das klingt.

Ich hoffe, dass das vom Zitatrecht abgedeckt ist, oder? Und GEMA sollte dann auch keine Rolle spielen bitte, bitte, bitte.


#2

Meinst du, dass du die Passagen dann selber einspielst?


#3

Entweder der Musiker selbst oder tatsächlich von CD/Datei o.ä. einer bekannten Band/eines Orchesters.


#4

Wenn du Originalaufnahmen benutzt, selbst nur in sehr kurzen Ausschnitten, musst du dich wohl mit der GEMA auseinandersetzen, außer du findest irgendwie Public Domain Versionen. Wir haben uns das für den kurzlebigen Musikpodcast bei Superlevel mal angeschaut und ihn dann erstmal wieder eingestellt. Bei der GEMA gibt es online einen Lizenzshop für nichtkommerzielle Podcasts, die und selbst da gibt es noch massive Einschränkungen: https://www.gema.de/musiknutzer/musik-lizenzieren/podcasting/


#5

Zunächst: Ich bin kein Anwalt, das hier ist Halbwissen. Auf Musik und Zitatrecht würde ich nicht bauen, da gibt es zu viele Interessenten, die u. U. sehr genau hinschauen. Abgesehen davon ist es so, dass ein Künstler, der sonst an die GEMA meldet, davon keine Ausnahme machen kann.


#6

Danke Euch beiden. Dann frage ich mal bei der GEMA nach. Es muss doch möglich sein, einfach ein Riff oder eine kurze Passage aus einem bekannten Stück mit der Originalaufnahme zur Anschauung zu zitieren um zu verdeutlichen, wie das Instrument typischerweise klingt. Aus Büchern kann ich doch auch zitieren. [aufdenBodenmit demFußstampf]


#7

Das ist imho natürlich möglich. Ein paar Töne klampfen ist halt was anderes als einen Ausschnitt aus einem fertigen, komponierten Stück einzuspielen. (ianal)


#8

Im Zweifel aus der Not eine Tugend machen. Eigentlich klingt “über Musik sprechen und dabei zur Veranschaulichung kleine Passagen auf einzelnen Instrumenten einjammen” nach einem ziemlich guten Alleinstellungsmerkmal für einen Musikpodcast.


#9

Nur einmal angenommen, Du willst rechtlich auf der sicheren Seite sein: Das “Musikzitat” ist ein Begriff, der eigentlich perfekt für einen Wettbewerb “Juristischer Euphemismus des Jahrzehnts” geeignet wäre. Im Gegensatz zu dem, was man oft hört, gibt es keinerlei Daumenregel wie z.B. “Fünf Sekunden”, “Fünf Sample” oder “Passt schon”.

Ein Musikzitat darf nur dann in ein neues Musikstück eingebaut werden, wenn es dort einem “Zweck dient” und das neue Werk eine “eigene Schöpfungshöhe” hat.

ABER! Das Zitat darf sich nicht auf die Melodie stützen, denn die ist noch einmal extra geschützt.
Viel Spaß beim Ausknobeln - da sind sich nicht einmal Urheberrechtler einig.
(Schön dargelegt ist der Sachverhalt hier: https://www.youtube.com/watch?v=7ZDpdaHHnQY)

Ich habe Verhandlungen (vor ca. vier Jahren) mit der GEMA geführt und ich sehe wirklich schwarz für eine Lösung, die Dich nicht 400 Euro im Monat kostet.

“Fair Use” gibt es in Deutschland nicht. Ähnlich wie beim Leistungsschutzgesetz befindet man sich als Kreativer immer in einer rechtlichen Grauzone, denn bekanntlich ist ja everything ein remix.

Auch selber Stücke einzujammen, verletzt das Urheberrecht. Da würde ich empfehlen, so falsch zu singen und zu klampfen, dass Suchalgorithmen, siehe YouTube, das nicht erkennen.

Aber das war ja nur für den Fall, dass Du rechtlich hundertprozentig wasserdicht sein willst. Ich würde mir an Deiner Stelle einen Tausender für die erste Abmahnung zurücklegen und einfach anfangen. Nur wenige Podcasts schaffen eine Verbreitung, die bei Abmahnanwälten zur vermehrten Speichelbildung führt. (Und jetzt weiß ich nicht, ob ich Dir das wünschen soll oder nicht…)