Mobile Aufnahme mit Lavalier-Mikros und H6

Hallo zusammen! Ich experimentiere zur Zeit mit einem “ultramobilen” Setup. Also im Grunde alles im Koffer vom Zoom-H6 :smiley: Ziel: Spontanes Interview mit einem oder zwei Interviewpartnern. Qualität soll gut sein, auch wenn nicht so gut wie im Heimstudio. Umgebungsgeräusche sind akzeptabel und je nach Location sogar erwünscht.

Setup wäre wie folgt:

  • Zoom H6
  • Mikro für mich: Rode SmartLav und Kopfhörer oder das Beyerdynamic DT-297
  • Mikro für den Gast: Rode SmartLav

Meine ersten Versuche mit dem H6 und dem Rode SmartLav waren ganz ok. Das Mikro klingt jetzt nicht viel übler als DT-297 (aber schon viel schlimmer als ein Großmembran-Mikro). Mich stören zwei Sachen: Mehrspuraufnahme hat meistens beide Gesprächspartner auf beiden Spuren (wegen der Kugelcharakteristik des SmartLav nehme ich an). Und das Rascheln des Mikrofons an der Kleidung. Wenn man die kleine Klammer am T-Shirt anbringt, darf man sich überhaupt nicht mehr bewegen. Hemden sind etwas weniger problematisch.

Was haltet ihr von so einem “Studio”? Welche Erfahrungen konntet ihr mit einem mobilen Setup sammeln?

Wenn Du doch ein Headset für Dich hast und Nebengeräusche unproblematisch sind, dann nimm doch Dich über das Headset und den Gast über eines der H6-Mikrofone auf. Dann reicht Dir ein kleines Tisch-Stativ (Dieses hier hab ich zwar nicht selber, sieht aber ok aus.) auf das Du das H6 schraubst und auf den Gast ausrichtest. Dann hast Du kein Kleidungsrascheln und ein okayes Level von Nebengeräuschen.

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An sich war das am Anfang auch mein Plan. Nur der Klangunterschied ist m.M.n sehr stark, da DT297 sehr gut gegen Außengeräusche schirmt. Meine Stimme kommt dann sehr nah rüber, der Interviewte klingt aber räumlich. Daher hoffte ich auf Lavalier-Mikros…

Ich mache heute mal eine Testaufnahme :slight_smile: Dann kann ich besser vergleichen.

ich hab Gästen schon das HMC660 aufgesetzt und die kamen klar damit. Kommt natürlich auf etliche Dinge an wie Kontext, Zeit und so weiter, aber vielleicht nimmst Du einfach zwei Sprechgarnituren. Dann sollte der klangliche Unterschied nicht so groß sein.

Oder, was mir noch einfällt, wie wäre es mit so einem Handmikrofon mit Richtcharakteristik? Beim Durch Die Gegend Podcast wird glaube ich damit aufgenommen und das klingt ordentlich, selbst mitten auf einer befahrenen Kreuzung.

Ja das ist ein Punkt. Man kann das etwas lindern, indem du einfach das Mikro des Headsets weiter von Deinem Mund drehst. Der Klang wird dadurch zwar „schlechter“, aber homogener zum H6. Wenn du das H6 (dann immer das XY nehmen mit 60 Grad Konfiguration) nah genug an den Mund des anderen bekommst, ist der Unterschied aber auch nicht so riesig. Wichtig: dann kein Noisegate auf dessen Spur setzen, damit der Raumklang auch auf Deiner Stimme liegt.

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Guter Hinweis, den ich noch erweitern möchte. Ich nutze momentan das H6 mit dem Stativ und diesem Kugelgelenk für Skype und würde das H6 nicht nur auf den Gast ausrichten, sondern ihn schön nah kommen lassen. Dann wirst du immernoch Unterschiede im Sound haben, den man dann aber ganz gut mit entsprechenden EQ-Einstellungen kompensieren kann, aber weniger Raum. :slight_smile:

Habe jetzt die Aufnahmen testweise mit dem Zoom H6 Mikro gemacht und mit zwei Lavalier-Mikrofonen.

Mein Problem mit dem Zoom ist, dass der Gast ganz schön diszipliniert sitzen muss. Weiter oder näher ans Mikrofon, Kopf zur Seite drehen verändert die Lautstärke sehr stark.

Der Klang der kleinen SmartLavs ist ok. Für ein Setup, das komplett im Koffer vom Zoom H6 transportiert werden kann, ist die Audioqualität gut. Allerdings muss man einiges im Postprocessing nachholen. Und das ist der Knackpunkt: Mit Ultraschall schaffe ich es nicht, das geringe Rauschen und den Crosstalk zu eliminieren. Dafür aber mit Auphonic (an der Stelle macht es einfach viel bessere Arbeit).

Wie bist Du da genau vorgegangen? ReaFIR-Effekt und/oder weiches Noisegate des Dynamics2?

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Dynamics2 mit Basic. Dort wird Rauschen eliminiert, wenn die Aufnahme leise ist. Aber gerade beim Lautstärkewechsel höre ich überlagertes Rauschen.

Kein ReaFIR, da ich keine Stelle in der Aufnahme hatte, die nur Rauschen enthielt, also nichts gesprochenes. Ich bin mir nicht sicher, was das H6 da macht, aber wenn man leise im Raum sitzt, kommt auch kein Rauschen. Und damit kein Input für ReaFIR. Erst wenn Geräusche kommen, höre ich überlagertes Rauschen. Dann kann ich aber ReaFIR nicht abstimmen.

Und ich weiß auch nicht, wie Auphonic das Übersprechen mindert, aber ich finde keinen Weg dies in Ultraschall zu realisieren. AUphonic kann aus beiden Spuren wirklich sehr gut den Crosstalk rausrechnen.

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So, Cross Talk kann man doch ganz passabel mit Reaper reduzieren. Dank YouTube habe ich herausgefunden wie: ReaComp mit Side Chain.

Wie geht Side Chain Compression für Audio Bleed:

Side Chain in Reaper (alte Version, gleiches Prinzip):

In Ultraschall sieht das so aus (wobei das Icon in der Matrix anders aussieht, wenn man von Post-Fader auf Pre-Fader umstellt). Also man muss nicht über den Weg aus dem Video gehen, sondern in der Routing-Matrix ein Mal klicken, um die Verbindung zu setzen und dann erneut für die Optionen (habe ich bisher immer ignoriert :smile:).

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FX sidechaining is using one audio signal (the source signal) to trigger an effect that is applied to another audio signal (the target signal). This can be accomplished by creating a send from the source track, to higher-numbered channels on the target track. For example, to use the stereo output of track A as a sidechain input for an FX on track B, create a send from track A channels 1+2 to track B channels 3+4. Sends can be created using the Routing Matrix, or the track routing dialog on either the source or target tracks, or by simply dragging the source track I/O routing button to the target track.

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Habe mir das jetzt mal angesehen und ein paar Fragen:

Was passiert, wenn Personen gleichzeitig reden? Das ist ja nicht sooo unüblich - hauen die sich dann gegenseitig den Kompressor um die Ohren?

Was ist, wenn jemand laut hustet? Dann drückt dessen Husten auch noch die anderen Stimmen runter, das ist das Gegenteil von dem was man will?

Bei mehr zwei Stimmen wird das Routing schon eher anstrengend?

Ist das Ergebis wirklich besser als ein vernünftig eingestelltes Dynamics2 Noisegate? Das scheint mir da der weniger fehleranfällige Weg zu sein…

Was passiert, wenn Personen gleichzeitig reden? Das ist ja nicht sooo unüblich - hauen die sich dann gegenseitig den Kompressor um die Ohren?

Wenn eine Person sehr laut ist, wir die andere stark gedämpft. Das ist ein Nachteil.

Was ist, wenn jemand laut hustet? Dann drückt dessen Husten auch noch die anderen Stimmen runter, das ist das Gegenteil von dem was man will?

Konnte ich nicht so raushören. Das laute Husten erscheint ja in beiden Spuren, daher wird die andere Person auch so schlechter zu hören sein.

Bei mehr zwei Stimmen wird das Routing schon eher anstrengend?

Ja. Das ist wahr.

Ist das Ergebis wirklich besser als ein vernünftig eingestelltes Dynamics2 Noisegate?

Ich höre keine Verbesserung bei Übersprechen wenn ich Dynamics2 aktiviere.

Also ReaComp mit Side Chain ist kein Wundermittel, es verringert das Übersprechen etwas und macht das “Echo” weg.

…auch nicht, wenn du etwas intensiver den Threshhold Slider einpegelst? Das sollte recht effektiv gegen Crosstalk helfen, solange das Übersprechen nicht irre laut ist.

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Mit Threshold von -35 bei beiden Kanälen klingt es auch ganz gut! Danke! Daran habe ich noch nicht gedreht…

Ich sag mal so: Mit ReaComp und Side Chain ist der Auwand um einiges höher als mit Dynamics2 :smiley: Bei sehr ähnlichem Ergebnis.

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