FAQ: Monitoring mit StudioLink - Lautstärke der Partner im eigenen Kopfhörer optimieren


#1

Hallo zusammen,

ich nutze ein Focusrite Scarlett Solo USB-Interface am MacBook Pro und binde meinen Gesprächspartner via Studiolink ein. Das ist alles.

In der Routingmatrix kann ich ja das, was von mir zu Studiolink geschickt wird, so dosieren, dass mein Mitcaster sich selbst gut bzw. dominant in seinem Kopfhörer hören kann (s. Screenshots).
Doch ich bekomme es einfach nicht hin, dass mir das auch für mich gelingt. Ich spreche grundsätzlich eher etwas leise und dann ist es für mich sehr anstrengend, weil ich mich selbst nicht so gut hören kann.

Momentan wüsste ich mir nur so zu helfen, indem ich das Volume der Studiolink-Spur leicht nach unten ziehe. Doch das ist ja die denkbar schlechteste Lösung, nachdem ich uns beide vorher gut zueinander eingepegelt habe.

Zusammengefasst:
Wie bekomme ich es hin, dass ich meinen Gesprächspartner so weit runter regeln kann, dass ich mich selbst gut im eigenen Kopfhörer verstehe (ohne das Volume runterzuziehen)?
Ich finde es nämlich angenehmer, wenn ich mich grundsätzlich etwas lauter hören kann, unabhängig von dem, was ich vorher eingepegelt habe.

Oder ist das erst mit einem besseren Interface mit erweiterten Monitoringfunktionen möglich?

Grüße
Jo


#2

Ich habe da die perfekte Lösung für Dich, bin aber gerade afk - heute Nacht schreibe ich was.


#3

Zu nächst hast du den typischen Fehler im Routing drin, denn in deinem Screenshot schickst du nicht nur das Studiolink Signal sondern auch dein eigenes nochmal durch den Rechner auf deinen Kopfhörer. Korrekt ist es so:

Das Problem mit dem leisen Monitoring Signal kenne ich auch von meinem Behringer UMC-22. Es gibt eine Möglichkeit das zu lösen. Dafür öffnest du die Systemapp “Audio-MIDI-Setup” und regelst dort das Ausgangssignal runter. Danach die Lautstärke am Focusrite hochziehen so dass du das Signal aus dem Rechner lautgenug hörst, jetzt solltest du dich selbst auch lauter hören. Eventuell mit den Einstellung im MIDI Fenster rumprobieren

[quote=“rstockm, post:2, topic:5952, full:true”]
Ich habe da die perfekte Lösung für Dich, bin aber gerade afk - heute Nacht schreibe ich was.
[/quote]

Darauf bin ich gespannt o_O


#4

Das hat laut Beschreibung auch ein eingebautes Monitoring. Ist bei dir der Schalter “Direct Monitor” am Interface auf “On”? Mit dem Monitor Regler solltest du auch die Lautstärke beeinflussen können. Mit den Routing Einstellungen aus @macsnider Beitrag sollte es dann eigentlich klappen (ohne doppeltes Echo):


#5

Also auf der Website seh ich an dem Teil nur den Ein/Aus Schalter für Direct Monitoring aber keinen Regler für einen Mix oder so.
Edit: Hm ok da steht über dem großen Regler “Monitor” aber ich dachte/denke eher der ist für das Kopfhörersignal. Das will man doch eher einstellen o_O


#6

MONITOR – Regler für den Ausgangspegel der Monitorausgänge – regelt den Ausgangspegel
der rückseitigen Ausgänge und des Kopfhörerausgangs an der Frontseite

Seite 13


#7

Okay, vielen Dank schon mal.


#8

Gut, also wenn ich dich richtig verstehe, dann war der "Klick von master output zu Front Left Stereo, bei mir ist es Output 1 (Stereo), falsch bzw. unnötig.

Die Verbindung von StudioLink zu FrontLeft (oder Output 1 Stereo an meinem Gerät) habe ich dann natürlich auch gesetzt, da StudioLink ansonsten stumm bleibt (getestet mit Freakshow1).
Weitere Unterschiede zu deinen Settings konnte ich hier nicht ausmachen.

Ich bin heute Abend total heiser und kann mich hier gerade selbst überhaupt nicht richtig hören. Doch wenn ich die Verbindung zwischen master output und FrontLeft (wie gesagt, bei mir heißt es Output 1 Stereo) deaktiviere, dann höre ich schon mal deutlich weniger Grundrauschen. Das ist ja schon mal ein Teilerfolg. Dankeschön dafür :slight_smile:
Ja, der Schalter am Interface steht auf Direct Monitor.

Im Audio-Midi-Setup komme ich nicht weiter, da die entsprechenden Regler bei mir ausgegraut sind.


#9

Ja weil du jetzt nicht mehr dein Signal doppelt hörst :wink: am besten mal bei nächster Gelegenheit das Video über Routing in Reaper/Ultraschall gucken


#10

Wusste ich doch, dass noch der freundliche Hinweis zu der Routing-Folge kommt.
Die habe ich gesehen, mindestens zwei Mal, doch irgendwann, so gebe ich zu, begann mir wohl etwas der Kopf zu rauchen :slight_smile:

Gut, aber auf diese Weise ist ja schon mal ein grundsätzlicher Fehler bei mir bereinigt, den ich gar nicht auf dem Schirm hatte. Ich habe mir gleich mal ein neues Template erstellt, basierend auf deinen Angaben, nochmals Dankeschön dafür.

Was bleibt, ist meine Eingangsfrage zur eigenen “Abhörlautstärke”.
Bin gespannt, was Ralf dazu auf Lager hat.


#11

Sodele. Gehen wir das mal Stück für Stück durch - der Hinweis auf das Routing-Video kam ja schon, ich schreibe es jetzt hier aber mal ausführlicher damit es auch mal als FAQ fungieren kann.

Also dein Startpunkt sieht so aus:

Die “innere Matrix” ist hier richtig: du schickst Dein Signal nach StudioLink, StudioLink aber nicht in Dein Signal. Alles schick.

Wo wir jetzt aber ran müssen, ist wie der Master beschickt wird bzw. Dein Monitoring Signal. Was oben schon richtig geschrieben wurde: dein Soundinterface kann direct monitoring, und das solltest du auch unbedingt nutzen. Also am Interface aktivieren. Jetzt wirst du Deine Stimme doppelt hören: einmal auf dem kurzen Weg durch das Interface, einmal mit etwas Verzögerung über den Rechner/REAPER. Da wird man ganz schnell wahnsinnig, das wollen wir also als erstes abschalten. Entscheidend ist dafür diese Spalte:

Dieser Stereo-Output 1 (zusammengesetzt aus den beiden Mono-Outputs rechts daneben, links/rechts) ist das, was von Deinem Rechner aus REAPER in dein Interface und dort auf deinen Kopfhörer geschickt wird - dein Monitoring-Signal.
Das kommt derzeit nur aus dem Master-Kanal, also der Gesamt-Summe aller Spuren in REAPER. Wir sehen hier, dass die beiden Tracks “lokal” und “StudioLink” beide in den Master reinsenden - und das macht auch Sinn so, sei es weil man irgendwann mal live senden will über StudioLink Onair (da wird immer der Master-Mix auf den Stream geschickt) oder weil man sicher gehen will, dass hinterher im Rendern alles seine Richtigkeit hat (da wird normalerweise auch der Master-Mix gespeichert).

Der elegante Weg ist nun daher, den Master so zu lassen wie er ist, aber das beschicken deines Monitor-Signals vom Master aus abzuschalten - also dieses Feld hier zu löschen:

Das Echo ist dann weg, sehr schön. Aber: du hörst auch kein StudioLink mehr. Daher geben wir stattdessen einen Send der StudioLink Spur direkt in das Monitoring:

Jetzt haben wir: kein Echo mehr, da die eigene Stimme (auf der Spur “Lokal”) nicht ins Monitoring geschickt wird, und hören dennoch die StudioLink Spur. Wenn man jetzt etwa noch ein Soundboard dazu nehmen würde, würde man das ebenfalls auf das Monitoring schicken damit man es hört usw.

Jetzt bleibt nur noch das Problem zu lösen, wer wie laut zu hören ist. Das ist jetzt sehr simpel: du stellt an deinem Interface den Monitoring-Regler so ein, dass du dich selber gut und präsent hörst. Natürlich mit aktiviertem Direct Monitoring. Wenn das fertig ist, lässt du danach den Partner auf StudioLink sprechen und stellst dann die SEND-Lautstärke der StudioLink-Spur in deinen Monitor-Kanal ein - so wie du es gern magst:

Fertig.
Wichtig ist hierbei zu verstehen: es gibt in REAPER/Ultraschall an keiner Stelle irgendeine Möglichkeit, keine AUFNAHME selbst leiser auszusteuern oder zu gefährden. Das, was als Wellenform sichtbar wird und gespeichert wird, ist IMMER DIREKT das, was aus deinem Interface oder aus StudioLink kommt (und damit dem interface des anderen). Was du auch immer irgendwo verstellst - die Aufnahme selbst bleibt davon unbeeindruckt. Das ist schon mal eine gute Nachricht. Die schlechte: beim Rendern des fertigen MP3 am Ende sielen dann alle Regler SEHR WOHL eine große Rolle, daher muss man dann beim Schnitt - also nach der Aufnahme - aufpassen, dass alles richtig eingestellt ist.

Der erste Schritt ist hier, im Podcast-Menü “Prepare all tracks for editing” auszuwählen, ausnahmslos immer nach Ende jeder Aufnahme. Dann sollte man die Routing-Matrix wieder auf deinen Ausgang zurückstellen, da du sonst im Schnitt deine eigene Spur nicht hörst - denn jetzt kommt die ja nicht mehr über direct monitoring, sondern auch “aus der Konserve” von deinem Rechner. Also wieder alles zurückstellen auf

HALT! Das war der Test, ob noch alle wach sind. Denn für den Schnitt und dann Export, ist diese Matrix FALSCH!
Es muss hier noch unbedingt der Send von deiner Spur nach Studio-Link gelöscht werden, sonst wird deine Stimme nochmal zu der aufgenommenen von StudioLink hinzugemischt und damit im finalen Mix doppelt so laut!
Eigentlich schalten wir das mit dem “Prepare all tracks…” schon automatisch richtig, aber man sollte immer noch mal kontrollieren, ob das auch geklappt hat. das richtige Routing sähe also für Schnitt und Export so aus:

Um sich diesen Wechsel im Routing einfacher zu gestalten, haben wir mit der 3.0.3 Release ja die Routing-Snapshots stark aufgebohrt, damit kann man sich schnell die Setups für Aufnahme und für Schnitt speichern und schnell hin und her schalten - hier als Video zu sehen:

Und das alles speichert man sich dann ab als Projektvorlage:

Und zwar bevor man Audio damit aufgenommen hat, sonst landet das dann auch überflüssiger Weise in der Vorlage. Bei der nächsten Schow wählt man dann zu Beginn nur noch die Vorlage aus, speichert dann direkt (auch vor der Aufnahme) unter dem konkreten Sendungsnamen und fertig ist der Lack.

Das folgt jetzt insgesamt meinem Ultraschall-Ansatz: die Sache einmal in Ruhe verstehen, für das eigene Setup durchdenken, in Vorlagen gießen und dann für jede Sendung eine Rüstzeit von ca. 1 Minute haben, in der man auch maximal nicht gestresst ist da alles immer seine Richtigkeit hat.


#12

Vielen Dank, Ralf, für deine ausführlichen Erläuterungen und das zu so später Stunde :slight_smile:

Ich habe mich heute morgen gleich mal dran gesetzt. Im Prinzip war ich ja durch die Hilfe von @macinsider bereits auf den richtigen Weg geschickt.
Es war ein wirklich großartiger Moment und Augen- nein, Ohrenöffner für mich gewesen, als ich auf einmal “die lauten Jungs” von der Freakshow1 wunderbar runterregeln konnte und ich mich selbst schön dominant im Kopfhörer hatte.

Ich wünschte, ich hätte mein Problem bereits viel eher hier geschildert. Das hätte mir die eine oder andere unentspannte Aufnahmesituation erspart…

Nochmals ein dickes Dankeschön für die Hilfe und die Zeit, die ihr euch genommen habt.
Nun freue ich mich schon sehr auf den nächsten Podcast.


#13

Wie kann man nur so nett und hilfsbereit sein wie Du, @rstockm!?
Das ist jedesmal sooo toll, das zu lesen oder Deine Erklär-Videos zu sehen!
Heutzutage und gerade im Netz laufen ja viel mehr ganz andere Leute rum. Ich finde Deine Art echt vorbildlich.
Das musste mal gesagt werden! :smiley:
< / wortzumsonntag > :joy:


#14

Alle staunen und die Ultraschall-Ultras gähnen nur Müde :joy:


#15

Ohne Witz, Ralf, das ist pures Internet-Gold! Ich glaube, ich setze mir den Beitrag hier mal als Startseite – und zwar so lange, bis ich das mit dem Ultraschall-Routing endlich mal komplett geblickt habe.

Danke für die /r/explainlikeimfive/-Erklärung! <3