Bestes Aufnahmeprogramm?

Hallo zusammen,

ich nehme schon immer sämtliche Audiosachen mit Audacity auf. Bin bisher auch ganz zufrieden damit gewesen, aber so richtig mega ist das Programm auch nicht. Vor allem ist es schwierig, Plugins zu benutzen. Ich lese hier von diversen anderen Programmen, die ihr zum Aufnehmen nutzt und mir wird ganz schwindelig bei dem ganzen Angebot. Könnt ihr mich mal kurz briefen, welche eure Aufnahmeprogramme sind und was die Vor- und Nachteile sind? Nur kurz, damit ich einen etwas besseren Überblick bekomme.

Viele Grüße,
Kai

Wenn Audacity wegschmiert, sind die Daten meist kaputt, da das in einem wilden Nicht-Standard-Format aufnimmt.

Unter Linux ist Ardour als vollständige ist schon sehr mächtig und IMHO auch gut bedienbar, so dass ich damit glücklich bin. Die Mächtigkeit spiegelt sich aber auch entsprechend in der Bedienung, die für DAW-Laien nicht immer sofort offensichtlich ist (ähnlich wie auch bei Reaper-ohne-Ultraschall).

Die üblichen Plugins sind recht gut, inzwischen meist auch mit ansehnlicher LV2-Oberfläche (gerade die Calf-Plugins) - und lassen sich nicht nur sehr übersichtlich in den Kanalzug einschleifen (teils sogar in die Oberfläche integriert), sondern bei Bedarf auch “wild” verkabeln (was ich aber nur seltenst überhaupt brauche). Auch die Integration des 'drunterliegenden JACKD ist kaum noch sichtbar.

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  • Audacity – Destruktiver minimal-Editor. Kann man beherrschen, aber bei Problemen ist schnell mal alles kaputt.
  • Reaper – non-destruktive DAW für Musik, kann alles was man will, bisschen kompliziert, 69€ (oder ewige Testlizenz)
  • Reaper mit Ultraschall – Audio-Unterbau von Reaper, GUI für Podcastende oben drauf, kann alles und man kann es bedienen, wird regelmäßig um großartige Funktionen erweitert. Der Goldstandard im Sendegate. Benötigt Reaper mit Lizenz (oder ewige Testlizenz)
  • Garage Band – Einsteiger DAW für Mac User. Optimiert für Musik, kann das meiste, was man für Podcasts braucht. Kostenlos.
  • Hindenburg – Beliebt bei Journalisten und Radiomacher:innen. Besonders gut für gebaute Beiträge, kann gut chapter marks in m4a (danke, @Joey für den Hinweis), kann kein StudioLink. Kostet einige Euros
  • Ableton/Logic/Audition – Professionelle, teure DAW. Die Kanonen, mit denen man auf den Spatzen namens Podcast schießt. Kosten viel Geld, können alles (mehr als man für Podcasts je braucht). Nur sinnvoll für Leute, die diese Software ohnehin benutzen.

Das war so die grobe Übersicht. Ich nutze Reaper+Ultraschall und es ist die perfekte, umfassende Lösung für Podcasts. Tu Dir einen Gefallen und lass Audacity links liegen und steig um auf eine non-destruktive DAW, am besten Reaper+Ultraschall. Dazu gibt es hier einen Haufen Tutorials.

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Besten Dank! Also da klingt doch Reaper mit Ultraschall echt am passendsten. Das schaue ich mir mal in Ruhe an. Danke noch mal! Ja, dass die Sache bei Audacity kaputt gehen können, das verursacht bei mir auch Magenschmerzen während eines längeren Einlesens von Texten zum Beispiel. Etwas mehr Sicherheit wäre da schon ganz gut. Und das non-destruktive Arbeiten sollte eigentlich Standard sein. Dass es das bei Audacity nicht gibt, wunder mich.

Kapitelmarken in .m4a Podcasts ist eine Stärke und fast ein Alleinstellungsmerkmal von Hindenburg. Hindenburgs Schwäche ist, neben dem erwähnten Preis, z.B. die fehlende Unterstützung des StudioLink Plugins.

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Reaper+Ultraschall ist deswegen einfach eine wirklich gute Sache, weil sie direkt von Personen gepflegt und weiterentwickelt wird, die den Anforderungen der Podcasterinnen entspricht. Also den workflow unter Berücksichtigung von notwendigen Anforderungen (Remote-Aufnahmen, Kapitelmarken, usw.) gerecht wird. Die Entwicklerinnen verstehen sowohl was von der Integration auf verschiedenen Systemen was, wie auch der Lösung bei Problemfällen - egal ob durch die software, das System oder die Hardware bedingt. Es gibt gute Anleitungen, die Aufnahmen von Audio insgesamt in den Kontext setzt. Mir hat alles hier sehr geholfen, um mehr über Tontechnik zu verstehen, den Weg des Schalls nachvollziehen zu können und grundsätzlich mehr über Hardware zu erfahren.

Für mich ist also die Anwendung von Ultraschall aktuell nicht nur das Maß der Dinge für die Bearbeitung, sondern auch viel zu lernen, da ich hier direkt mit Entwickler*innen in den Austausch gehen kann.

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Ich finde mein Schaubild dazu immer noch ganz hilfreich:

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Bei Ableton liegt der Schwerpunkt eher auf Looper und Live-Performance.

Logic ist so Apple-only, dass ich da kaum was zu sagen kann. Aber Schwerpunkt Muikproduktion, also eine klassische DAW.

Adobe Audition ist ein Hybride zwischen destructive und non-destructive. Mehr der Geschichte geschuldet (ehemals CoolEdit-Pro) denn aus der Praxis. Dafür seeehr abgehangen und gut für stark analog geprägtes Material.

Was @Joram sagte: nimm’ auf jeden Fall eine non-destructive DAW. NIchts schmertz mehr als ein WAV, das vor 3 Saves besser geklungen hatte…

Für den Schwerpunkt Prodcast-only gibt’s Ultraschall (Skin & Workflows für Reaper) und Hindenburg.

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Wenn Du Mac Nutzer bist dann kann ich Audio Hijack empfehlen:

Kostet schon ein paar Euro aber die Aufnahmemöglichkeiten sind irre: Du kannst direkt Browser abgreifen oder Skype oder Zoom oder so ziemlich jede App die Du willst. Du kannst z.B. deine Spur auch gleichzeitig als 24-bit WAV aufnehmen und als 16-bit Flac mit mehreren Plugins drauf (sagen wir gleich mal mit EQ und Kompressor usw.). Das Programm selbst ist nicht totzukriegen und die Aufnahmen selbst wären auch bei einem Abbruch noch ganz. Nutze ich seit vier Jahren mittlerweile und ist glaube ich das einzige Podcastertool mit dem ich absolut zufrieden bin (ok, ich vermisse 24-bit FLAC, aber das wars). Ich nehme z.B. immer mich auf als FLAC und meine Gesprächspartner als weitere Spur zur Sicherheit und zum Anlegen im Schnitt.

Ist aber wirklich eine reine Aufnahmelösung (und neuerdings zum Bereitstellen eines Live Streams). Zum schneiden sind die oben genannten Lösungen dann da.

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