Let's talk about kurze Podcasts

Das ist aber auch Viertelvor einer exkludierende Definition was ein “Podcast” ist und die Grundsatzdiskussion muss hier ja nun echt nicht nochmal geführt werden.

Weil eigentlich haben mich eure Gedanken zu kurzen Formaten interessiert.

Eigentlich kommt es mir auf die Feststellung an, das die Aussage dieser Studie nicht so eindeutig ist wie getan wird.

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Mich wundert, dass diese Frage formuliert wird. Denn ich finde man merkt es den einzelnen Podcasts sehr deutlich an, welche Länge zu welchem Format passt. Ist es nicht eine logisches Entwicklung, dass das was ich vermitteln will, am Ende auch bestimmt wie umfangreich ich das mache?!

Als Beispiel die kürzesten Podcasts, die ich mir anhöre:
#HeadRollPodcast - Dieser Podcast beschäftigt sich mit Pen&Paper Rollenspiel via Internet bzw. Voicechat. Die Länge beläuft sich irgendwo zwischen 5 - 15 Minuten (aktuell scheinbar aber pausiert).
Der Benecke - Teil der Radio Eins Produktion “Die Profis”. In diesem Abschnitt werden von Marc Benecke außergewöhnliche Forschungen und Forschungsergebnisse vorgestellt und oftmals wird dabei auch kurz auf die Bedeutung dieser eingegangen. Die Länge beläuft sich meistens um die 5 Minuten rum.
Evidenz-Geschichten - Anhand von anekdotischen Geschichten werden Entwicklungen in der evidenzbasierten Medizin aufgezeigt, erklärt und ausgeführt inwieweit diese Erkenntnisse auch heute noch Relevanz haben. Auch hier sind die Folgen in der Regel 5 - 15 Minuten lang.
Game of Phones - Eine Podcastproduktion für den Elternratgeber “Schau hin!”, der moderne Medien betrachtet, wie heranwachsende Generationen mit ihnen umgehen und Eltern in diesen Bereichen versucht aufzuklären. Das ist das längste “kurze” Format mit 25 - 40 Minuten.
Schlaulicht - Ein Podcast der sich gezielt an Kinder richtet (aber nicht nur) und diese über diverse Dinge aufklärt. Bezeichnet sich selbst treffender Weise als: “Die Sendung mit der Maus für die Ohren.” Ebenfalls mit 25 - 40 Minuten Lauflänge.

Wenn ich jetzt diesen Beispielen andere Podcasts entgegen stelle:
Akte Aurora - Der Untertitel beschreibt es ganz gut: “Ein Zeitreise-Krimihörspiel zum Mitmachen”. Eine Folge besteht im Grunde aus zwei separat veröffentlichten Parts, die zusammen auf eine Laufzeit von 2 - 3 Stunden kommen.
Methodisch Inkorrekt - Zwei Physiker, die versuchen wissenschaftliche Paper einfach zu erklären. Der rein wissenschaftliche Teil und damit Kern des Podcasts hat eine Laufzeit von 2 - 3 Stunden.
Brainflicks - Ein Filmpodcast, der sich aber primär mit der Darstellung psychologischer Krankheiten / Verhaltensweisen / etc. beschäftigt. Erst wird der Film analysiert und dann inwieweit die Darstellung korrekt ist. Diese Folgen sind 1,5 - 3 Stunden lang.
Paperback - Ein Comicpodcast, der sich alle 14 Tage mit Neuerscheinungen im Manga / Comic Bereich beschäftigt und hin und wieder auch Comicverfilmungen betrachtet. Ebenfalls mit einer Laufzeit von 1,5 - 3 Stunden versehen.

Und dann gibt es wiederum Podcasts, die sehr stark schwankend sind:
Minutenweise Matrix - Jede Minute des Films Matrix wird pro Folge analysiert und diskutiert. Die Folgen können von 10 Minuten bis 1 Stunde lang sein (mit zwei Ausreißern in Richtung 2 und 3 Stunden).
Öh - Der Geschichtenpodcast - Vom Autor Falko Löffler selbst geschriebene und vorgelesene Kurzgeschichten. Diese reichen von 2 - 30 Minuten Länge.

Das waren jetzt viele Beispiele, aber ich denke mein Argument wird klar. Und damit wären wir wieder bei den beiden Aussagen: “Ein Podcast ist so lang wie er sein muss” und “Ein Podcast muss auch nicht länger sein, als er sein muss”.
Denn Podcasts, die nicht nur reine Laberpodcasts sind erschaffen aus sich heraus eine Länge, die zu ihnen passt. Davon bin ich überzeugt. Und dafür finden sich meiner Meinung nach auch genug Beispiele. Anders sieht es bei Laberpodcasts aus, die ja aus sich heraus theoretisch bis zum Sankt Nimmerleinstag laufen könnten. Da kann ich mir sehr gut vorstellen, dass man hier schnell verleitet ist länger zu sein, als es gut und nötig wäre. :thinking:

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Genaue Kritik an der Studie würde ich gern in der nächsten Audio:viel-Folge üben. Ich komme aber nur zurück bis zur Pressemitteilung von Bitkom. Ohne Stichprobenbeschreibung.
Weiß jemand von euch, wie ich an die Originalstudie kommen kann?

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Würde ich auch so sehen aber auch auf “Laberpodcasts” anwenden. Nur weil man theoretisch keine zeitliche Begrenzung hat, bedeutet das ja nicht, dass es keine praktischen Beschränkungen gibt. Wenn man zum Beispiel aus Termingründen höchstens zwei Stunden für ein Gespräch hat, verläuft es anders als wenn man auch noch eine Stunde dranhängen könnte.

Insofern würde ich meiner Aussage die Gegenseite dazustellen:

Ich weiß nicht, ob es sinnvoll für Hörer ist eine Länge zu bevorzugen, wenn man beim Hören keiner zeitlichen Beschränkung unterliegt. Denn mit der inhaltlichen Wahl geht häufig ein bestimmtes Längenspektrum einher. Die meisten Hörspielfolgen werden nicht nur 5 Minuten dauern, dagegen ist eine klassische Nachrichtenschau ohne Diskussion meistens nicht im Umfang von drei Stunden zu haben.

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Ich würde zwar durchaus sagen, dass die Kürze in sich einen Reiz hat, weil ein kompakter Podcast eine ganz bestimmte Stärke des Formats ausspielen kann und die Lücken im Alltag (Ubahn, was auch immer) mit Unterhaltung, Information, Whatever füllen kann.

Aber ich stimme dir auch zu dass die interessantere Gedanke nicht im Umfang, sondern in Formaten liegt. (Als ich diesen thread gestartet habe war ich nicht ganz sicher, welche Kategorie die richtige für Gedankenaustausch über inhaltliche Formate ist, weshalb es jetzt hier gelandet ist.)

Ich glaube da ist noch unendlich viel ungenutzte Raum, über “Podcasts können jedes Thema bedienen” hinaus. Nicht nur das “was”, sondern auch das “wie”.

(Ein Fünf-Minuten-Hörspiel-Format klingt imo übrigens total interessant, hehe ;))

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Genau deshalb sprach ich weiter oben von kreativer Herausforderung. Kürze erzwingt eine gewisse Produktionsdisziplin. Das ist vielleicht auch die Antwort auf die Frage, warum es weniger sehr kurze Podcasts außerhalb der Radiozweitverwertung gibt: Sie sind vielleicht eher eine Domäne der Audiokunst.

Es ergibt Sinn aus der Sicht von Amateuren die, je nach Engagement, sehr aufwendige Einrichtung einer Aufnahmesituation dann nicht nur für ein mehrminütiges Format zu nutzen. Zumal, wenn man mit Podcasts anfängt, wird man keine batch-Produktion machen. Und das gilt umso mehr, wenn man ein Gespräch hat, da die einzelnen Teilnehmer einen gewissen Raum brauchen, um sich auszubreiten. Ein paar Leute zum mitmachen zu bewegen ist schwierig genug, dass die sich dann auch noch einer Regie unterwerfen, um ein kurzes Format stringent zu produzieren, ist nochmal schwieriger zu erreichen. Alternativ ist viel Nachbearbeitung erforderlich, um die Zielform zu erreichen.

Es ist aber aus der Sicht von professionell arbeitenden Leuten, die Zeit dafür investieren müssen und/oder die Aufnahme als Dienstleistung einkaufen, dass sich der Aufwand durch eine gewisse Länge rechtfertigt. Auch hier ist die Produktion mehrerer kürzerer Folgen in dem gleichen Zeitraum etwas, was die meisten vermutlich nicht im ersten Anlauf machen. Und ich nehme an, die allermeisten Leuten bleiben mit kleineren Änderungen bei ihrem ersten Format.

Die These wäre also, will man einfach einen Podcast zu einem Thema machen, landet man eher nicht bei einem kurzen Podcast. Dafür muss man dann auch noch ein Idee bezüglich des Formats haben, das die kürzere Länge zwingend oder attraktiv macht.

Interessant fände ich es, wenn es sich um in fünf Minuten abgeschlossene Geschichten handelt. Eine längere Erzählung zu nehmen und in sinnvolle kürzere Segmente herunterzubrechen ist jetzt nicht so schwierig.

schlimm zerhackte Musik von Steve Combs (CC-BY)

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Nicht schlecht, aber an der Geschichte müsstest du noch arbeiten. Das ist mehr in Richtung Haiku-Podcast.

Das ist ein sogenanntes Six Word Memoir und wird in dem speziellen Fall (fälschlicherweise) niemand Geringerem als Hemingway zugeschrieben. Gilt also ganz hochoffiziell als vollwertige Kurzgeschichte :slight_smile:

Siehe auch Folge 6 vom Anerzählt :wink:

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Ah, mit Trick. Ja, wie auch immer. Mag sein, dass das von irgendwem anerkannt wird, aber als Geschichte geht das bei mir nicht durch. :slight_smile:

:astonished:

Also als Vater - muss ich hier widersprechen.

Zusammenhang?

Die gängige Interpretation sagt: nur noch der Vater. Auch die Mutter ist bei der Geburt gestorben, da sie sonst nie die Schühchen verkaufen würde.
Dieses minimale Stück Prosa ist in der Tat ein prominenter Anwärter für die härteste “wenigste Worte, maximaler Schock” Formel. Für Eltern sind diese sechs Worte schwer erträglich und starten ein breites Kopfkino.

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Davon abgesehen hat die Geschichte alles was sie braucht um eine Geschichte zu sein. Es gibt einen Protagonisten, es gibt eine Zeitachse, es gibt Handlung, einen Höhepunkt…

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Okay, das ist völlig neben dem Thema, aber da es euch wichtig zu sein scheint …

Ich würde zugestehen, dass es sich um Fiktion handelt, es gehört in den Bereich des Erzählenden. Es ist aber nur ein Fragment. Man kann sehr viel weglassen in einer Geschichte. Das eine, was man meines Erachtens nicht weglassen kann, ist eine Handlung. Ein Minimum davon muss präsentiert werden, es genügt nicht Handlung in der Vorstellung des Rezipienten zu erzeugen (Stichwort: Kopfkino). (Korrigiert, es fehlte das entscheidende Wort ‘nicht’.)

“For sale: baby shoes, never worn” hat eben keine Handlung. Es ist ein statischer Eindruck, wie das Bild von einem Tatort. Man sagt zwar, das Bild erzählt eine Geschichte, aber wir synthetisieren diese Geschichte anhand des Gesehenen und erzählen sie uns selbst. Dass man auch in ein Fragment eine inhärente Dramatik oder Spannung einbauen kann, ist unbenommen. Genügt aber meines Erachtens nicht für eine Geschichte.

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Eine echte Geschichte ist so lang wie sie sein muss :grimacing:#scnr

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Also wenn man die ursprüngliche technische Idee heranzieht, könnte ein Podcast natürlich auch aus Dateien mit einer Ton- oder Videospur der Länge null bestehen. Eine “im Text” niedergelegte Geschichte mit Länge null, da muss man schon mutig sein, das noch als solche zu bezeichnen. :slight_smile:

Ich würde sagen mit diesem Gedanken bringst du gut auf den Punkt, warum eine rein technische Herangehensweise an die Definition, sei es von Podcasts oder Geschichten, nicht viel bringt. Die Audiodatei könnte auch 3 Stunden lang sein und keinen Ton beinhalten, und 6 Wörter noch 15 Sekunden sind ja eben doch sehr weit weg von “Null”.

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Passt ganz gut dazu…

Ein Musikstück, das aus Stille besteht.

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