Audiointerface für das DT297 Beratung

Hallo zusammen,

ich bin ein kompletter Neuling im Audio Bereich und musste mich daher in den letzten Tagen viel einlesen.
Inzwischen bin ich zu dem Entschluss gekommen, dass ich mir für den Podcast Start ein beyerdynamic DT 297 gönnen möchte, da ich ein Freund von Headseats bin.

Nun habe ich leider überhaupt keine Ahnung von Audiointerfaces. Ich weiß, dass hier viele auf das Zoom H6 schwören oder auch das Zoom LiveTrak L-12 oder der Rodecaster Pro.
Meine Frage wäre hier, was ihr zum Einstieg empfehlen würdet? Muss da zum Start direkt ein 300-500€ Interface sein oder kann ich das DT 297 auch an einem günstigeren Modell gut betreiben (und wenn ja an was für einem)? Anschließend soll das ganze in einem aktuellen MacBook Pro in Ultraschall fließen.

Kurz zum Hintergrund zur besseren Einordnung:
Podcast wird mit 2-3 Personen stattfinden und meistens per Remote Schaltung. Nicht immer remote, aber meistens. Da es sich bei der dritten Person um wechselnde Interviewpartner handelt, werden diese vermutlich mit normalem Audioequipment zugeschaltet oder per Telefon, da wir dort auf das Equipment keinen Einfluss haben. Mobiler Einsatz auf Messen oder ähnlichem ist nicht notwendig.

Vielen dank für euer sehr hilfreiches Forum und die coole Community hier!
Viele Grüße Pablo

Ich denke du solltest die folgende Fragen stellen:

  • Wie viele Teilnehmer wirst du lokal / remote haben?
  • Welche Ausrüstung möchtest du verwenden (insbesondere welche Phantomspeisung brauchen die Mikros)?

Gleich vorweg:
Ich kenne nicht jedes Gerät, ich teile nur meine Pro/Contra-Punkte für meine Entscheidung mit

Mal ein bisschen Auswahl:

Focusrite Scralet solo (109 Euro)

  • 1 Eingang (Phantomspeisung 48V)
  • Phantomspeisung mit 48V

Pro:

  • Gut für lokales Studio

Contra:

  • Stromanschluss notwendig
  • Kein lokaler weiterer Sprecher möglich
  • Aufnahme nur über Computer möglich, kein Standalone-Betrieb

Hinweis:
keine persönliche Erfahrung mit diesem Interface

Focusrite Scarlet 2i2 (165 Euro)

  • 2 Eingänge (Phantomspeisung 48V)
  • 1 Ausgang (nur ein Monitoring verbaut möglich, sonst Kopfhörerverteiler - siehe weiter unten)
  • Stromanschluss notwendig

Pro:

  • Gut für lokales Studio

Contra:

  • Stromanschluss notwendig
  • Nur ein lokaler weiterer Sprecher möglich
  • HMC660 nur möglich mit Spannungsteiler (1 Euro Anleitung im Sendegate)
  • Aufnahme nur über Computer möglich, kein Standalone-Betrieb

Hinweis:
keine persönliche Erfahrung mit diesem Interface

Zoom H6 (306 Euro)

Pro:

  • Aufnahme direkt auf SD-Karte (Stereo Mix oder Multichannel)
  • Flexibler Einsatz mit Batterie / Akku / Netzteil-Betrieb
  • Phantomspeisung wählbar zwischen 12 / 24 und 48 V (nur für alle Kanäle, nicht individuell) - daher ist der Betrieb von DT 297 und HMC660 bei Einstellung auf 24V ohne weitere Zwischenkabel möglich

Contra:

  • Monitoring-Ausgang in 3,5mm Klinke (Adapterkabel nötig: 3,5mm auf 6,2mm Klinke + 6,2mm Klinke weiblich auf 6,2mm Klinke weiblich bei einem Sprecher, sonst nächster Punkt)
  • Bei mehren Sprechern ist ein Kopfhörervertärker anzuraten
  • Durch die kompakte Bauweise ist das Menü natürlich weniger Komfortabel (Wipptaste auf ab inkl. Druck für Auswahl + Menütaste)

Hinweis:
Für mich das Gerät der Wahl aufgrund der Flexibilität und der kompakten Bauweise

Rodecaster Pro (574 Euro)

  • Für 4 Ein- und Ausgänge ausgelegt
  • Zusätzlich TRRS für Telefon-Verbindung
  • USB Eingang für Skype / StudioLink etc.
  • Soundboard mit inkludiert mit 8 belegbaren Tasten
  • Monitoring kann auch für jeden einzeln in der Gesamtlautstärke variiert werden)

Pro:

  • All in one Gerät
  • Aufnahme direkt auf SD-Karte (Stereo Mix oder Multichannel)
  • Standalone ohne Computer nutzbar
  • Kein weiteres Gerät notwendig bei mehreren Sprechern

Contra:

  • HMC660 kann nicht direkt mit guter Qualität betrieben werden (siehe HMC660 an 48V)
  • Auch mit der Zwischenkabel-Lösung hatte ich ein Fiepen mit dem HMC660 am Rodecaster (kann aber auch nur mein Gerät gewesen sein - keine Ahnung)
  • Filter lassen sich nur recht oberflächlich einstellen
  • XLR- und Kopfhörer-Anschlüsse liegen recht weit auseinander - das Kabel des DT297 ist gerade für Eingang 1 nicht weit genug geöffnet, daher müsste das Ende eventuell weiter geöffnet werden oder ein Zwischenkabel verwendet werden, wenn man die Kabel nicht belasten möchte

Hinweis:
Habe ich getestet, ich hatte mit meinem Setup aufgrund der Mischung aus DT 297 und HMC660 aber Probleme.

Zoom Livetrack L-8

Ein Versuch von Zoom stärker in den Podcast-Markt zu gehen - so wie ich das sehe aktuell noch nicht auf dem Markt und auf umstritten.

Pro:

  • Standalone-Betrieb möglich ohne Computer
  • Aufnahme direkt auf SD-Karte möglich

Contra:

  • In meinen Augen ist das Soundboard nicht wirklich gut gelöst - sehr kleine Knöpfe

Hinweis:
Soweit ich sehe noch nicht auf dem Markt, daher auch keine persönliche Erfahrung.

Zoom Livetrack L-12 (499 Euro)

Pro:

  • Bis zu 8 Sprecher
  • Individuelle Monitor-Abmischung pro Ausgang
  • Aufnahme direkt auf SD-Karte möglich

Contra:

  • Recht großes Gerät - ich denke das wäre für dich beim Großteil der Einsätze von Volumen her mit Kanonen auf Spatzen geschossen
  • Bei mehr als 5 Sprechern keine individuelle Abmischung mehr für jeden und ein Verstärker nötig - siehe unten
  • So wich das lese nur 48V Phantomspeisung

Hinweis:
War für mich von vorn herein zu groß in der Bauweise, da wohl meistens nur mit 2-3 Sprechern gearbeitet werden wird.

Mehrere Sprecher am H6 / Scarlet 2i2

HMC660 an 48V Phantomspannung

Mein persönliches Fazit

  • Ich wollte flexibel sein, daher kein Scralet
  • Kleine Bauweise war wichtig, daher kein L-12
  • Rodecaster Pro habe ich getestet, leider ging das Gerät aus genannten Gründen wieder zurück
  • Meine Wahl fiel auf das Zoom H6, Kopfhörerverstärker und opt. mit Ultraschall, Midi Pad für Soundboard-Steuerung
    • Vorteil: Kann sehr kleine Kompo sein wenn der Rest nicht benötigt wird
    • Nachteil: Mehrere Geräte wenn Soundboard-Steuerung und mehrere Sprecher - mehr Kabelgewirr

Ich hoffe, dass ich dir damit die Auswahl etwas erleichtern kann.
Alle Angaben aber ohne Gewähr.

Schönes Wochenende,
Daxi

9 Like

Ach ja bezüglich Soundboard-Steuerung in Ultraschall:

Es gibt da zwei ganz interessante Geräte:

  • Akai MPX16 (169 Euro)
    • Die Midi-Noten müssen aber händisch eingestellt werden, daher flexibel z.B. 8 Soundboard-Pads, 8 andere Pads wie z.B. Umschalten von Preshow auf Aufnahme etc.
  • Korg nanoPad 2 (59 Euro)
    • hier weiß ich die Konfiguration allerdings nicht ob und wie die Tasten individuell belegt werden können.

Zu den MIDI-Noten für das Soundboard:

/edit:
Gerade ein Video gefunden, das die Konfiguration der Midi-Noten am Korg nanoPad2 zeigt:

5 Like

Vielen Dank @Daxi für die großartige Hilfe und die vielen Erklärungen. Das hat mir auf jeden Fall stark weitergeholfen!

1 Like

Tasten können individuell belegt werden, das Touchpad kann auch deaktiviert werden. Allerdings hat der Benutzer hoffentlich noch nicht auf das Update auf macOS Catalina gemacht, der KORG Kontrol Editor ist nämlich in 32bit!

1 Like