Intro-Musik entwickeln lassen - Empfehlungen / Erfahrungen / GEMA etc


#1

Hallo Sendegate’ler_innen!
Bei einem Projekt, für das ich tatsächlich ggf. / u.U. / eventuell sogar einen Sponsoren gefunden habe steigt ein wenig der “Erfolgsdruck”. Statt also selber etwas zu basteln oder auf diverse Standard-Datenbanken zurückzugreifen überlege ich, dafür mal jemand anzuheuern. Konkret geht es natürlich um ein Intro, bestenfalls aber natürlich auch dazu das Outro und ggf. auch ein paar Übergangs-Jingles…
Da ich dazu aber NULLkommaNULL Erfahrungen habe, wollte ich mal Eure Crowd-Knowledge anzapfen:

  • Erfahrungen? (auch zum Ablauf eines solchen Auftrags…)
  • Empfehlungen? (gerne auch junge Starter)
  • eine Idee, was sowas kosten würde?
  • was ist dann mit GEMA etc.?
    DANK im Voraus!

#2

Ich würde sagen, wenn möglich sollte der Musikanteil des Jingles GEMA-frei sein (oder gleich auf Musik verzichten). Den Schmerz will man sich nicht antun. Als Beispiel das FAQ dieses Jingle-Vertriebs macht das glaube ich klar: https://jingle-service.de/gema-pflichtig-oder-gema-frei-faq/ “Der Kunde verpflichtet sich, selbst diese Meldung vorzunehmen.” (Heißt, wenn ich mich nicht täusche, die beauftragte Person darf nicht bei der GEMA sein.)


#3

Ein wirklich “eigenes” Intro wertet schon massiv auf, finde ich.

Für den (leider immernoch nicht so richtig gestarteten) Podcast afk.berlin haben meine Comoderatorin Lara und ich die freiberufliche Sounddesignerin Almut Schwacke damit beauftragt, ein Intro zu entwickeln. In dem Podcast geht es um die Berliner Game-Szene und sie arbeitet selbst in Berlin an Videospielen, daher passte das gut.

Wir haben ihr ein paar Ideen zum “sound and feel” zugeworfen und das Ergebnis hat uns direkt großartig gefallen. (Zum Glück, denn weitere Revisionen wären bei Bezahlung nach Tagessatz halt arg in unser kleines Budget gegangen.) Das Ergebnist ist ein extrem individuelles Intro, das sogar ein bisschen Storytelling zu unserem Format betreibt: Der Rhytmus-Teil besteht u.A. aus Keyboard-Klackern und einer schließenden Tür, also jemand der “away from keyboard” geht.

Sie hat uns die einzelnen Instrument-Spuren zur Verfügung gestellt. Das heißt, wir können ganz einfach je nachdem wie benötigt Einspieler, Intro-Fadeounds etc. arrangieren. Das funktioniert bei dem speziellen Track wunderbar, da er trotz der Kürze jeweils mehrere Background- und mehrere Melodie-Passagen hat. Die Lösung funktioniert bei dem Stück super und war auch da eine recht Budget-schonende Lösung, weil wir eben nicht mehrere Stücke beauftragen mussten.

Achso, und Almut ist nicht in der GEMA (habe gerade mal gefragt, das ist nämlich auch für Indiegames dann durchaus auch ein problematisches Thema), entsprechend ist der Track auch nicht dort gelistet. Also würde ich sagen: Wenn das Geld da ist, ein bisschen davon in die Hand nehmen und eine Musikerin suchen, die nicht in der GEMA ist und gegebenenfalls sogar einen Bezug zum Thema hat.


#4

Danke … viel Erfolg auch mit afk.berlin … hab ich gleich mal abonniert :slight_smile: Kann mensch … ähem … auch mal ne (ganz grobe) Zahl rüberwerfen? vielleicht als PM?


#5

Ich hätte noch fiverr anzubieten und das selbst genutzt.

Meine Erfahrungen:

Ich war es so leid wochenlang bei Audiojungle und Co. rumzusuchen. Das Richtige war einfach nicht dabei.

Ich habe da ein wenig rumgesucht und einen Menschen gefunden, der das für 50 USD machen wollte/konnte. Das war erstaunlich unkompliziert und nach 3 Tagen hatte ich was Schönes, was auch noch nach meinen Wünschen 2x angepasst wurde. Was Rechte angeht, so bewahre ich seine Aussagen gut auf, mache mir da aber keine Sorgen.

Ich bin ja an sich gegen Dumpingangebote und habe mehr bekommen als ich erwartet habe. Immerhin kann man dort sein Gewissen mit einem anständigen Trinkgeld etwas beruhigen.


#6

Meiner Erinnerung nach muss GEMA nur gezahlt werden, wenn das Stück bei der GEMA gemeldet ist. Wenn der Komponist es also nicht meldet, warum sollte man dann GEMA zahlen?


#7

Danke für den Hinweis. Das kann mensch ja zur Not auch einfach mal “mitnehmen” (und dann mit “anständigem Trinkgeld” das “Gewissen beruhigen”)! Ich werde berichten!


#8

Bislang habe ich für meine Podcasts zum Teil Stock Music eines kanadischen Anbieters genutzt. Zuletzt habe ich mir allerdings eine eigene Melodie arrangieren lassen. Das fertige Produkt ist exakt nach meinen Vorstellungen.

Dem voraus ging ein Briefing per eMail und wenige Telefonate. Die endgültige Abnahme mit letzten kleinen Änderungen habe ich bei einem persönlichen Besuch im Studio in Köln erledigt. Der Komponist verlangte damals (2017) pro Minute fertiger Musik €150. Die Minute habe ich ungefähr ausgeschöpft.

Mit der GEMA-Probelmatik hält es sich so, wie Marcus das bereits beschrieben hat. In meinem Fall basiert die Melodie ganz entfernt auf einem Volkslied das inzwischen ohnehin gemeinfrei ist. Der Komponist ist nebenbei Jazzmusiker und hat sich im Vertrag lediglich das Recht freigehalten, die Melodie bei Bedarf in einer Liveperformance verwerten zu dürfen.

Mir war ein speziell angefertigtes Intro sehr wichtig als Erkennungsmerkmal. Das funktioniert nicht mit Stock music die bereits in einer vierstelligen Anzahl Promotionclips auf Youtube verwertet wurde. Das Geld empfand ich gleichermaßen gut investiert als hätte ich mir ein Stück Equipment für €150 gekauft.


#9

Hier noch zwei Menschen, ohne zu wissen, was das gekostet hat, die für @timpritlove und @Holgi Intros gemacht haben:



#10

https://www.gema.de/musikurheber/mitglied-werden/infos-zur-mitgliedschaft/

Rechte vor der GEMA-Mitgliedschaft, die anderweitig eingeräumt wurden, können nicht ohne weiteres übertragen werden, aber alle anderen Rechte beansprucht die GEMA für sich.

Wenn man mal in den Mustervertrag schaut, scheint mir vielleicht §1 i) (1) in Frage zu kommen? Und ja da kann das Mitglied seine Rechte für diesen Zweck zurückbekommen, aber einfach hört sich das nicht an.

Und laut §5 ist man verpflichtet “alle unter diesen Vertrag fallenden Werke” (heißt meines Erachtens alle, die man während der Mitgliedschaft produziert) anzumelden.


#11

Wenn der Künstler bei der GEMA gemeldet ist, muss man auch für das Stück zahlen wenn er/sie das nicht angemeldet hat.

Es sei denn, die Künstler haben die digitale Verwertung durch GEMA ausgeschlossen.

Das größte Problem dabei ist allerdings: woher die Info nehmen. Die Datenbanksuche der GEMA war das letzte Mal, wo ich sie benutzt habe, grausam und da nicht sehr auskunftsfreudig.

Oder in Kürze: keine GEMA-Musik nutzen und noch besser, eigenes Zeug nutzen, was man selbst kreiert hat. Dann ist man sicher. Solang man nicht selbst bei der GEMA ist, dann wirds wieder kompliziert…


#12

Hi!

Ich kann sehr Nicolai Heidlas für individuelle Musik empfehlen: https://www.nicolai-heidlas.com

Wir haben ihm für unseren Podcast bloß ein paar Ideen und Vorstellungen mit auf den Weg gegeben, und herausgekommen ist wirklich schnell ein großartiges Intro.

Ich weiß leider nicht mehr, was Nicolai dafür an Bezahlung verlangt hat, aber es war ein Spitzenpreis.

Auch ohne individuelles Intro: Nicolai bringt auch oft tolle Musikstücke unter offenen Lizenzen raus, die man nutzen kann. Mag ich sehr.

Viele Grüße
Oliver


#13

Schon mal Danke für die vielen Hinweise / Empfehlungen! Mir ist ja noch nicht ganz klar, wie so ein “Kreativprozess” dann konkret abläuft. In meinem konkreten Fall wird es um Gesundheitspolitik gehen, da wäre ich gespannt, wie das der oder diejenige in Musik verwandelt :wink: Wenn mein Sponsor - kommende Woche - tatsächlich anbeißt, werde ich ggf. mehrere Wege parallel beschreiten (einen “normalen Profi” und dann noch ein / zwei fiverr - Angebote) und von den Erfahrungen hier gerne berichten!


#14

Zu Fiverr… Ich weiß nicht, ob man das Kreativprozess nennen konnte. Eher ein: “Ich will was und das möglichst gestern.”

Man sucht sich jmd. aus und dann chattet man.
In meinem Fall habe ich das Thema kurz beschrieben und was ich will und was vor allem nicht.
Der gute Mann hatte mal was gemacht, was vom Thema her passte (also eine Referenz) und mir ein Video geschickt.
Der Stil hat mir gefallen. “Mach mal, überrasch mich.”
3 Tage später kam ein Ergebnis.
War fast gut. 2 Bearbeitungen später war ich Happy.
2 Trenner in unterschiedlichen Längen hat er mir auch noch fix gemacht. (15 und 30sek) - Die sind recht nützlich, wenn man mal offensichtlich schneiden muss.

Ich denke, wenn man genau weiß, was man will, ist es besser, sich mit einem Profi hinzusetzen und auch entsprechend Geld in die Hand zu nehmen. - Ich wusste es nicht.

In meinem Fall war es ein: “Ich will endlich loslegen, die erste Folge ist fertig und ich brauch recht fix ein Intro. - Ändern kann man immer noch, aber wichtig ist, dass da erstmal was ist.”


#15

Ich habe für 17 Ohm http://17ohm.bos-bamberg.de Verpackung fertigen lassen, weil das ein Produkt meiner Schule ist, und da alles wasserdicht sein muss. Die habe ich bei Markus Nestele http://www.markusnestelemusic.com machen lassen. Der Kontakt kam von den Herren vom Aufwachen Podcast. Nachdem wir dafür bezahlt haben, haben wir natürlich die Nutzungsrechte und die GEMA ist egal.

Markus war super zum Arbeiten! :wink: