[erledigt] Hochpass-Filter (Lo-Cut, High-Pass) als Datenschutzfeature?

Eine etwas (themenfremde?) Frage: Ist der Hochpass-Filter ein Datenschutzfeature?

Hintergund: Ich habe 2011 folgende Absätze in einem Artikel gelesen:

Das Bayerische Landeskriminalamt speichert nach eigenen Angaben seit letztem Jahr rund um die Uhr die „Frequenz“ des europäischen Stromnetzes. Nach Ansicht der Ermittler ergeben die lastbedingten Schwankungen in der Stromversorgung einen „Zeitstempel“.

Dieser Zeitstempel soll sich etwa auch auf Tonspuren von Videoaufnahmen finden, in Form eines normalerweise nicht hörbaren Brummens. Die Momentaufnahme des Frequenzbilds soll also so was sein wie ein Fingerabdruck. Hierdurch lasse sich feststellen, wann eine bestimmte Aufnahme gemacht worden ist. Das geht angeblich sogar dann, wenn eine Videokamera gar nicht am Stromnetz hängt, sondern per Akku betrieben wird. Oft reiche der Ton, der von anderen Elektrogeräten im Raum ausgeht, um die Schwankungen in der Frequenz zu messen.

Nun liegt die Stomnetzfrequenz in Deutschland bei 50Hz. Wenn ich nun einen Hochpass-Filter auf z.B. 80Hz bei Audioaufzeichnungen einsetze, müssten doch die 50Hz Schwankungen weggefiltert werden, oder? Die Stimme wäre im Zweifel zwar noch identifizierbar (Stimmanalyse), aber immerhin wäre der Zeitstempel nicht mehr gegeben. Dies wäre z.B. für investigative Field-JournalistInnen ein nützlicher Hinweis.

1 Like

Nein, da ein Netzbrumm nicht nur 50Hz sondern auch sehr viel Obertöne enthält (100Hz, 150Hz, 200Hz, 250Hz, …) - das kann sich durch das ganze hörbare Spektrum ziehen.
Dadurch sind Netzbrumms auch sehr schwer rauszufiltern …

1 Like

seufz - trotzdem Danke für die schnelle Antwort! :thumbsup:

Bei der Ligo-Auswertung sieht man das Netzbrummen selbst bei so einem Hochleistungsinstrument ziemlich gut: Bei 60Hz, 120Hz, 180Hz, … (steht in Amerika mit 60Hz Netzfrequenz).

Wenn man aber auf Batterie arbeitet und nicht gerade den strahlenden Monitor, summendes Netzteil oder Rechner daneben hat, so wird es schon schwer auf den Hauptfrequenzen etwas zu finden- wenn man dann einen sehr steilen Hochpass und selektiv die ersten Vielfachen ausfiltert, so wird es äußerst schwer, aus den Daten noch etwas sinnvolles herauszuholen- es sei denn, man zeichnet mit mehr als 16bit auf. Oder wer mit 192kHz statt 44kHz aufzeichnet, hat übrigens auch gute Chancen das DCF77(kHz) Langwelle Funkuhr-Signal mit aufzuzeichnen. =)

Das Verbergen der Information ist aber nur eine Methode- man kann ja auch selbst ein deutlichereres Netzbrummen einer anderen Zeit einspielen, oder das auszuwertende Brumm-Signal durch minimale Geschwindigkeitsvariationen völlig verzerren (aber Achtung bei Vorhandensein anderer Pilottöne, die eine Rekonstruktion der Verzerrung ermöglichen).