Geschlechtergerechte Sprache für Podcasts

…wobei ich den Spin “geschlechtergerechte Sprache als DIE Marketingmaßnahme zur Erschließung neuer HörerInnengruppen” auch ganz charmant finde :slight_smile:

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Ich war mir bei der Erstellung nicht ganz sicher, ob das Thema nach “Planen” passt und das Ganze einfach mal als Werkzeug zur Hörerinnenbindung zu präsentieren nimmt etwas Moralin raus. Prinzipiell ist mir die Kategorie aber nicht allzu wichtig :wink:

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Sehr guter Post, ist sehr wichtig!

Ich drück mich darum quasi, indem ich Sätze weitestgehend versuche so zu formulieren, dass ich mich darum gar nicht kümmern muss.
Ansonsten find ich die Doppelnennung ganz gut, in allen anderen Fällen würd ich abwägen ob ich Männer, Frauen oder beide meine und das entsprechend formulieren.
Wichtig ist, dass man das nicht übertreibt, sonst kann das echt holprig und nervig werden. Ich hab mal in nem Podcast genau das erlebt, dass am Ende es einfach unhörbar wurde, weil die Formulierungen das Gespräch immer ins Stocken gebracht haben. Es wirkte etwas wie “schaut nur, wie gleichberechtigend wir sind” und das wirkt sehr schnell aufgesetzt für mich.
Ich glaub also, dass man das Anwenden auf jeden Fall etwas üben muss, bis es sitzt und einfach flüssig daher kommt, dass es natürlich wirkt, als wärs immer schon da gewesen(worums am Ende ja eh geht, es Alltag werden lassen).

Was mir ja noch ganz fehlt ist eigentlich ne Form/Pronomen/Artikel für alle, inklusive Trans,Inter,Queer,younameit. Aber da hat die Diskussion um geschlechterneutrale Sprache leider kaum Fortschritte gemacht.
Denn das würd ich ja gern nutzen.

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Das ist im Deutschen auch wirklich nicht trivial. Das Genus ist fest verdrahtet in Substantiven, Artikeln, Pronomen und grammatikalischen Strukturen (vgl. “Meine große Hündin.” und “Mein großer Hund.”). Ich habe mich vor einiger Zeit mal drangemacht und geguckt, was man ändern müsste, um die Drähte da zu kappen. Das Ergebnis war im Grunde eine eigene Variätet der deutschen Sprache. Kämen die Gender Studies mit sowas, wäre das Geschrei wieder groß.

Im Englischen hat sich “they” als geschlechterneutrale Alternative zu “he” und “she” etabliert, im Schwedischen wurde vor einiger Zeit “hen” für den gleichen Job offiziell (!) anerkannt. Es bewegt sich also schon was, aber das Deutsche ist da doch sehr ungelenk.

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Ich habe letzthin mal bewusst darauf geachtet. Hoffentlich nicht zu auffällig. So ganz einfach ist das Ganze nicht - man muss das wohl etwas üben. Mittlerweile halte ich die Randomisierung für angenehmer als das doppelte Nennen (z.B. Hörer & Hörerinnen). Aber das muss jede wieder so machen, wie sie es für am besten hält.

Witzigerweise hab ich mich auch mal an einen Ansatz gemacht, der auch soweit fertig ist, nur noch unveröffentlicht. Vielleicht nutz ich die Chance mal den rauszuhaun.

Es gibt da übrigens von Anna Heger nen Ansatz, den ich an sich ganz ausgereift und ausführlich finde https://annaheger.wordpress.com/2013/09/16/comiczine-xier/
Allerdings sind die neuen Formen mit nem X am Anfang, was auf Dauer leider anstrengend auszusprechen ist. Dürfte fürs Hören sich aber ganz gut machen…

They find ich auch gut(könnte man wohl im Deutschen vielleicht Diese nehmen?), aber spätestens am Artikel ist Schluß. Da hat das Englische echt Vorteile damit.

Kurze Frage

Ich habe hier “eine Admin” geschrieben, wie in “eine AdministratorIn” Kann man doch so machen? Fällt jemand was besseres ein?

Sorry, dachte das hätte ich schon längst gemacht: Done.

War das jetzt auf meinen Beitrag bezogen?

Auf Wili geschaltet.

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Ich kenne den Text von Anna Heger natürlich. Die linguistischen Überlegungen darin sind sehr hilfreich, um überhaupt die Komplexität des Problems zu verstehen. Die Formen mit X finde ich nicht so hilfreich. Die größte Stärke der Formen mit X ist ihre Fremdartigkeit, durch die damit kein Geschlecht assoziiert wird. Die größte Schwäche der Formen mit X ist ihre Fremdartigkeit, durch die es extrem schwer wird, breite Akzeptanz dafür auch ausserhalb der Kreise von Idealisten zu erzeugen. Das X ist auch nicht gerade flexibel, wenn es an die Aussprache geht. Auch andere Versuche, wie Professx sind nett gemeint, aber da fehlt mindestens ein Vokal vor dem X, damit diese Form gut funktioniert.

Ist natürlich auch alles etwas Geschmack- und Gewöhnungssache. Prinzipiell finde ich es aber gut, wenn spielerisch an die Sache herangegangen wird. Sich praktisch mit diesen Problemen zu beschäftigen, kann mehr Erkenntnisse bringen, als nur graue Theorie und Spaß macht es oft auch noch.

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die Admin ist unproblematisch, denke ich. Die Abkürzung hat eine geschlechterneutrale Endung. Die Verkürzung führt also dazu, dass du dir die Beidnennung (die du ja bevorzugst, wie du oben schreibst) sparen kannst. Ich glaube sogar, dass dieses Beispiel gut illustriert, wie so ein Hirn bei bestimmten Begriffen selbst ohne grammatikalische Marker auf das männliche Geschlecht verdrahtet ist. Meins zumindest.

Auf diesen Willie? (Sorry…)

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Hast Du Deine Grammatiküberlegungen irgendwo online? Fänd ich spannend mich mal durchzuarbeiten.
Ich setz mich mal die Tage an meine Ansätze dran um sie etwas aufzuarbeiten und poste es einfach mal auch…

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Ich habe angefangen das aufzuschreiben. Ich arbeite da vor allem mit Verkürzungen (der, die, das -> de). Vor allem im Hinblick auf die Kasus muss ich aber noch ein paar Details ausarbeiten. Wenn’s fertig ist, werde ich das natürlich hier posten.

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Admensch und der macht keine Werbung :smiley:

Wie versprochen habe ich mal ein paar Dinge zu meinem eigenen Modell aufgeschrieben. Vielleicht ist das hier eigentlich nicht der richtige Ort, um das zu präsentieren, aber ich habe gerade kein Blog und what ever… Ein paar Probleme wird es sicher auch in den Details geben. Die dürfen hier gerne diskutiert werden. Hier sind meine Gedanken und konkrete Ideen zu einem genus-freien Deutsch:

Grundsätzliches
Die hier gesammelten Formen basieren auf folgenden Grundsätzen:

1. Marker für Geschlechter vermeiden
2. In der Kürze liegt die Würze
3. Bekanntes ist Unbekanntem vorzuziehen
4. Es muss leicht zu lernen sein
5. Es muss von der Zunge rollen

Worte austauschen
Zunächst der leichtere Teil: Häufig verwendete Wörter, die für die Bildung fast jedes Satzes nötig sind und ein Geschlecht anzeigen, werden durch neutrale Varianten ausgetauscht. Dabei werden in der Regel mehrere Wörter mit der gleichen Funktion aber unterschiedlichem Genus zu einem Wort zusammengefasst. Dadurch sollen vor allem die Regeln 1, 2 und 4 bedient werden. Bei der Auswahl der neutralen Formen habe ich versucht auf bereits bekannte zurückzugreifen, was beim Befolgen von Regel 3 helfen soll.

bestimmte Artikel:
“der”, “die”, “das” werden “de” (entlehnt aus dem Bairischen)

unbestimmte Artikel:
“ein”, “eine”, “einer” werden “en” (entlehnt aus der Umgangssprache)

Pronomen:

Singular: “ich”, “du”, “se” (Vereinfachung der Personalpronomen: “er”, “sie”, “es” werden zu “se”)
Plural: “wir”, “ihs”, “se” (Angleichung an Singular: “ihr” wird zu “ihs”, “sie” wird zu “se”)

“dieser”, “diese”, “dieses”, “diese”, “dieser”, “diesen”, “diese” werden “de”
“anderer”, “andere”, “anderes”, “andere”, “anderer”, “anderen”, “andere” werden zu “ander”

“sein”, “seine”, “ihr”, “ihre” werden “ihs”
“mein”, “meine” werden “min” (entlehnt aus dem Mittelhochdeutschen)
“dein”, “deine” werden “din” (entlehnt aus dem Mittelhochdeutschen)

Endungen
Nicht an allen, aber an vielen Endungen kann man das Genus des Wortes ablesen. Typische Beispiele dafür sind “-ling” oder “-keit” bei Substantiven oder “-er” und “-e”* bei Adjektiven. Die sollen weg. Aufgrund der vielfältigen Endungen deutscher Wörter muss man hier hin und wieder kreativ werden.

Substantive
Substantive, die Personen bezeichnen, verlieren im Singular ihre Endung und enden im Plural auf “e” (Ausnahmen bestätigen die Regel). Bei allen anderen ist es ziemlich wurscht.

“Podcaster” bzw. “Podcasterin” und “Podcaster” bzw. “Podcasterinnen” wird zu “Podcast” und “Podcaste”
“Verkäufer” bzw. “Verkäuferin” und “Verkäufer” bzw. “Verkäuferinnen” wird zu “Verkäuf” und “Verkäufe”
“Bäcker” bzw. “Bäckerin” und “Bäcker” bzw. “Bäckerinnen” wird zu “Bäck” und “Bäcke”

Adjektive
Endungen entfallen

“blaues Kleid” wird zu “blau Kleid”
“würdevoller Abschied” wird zu “würdevoll Abschied”
“großer Fels” wird zu “groß Fels”

Beispiele:

“Er lauschte den schönen Klängen des Musikers und verfiel der Traurigkeit.”

wird zu

“Se lauschte de schön Klänge de Musike und verfiel de Traurig.”

oder auch

“Se lauschte de schön Klänge von de Musike und wurde traurig.”


“Sie bekam Heimweh und begann deshalb die anderen Kinder zu piesacken.”

wird zu

“Se bekam Heimweh und begann deshalb de andere Kinde zu piesacken.”


“Ihre Mutter musste sie aus ihrem Zimmer zerren, damit sie das Haus verließ.”

wird zu

“Ihs Mutter musste se aus ihs Zimmer zerren, damit se de Haus verließ.”


“Sein blaues Kleid verschaffte ihm einen frischen Windzug im Schritt.”

wird zu

“Ihs blau Kleid verschaffte ihs en frisch Windzug in de Schritt.”

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Danke fürs Teilen und die Erläuterungen.
Während ich viele vorgängige Hinweise/Tipps sehr mochte, muss ich hier ehrlich sagen, dass ich mich mit dem “genusfreien Deutsch” nicht anfreunden kann. Es klingt für mich schlicht zu falsch. Man möge mich konservativ nennen.
Hier muss wohl abgewogen werden. Der eine Vorteil gegen den anderen. Ich fände es in der Tat interessant zu wissen, wer ein “genusfreies, dafür falsches” Deutsch dem “herkömmlichen” vorziehen würde.

Ich glaube, du überschätzt hier meine Naivität ein wenig.

Diese Varietät zu entwickeln ist für mich hauptsächlich eine linguistische Fingerübung. Ich gehe nicht davon aus, dass irgendwer so sprechen oder schreiben wird. Sich auf dieser praktischen Ebene mit der Sprache zu befassen bringt allerdings recht viele Erkenntnisse mit sich. Ich habe vor Jahren schonmal eine Geschichte in dieser Varietät geschrieben (leider nicht mehr online) und nach 3 oder 4 Sätzen klingt das Ganze eigentlich gar nicht mehr falsch, sondern eher wie Niederdeutsch oder Niederländisch.

Falsch und richtig sind in Sachen Sprache ohnehin ziemlich Fehl am Platze (auch wenn einem die Schule jahrelang einhämmert das sei anders). Was gesprochen und geschrieben wird, wird automatisch zum Regelfall. Sprache ist damit vermutlich das demokratischste Gebilde, das unsere Gesellschaft kennt.

Dass ich das hier gepostet habe liegt hauptsächlich daran, dass @Mespotine danach gefragt hat.

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Ich verstehe, dass Du hier die Gender-Diskussion nicht führen willst, nichtsdestotrotz fehlt in der Auflistung eben die Option “Auf Gender-gerechte Sprache einfach verzichten” - das ist nunmal auch ein Möglichkeit, damit umzugehen.

Ich selber wende das auch an: Überall wo es ohne Krampf geht, versuche ich Alternative Begriffe zu benutzen - und überall wo es nur in alltagsfernen Sprachkonstrukten enden würde, verzichte ich auf die “Genderisierung”. Ich mache viel im Bereich Partnerschaft und Beziehung, wo sogar der überwiegende Teil der Konsumenten weiblich ist. Und bisher hat sich noch niemand beschwert, wenn der Content als solches gut war.

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Geschlechtergerechte Sprache zu verwenden, indem sie nicht verwendet wird, ist ein Ansatz, den ich schon logisch nicht nachvollziehen kann. Die Vermeidung geschlechtergerechter Sprache ist auch gar nicht das Thema dieses Threads.

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