FAQ: Einsprechen von Skripten mit Ultraschall

Meine bisherige Erfahrung mit Reaper/Ultraschall ist die, dass fast alles irgendwie gemacht werden kann, man muss sich nur tief in irgendwelche Einstellungen reingraben. Deshalb hier mal ein Schuss ins völlig Blaue: Ich werde bald für ein Projekt ein Skript einsprechen und das in Ultraschall machen. Jetzt kommt es beim Einsprechen ja immer wieder zu kleinen Haklern oder einfach dem Punkt, dass man einen Satz nochmal machen möchte.

Ich habe in anderen DAWs gesehen, dass manchmal die unterschiedlichen Versionen eines eingesungenen Parts untereinander als einzelne Spuren liegen und man sich so die eine wählen kann, die einem am besten gefällt. Zum Beispiel hier ab 9:11:

Hat den Vorteil, dass ich nicht in der horizontalen ständig Schnipsel rausschmeißen, verschieben usw muss, sondern höchstens kleinere Anpassungen nötig sind.

Gibt es ein Setup in Ultraschall, dass diese Aufnahmevariante unterstützt? Bei dem ich einen Punkt festlegen kann, bei dem eine neue Aufnahme startet und jedes “Record”-Drücken automatisch einen neuen Track an besagter Stelle startet? Oder eine andere Variante?

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Das Feature fände ich auch sehr, sehr interessant! Ich spreche viel vom Prompter ein und wenn ich mich verspreche, wäre so eine „Zurück zum letzten Item“ super, auf Knopfdruck wird ein Neues item gestartet.

Das geht natürlich alles. Lasst mir heute Abend mal Zeit bis die Kinder schlafen, also so gegen 02:00 Uhr :woozy_face:

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Bitte nicht stressen, ist nicht zeitkritisch. Danke schon mal!

Es gibt das Takes-Feature in Reaper, das für sowas gedacht ist. Es ist etwas ungewöhnlich zu benutzen. Gibt vielleicht nen Video zu von Kenny Gioia auf Youtube.

Edit: https://youtu.be/ilX2FOyu_Ts

Ist vielleicht nen guter Start. Ralf wird dann noch Ultraschall spezifisches hinzufügen.

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Sowas hätte es beinahe in Ultraschall 4 geschafft, scheiterte(noch) an Feinheiten durch Reaper selbst, die ich noch nicht unter Kontrolle habe.
Kommt aber noch.

Einsprechen steht jetzt nächste Woche an. Falls also jemand kurz Zeit hat für eine Ultraschall-spezifische Anleitung (muss ja auch nicht immer @rstockm sein), wäre das super nett. Ich hab das Video von Kenny schon angesehen, aber noch nicht nachgestellt in Ultraschall, muss ich zugeben.

Dann nutz am Besten die Chance Dich noch mit dem Takes-Feature vertraut zu machen. Was Besseres wird derzeit nicht zur Verfügung stehen, denke ich.
Ist auch wichtig es etwas zu kennen, weil es im Detail so seine Eigenheiten hat, über die Du nicht erst in der Aufnahme stolpern willst.

Ich hatte mir das schon angesehen, und der Workflow ist recht einfach. Ich schreibe da heute Abend was zu.

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So, hier mal ein Vorschlag. Grundsätzlich nutzt man das Verfahren der “Takes” - die haben in der Musikproduktion folgenden Ursprung: man spielt im Song eine Stelle immer wieder im Loop ab, und etwa der Gitarrist spielt immer wieder ein Solo drüber und variiert. Aus den zig Varianten werden dann die besten Sequenzen ausgewählt. Bekanntes Beispiel: das Solo von “Beat it” ist aus drei Takes gebaut. Wenn Van Halen das Live spielt, ist es eher peinliche Matschepampe:

Wir nutzen nun die Takes, um eine schlecht/falsch gesprochene Passage zu korrigieren, ohne dafür etwa eine neue Spur einsetzen zu müssen.

Normalerweise wollen wir das beschriebene Verfahren gerade nicht haben. Sogar so sehr nicht, dass ich dafür extra einen Soundcheck gebaut habe der darauf hinweist, wenn eine neue Aufnahme droht eine alte zu überchreiben.

Das erste was wir also tun: diesen Soundcheck deaktivieren:

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Dann gehen wir in unserer Aufnahme an die Stelle, wo die falsche Passage steht. Vermutlich oft am Ende, geht aber auch mittendrin. Wir starten in derselben Spur eine neue Aufnahme und korrigieren den Satz. Dann sieht es so aus:

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Wir sehen, dass innerhalb einer Spur zwei “Takes” entstanden sind, die auch automagisch unterschiedlich eingefärbt werden. Im Prinzip könnte man noch weitere einsprechen, die landen dann als weitere Takes darunter.
Man kann nun einfach mit einem Klick festlegen, welcher Take gerade “aktiv” ist und zu hören ist (nicht vergessen, das Routing auf Schnitt umzuschalten):

takes1

Wenn man sich entschieden hat, welche Version die beste ist, selektiert man den Take und wählt dann im Kontextmenü “Crop to active take” aus:

Praktischerweise gibt es da gleich einen Shortcut:
alt+shift+t

Danach sieht es so aus:

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Jetzt kann man das Ganze weiter aufhübschen, indem man die “halben” Spuren auch jeweils mit dem Shortcut behandelt. Man kann es aber auch einfach so stehen lassen, klangtechnisch ist das kein Unterschied. Behandelt sieht es so aus:

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Und hiermit stellt man die Take-Farben auf die Spurfarbe zurück:

Und wenn man alle Spuren “verschleiern” möchte führt man die Items wieder zu einer einzigen zusammen:

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Das Endresultat:

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Es ist jetzt etwas Geschmacksache, wie viel “Aufräumen” man machen möchte. Entscheidend ist nur der erste Crop auf den richtigen Take.

Noch übersichtlicher ist es, wenn man eine Korrektur nicht am Ende, sondern irgendwo mittendrin einfügt - dann sieht es so aus:

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Und nach dem Crop:

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Wenn man die Haare schön hat, kriegt man das Solo auch in einem Stück durchgespielt:

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Der Typ mit den Haaren spielt im vierten Teil nicht das Originalsolo! Die beste Annäherung an das zugegeben zusammengestückelte Solo von Michael Jacksons Thriller ist das hier https://www.youtube.com/watch?v=1EvYlxOQ6vQ Das müssen halt Bendings sein.

Und wenn ich es mir recht überlege, müsste er in der letzten Tapping-Sequenz nach der G-Dur/C-Dur-Sequenz noch in einen D9 gehen, bevor das Tremolo aufwärts in E-moll kommt. Loser!

Beweis hier https://www.youtube.com/watch?v=uHgLncHGZR8

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Haha, grandios. Also sowohl die Anleitung als auch die Videos des Solos. Danke!

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