Am 13. Mai wurde im Großen Sendesaal des RBB in Berlin der erste Deutsche Podcast Award verliehen. Vorab: Herzlichen Glückwunsch an alle Ausgezeichneten. Die Leistungen hinter vielen der preisgekrönten Formate sind real.
Aber ich möchte ein paar Dinge ansprechen, die mich beschäftigen – als jemand, der selbst einen Podcast eingereicht hat und die Entwicklung dieses Awards von Anfang an verfolgt.
Hintergrund
Der Deutsche Podcast Award ist kein völliger Neustart. Er ist der Nachfolger des Deutschen Podcast Preises, der von 2020 bis 2024 vergeben wurde und dann eingestellt wurde, weil es laut Veranstalter nicht gelang, „ausreichend Partner aus der Podcast-Szene für das Format zu gewinnen.“ Seit Januar 2026 führt das Medienunternehmen We Are Era – eine Tochter der RTL-Gruppe – den Award fort, mit neuem Namen und deutlich erweitertem Rahmen: 24 Kategorien, über 2.000 Einreichungen, rund 800 Gäste, 60-köpfige Jury.
Das klingt beeindruckend. Und das Event war es wohl auch.
Was beim Vorgänger schon kritisiert wurde
Ich empfehle, kurz in den Wikipedia-Artikel zum Deutschen Podcast Award zu schauen. Dort ist dokumentiert, was dem früheren Deutschen Podcast Preis regelmäßig vorgeworfen wurde: die Bevorzugung großer, kommerziell erfolgreicher Produktionen, die Vernachlässigung kleiner und unabhängiger Formate, Intransparenz im Juryprozess und der Einfluss der institutionellen Partner. Diese Kritik ist nicht neu – sie war strukturell, und sie war berechtigt.
Die Frage ist: Hat der neue Award daraus Konsequenzen gezogen?
Was ich beobachte
Die Initiatoren und Partner des neuen Awards sind: RTL+, Spotify, Amazon Music, ARD, Deutschlandfunk, Acast, Podimo, Seven.One Audio. Das sind – mit Verlaub – genau die Akteure, deren eigene Produktionen oder Partnerformate in den Gewinnerlisten auftauchen. Dreifachgewinn für den Deutschlandfunk, Doppelgewinn für den NDR. Das muss keine Manipulation sein. Aber es ist eine Konstellation, die Fragen aufwirft, ob ein wirklich unabhängiges Urteil strukturell überhaupt möglich ist.
Der „Newcomer“-Preis ging an „Take me Späti“ mit Sara Arslan – einem Format, das auf der Veranstaltung selbst prominent präsent war. Ich werfe Sara Arslan gar nichts vor. Aber „Newcomer“ als Kategorie hat eine implizite Versprechung: Sichtbarkeit für das, was noch nicht gesehen wird. Ob diese Versprechung eingelöst wurde, darf jeder selbst beurteilen.
Was mich persönlich stört
In der Bestätigungs-E-Mail nach der Einreichung stand sinngemäß: „Natürlich melden wir uns auch bei allen, deren Podcasts es diesmal leider nicht in die Top 3 geschafft haben.“ Diese Meldung ist bis heute nicht angekommen – weder bei mir noch, soweit ich weiß, bei anderen.
Zwei Tage nach der Verleihung sind die vollständigen Gewinnerlisten auf der offiziellen Website noch nicht abrufbar. Wer wissen möchte, was in welcher Kategorie gewonnen hat, muss aktiv in Medienberichten suchen. Das ist kein Qualitätsmerkmal für ein Event, das sich als „zentrale Plattform für Sichtbarkeit und Anerkennung“ positioniert.
Wer das für kleinkariert hält: Kommunikation ist kein Bonus, sie ist Teil des Formats. Wer 2.000 Podcasts einlädt, Feedback verspricht und dann schweigt, hat ein Glaubwürdigkeitsproblem.
Was ich mir wünsche – und wozu ich diskutieren möchte
Ein Award, der beansprucht, die deutschsprachige Podcast-Szene in ihrer Breite abzubilden, müsste meiner Meinung nach:
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offenlegen, wie der Bewertungsprozess der Jury konkret aussah: Welche Kriterien galten? In welchem Umfang wurden Einreichungen tatsächlich gehört? Bei über 2.000 Einreichungen ist es schlicht unrealistisch anzunehmen, dass alle Audiosnippets sinnvoll analysiert wurden. Wenn das so ist, sollte man es sagen – und wenn nicht, sollte man erklären, wie das organisatorisch funktioniert hat. Sonst bleibt der Verdacht, dass andere, weniger objektive Kriterien – Bekanntheit, Reichweite, institutionelle Zugehörigkeit – früh im Prozess die entscheidende Rolle spielten.
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sicherstellen, dass Einreichende eine Rückmeldung erhalten – nicht nur als freundliche Zusage, sondern als verbindliche Praxis,
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strukturell unabhängig von den Interessen seiner Finanzierungspartner sein oder diese Abhängigkeit zumindest offen kommunizieren,
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in den Kategorien für Newcomer und unabhängige Formate konkret definieren, was als „unabhängig“ gilt.
Sonst läuft die Sache Gefahr, das zu werden, was der Vorgänger war: ein gut produziertes Event für die, die ohnehin schon da sind.
Wie seht ihr das?
(ja, bei diesem Text habe ich mir von Claude helfen lassen
)