Adobe Audition für Ultraschall-Nutzer

Hallo zusammen! Ich habe für die Arbeit Adobe Audition installiert (Reaper/Ultraschall bei uns zu bekommen ist nicht einfach) und stehe nur vor der Herausforderung, meinen gewohnten Ultraschall-Workflow auch in der Software zu nutzen.

Kennt sich jemand mit beiden DAWs und könnte mir helfen?

Also ich kenne mich ziemlich gut mit Audition aus … was meinst Du mit Workflow, bzw. wie sieht er denn im Moment aus? Ggf. kann ich mich am WE mal dran machen und ein paar Screenshots etc. zusammen stellen.

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Also mich würden für den Anfang die Filter wie “Ultraschallt Dynamics” interessieren, dann die Möglichkeit die Spuren zu muten, zu schneiden (Cmd Y, Cmd X in Ultraschall).

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Den Dynamics2 nachzubauen wird fast unmöglich sein, da es eben keine simple Kombination aus Kompressor/Noisegate ist sondern eine sehr eigenständige Erfindung.

Der Quelltext ist natürlich Open Source, baut aber auf der REAPER-eigenen Effektsprache JSFX aus und kann etwa nicht ohne weiteres als VST in andere DAWs eingebunden werden.

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Bei Audition gibt es dafür Presets und andere Noisefilter :wink: Also in sofern gilt es eine gewisse Übersetzung herzustellen.

Okay, alles klar. Ich setze mich am Samstag mal dran und zeig ein paar Dinge.

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Sehr gerne hier im Sendegate, das ist sicher auch für andere interessant.

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Okay, hier geht es los.

Gleich vorweg. Ich zeige hier jetzt nicht, welche Einstellungen zu welchem Ergebnis führen, denn jede Aufnahmesituation und jedes Rohmaterial ist anders. Daher zeige ich hier, wo man was findet um sein Material zu bearbeiten.

Schritt 1 - Programm starten
Wenn Du Audition das erste Mal öffnest, sollte es ungefähr so aussehen.


In der markierten Stelle befindet sich der Knopf um in die Multitrack-Ansicht zu gelangen. Wenn Du da in diesem Zustand draufklickst, öffnet sich ein Fenster um eine Session einzurichten.

Von oben nach unten:
Du kannst einen Namen festlegen, dann einen Ordner definieren, in dem das Projekt und alle dazugehörigen Dateien, wie zum Beispiel die einzelnen Tracks etc, gespeichert werden.
Die Vorlage ist zunächst nicht interessant, aber Du könntest zum Beispiel ein Set festlegen, dass bestimmte Sache direkt einstellt, wenn Du eine neue Session anlegst.
Bei der Abtastrate kannst Du die entsprechende Hz Zahl einstellen, ich glaube in letzter Zeit hat sich 48000 Hz eingebürgert.
Die Bittiefe und das endgültige Master würde ich nicht anfassen (also 32 und auf Stereo)
Wenn Du OK klickst, gelangst Du in die Multitrack-Ansicht.

Bitte nicht wundern, ich habe hier ein sehr altes Projekt geöffnet, normalerweise sind da natürlich keine Wellenform drin.
Auf der linken Seite findest Du verschiedene Fenster an der Timeline (das große Fenster in der Mitte) angedockt. Von oben nach unten siehst Du bei mir da die Projektdateien, das Effekterack und die Loudnessanpassung. Du kannst über den Menüpunkt “Fenster” verschiedene Fenster aufrufen und hinzufügen.
Um eine Aufnahme zu starten, kannst Du, wie auch bei Ultraschall/Reaper) jedem Track seine Quelle zuweisen. Dazu klickst Du auf das Dropdown beim Pfeil nach Rechts, was den Eingang symbolisiert. Wenn Du ein Mikrofonhinzufügen willst, dann kannst Du das unter “Mono” tun.
Den Ausgang (Pfeil nach Links) solltest Du nicht anfassen.
Um die Aufnahme zu starten musst Du alle Tracks, die aufgenommen werden sollen, “scharfschalten”.

Dazu musst Du nur auf das “R” klicken, so dass es rot wird. Dann erscheint auch eine Pegelanzeige, mit der Du noch mal die richtige Lautstärke am Interface einstellen kannst. Die Aufnahme startest Du dann, in dem Du auf den Aufnahmebutton unten im Hauptfenster klickst. Die Aufnahme startet dort, wo der Curser in der Timeline steht. Die Aufnahme stoppst Du, in dem Du auf den “Stopp” Knopf (das Quadrat) klickst.
ACHTUNG - Wenn Du mit dem Curser zurück fährst und dann eine weitere Aufnahme startest, wird nicht die Aufnahme überschrieben, sondern eine neue Aufnahme auf dem selben Track gespeichert. Am Ende hast Du also zwei Dateien auf dem selben Track übereinander. Wenn die Aufnahme also beendet ist, einfach wieder die kleinen Rs im jeweiligen Track durch klicken deaktivieren.
Wenn Du jetzt deine jeweiligen Tracks bearbeiten willst, gibt es zwei Wege. Der erste ist in der Waveform-Ansicht. Dazu musst Du im Multitrack einfach nur einen Doppelklick auf dem jeweiligen Track machen.

In dieser Ansicht kannst Du die Waveform im Detail bearbeiten. Dabei arbeitet Auditon sowohl nicht destruktiv als auch destruktiv. Das bedeutet, auf der linken Seite findest Du ein Effekterack, dazu später mehr, dass nicht destruktiv arbeitet, das bedeutet, die Effekte die über dieses Rack angewendet werden, verändern die Datei nicht physisch Jeder Effekt lässt sich abschalten. Hier sind aber nicht alle Effekte möglich. Ein paar Effekte sind über den Reiter “Effekte” zu erreichen, die destrucktiv sind, das bedeutet, wenn diese angewendet werden, wird die eigentliche Datei geändert. Nach dem Speichern und Schließen des Programms lassen sich diese Änderungen nicht wieder rückgängig machen. (#Backup :wink: )
Du kannst die Wellenform stark im Detail vergrößern. Dazu kannst Du die Zoom-Werkzeuge unten rechts verwenden, oder im oberen Bereich diesen kleinen “Schlitten” Mit der Maus kannst Du den linken und rechten Rand anklicken und halten und damit den Zoomfaktor einstellen.

Workflow

Wenn ich meine Dateien bearbeite beginne ich bei der Rauschunterdrückung. Audition bietet hier zu als einzige DAW auf dem Markt eine super einfache Möglichkeit. Dazu muss man sich nur eine Stelle suchen, in der ein paar Sekunden nur das Rauschen aufgezeichnet wurde. In der Regel nehme ich zu Beginn der Aufnahme immer ca 30 Sekunden ohne zu sprechen auf. Aber schon ein paar Sekunden reichen. Diesen Bereich markierst Du (einfach die Maus klicken und ziehen in der Timeline)


Dann klickst Du auf “Effekte” -> “Rauschminderung/Wiederherstellung” ->“Geräuschmuster speichern” an. Da passiert noch nicht viel. Dann zoomst Du komplett raus, so dass die gesamte Datei zu sehen ist. Mit einem Doppelklick markierst Du die gesamte Datei. Dann klickst Du auf “Effekte” ->“Rauschminderung/Wiederherstellung” ->“Rauschminderung (Prozess)”

Hier kannst Du die Rausminderung dann einstellen. Unten rechts siehst Du einen Ein/Ausschalter, einen Playbutton und einen Wiederholungsbutton. Diese drei Bedienelemente findest Du in jedem Effekte Dialog. Mit dem Wiederholungsbutton kannst Du den ausgewählten Bereich in Dauerschleife wiederholen lassen, wenn Du Play klickst, oder nur ein Mal abspielen. Mit dem Ein/Ausschalter kannst Du bei der Wiedergabe des ausgewählten Bereichs den Effekt ein- oder eben ausschalten und den Unterschied hören. Von allen Effekte, die ich benutze ist das der einzige, der immer destrucktiv arbeitet. Das bedeutet, wenn Du diesen Effekt anwendest, die Datei speicherst und dann Audition schließt, ist die Änderung final in der Datei. Nach dem Speichern kann man oft noch ein paar Schritte wieder rückgängig machen. Sollten die auch aufgebraucht sein, ist diese Änderung final in der Datei.

Die Rauschreduzierung hier ist sehr effektiv.

Kommen wir zu den Dynamic Effekten.

Du findest alle wichtigen Effekte unter “Effekte” im Menü oben. Alle Effekte die die Amplitude betreffen findest Du unter “Amplitude und Komprimierung”


Der Effekt “Dynamikverarbeitung” ist hier einer der interressantesten und vielseitigsten, ähnlich wie in Ultraschall.

Hier findest Du eine Menge an Vorgaben/Presets, die das Leben sehr erleichtern. Ein Expander, der leise Störgeräusche wegfiltert, DeEsser in verschiedenen Variaten und ein paar Stimmeffekte.
Um dann die Waveform zu komprimieren empfehle ich den Multiband Kompressor.

Den findest Du unter “Effekte” ->“Amplitude und Komprimierung” ->“Multibandkompressor”. Hier kannst Du auch aus verschiedenen Presets wählen, die die Arbeit stark erleichern. Entscheidend ist hier eventuell das Ausgangssignal etwas leiser zu drehen. Dazu brauchst Du nur den vertikalen Regler auf der rechten Seite nach unten oder oben zu schieben, bis das Signal nicht mehr übersteuert.
Audition hat noch eine One-Klick Lösung, die sich unter “Effekte” ->“Spezial” ->“Stimmoptimierung” versteckt. Dort gibt es einen Effekt, der eine Reihe von Effekten vereint und so die Stimme “verbessert”

Hier brauchst Du nur “männlich” oder “weiblich” auswählen und OK klicken, und das wars.
Im Grunde kannst Du dann die Datei speichern und über einen Klick auf “Multitrack” wieder zurück in die Multitrack ansicht wechseln.
Hier gibt es ebenfalls das Effekte-Rack. Je nachdem welcher Track ausgewählt wurde, können diesem verschiedene Effekte zugeordnet werden. Das sind fast alle Effekte, bis auf die Rauschminderung in unserem Beispiel.

Du kannst einen Effekt hinzufügen, in dem Du auf einend er kleinen Pfeile klickst, den gewünschten Effekt auswählst und die entsprechenden Einstellungen tätigst und dann OK klickst. Um Änderungen an einem bestimmten Effekt zu machen, kannst Du den Pfeil des jeweiligen Effekts anklicken und dann auf “Effekt bearbeiten” klicken.

Du kannst Effekte einfach ein- und ausschalten, in dem Du auf den kleinen Schalter links klickst. Wenn Du einen Effekt nicht mehr möchtest kannst Du auf den kleinen Pfeil klicken und dann auf “Effekt entfernen” klicken oder einfach einen anderen Effekt auswählen. In diesem Fall wird in diesem Bereich der neue Effekt angezeigt. Über den kleinen Drehregler “Ausgang” kannst Du das Signal der Effekte etwas leiser oder lauter drehen, damit deine Datei nicht als ganze zu laut wird.
Welcher Track gerade ausgewählt ist siehst Du oberhalb der jeweiligen Effekte.

Mixdown

Um eine einheitliche Loudness für alle Tracks zu bekommen gibt es die “Lautstärke-Anpassung”. Dazu kannst Du alle Tracks, die Du im Mixdown also in der endgültigen Datei verwenden willst im Projekt-Fenster auswählen und per Drag & Drop in das “Lautstärke-Anpassung” Fenster schieben. Dann wählst Du die gewünschte Loudness aus (EBU R128 bedeutet -23LUFS. Du kannst aber jede gewünschte LUFS Zahl mit dem Preset “ITU-R BS.1770-3 Lautstärke” einstellen und dann dein eigenes Preset speichern.
Mit “Ausführen” werden alle Tracks auf die richtige Loudness eingestellt.

Unter “Datei” ->“Exportieren” ->“Multitrack -Abmischung” ->“Gesamte Session” kannst Du dann deinen Podcast speichern.


Hier gibt es dann verschiedene Optionen, wie die Datei am Ende aussehen soll. Von oben nach unten:

Hier kannst Du einen Dateinahmen vergeben. Du kannst einen neuen Ordner für Deine Datei auswählen und Du kannst verschiedene Endformate auswählen. Du hast die Wahl aus:
AIFF
Monkeys
libsndfile
Flac
Ogg
3pg/aac/wma
mpg2-aac
Wav
mp3
Danach kannst Du die Samplerate ändern und danach verschiedene Einstellung für das jeweilige Dateiformat einstellen, also zum Beispiel die Komprimierung für das MP3.
Dann einfach auf OK klicken und den Computer machen lassen.
Fertig.
Das sollte als Einstieg reichen. Gerne gehe ich tiefer auf spezielle Dinge bei Fragen ein.

ACHTUNG!
Wenn ich mich richtig an meine Audition-Zeit erinnere, dann arbeitet Audition (anders als Ultraschall/Reaper, Ardour, u.ä.) DESTRUKTIV - ähnlich wie Audacity. Das heißt, nach dem Bearbeiten sind die Original-Spuren KAPUTT.
Mach’ also vorher eine Kopie der Originale!

Wow! Super, Christoph, vielen Dank! Ich mache mich später dran und probiere es aus :slight_smile:

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Das ist in anderen DAWs ganz ähnlich gelöst. Hier beschreibe ich den entsprechenden ReaFir Effekt in Ultraschall/REAPER: