Gesprächspartner mit vielen Pausen


#1

Hallo,

ich sitze wieder vor einer Aufnahme, bei der mein Gesprächspartner sehr sehr viele Sprechpausen macht:

“Also, ehm, ich … … … habe das … … … schon öfter … … … … so gesehen”.

Das fällt bei der Aufnahme selbst nicht so auf, aber es ist unfassbar anstrengend zu hören.
In Reaper habe ich gerade rund 300 Schnitte in 90 Minuten Material gesetzt. Es klingt immer noch nicht sooo gut. Ich schneide da auch nicht zu viel, mache Pausen über 5 Sekunden aber deutlich kürzer.

Ich frage mich jetzt, ob ich bei so etwas die Aufnahme eher abbrechen sollte oder ob ich wirklich akzeptieren möchte, dass so eine Folge schwer verdaulich ist und das da einfach eine ganze Menge Mehrarbeit ist.

Ich habe hinterher geschaut, ob das der Aufnahmesituation geschuldet ist. Manchmal fühlt man sich ja nicht wohl dabei und stammelt rum. Aber im neutralen Gespräch ist es fast genauso, wenn man darauf achtet.

Auf der anderen Seite traut sich mein Gegenüber zu erzählen und das Thema ist hochinteressant. - Das möchte ich unbedingt respektieren.

Am liebsten hätte ich eine Automatik die mir den Schnitt erleichtert, aber diese KI will wohl noch erfunden werden.

Wie geht Ihr mit so etwas um? Unterbrecht Ihr und sprecht den Gesprächspartner direkt darauf an? Würde das nicht verunsichern und alles schlimmer machen?

Ich meine mich an eine Folge von @timpritlove bei Raumzeit zu erinnern, wo er unfassbar viel kämpfen musste. Da überwog aber die Faszination des Themas für mich als Hörer so sehr, dass ich das durchgehalten habe. Nur ein zweites Mal mochte ich es wirklich nicht hören.


#2

Darauf hinweisen mache ich bei technischen Problemen über ein Ferninterview, aber sonst würde ich das auf keinen Fall machen. Eben weil es das vermutlich verschlimmert. Ich habe das Motto, dass ein interessantes Gespräch immer wichtiger ist als guter Sound, und da zähle ich das im weitesten Sinne mal dazu. Ich habe früher extrem viel geschnitten, jede Pause, jeden abgebrochenen Halbsatz und jedes störende Mundgeräusch gnadenlos raus und so teilweise schon Sätze aus mehreren anderen zusammengesetzt. Das geht schon, aber ich weiß nicht ob das Ergebnis den Aufwand wirklich rechtfertigt.

Leute sprechen halt wie sie sprechen, und das kann mal etwas anstrengend sein, erst recht wenn sie nicht trainiert oder geübt sind. Vermutlich würde ich mir eher überlegen, ob es an der Gesprächsführung oder an den Rahmenbedingungen etwas zu verbessern gibt. Wenn du merkst, dass ein Gedanke über mehrere Anläufe nicht zustande kommt vielleicht die Frage noch einmal anders formulieren.


#3

Und was mit ansonsten dazu einfällt: Wenn das gesamte Interview oder Gespräch keinen guten Fluss hat, aber der Inhalt toll ist, bietet sich vielleicht eher ein “gebautes” Format an – mit Moderationspassagen, Ausschnitten aus dem Interview, Einspielern, wie das eben so ein übliches Radiofetaure oder jede zweite US-Podcast macht. Das Gesprächsformat muss nicht immer das beste Format für jedes Gespräch sein.


#4

Wenn ich beim schneiden höre, dass es eindeutig zu viele “Ähs” sind, dann schneide ich sie raus. Nicht unbedingt komplett alle, ein paar können auch mal drin bleiben. Aber wenn in 2 Minuten 20 “Ähs” vorkommen, wird geschnibbelt. Auch wenn zuviele Denkpausen drin sind, werden die auch “verdichtet”.


#5

Na ja - du kannst mal das hier ausprobieren:

Ob und wie gut das funktioniert, ist aber eine Frage von a) wieviel Rauschen/sonstige Störungen du noch in der Aufnahme hast (im Zweifel also erst ReaFIR drüber werfen) und b) wie konstant die Pausen sind bzw. der PEgel des Gesprächs. Du kannst zwar viel einstellen, aber das bring tnichts wenn etwa während der Sendung der Gain oder der Abstand zum Mikro signifikant verändert wird.

Aber einen Test ist es sicher mal wert.


#6

Oh, das ist toll. Ich teste heute Abend mal rum. Nachdem Dynamics dran war ist quasi kein Rauschen mehr drauf. Ich versuche mal die Spur zu rendern und neu reinzuziehen (nach Dynamics) und teste mal.


#7

Vielleicht kannst du die Episode zweifach anbieten. “Naturnahe” - ohne weiteren Schnitte, und “bearbeitet” - konzentriert und hart jedes Äh und jedes Gestammel rausgeschnitten. Sodass der blanke Inhalt bleibt. Wenn der dann gut ist, war es die Arbeit wert. Wenn der Inhalt dann nicht wirklich gut ist, dann war es die Arbeit nicht wert.


#8

Ich habe die Episode ja schon komplett geschnitten. Das werde ich so nehmen.
In der Zukunft werde ich allerdings beim Vorgespräch noch etwas genauer darauf achten etwas Alkohol im Haus zu haben.
IRGENDWIE hilft das beim Redefluss enorm:-)