FAQ: Kann ich die Latenz meines USB-mikros reduzieren?


#1

Ich habe eine Frage an das verehrte Forum.
Als Mikrofon nutze ich derzeit das Samson G-Track USB.
Zu USB-Mikros habe ich hier gelesen, dass sie eine kleine Latenz haben. Bei mir klingt das wie ein etwas längerer Hall. Kann ich das in irgendwie noch reduzieren?

Vielen Dank für die Gelegenheit, hier Fragen stellen zu können.

Cheers, michael


#2

Zunächst mal die Frage: Aus welchem Grund brauchst du denn eine niedrige Latenz bzw. wie hast du bemerkt, dass die Latenz zu hoch ist?

Falls du Monitoring über USB machen möchtest (also dein Mikrofonsignal abhören möchtest): Lass das lieber. Das Samson G-Track hat einen eingebauten Kopfhöreranschluss für latenzfreies Monitoring.

Aber um deine Frage zu beantworten: Ja, man kann die Latenz reduzieren, indem man den Buffer (die “Block Size”) reduziert. Dadurch wird das Signal aber auch viel störanfälliger. Wenn sich irgendwo in deinem USB-Stack irgendwas aus irgendeinem Grund verschluckt, hast du sofort Knacken und andere Störgeräusche. Daher am besten das Runterstellen der Block Size vermeiden soweit möglich. Bzw. nur so weit runterstellen, wie du auch nach langen Tests keine Störgeräusche bemerkst.


#3

Hallo Lukas,
der Hall stört mich, besonders wenn ich etwas schneller spreche.
Daher spreche ich unbewusst manchmal langsamer, als ich es möchte. (Ich spreche tendenziell sowieso langsam.)
Der Kopfhöreranschluss am Samson klingt sehr metallisch und ich höre dann weder die Effekte noch die anderen Spuren, z. B. die Musik.
Wo könnte ich denn die Blocksize testweise runterstellen?
.


#4

Du kannst selbstverständlich alles in Reaper auch auf diesen Kopfhörerausgang am G-Track routen.


#5

Dein Setup hört sich sehr abenteuerlich an. Denn wenn ich dich richtig verstanden habe, schickst du das Signal vom Mikro einmal komplett durch die DAW (inkl. aller Effekte) und dann einmal komplett zurück auf deine Kopfhörer.

Da ist die USB-Latenz das kleinste Problem. Du wirst eine deutliche Verbesserung bemerken, wenn du testweise die Effekte ausschaltest.

Aber wie gesagt: So ein Setup kann nicht die Lösung sein. Beim Monitoring musst du dich wohl mit dem metallischen Sound begnügen (das dürfte halt einfach der Sound ohne Effekte sein).

Bei REAPER in den Einstellungen unter “Audio” -> “Device”. Bspw. mal 128 statt 512 probieren. Aber pauschal empfehlen würde ich das nur bedingt, da ich dein Setup nicht kenne.


#6

hm. Das ging ja peinlich einfach.

DANKE


#7

Hallo Lukas,
bestimmt habe ich mich mit den Effekten unklar ausgedrückt.
Ich meine den VST: ReaEQ, den ich standardmäßig einschalte.
Oder besser nicht?


#8

Hm. Ich versuche hier nochmal etwas Grund rein zu bringen…

Das wäre mir neu, dass es das hier irgendwo im Sendegate zu lesen gibt :slight_smile: vielmehr ist es so, dass USB-Mikros die größte Latenz überhaupt mitbringen. Allein der USB-Stack selbst kommt bei einem Roundtrip nicht unter 5ms. Aber: zumeist ist es schnell genug. Generell empfohlen werden aber USB-interfaces mit “normalem” Mikro dran, oder aber USB-Mikros die zumindest ein lokales Monitoring mitbringen, bei dir der Fall.

Generell ist hier immer dieses Video einschlägig, damit man erst mal versteht, welches Echo man eigentlich warum wo hört und was man dagegen tun kann im Routing:

Das kommt ganz darauf an. Den hier erwähnten ReaEQ habe ich etwa mit 0,1 ms gemessen - der ist also völlig unschädlich für Monitoring. Der Dynamics hingegen schaufelt mal eben 8ms drauf - da er eben etwas “in die Zukunft” schauen muss.

Normalerweise wäre die Herangehensweise, das Effekt-Feintuning erst nach der Aufnahme im Mastering zu machen - und eher “clean” aufzunehmen. Im Mastering spielt dann Echo natürlich keine Rolle mehr.


#9

Mit “eine kleine Latenz haben” meinte ich “Ich weiß schon, dass sie Latenz haben. doch die sollte die Aufnahme doch nicht so stark behindern, wie ich es gerade erlebe,´” Rechtfertigungsmodus: aus

Das mit der cleanen Aufnahme ist ein hilfreicher Tipp. Mal wieder ein Danke von Essen nach Berlin .


#10

Wie bereits erwähnt:

  • Deine Aufnahmespur NICHT auf den Ausgang des G-Track routen, sondern dort direkt abgreifen
  • Lediglich das Soundboard/die Musik auf den Ausgang des G-Track routen

Wenn du deine Stimme(n) nicht über Reaper/USB, sondern direkt über dein Audiointerface abhörst, musst du ein bisschen besser aufpassen, dass die Spuren bei der Aufnahme auch “scharf” geschaltet sind, weil du sie im Zweifelsfall ja nicht hörst. Aber das ist ein geringer Preis für ein absolut latenzfreies Monitoring. :slight_smile:


#11

Ganz gleich, wo Du es gelesen haben willst: Diese Information ist grundlegend falsch.

Die von Dir angesprochene Latenz entsteht tatsächlich durch den Weg …
Mikrofon > A/D-Wandler > DAW inkl. Effekte > D/A-Wandler > Kopfhörer.
Da kann das Mikrofon erst mal gar nichts für, denn die Latenz entsteht auf dem bzw. durch den Hin- und Rückweg.

Diese Latenz lässt sich natürlich verringern, aber nicht vollständig aufheben. Die einzige Möglichkeit ist das sog. direct monitoring, d,h. Abhören am Aufnahmepunkt = direkt am Mikrofon, wenn dort eine Buchse vorhanden ist bzw. am Mischpult oder am Audio-Interface.

Nachteil dieser Methode: Live-Effekte der DAW kann man so nicht hören.

Bleibt man bei der Aufnahmekette mit dem Abhören hinter allen Live-Effekten der DAW, so entsteht diese Latenz grundsätzlich, ganz unabhängig von der eingesetzten Hardware.
Merke: Es liegt nicht am Mikrofon.

In Audacity gibt es eine Latenzkorrektur (die errechnete Verzögerung wird herausgerechnet) und ich denke, dass andere Programme das auch beherrschen.

Das Phänomen an sich ist nicht neu: Schon zu Tonbandzeiten gab es die Hinterbandkontrolle (siehe dort).
Es war schon damals eine (äußerst harte) Sprecherübung, dem Sprecher das Hinterbandsignal auf den Kopfhörer zu schicken, so dass er gegen sein eigenes Echo ansprechen musste. Ein gutes Argument für direct monitoring.


#12

Der Grund, weswegen manche die Latenz des Signalweges in Kauf nehmen und/oder sehr viel Mühe und Geld investieren, um diese Latenz so gering wir nur irgend möglich zu halten ist der, die Aufnahme, und nicht den/die Sprecher selbst hören zu können. Das mag verwirrend klingen, ist aber ein signifikanter Unterschied. Hört man sich die Aufnahme selbst an (Hinterbandkontrolle), kann man sicherstellen, dass auch tatsächlich etwas aufgenommen wird. WYHIWYG (what you hear is what you get) sozusagen. Nutzt man das direct monitoring, eliminiert man den Signalweg und somit die Latenz, kann sich bei der Aufnahme aber höchstens auf optische Pegelanzeigen verlassen. Wenn man es provokant ausdrücken möchte ist direct monitoring quasi ein günstiger Weg nicht in leistungsstarke, teure, latenzarme Hardware investieren zu müssen.