Aufnahmekabine gesucht


#1

In ganz kurz: In der Wohnung neben unserer (in Stuttgart) wird ein Raum frei und wir wollen dort eine Sprecherkabine aufbauen. Heißt, wir sind auf der Suche nach einer günstigen Kabine, Tipps und Tricks für einen Aufbau.

Günstig heißt: Am liebsten die Aufnahme / Musikübe / was auch immer - Kabine, die bei jemandem im Keller steht und eh nicht mehr verwendet ist.

Jaja, ich weiß, wollen viele und so weiter. Aber naiv und hoffnungsvoll sein, hat mich schon sehr weit gebracht. Ich freue mich auf eure Kommentare,

Lächeln, Fabian.


#2

Wie groß muss die denn sein? Im Zweifel selbst bauen …
3 Speerholzplatten 2mx1m mit diesem Schaumstoff bekleben https://www.amazon.de/Akustikschaumstoff-als-Akustik-Noppenschaumstoff-PUR-Schaumstoff/dp/B007RD6NS6/ref=sr_1_5?ie=UTF8&qid=1511953999&sr=8-5&keywords=akustikschaumstoff
Dann noch 6 Kanthölzer die in der dicke der Sperrholzplatten eingekerbt sind, so dass Du noch Füße hast und fertig :thinking:


#3

Ich werde nicht müde, vor diesen Schaumstofflösungen zu warnen und Pyramidenschaumstoff als ultima ratio zu betrachten. Bei diesem Preis sollten so ziemlich alle Alarmglocken schrillen.

Mal abgesehen von dem zu erwartenden Geruch, den ihr nur schwer weg bekommen werdet, ist dieser Bau eine 1a Feuerfalle.
Grundsätzlich gilt: Praktisch jeder Schaumstoff ist brennbar.

Lasst euch bitte nicht von Pseudo-Klassifizierungen mit Brandausbreitungsraten ins Bockshorn jagen - diese verschleiern lediglich nur, dass das Zeug ordentlich brennt - die Frage ist nur, wie schnell oder langsam. Dass selbst bei einer nur langsamen Brandausbreitung giftige Stoffe (auch: Blausäure) frei werden, wird verschwiegen.
Bewusstlose Podcaster kommen aus ihrer Gaskammer - ja, das ist sie in dem Fall wirklich - blöderweise einfach nicht mehr raus.

Es gibt nur folgende große Unterschiede: Ist der Schaumstoff schwer, “normal” oder leicht entflammbar?
Hier hilft die DIN 4102 weiter; sie klassifiziert Baustoffe und Bauteile. Schaumstoffe fallen - fast! - ausnahmslos in die Klasse B3, leicht entflammbar. Die hingegen in jeder öffentlichen Veranstaltungsstätte vorgeschriebene Norm B1 (schwer entflammbar) gilt nur für wenige Akustikschaumstoffe wie z.B. Basotect®.oder eben entsprechende Stoffe.

Im vorliegenden Beispiel steht zum verlinkten Produkt lediglich:

Schaumstoff der Güteklasse R25/S44

Doch was heißt das?
Hierzu braucht es ein wenig Quer-Recherche, denn eine echte Klassifizierung stellt das m.E. nicht dar. Aber dann findet sich doch der Verweis, dass solche Schaumstoffe ein …

Brandverhalten flammhemmend nach MVSS302

… haben.
Das aber bedeutet nichts anderes, dass es - natürlich! - entzündlich ist und dies nur besagt, wie schnell sich die Flammen ausbreiten.

Beurteilung: Flammausbreitungsgeschwindigkeit über Meßstrecke, maximal zulässige Flammausbreitungsgeschwindigkeit 4 inch/min. (101,6 mm/min.)

(Quelle: http://www.hs-schaumstoff.com/informationen/technische-informationen/brandmethoden.html)

Klingt harmlos? Nun ja, also die Aussage “brennt maximal 10 cm pro Minute in einer Sprecherkabine” jagt zumindest mir Angst ein.

Und wenn es wirklich B1 wäre (bei dem Preis so gut wie undenkbar), dann würde das als echtes Qualitätsmerkmal auch hervorgehoben. Schaut euch einfach nur mal vergleichbare Produkte und Preise an.

Es gibt Polyurethan (PUR) durchaus in der Baustoffklasse B1 oder B2 - aber ich fürchte, dieser Link führt nicht dorthin. Diese Schaumstoffe sind mit flammhemmenden Stoffen versetzt (die ihrerseits wiederum wegen ihrer Toxizität kritisch bewertet werden).

Ja, ich gebe zu, dass Basotect® teuer ist (ich habe auch nur eine kleine Fläche damit abgedeckt), aber die andere Ecke rund um meinen Sprecherplatz habe ich mit Akustik-Molton (ja, B1, 500 g/m²) abgehängt. Tests haben sogar ergeben, dass es in meinem Fall auch normaler Molton getan hätte, aber in einer kleinen Sprecherkabine könnte das doch anders aussehen.
Und wer es nicht zappenduster haben möchte: Den Stoff gibt es sogar in cremefarben. :wink:

Für die Decke kann man ja eine Basotect®-Platte verwenden (Tipp: Breitkopf-Nägel sind besser als Kleber).

Auch wenn es für den Privatbereich keine Vorschrift ist: Finger weg von dem B3-Zeug!
Wer billig kauft, kauft … gefährlich.

Just my 5 Ct - es ist eure Gesundheit und euer Leben.


#4

Ich kann mich dem nur schließen. Wir haben uns damals als Band ein kleines Studio eingerichtet… Alles mit hochwertigem Akustik-Spezial-Schaumstoff (Pyramiden) zugekleistert und damit ein halbes Vermögen verballert… Mit dem Ergebnis, dass sowohl die Aufnahmen in dem Raum, als auch die normale, wahrgenommene Akustik einfach nur beschissen waren und sich alles schlicht tot und leblos angehört hat…

Schaumstoff ist nicht das Allheilmittel, macht den Sound oft sogar schlimmer als besser. Mit ein paar Vorhängen, Teppichen und (wenn ihr unbedingt Geld ausgeben müsst) gezielt platzierten Absorberplatten, kann man für weniger Geld oft viel mehr rausholen.

Und mein ewiges Mantra, das ich schon zu oft wiederholt habe: Bevor nicht in ein ordentliches Mikro und ggF mal ein vernünftiges Vocal-Plugin (Kompressor/EQ etc) investiert wurde, braucht man auch nicht über eine sündhaft-teure Akustikmaßnahmen nachdenken.
Wer mit einem 100-Euro-Billo-Mike ohne Spinne und Popschutz aufnimmt Sollte erstmal hier investieren.

Klar, man braucht eine gewisse Grundqualität. Aber bei der Kosten/Nutzen-Rechnung schneiden Raum-Akustikmaßnahmen EXTREM schlecht ab.
War letztlich auf einem Sprecherseminar. Die 120 Euro waren zehn mal besser angelegt, als jeglichen Technik-Firlefanz den ich mir hätte zulegen können…

lg, Dave


#5

Hallo Dave,
ich möchte Dir bzgl deines dritten Absatzes heftigst widersprechen. Als erstes muss die Aufnahmesituation stimmen und dann die Technik.
Dir nützt das geilste Mikrofon in keiner Weise, wenn Du eine ruhige Passage auf dem Bahnhof aufnehmen möchtest. Sprich: Wenn es leise und “trocken” klingen soll, muss auch der Raum leise und trocken sein.
Was mich aber richtig auf die Palme bringt, ist, dass ein 100 Euro “Billo-Mike” für guten Sound nicht ausreicht und erst mal investiert werden muss.
Ich unterlasse hier an dieser Stelle einen Kraftausdruck, den ich zu gerne benutzt hätte. Es stimmt: Popschutz, ggf. Spinne, jedenfalls irgendeine Entkopplung vom Boden und ein ruhiger Raum sind die Voraussetzungen für guten, trockenen Sound. Aber auch nur dafür. (Und das geht auch mit einem 15 Euro Mikrofon)


#6

Für dieses Statement gebe ich dir das nächste Mal ein Bier aus, wenn wir uns über den Weg laufen <3


#7

GERADE dann, wenn Du ein Interview in einer lauten Umgebung aufnehmen willst, brauchst Du ein passendes Mikrofon (mit entsprechender Richtcharakteristik).

langsam, langsam… Bitte nicht vermischen… Es gibt hier zwei verschiedene Ansätze, die oft verwechselt werden
a) Schalldämmung: Die Aufnahme vor Sound von Außen schützen (oder andersrum)
b) Den Sound INNEN verbessern

Beides sind zwei komplett unterschiedliche Ansätze, die nichts miteinander zu tun haben. Und klar, wenn es um Schalldämmung geht… Kein Thema: Baller alles voller Schaumstoff! Schalldämmung kriegt man nur über Masse hin. Da ist dann die Kabine sicher nicht unbedingt eine schlechte Wahl.
Aber: Dadurch kriegt man keinen guten Sound!

Ich weiß nicht, woher immer dieser Mythos kommt "Trocken = Gut"
Das ist totaler Bullshit. Man schaue sich da nur moderne Top-Studios an. Die Aufnahmeräume sind da auch nicht so gestaltet, dass man jede Reflektion eleminiert… Man versucht nur durch die Architektur stehenden Wellen, Flatterechos und ungünstige Resonanzen verhindern, aber nicht einen toten, “trockenen” Sound erzeugen.

Es bringt auf jeden Fall mehr, statt einem 100 Euro Mikro ein 300-Euro Mikro zu kaufen, als dass man vierstellige Beträge in eine Aufnahmekabine inverstiert - und auch wenn Du Dich da aufregst, zu dieser Aussage stehe ich.

Ich bin der letzte der behauptet, dass man nur mit 1500-Euro Neumännern gute Aufnahme machen kann. Aber wenn ich diese 1500 Euro zur Verfügung hätte, um meine Podcast-Aufnahmen zu verbessern, ich würde in alles Mögliche investieren - nur ganz sicher nicht in Schaumstoff und eine Aufnahmekabine.

Es muss kein teures Equipment sein, und es gibt auch immer wieder schöne Schnäppchen wie das HMC Headset, wo man für wenig Geld recht gutes Equipment bekommt. Aber irgendwo gibt es auch eine Grenze - nenne ich gerne Schrottgrenze. Das ist der Betrag unter dem man nur Schrott bekommt - und 15 Euro für ein Mikrofon ist definitiv unter dieser Grenze…

Und klar, man kann sich jetzt teures Post-Production Equipment (und wegen mir auch eine Gesangskabine) um dieses Defizit wieder auszubügeln. Aber klüger ist es einfach, in ein besseres Mike zu investieren.

Und wie schon gesagt: Man braucht eine gewisse Grundqualität, aber ich kenne jetzt keinen Podcast, der von der Klangqualität so beschissen ist, dass ich mir den nicht anhören kann (viele User hier kommen aus der Nerd-Ecke - sprich, sie führen eh schon oft Materialschlachten) - dagegen kenne ich ZIG Podcasts von Leuten, bei denen man was Sprache, Gesprächsführung und Stimme angeht, noch ECHT viel rausholen könnte.

Anstatt jetzt also vierstellige Beträge zu investieren, um die Qualität nochmal um zwei-komma-acht Prozent anzuheben, sollte man die Kohle lieber woanders investieren, wo man noch richtig was reißen kann…


#8

Handtücher an der Wand sollen wohl auch helfen :slight_smile:


#9

Muss es denn eine komplette Kabine sein? Da gibt es doch heute schon dieser wahnsinnig günstigen Dinger, wo man nur noch den Kopf reinhalten braucht :slight_smile: Google mal danach - hatte ich neulich bei Amazon gesehen.


#10

Ich kenne die, aber ich finde die mit knapp 800 Euro weder günstig, noch praktisch. Wir sind am planen und ich werde auf dem Laufenden halten, wie es wird.


#11

Also, Dinge haben sich geändert, statt einer Aufnahmekabine wird nun einer kleiner Raum zum Studio umgebaut. Dokumentation folgt, eine Sache wollte ich euch jetzt schon zeigen, weil ich es sonst nirgends gefunden habe: Eine abgekoppelte Halterung für den Mac Mini.

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Der Mac ist in einem Schrank innerhalb des Studios, sodass er so geräuschfrei wie möglich bleibt. Im Schrank will ich ihn an die Wand hängen, aber hatte Angst, dass die Vibration durch den Lüfter in den Raum weitergegeben wird. Ich habe online keine abgekoppelte Halterung gefunden, am liebsten hätte ich sowas wie eine Spinne für den Rechner gehabt, gibts wohl nicht. Also habe ich mir aus zwei Haken, Dichtbänder von Weck-Gläsern und Gummibändern eine Halterung gebaut. Jetzt kann man ins Studio, kurz den Schrank öffnen, den Rechner anmachen und danach die Tür wieder schließen. Fast alles andere ist noch nicht aufgebaut oder fertig, aber bin ich ziemlich begeistert von dieser Halterung und ich wollte sie euch zeigen.