Kritische Haltung beim Podcasten


#21

Für Neuhörer_innen wäre es natürlich ein schöner Service, wenn man das jedes Mal deutlich macht. Man hofft natürlich, dass man jede Menge treue Fans hat, die seit Folge 1 dabei sein, aber ich glaube, man sollte Neugierige nicht gedanklich ausklammern. Und da hilft es vielleicht doch, alle paar Folgen mal (oder sogar jede Folge) das Konzept zu erläutern – inklusive des Interviewansatzes. Dieser Punkt wurde hier ja schon mehrmals erwähnt und scheint wirklich ein zentraler Aspekt zu sein.


"Per Du" oder "per Sie" in den Gesprächen?
#22

@nitramred Unter anderem zu diesem Thema sprechen Johnny Haeusler und Anne Will bei FluxFM Spreeblick. Das ganze Gespräch ist interessant, jedoch genau dieser Punkt wird ab 36:00 min besprochen.


#23

Danke, hab’s mir gerade angehört und finde den Standpunkt eigentlich ganz gut: Ergebnisoffen erzählen lassen und “im Notfall” eingreifen bzw. gegensteuern.


#24

Das hat jetzt nur indirekt was mit der Diskussion zu tun: Drüben bei Twitter (siehe Gespräch hier) wird diesem Thread vorgeworfen Fefe “ernst zu nehmen”. Mir ist bewusst dass Fefe umstritten ist, aber es hat mich mir nie so recht erschlossen warum. Ich lese seinen Blog nur sporadisch und hatte über die letzte Fnord News Show hinaus nie wirklich viel von ihm gehört. Was ist das Problem an ihm bzw. was wird ihm vorgeworfen?


#25

So wie ich das mitbekomme, wird fefe vorgeworfen die BILD der Nerds zu sein :wink:


#26

Oh weh oh weh. Das ist schon sehr OT und sollte hier nicht ausgeweitet werden. Ich sage aber mal etwas, das mir neulich dazu aufgefallen ist: Frank und Fefe machen ja den Alternativlos-Podcast. Den höre ich sehr gerne, und ich glaube auch mit Gewinn. Dann gab es diese Folge mit Sascha Lobo, den ich wiederum zu den 5 schlauesten und weitblickensten Internet-People zählen würde die ich in D kenne.

http://alternativlos.org/33/

Und da passiert etwas sehr Spannendes. Ich habe genau zugehört. Es gibt gefühlt kein einziges Statement von Fefe, dem Sascha nicht direkt und vehement widerspricht. Frank widerspricht er auch, aber nicht ganz so häufig. Fefes Aussagen hören sich zunächst immer sehr plausibel an, aber Saschas Entgegnungen entfalten viel mehr Plausibilität. Und da ich wiederum selbst Politikwissenschaft studiert habe, konnte ich mit dem Thema schon ein klitzekleines bisschen was anfangen.

Und jetzt frage ich mich: was wäre eigentlich passiert, wenn bei den vorherigen 32 Folgen nicht nur Frank, sondern auch jemand wie Sascha daneben gesessen hätte.

Ich glaube: ein dann doch in diesen Thread gut passendes Beispiel von “einfach nur Reden lassen ist manchmal keine gute Lösung”.


#27

“Einfach reden lassen” ohne nachzuhaken ist in meiner Sicht genau so problematisch wie ein übersteigertes “kritisch sein”, dem man versucht, einem Gespräch die eigene Agenda aufzudrücken. Das eine zeugt von Nachlässigkeit, das andere von einem übersteigerten Selbstbild. Sofern ist es alles nicht so einfach, das mit Handlungsanweisungen zu “regeln”.

Zu Alternativlos will ich mich nicht groß äußern, aber bei der Folge mit Herrn Döpfner fehlte mir da schon so einiges an Nachfragen. Da stand gefühlt einiges leer im Raum, das mehr Kontext verdient hätte. Die Folge mit Lobo habe ich nicht gehört.

Ich denke, man kann schon Haltung einnehmen, indem man vor allem bestimmte Aussagen hinterfragt oder zumindest klar macht, dass man einer bestimmten Aussage so recht nicht folgen kann. Man muss es auch nicht übertreiben. Auf jeden Fall sollte man sich aber auch schon im Vorfeld gut einstellen auf seine Gesprächspartner. Das ist nicht immer möglich aber ein erstrebenswertes Ziel.

Aber ist auch wichtig, im Gespräch Freiräume zu lassen, zumindest so weit, dass jemand Gelegenheit hat, ein vielleicht komplexes Feld auch erst mal zu eröffnen. Man muss als Moderator die Zügel in der Hand halten, aber locker lassen. Nur im Notfall muss man ziehen und wenn Langeweile aufkommt auch mal die Sporen geben.


#28

Vor der Arbeit an einer kritischen Haltung sollte man sich selbst hinterfragen: was mache ich da eigentlich generell? Was ist meine Rolle in meinem Podcast? Nehme ich meinen Gast bspw. eher an die Hand oder fordere ich ihn heraus? Denn bevor ich an Zuhörende denke, sehe ich die Verantwortung für meine Gesprächspartner, die z.B. bei mir in eine mediale Darstellungsform geworfen werden, welches sie selbst oft nicht gut kennen.

Diese Verantwortung ist unterschiedlich groß, je nachdem an was man sich orientiert und wie erfahren die Gesprächspartner sind. Daher ist die nächste Frage: Was für ein Format ist mein Podcast eigentlich und welches Werkzeug nutze ich zur Gesprächsführung? Mache ich eher journalistische Interviews, eine Art Talkshow oder sind es Zeitzeugen-Gespräche, ähnlich Oral History oder geht es in Richtung Experteninterview, biografische oder ethnografische Interviews?

Und zuletzt, wie gehe ich mit dem Gespräch in der Postproduktion um? Wie setze ich Schnitte ein? Oder bleibt alles ungeschnitten? Wie und was verlinke ich in den Podcast-Notizen/ Shownotes. Die Postproduktion gibt ja auch Raum für Haltungen.

Je nachdem, was man für sich herausfindet ist es im unterschiedlichen Maße notwendig, eine kritische Haltung sichtbar zu machen.

PS: Was genau jetzt eine kritische Haltung ist, wäre schon schwer genug zu fassen. Das hängt ja mit dem eigenen Blick auf Gesellschaft usw. zusammen, die müsste man dann eigentlich auch noch transparent machen. Ich denke, jemand wie Ken Jebsen sieht sich bei KenFM wahrscheinlich selbst in einer “kritischen Haltung”, gleichzeitig ist diese schwer fassbar. Kritische Haltung ohne einzuordnende Perspektive bringt auch nix.


#29

Die Diskussion

habe ich gar nicht bekommen und hätte es gut gefunden, wenn die Gedanken von dort hier noch mit eingeflossen wären. So dogmatisch fand ich unsere Diskussion hier gar nicht.

Das halte ich in der Tat für die Essenz (wurde ja weiter oben ebenfalls schon herausgearbeitet) – in Kombination mit

also selbst auch noch sichtbar zu bleiben in der Diskussion – entweder, um die Diskussion in Gang zu halten oder tatsächlich um Aussagen des Gegenübers zu hinterfragen (das muss ja nicht immer gleich auf eine konträre Position hinauslaufen).


#30

Ich glaube Tante fand es schon falsch, dass du Fefe in deinem Anfangspost zitiert hast.

Ich habe gerade eine interessante Sendung entdeckt: SR2 - Fragen an den Autor mit Udo Ulfkotte
Wer Ulfkotte eine Stunde erträgt kann da ja mal reinhören. Ich finde was der Moderator macht ganz gut. Er stellt zu anfangs klar, dass Ulfkotte umstritten ist und genau deshalb eingeladen wurde und macht seine eigene kritische Haltung klar. Bei Minute 24 etwa weißt er auf unlogische Stellen in Ulfkottes Buch hin. Doch gleichzeitig versucht er nicht ihn zu provozieren, sondern lässt ihn größtenteils reden. Wenn ich @timpritlove richtig verstanden habe, sollte man es doch genau so machen. Oder übersehe ich etwas?


#31

Kritisch zu hinterfragen ist vor allem in politischen Gesinnungen absolut ok. Vorsichtig wäre ich nur wenn es um persönliche Befindlichkeiten geht, aber du kannst deinen Interviewpartner durchaus auch kritisch zu Themen befragen. Wenn du die Fragen vorab abklärst, führt das evtl. nicht zu bösen Überraschungen.