Kabine selbstbauen

Hallo Ihr :slight_smile:

Seit drölfzig Jahren habe ich ja ein Problem damit, keinen Ort zu haben, an dem ich mal halbwegs anständig aufnehmen könnte. Nun verfüge ich seit ein paar Tagen über eine kleine, aber feine Werkstatt in meiner Garage und wie ich so an der Werkbank (ein ehemaliger, gewaltig großer Esstisch von Ikea) sitze, kommt mir der Gedanke, dass ich für diesen Tisch eine Kabine bauen könnte, die ich zum Podcasten nutzen könnte.

Sie muss mobil, also zusammenklappbar sein, das wäre die Grundbedingung. Ich stelle mir jetzt vier MDF-Platten vor, drei davon mit Scharnieren zum Rahmen ausklappbar und eine Platte als Deckel für drauf. Drin gibt’s dann irgendwelchen Schaumstoffvoodoo und gut ist.

Ich werde weder auf $SUCHMASCHINE noch hier im Sendegate zum Thema fündig (auch wenn @rstockm in einem Post erwähnt, es gäbe zum Thema einige Threads).

Hast Du sowas schon in Betrieb? Erfahrungen damit? Ist das blanker Unsinn? Und wie heize ich die Garage im Winter? :wink:

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Generell gilt:
-parallele Wände vermeiden (gibt zu viel Echo)
-nicht einfach irgendeinen Schaumstoff kaufen. Das ist eine gefährliche Brandlast und bringt nur was, wenn es Akustikschaumstoff ist (z.B. Basotec)
-Viel Masse hilft, guck dir mal Schallschutzwände im Trockenbau an (meist doppelte Lage von den extra schweren Rigipsplatten)
-Glatte Oberflächen vermeiden
-Nicht zu klein bauen, wird zu warm und zu stickig
-Guck dir Profikabinen an als Inspiration

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Ha! Das wusste ich schon. Vor vier Jahren wurde ein Teil unseres Hauses gegen die Bahn hinterm Garten schallgedämmt. Den Satz vom Trockenbauer habe ich mir gemerkt (“Viel von dem Zeug ist Schwindel. Gegen Schall hilft letztlich nur Masse. Deshalb sind die neuen Fenster auch vierfach verglast.”) :slight_smile:

Ich habe mal - extremst amateurhaft - eine kleine Box gebaut. Mit „dichten“ Wänden. Das klang dann entsprechend „boxy“. Als würde man in einen Karton reinsprechen. Unbrauchbar.

Die Lehre und der Tipp daraus: Box/Kabine gross genug machen (wasimmer das heisst) und/oder durchlässige Wände benutzen (dämmt dann aber weniger!). Dort dann Schaumstoff drauf.

Bei diesem Herren habe ich schon 2x Akustikschaumstoff bestellt:
https://www.akustik-pyramiden-schaumstoff.de/
Rascher Versand, gute Auswahl und ok Preise (besonders auf Restbestände).

Ich habe an (BxHxT) 100x50x50 gedacht. Wie groß war Deine?

Aus meiner dumpfen Erinnerung geschätzt: B40H60T50 cm.

Hier hat wer mal was ähnliches probiert:

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Eigentlich müsste unser @Explikator eine Menge Erfahrungen in Sachen Aufnahmekabine haben :slight_smile:

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Ich wollte da auch mal experimentieren und hatte mich im Baumarkt umgesehen. Da gab es dünne leichte Platten (1x1 Meter) und genau gleich große Schaumstoffplatten (genoppt). Die Platten mit Gaffa-Band zusammenkleben, so dass ein kleiner Abstand dazwischen ist. Dann sind die Platten später beweglich und du kannst sie klappen. Den Schaumstoff auf die Platten kleben (ging bei mir nicht so gut) - und voilà! Du kannst das Ding dann klappen (besser verstaubar) und stellst es quasi in einem zu dir geöffneten V zur Benutzung auf.

ist sehr amateurhaft, funktioniert aber ganz gut und ist nicht teuer. Habe insgesamt (mit Sprühkleber) um die 30 Euro bezahlt.

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Ich persönlich bin ich immer noch ein großer Fan von kleinen Veränderungen der Einrichtung. Ein alter, hochfloriger Teppich hier, ein schwerer Vorhang dort und ein gefülltes Regal an der Wand bringen oft mehr für die Raumakustik als irgendwelche Kabinen. Zumal ich finde, dass eine zu gute Schalldämmung die Aufnahme jeglicher Atmosphäre beraubt. Das will man vielleicht bei Gesang (wo man dann hinterher wieder aufwändig Hall reinmischt doh), bei Sprachaufnahmen allgemein bzw. Podcasts im Speziellen hat mich ein bisschen Hall noch nie gestört, so lange sich die Aufnahme nicht anhört wie im Olympiastadion…

Naja, es ist eine Garage mit Werkbank. Vollgestellt ist sowieso schon alles, aber Teppiche an die Wand, das werd ich nicht machen. Geht bei den schiefen Bruchsteinwänden sowieso nicht wirklich :slight_smile:

Ist denn die Raumakustik wirklich so schlimm? Hast du mal ein Klangbeispiel parat?

Also ich hab sowas mal gebaut aus 3 MDF Platten, 19mm (übertrieben), je 600 x 1000 mm, mit Scharnieren verschraubt und als Trapez aufgestellt. Da dann Mikro mit Ständer rein und die Flächen mit 5cm Basotec beklebt. Den gab es hier (seiner Zeit) am günstigsten. Das ganze war allerdings nicht als mobile Lösung angedacht, sonder als demontierbare. Für mobil war das MDF zu schwer.

Wenn ich als Handwerker die Nachhallzeit, z.B. in Kindergärten/ Grundschulen, auf ein gutes Niveau bringen sollte, war eine Faustregel: ca. 40% der Deckenfläche aus 5 cm Basotect mit glatter Oberfläche beklebt und der Raum hat ne gute Akustik.
Genau berechnet wurde das dann hiermit. Und als Produkt haben wir sowas benutzt Capacoustic Melapor (=teurer Basotect).

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Raumakustik ist das gleiche wie ein kleines Echo. Das passiert eben in den Bergen oder in großen Hallen auch.

Darum kennt unser Kopf das. Und das schafft für das Unbewusste Distanz. Entfernung.
Darum unterlegt man gerne den lieben Gott oder den Teufel in schlechten Filmen mit einem Echo-Effekt.

Wenn man also aus der Entfernung etwas doziert, dann ist das in Ordnung. Klingt halt wie ein Vorlesungssaal.

Wenn man den Hörenden aber etwas ganz Persönliches mitteilen will, ihnen nahe sein will, dann sollte man keine Raumakustik haben, finde ich.

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