"Clarify" von funk und Spotify

Funk, das Angebot für junge Leute von ARD und ZDF, hat in einer Pressemitteilung angekündigt, einen neuen Podcast namens “Clarify” exklusiv auf Spotify anbieten zu wollen:

Unter dem Motto „Große Themen, klare Worte” starten funk und Spotify das Projekt „Clarify”. Ab Dienstag, 1. August 2017, wird in acht Podcast- und Video-Folgen im Wochenrhythmus jeweils ein aktuelles Thema der Bundestagswahl 2017 diskutiert.
[…]
Der Podcast wird exklusiv auf Spotify verfügbar sein und erscheint immer am Dienstag.

Das öffentlich-rechtliche Sender ihr Angebot exklusiv bei einem Musikstreaming-Dienst anbieten, finde ich persönlich nicht in Ordnung. Aufgrund der Finanzierung durch Rundfunkbeiträge haben Sie aus meiner Sicht nicht die Freiheit wie privat-wirtschaftliche Anbieter, Nutzer anderer oder gar keiner Musikstreaming-Plattformen auszuschließen. Ich werde mal eine E-Mail an die Pressestelle schicken.

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Vermutlich werden sie sich damit rausreden dass die Podcasts ja jedem kostenlosen Spotify User zur Verfügung stehen.

Das exclusive Angebot auf Spotify widerspricht ganz klar Punkt 2.1 den Richtlinien von ARD&ZDF
(gefunden via https://www.funk.net/funk) und damit liegt das Angebot außerhalb von §11g des aktuellen RStV

Plattformen, die nach Funktionalität, Nutzerkreis und Reichweite vergleichbar sind, sollen gleich behandelt werden.

Damit widerspricht das Spotify-Angebot auch der Stellungnahme des ARD zur
Stellungnahme der ARD zur Beauftragungsnorm für das Junge Angebot (VI. Grundsätze der Nutzung von Drittplattformen):

Um die Inhalte des Jungen Angebots zu nutzen, bedarf es keiner Mitgliedschaft in sozialen Netzwerken oder einer Anmeldung bei Drittplattformen. Alle ARD/ZDF-Inhalte sind auch über die Homepage des Jungen Angebots erreichbar.

Äh, ja klar doch - mit Spotify geht das völlig ohne Anmeldung (hint: NICHT), und das “Enthält Werbung” im PlayStore ist bestimmt auch nur ein Missverständnis (widerspräche ja auch §11g(5)Satz4 des RStV) genau wie der Exclusiv-Deal durch den das Audio nicht von funk.net abrufbar ist (ruft nur Spotify auf statt das Audio anzubieten) …

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Sind Rechtsanwälte anwesend, die das mal prüfen und den Spotify-Exclusiv-Deal abmahnen könnten?

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Seufz, sie lernen es auch nie.

Ich habe gerade folgende Beschwerde an den SWR-Rundfunkrat geschrieben:

Das Jugendangebot funk plant gemeinsam mit Spotify einen gemeinsamen Podcast namens “Clarify”. Dieser soll am 01.08.2017 starten und nur auf Spotify abrufbar sein. Diese exklusive Verbreitung über Spotify widerspricht den Grundsätzen, die sich ARD und ZDF auferlegt haben.

In der Stellungnahme (vgl. http://www.ard.de/download/2045530/Stellungnahme__Beauftragungsnorm_fuer_das_Junge_Angebot.pdf) schreiben ARD und ZDF, dass “alle ARD/ZDF-Inhalte […] auch über die Homepage des Jungen Angebots erreichbar sind”. Der im Rundfunkstaatsvertrag formulierte Auftrag (§ 11g Abs. 5) spricht davon, dass eine Verbreitung außerhalb des eigenen Portals nur “zur Erreichung der Zielgruppe aus journalistisch-redaktionellen Gründen” erlaubt ist. Aus meiner Sicht ist maximal eine zusätzliche aber keine exklusive Verbreitung durch den Gesetzgeber gewollt. Es ist außerdem nicht klar, welche journalistisch-redaktionellen Gründen für eine exklusive Verbreitung sprechen.

Zu dem sollen die Drittplattformen laut Stellungnahme ohne Anmeldung nutzbar sein. Podcasts können bei Spotify nur nach einer Anmeldung abgerufen werden, die laut AGBs von Spotify erst mit 18 Jahren bzw. 14 Jahren mit Einverständnis der Eltern erfolgen darf. Damit wird ein Teil der Zielgruppe von funk ausgeschlossen, außer ein Einverständnis liegt vor und das ist vor allem bei einem Format für politische Bildung wie “Clarify” grenz wertig und.

In einer gemeinsamen Pressemitteilung wird die Zusammenarbeit, die auch über die eigenen Blogs von funk und Spotify erfolgen soll, beworben. Diese Bewerbung widerspricht auch den Grundsätzen aus der Stellungnahme von ARD/ZDF (“Hinweise auf Drittplattformen erfolgen in sachlicher, nicht werbender Form, um einen […] unnötigen Promotionseffekt zu vermeiden”). Zu dem ist für mich offen, wie weit diese Kooperation mit Sponsoringverbot im RStV (§11g Abs 5. Satz 1) vereinbar ist.

Aber vor allem finde es bedauernswert, gerade auch als junger Mensch (25), der auch noch in Zukunft ein freies Internet nutzen möchte, dass die bei Audio-Podcasts vorhandene offene Kultur der Standards und Plattformen, die es ja bei Videos leider nicht mehr gibt, durch so eine exklusive Verbreitung missachtet wird. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich dafür einsetzen, dass ihre Nutzer_innen ihr “Empfangsgerät” selbst aussuchen können und mündig sind.

Ich bitte Sie daher das Angebot zu prüfen und die exklusive Verbreitung einzustellen.

Kann jeder hier machen.

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Guter Text, allerdings ist diese Bedingung nicht erfüllt, oder?

Eine förmliche Programmbeschwerde muss sich auf eine bereits ausgestrahlte Sendung oder einen bereits gesendeten Beitrag beziehen.

Ich bin in jedem Fall auf die Antwort gespannt, die sich bei einer Programmbeschwerde meines Wissens hinziehen kann.

Davon steht nichts im SWR-Staatsvertrag:

Jede Person hat das Recht, sich mit einer Beschwerde an den SWR zu wenden. Die Beschwerden sind innerhalb einer Frist von zwei Monaten schriftlich unter Angabe der wesentlichen Entscheidungsgründe zu bescheiden.

Aber ja, man kann sich nur über Inhalte beschweren, die ausgestrahlt wurden und somit auch gesehen hat. Hier geht es ja um eine allgemeine Verletzung des Rundfunkstaatsvertrags.

P.S.: Das ZDF ist natürlich auch zuständig und hat auch ein Formular.

Ich wurde gerade vom SWR angerufen. Da wurde die “Programmbeschwerde” als “Programmkritik” (weil wirklich noch keine Sendung stattgefunden hat) eingestuft und diese wird ans ZDF verwiesen, weil das intern für “Clarify” bei funk zuständig ist (The Magic of Gemeinschaftseinrichtung). Soweit das Formale.

Zum Inhalt: Mir wurde gesagt, dass Clarify “ganz sicher auch” auf der funk.net-Seite ausgespielt wird. In welcher Form konnte nicht gesagt werden. Also dran bleiben.

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Tatsächlich gibt es auch bereits das funk-Podcastformat “Gute Arbeit Originals” auf Spotify, gleichzeitig aber auch auf SoundCloud und iTunes. Auf funk.net konnte ich bislang keine Audioformate finden, oder übersehen ich da etwas?

Ich glaube, dass die Webseite von funk einfach komplett kaputt ist. “Binge Boys” ist auch von funk und auf deren Profil auf funk.net gibt es NULL in Zahlen 0 Links zum Abonnieren. Die Seite kann scheinbar Videos, aber Audio findet wohl nur über Soundcloud statt. Aber warum man es nicht schafft wenigstens Links zu setzen ist mir ein absolutes Rätsel…

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Ich wurde heute auf Twitter darauf hingewiesen, dass Clarify zwar eine Kooperation zwischen Spotify und Funk sei, der Audio-“Podcast” aber im Auftrag und mit Geldern von Spotify produziert werde (die Produktion übernimmt detektor.fm). In der Pressemitteilung ist das auch recht deutlich formuliert. Da heißt es:

Ein von Spotify produzierter Podcast erscheint jeweils dienstags parallel zu den Videos von funk.

und

Für die Produktion von „Clarify: Große Themen, klare Worte” beauftragten Spotify detektor.fm (Audio) und funk Hyperbole (Video).

Ich habe mich dann gewundert, weil ich mich nicht an diese Formulierungen erinnern konnte, die dem Vorwurf ja ein Stück den Wind aus den Segeln nehmen. Ein Blick ins Internet Archive zeigt aber: Funk hat die Pressemitteilung geändert. Am 25.07. lauteten die Passagen:

Der Podcast wird exklusiv auf Spotify verfügbar sein und erscheint immer am Dienstag.

und

Für die Produktion von „Clarify: Große Themen, klare Worte” beauftragten Spotify und funk detektor.fm (Audio) und Hyperbole (Video).

Die Änderungen sollen anscheinend deutlich machen, dass unter dem Projektnamen Clarify zwei unterschiedliche Formate erscheinen, die auch getrennt finanziert werden. Die Kritik muss also zumindest angekommen sein. Wenn es stimmt, dass der Podcast und die Videos klar getrennt finanziert werden, finde ich die Exklusivität bei Spotify zwar immer noch schlecht, aber es ist tatsächlich eine andere Situation. Trotzdem ist es für Außenstehende nicht deutlich, weil der Name den Anschein weckt, es halte sich um ein Projekt der gleichen Produzenten.

In jedem Fall finde ich die Kommunikationspolitik sehr schlecht, so etwas einfach ohne Hinweis zu ändern und nicht auf Kritik zu antworten (zumindest meine Mail ist bis jetzt nicht beantwortet).

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Wenn das so ist, dann hat mich der freundliche Herr vom SWR entweder belogen oder die Sache wurde ganz schnell noch glatt gezogen. Wobei das immer noch eine Buckelpiste ist die Kooperation.

Im Cover von Clarify ist das funk-Logo und auch die Beschreibung bei Spotify spricht von “Visa Vie spricht für Spotify und funk”. Da wird niemanden klar, dass diese Produktion einzig und alleine von Spotify finanziert und verantwortet wird. Es wirkt und ist wie eine Gemeinschaftsproduktion vorgestellt.

(Da scheinbar gerne Dinge ohne Kommentar geändert werden, jetzt mal mit Screenshot)

Was für ein komisches Gemauschel.

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Oder - nur mal als Alternative angedacht - viele Leute, die da zusammenarbeiten und nicht immer alle Regeln im Blick haben…

//D

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Genau, und am Ende werden dann immer die Praktikanten vorgeschoben, die das alles verbockt haben. Sorry, aber in 2017 erwarte ich da vom ÖR ein wenig Fingerspitzengefühl und vor allem mal eine nachhaltige, eigene Strategie.

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Ich plädiere nur mal dafür die Kirche im Dorf zu lassen.

  1. stellt sich raus, dass es anders aufgesetzt war als wir es initial verstanden haben.
  2. reagieren und korrigieren die Verantwortlichen ganz offensichtlich Fehler und
  3. arbeiten überall nur Menschen.

Bevor wir also Fackeln anzünden und Gemauschel unterstellen bin ich dafür positive Absichten zu unterstellen.
Davon abgesehen ist zu vermuten, dass wir gerade die einzigen sind, die in dieser Sache dieses Fingerspitzengefühl einfordern. Das ist sicher gut, heißt aber auch, dass wir ihnen zugestehen müssen, dass sie sich korrigieren wenn sie daneben greifen.

Ich nehme jedenfalls nicht an, dass die Funk Mitarbeiter ihren Tag damit zubringen darüber nachzudenken wie sie die Podcastszene gegen sich aufbringen oder gegen rechtliche Regeln verstoßen können.

//D

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Ich würde da auch kein “Gemauschel” annehmen, aber wenn @rstockm Fingerspitzengefühl fordert ist das schon wichtig und richtig. Wenn das alles nur ein Versehen ist und da eben nur Menschen arbeiten etc. ich nehme an dass das alles so wahr ist. Aber eigentlich wünschte ich, dass ein Bewusstsein dafür herrscht, was Plattformen sind und was “exklusiv” bedeutet und dass das keine guten Dinge sind.
Ich finde es ja auch schlecht, wenn Inhalte nur bei Youtube verfügbar sind und da gibt es nicht einmal eine Schranke wie ein Konto, trotzdem wäre es besser wenn Leute/Firmen/Organisationen ihre Videos für die Reichweite auf YT schöben und für “alles andere” (Verfügbarkeit, Datenhoheit etc.) auf ihr eigenes Mediagoblin oder wenigstens eine zweite Plattform.

Naja ich schweife ab: funk ist mir insgesamt zu sehr auf Plattformen ausgerichtet, sie wollen in Spotify sein und sie wollen in Instagram sein und sie wollen in Snapchat sein und sie wollen… ach was weiß ich. Ich meine nur dass das ein gefährlicher und nicht wünschenswerter Weg ist und man daher noch drölf mal so genau aufpassen muss… Fingerspitzengefühl eben.

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Hier ist übrigens die E-Mail vom 1. August, die ich als Antwort auf meine Anfrage an die Funk-Pressestelle erhalten habe:

Lieber Jonas,
entschuldige die späte Antwort von uns. Auch uns liegen Podcasts am Herzen und bei unseren eigenen arbeiten wir momentan an der Darstellung auf unserer Webseite. Neue Podcasts starten von unserem Server und können via RSS abonniert werden wie beispielsweise „Talk ohne Gast“.
Jetzt aber zu „Clarify“: Es ist eine gemeinsame Aktion von Spotify und funk. Spotify hat das Format entwickelt, funk hat die Idee für den Webvideobereich adaptiert. Das Angebot von funk beschränkt sich ausschließlich auf die Videos. Die Kooperation mit Spotify ermöglicht funk, unter dem Titel „Clarify“ Webvideos für die eigenen funk Plattformen (funk.net und Social-Media-Accounts) zu erstellen. Die auf Spotify angebotenen Podcasts zu den jeweiligen Videos sind kein Angebot von funk. Die Podcasts werden von Spotify selbst produziert, finanziert und verantwortet. Da diese Aufteilung in dem Ankündigungstext nicht klar genug gekennzeichnet war, haben wir darauf reagiert und sie angepasst. Dabei soll es keine Verheimlichung sein – ganz im Gegenteil, sondern wir reagieren auf das Feedback und nehmen es auf.
Liebe Grüße,
das funk Team

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